Mittwoch, 20. Februar 2013

Reportage aus dem Krankenhaus

*Morgen sind Sie dran!* ......und ich weiß, ich werde ihnen nicht entkommen.
Im Moment bin ich alleine, das fahle Neonlicht hinter mir scheint auf mein Laptop, im Flur sind noch Stimmen  und Geklapper zu hören, beide Nachbarbetten sind leer und noch mit Schutzhüllen aus stumpfen, semi-transparenten Plastik überzogen, vor dem Fenster lauert die Nacht.
Dabei ist es erst sieben Uhr.
Ich bin müde, meine Stimmung schwangt zwischen kaltschnäuzigen Trotz und angstvollen Panikattacken.
Man hat mir mit einem Lächeln und blauem Stift das rechte Knie mit unleserlichen Zeichen bemalt - und einen kleinen Smilie hinzugefügt. Das letztere fand ich ja schon wieder nett.
Da ich weiß, was man morgen eben mit diesem Knie machen wird ist mir etwas mulmig und man hat mir etwas zum Schlafen gebracht. Aus den anderen Zimmern höre ich den Klang des Rufzeichens. Krankenhausgeräusche. Schritte von gummibesohlten Schuhen auf rutschfesten PVC Boden.
Der schnuckelige Stationsarzt, mindestens 20 Jahre Jünger als ich, also praktisch noch ein Kind, klärte mich heute nachmittag gut auf. Zu gut in meinen Augen.
Ich wollte nicht wissen, wo man wann was in mich stechen , was wo aufgeschnipelt, und was wie zersägt wird.  Auch nicht, dass man mit einer Nadel einen Nerv suchen, denn man im Anschluss betäuben würde.
"Wir lassen dann ihre Kniescheibe tanzen - hahahahaha." Ich lachte - etwas gequält-  mit.
Dann noch die Wörter Metallplatte und Stahlschrauben und meine erste Panikattacke steppte fröhlich durch mein Hirn und der Puls schoss durch die Decke, ohne zu vergessen den Blutdruck mit sich zu reisen.
In meiner Fantasie flüchtete ich in Richtung Ausgang, dass OP Hemdchen flatterte wild im Wind und der kalte Wind der Freiheit wehte mir schon um die blasse Nase - als mich, nicht blutrünstige Zombiepfleger, aber die Stimme der Narkoseärztin,  in die Wirklichkeit zurückholte.
Alle sind so nett hier. Und sehen so gut aus. Alles ist so sauber.
Fast wie in der Schwarzwaldklinik, ich frage mich nur wo der Haken ist.
Wenn ich mich bis übermorgen nicht melde schickt ihr bitte einen Suchtrupp aus, ja?

*bibber*

Kommentare:

  1. *Grusel# ... du hast mein volles Mitgefühl. Ich wollte auch schon mal aus dem KH flüchten!
    Ich drück dir alle Daumen für morgen!

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  2. du wirst nicht flüchten, sondern es genießen, dass du dich um nix kümmern musst, 3x täglich was zum Mampfen gebracht bekommst, das Bett gemacht und aufgeschüttelt kriext - und auch noch schnucklige Ärzte beflirten kannst. Du wirst dich nicht unterkriegen lassen.
    DU BIST MARIANNE!!!! :-D

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  3. Und hast du den Haken schon gefunden?
    Grüßle und Alles alles alles Gute!
    Veronika

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  4. Ich drücke Dir für morgen sämtliche verfügbaren Daumen und die großen Zehen noch dazu. Grüßles vom Chiemsee

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  5. Hahahaha, Susann, WENN ich Masochistin wäre, würde ich es genie?en, ja Sabine, mich gruselt es, der Haken ist der, an dem ich hänge und huhu zum Chiemsee ;)

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  6. Alles wird gut verlaufen - und hinterher umso besser

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