Dienstag, 12. Februar 2013

Tag am Meer

An manchen Tagen kann ich das Meer hören, das Rauschen der Wellen. Dann erfasst mich eine unerklärliche Sehnsucht und ich steige auf den Dachboden meiner Erinnerungen, krame die Boxen hervor und öffne sie, lasse all die schönen Momente wieder auftauchen und lasse sie auf der Leinwand in meinem Kopf abspielen. Kopfkino hat den den Vorteil, dass es keine Mitbesucher hat, die vergessen ihr Handy aus zu schalten oder laut Tortillachips neben einem knuspern.
Aber es ist auch niemand neben dir, der den Moment mit dir teilt.
Wenn ich die Kiste der Erinnerung aufklappe rieche ich zuerst das Meer, unvergleichlich, der Wind trägt ihn zu mir, der Sand unter meinen nackten Füssen gibt nur etwas nach und umschließt dann meine Haut, feucht und Kühl und auf eine ganz bestimmt Art. Die Luft schmeckt nach Salz, nach Meer. Über mir die Möwen und ihr Ruf lockt mich. Die langen Halme des Dünengrases wiegen sich im unendlichen Strom der Zeit.
An der Wasser-Landgrenze versammeln sich die Schalen der zerbrochenen Muscheln, Kinder sammeln sie  ein. Und ich stehe im Wind, der an mir zupft und mit meinem Haar spielt. Ich bin zuhause.
Tag am Meer - Marianne Kreichgauer

Kommentare:

  1. Ja, die Sehnsucht teile ich :-)....und nix wie hin!
    Drück Dich, Rosemarie

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  2. "Tag am Meer" wirkt auf den Betrachter ebenso lebendig wie entspannend. Die leuchtenden türkisblauen Haare des Meermädchens erinnern an flaschengrüne Algen des Meeresgrundes, in die noch das Licht der Sone fällt.Die Blautöne des Meeres unterscheiden sich jedoch deutlich vom Blau der Haartracht. Dicht und wallend,und mit enormer Spannkraft wie in dicken Strähnen schwingt sich das Haar des Mädchens um den Kopf und fällt nach unten, wie auch der Körper Spannung und Stärke ausstrahlt, obwohl er eine entspannte Haltung einnimmt. Das Mädchen und die Katzen sind auf diesem Bild gesichtslos. Im Vordergrund steht die Natur und ihr Einfluss und ihr Zusammenspiel mit dem menschlichen Dasein. Im Hintergrund zeigt das aufgewühlte Meer zudem, dass es nicht mehr lange beim geruhsamen Ausruhen mit Katzen bleibt. Auch das Meer steht ja im Hintergrund bereits im Bann des Sturms, drohende Wolken spiegeln sich bereits im Meer. Die Dünen sind jedoch ebenso Trennung vom Meer, wie auch mit diesem verbunden, auch sie sind ja ebenfalls durch das Meer geformt. Die Verbundenheit der Elemente zeigt sich auch in den rostroten Wolkenfetzen des Himmels, Farben, die sich in den Dünen wiederfinden. Das harmonische Wechselspiel von Heiterkeit und Unwetter - eins ist nicht ohne das andere - zeigt sich hier sehr deutlich.

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    1. wow! Danke für die Interpretation Martina. Gefällt mir sehr.

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