Montag, 28. Januar 2013

Grey's Anatomie in Cannstatt

So. Wieder zuhause. Bei den Katzen. Die nach den ersten Freudenattacken mich misstrauisch betrachteten. Bzw meine Gehhilfen. Umgangssprachlich auch Krücken geschimpft. Wenn sie bis jetzt nur zwei Beinen ausweichen mussten müssen sie jetzt vier Beine im Auge behalten. Das ist aber eine andere Geschichte.
Krankenhäuser sind nicht unbedingt der Ort an dem man zu sein wünscht, außer man ist Masochist, Hypochonder oder Ärztegroupie. In Stuttgart gibt es eine Klinik, bei der man fast glauben könnte in einer amerikanischen TV-Serie gelandet zu sein:
Die Sportklinik in Cannstatt.Die Ärzte dort sind nicht nur fähig - die sehen ALLE auch noch gut aus. Und sind freundlich. Und Charmant. Und witzig. Irgendwie möchte man dann nicht mit orange angepinselten Bein mit Eddingzeichen darauf malad im Bett hängen, blass und mit zerstörter Frisur.
(Es soll ja Frauen geben die, wenn sie krank sind, hinreißend aussehen. Ich gehöre NICHT dazu. Ich sehe krank aus. Sonst nichts. Aber das ist nicht das Thema.)
Fangen wir mit Dr B. an. Mindesten 1,85 groß, milchkaffeefarben, schlacksig und mit dem hinreisendensten  Lächeln, dass ihr je gesehen habt, Sein Kollege Dr. Bx nicht ganz so hinreisend, dafür mit einem mitreisenden Humor und zartfühlenden Händen.
(Stoßseufzer).
Was sie mir zu vermitteln hatten, war NICHT schön (2 Operationen am Knie), aber ich erwischte mich dabei, selbst das hinreisend zu finden so lange diese Beiden um mich sein würden.
Waren sie leider nicht. Dafür etliche andere und - es nahm kein Ende: irgendwann fing ich an nach einem Kamerateam Ausschau zu halten. Ich kam mir vor wie bei Grey's Anatomie, Emergency Room und Dr. House in einem... selbst die kauzige Nachtschwester fehlte nicht.
Leider galt diese Starbesetzung nicht für meine Zimmergenossinen, eine sehr lieb, die andere garstig, die immer mit einer Krücke, Kapitän Ahab gleich (tock-tock-tock) aus dem Zimmer humpelte um sich ihre Lungen mit Rauch zu füllen und uns dann in den Genuss ihres verschleimt klingenden Husten zu unterhalten.
Und wie oft kommt es vor das der Chirurg am Bett auftaucht und sagt: *Sie habe ich doch vor zwei Jahren schon am Kreuzband operiert, was haben Sie denn angestellt?*, dabei aber so freundlich lächelt und keinen Vorwurf in der Stimme hat, dass ich mich genötigt sehe fast zu zerfließen und es mir entschlüpfte: *ich wollte Sie unbedingt wieder sehen!*
Gut, der Mann hat Humor und lachte mit. (Oder er hat Erfahrung mit Stalkerinnen) (Nein, ich bin keine Stalkerin, aber die Ärzte dort sehen echt verdammt gut aus).
Nun, Krankenhausaufenthalte sind nicht witzig. Überall lauern Keime, peinliche Situationen, Blutbeutel und Spritzen. Aber irgendwie schaffen die es in der Sportklinik, dass es einem nicht ganz so schlimm vorkommt.
Das was mich am meisten verblüffte, auch schon bei meine ersten Aufenthalt dort war die *Durchreiche*: Wenn man in den OP-Saal kommt wird man mit dem Transportbett an eine Durchreiche gefahren, die sehr, sehr stark an eine Essensdurchreiche in einer Kantine erinnert. Im Fahrstuhl hatten die Stationsschwester und ich noch gequatscht und darauf gekommen, dass wir beide beim Depesche Mode Konzert am 3.6 in Stuttgart beide FOS (Front of Stage Karten) haben. Wann klatscht schon mal ein Patient einer Schwester die Hand ab? 5High im Fahrstuhl zum OP? Und dann diese Durchreiche. Irgendwie kam ich mir vor wie eine Hafermastgans auf dem Weg zum Küchenchef und sagte das auch. Ich muss wohl nicht betonen, dass selbst hier gelacht wurde.Und Beim Durchgeschoben werden vermisste ich irgendwie ein Kressebett.
Die sind toll dort. Das gesamte Personal. Bis auf den einen piefigen OberOber-Oberarzt. Aber der behandelt ja auch nur Privatpatienten. Und das bin ich ja auch nicht (Wofür ich in diesem Fall sehr dankbar bin).. Die Putzfrauen sind freundlich, die Schwestern bemühen sich die Launen der Patienten zu ertagen ohne zurück zu hauen, das Essen ist okay, die Praktikanten jung, hübsch und süß - und: irgendwie fehlt diesem Krankenhaus der Mief und die Tristess der öffentlichen Klinken und das Bigotte der christlich geführten.
In einem Monat muss ich noch einmal hin. Nein, ich freue mich zwar nicht, dass ich noch einmal operiert werden muss, aber ich weiß, dass ich was zu gucken haben werde.
Hm. Ärztefrau......
die Tabletten müssen mir das Hirn vernebelt haben.


Kommentare:

  1. Na, Du Hafermastgans ;-) ... amüsanter Artikel ist das! Den werde ich doch glatt mal teilen...

    LG
    Sabine v. Liebstöckelschuh

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  2. isch fühle mich geehrt Blog_Swani ^^

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