Samstag, 11. Mai 2013

*Dieser Blick wird Sie verfolgen*...

tönte es schaurig Ende der siebziger aus dem Radio und immer wenn ich an den Kinoplakaten von Omen III vorbei lief, so schien es mir, als würden mich die Augen des Kindes, das darauf abgebildet war, verfolgen. Oft rannte ich die letzten 100 m bis zur Haustüre der elterlichen Festung (ein geräumiges Einfamilienhaus) und warf dann, schwer atmend, die Tür hinter mir zu.
Noch schlimmer war es als der Film *The Fog* (Nebel des Grauens) in die Kinos kam. Jetzt muss man wissen, dass ich in einer Gegend aufgewachsen bin, die man getrost als *Hochmoor* bezeichnen kann. Oft war die *Nebelsuppe* so dick, dass man die Lichtkegel der Straßenlampen als Monde im Grau wahrnahm_ man sah die Aufhängung nicht. Ich setzte da keinen Fuß vor die Tür.  Die Geräusche klangen unheimlicher als an klaren Abenden. Meine Kindheit war angefüllt mit Schauermärchen über Irrlichter die unachtsame Wanderer ins Moor lockten, die armen Wanderer wurden nie wieder gesichtet, verschlungen vom schmatzenden Moor.
Wenn ich heute zu Besuch in der Heimat bin und einen Spaziergang mache schmunzle, ich schon ein wenig über die Gänsehautattacken, die mir diese Geschichten als Kind beschert haben und ich kann mich an das wohlige Gruselgefühl noch sehr gut erinnern.
Demnächst kommt wieder so ei Horrorschocker in die Kinos, ich werde ihn mir nicht ansehen. So was tue ich mir nicht mehr an. Lieber gucke ich Klassiker des Genres, in Schwarz/Weiß - die wussten noch wie man Spannung ohne viele Spezialeffekte und Ekelfaktor aufbaut. Und ich lese gerne ein lein wenig Horror. Oder Thriller. Oder Fantasie. Oder ein Gemisch daraus.
Das letzte Buch allerdings - nun ja, ich bin froh, dass ich es mir nur ausgeliehen habe (Danke Parla) und nicht käuflich erworben habe.
"Der Übergang" von Justin Cronin.
Der Witz: ich hatte keine Ahnung, um was es gehen würde, als ich anfing zu Lesen. Ich habe im Moment recht viel Zeit - ja, ich stakse immer noch an den Krücken durch die Welt - und da gehört Lesen eben zum Alltag.

Also fing ich an zu schmökern und am Anfang folgte ich der Geschichte sehr aufmerksam. Es las sich flüssig, die Charaktere waren sehr gut gezeichnet und dann - und dann dachte ich: oh nein, nicht schon wieder eine *28 Days Later*, *I'm Legend* Geschichte, Biohazard ect., Endzeitroman. Mal wieder die Ausrottung der Welt durch einen Virus. Aber noch mit einer Prise Vampirismus.
Wenn ihr jetzt denkt, es wird ein Totalverriss, dann muss ich euch enttäuschen. Das Buch ist nicht so schlecht geschrieben, aber die Story wurde schon zu oft erzählt, die Handlung ist teilweise vorhersehbar, eine Mischung aus  den ganzen Geschichten aus diesem Genre. Der Spiegel ist allerdings nicht ganz so gnädig.
Ich habe es zu Ende gelesen und es hat mich unterhalten. Aber gegruselt hat es mich nicht.
Während ich hier sitze und schreibe, fühle ich wie sich Blicke in meinen Hinterkopf bohren. Und ich weiß, wenn ich mich umdrehe wird etwas fürchterliches geschehen. Aber ich muss. Es ist ein Zwang, dem ich nicht entkommen kann. Hypnotisiert durch dir Schädeldecke. Mir wird kalt. Ich drehe mich um...
Und da sitzen meine zwei Fellbälle und starren mir Löcher ins Gesicht.
Das Signal ist eindeutig:
Füttere uns, füttere uns, füttere uns... ich kann nicht widerstehen. Ich gehorche.

*huch*

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