Sonntag, 2. Juni 2013

Reise nach London - *on the Krück*

(Noch einmal kurz die Einführung: ich erzähle in der Ich-Form die Reise meiner Freundin nach, die für mich nach London flog - siehe auch hier:  http://www.kokelores.com/2013/06/london-durch-die-augen-meiner-freundin.html)



Marianne hatte mich im Krückenlaufen eingewiesen und ich war überrascht wie sehr es auf die Arme und den Rücken geht - klar kann ich schummeln - und das werde ich auch machen - aber um glaubhaft zu wirken, muss ich echt üben. Wegen er Krücken kann ich ja keinen Koffer nehmen, deswegen der kleine Rucksack. Und das ist noch nicht alles, aber das lerne ich erst in den folgenden Tagen und am liebsten hätte ich sie schon jetzt weggeworfen.
Nur Handgepäck. Drei Tage London: Depeche Mode, ins Glob Theatre und *ein Mittsommernachtstraum* im Original sehen. Ich bin ganz aufgeregt. Und weiß noch nicht wie hart es sein wird, auf den Gehhilfen London zu durchwandern. Dabei hat meine Reisebegleitung alles super organisiert - eigentlich sollte ja Marianne mit.

Als erstes im Flieger - ganz allein
Am Flughafen die erste Überraschung - die Krücken wurden geröngt, aber danach überall freundliche Zuvorkommenheit. Wir hatten im Netz eingecheckt, wurden aber rausgefischt und als erste an Bord gebracht, zusamen mit einem englischen Rentnerehepaar. Mit einem Kleinbus fuhren wir über die Rollbahn und hatten alle Zeit der Welt um uns hin zu setzen. Beim Rückflug war das nicht so entspannt, aber auch da wurde mir geholfen - dann er übliche Ansturm und der übliche langweilige Flug. Landung. Und dann Langstreckenrekord Nummer eins: Das Krückenlaufen ist anstrengend und die Rolltreppen machen mir Angst, also nehmen wir den Fahrstuhl. (Was später bei der Tube nicht mehr geht). Bei der Passkontrolle werden wir wieder entdeckt und eine nette Flughafenangestellte schleust uns an allen Schlange vorbei. Ich fange an Marianne zu verstehen, die sagte: du wirst es lieben. Die sind einfach besser drauf. Nicht so stoffelig. Sobald ich irgendwo einmal anhalte, steht keine Minute später ein lächelnder Mensch vor mir und bietet mir Hilfe an.
Andrea - meine bessere Reisehälfte - kennt sich hervorragend aus und mit der Oyster-Gäste-karte steuern wir zur Tube und den Underground. Diese Karte ist praktisch eine Prepaidkarte für die Tube und fast idiotensicher. Damit meine ich: wenn ich das verstehe (nachdem Andrea es mir erklärt hat) kann es fast jeder verstehen.  Aufladen und fahren, allerdings sollte man überprüfen , ob immer genug Guthaben drauf ist. Und auch im Underground: separate Eingänge für Menschen mit Kinderwagen, Krücken oder Rollstuhl.

Erstes Ziel: das sagenhafte Bristish Museum
Und dann nach unten. Hui. Wie tief und schnell, meine Beine sind ja heil, ich stell es mir gerade anders vor. Und dann rauschen wir auch schon durch den *Underground*  mit der Piccadilly Line. Wir müssen nur einmal umsteigen . Was auch schon wieder eine Herausforderung ist, Treppen, lange Gänge, Rolltreppen, aber das Hotel ist nicht weit, im St. Gilles - um's Eck ist das British Museum.
Und da hüpfen wir auch gleich hin - nun ja, mehr oder weniger.
Im Moment gibt es eine tolle Ausstellung - der Untergang von Pompeji, aber dafür müssen wir am Donnerstag um neun anstehen. Der Eintritt ist eigentlich frei, aber die Ausstellung kostet 15 englische Pfund. Das für uns im Moment recht günstig steht 1: 1,25- was mir dann im Museums Shop zum Verhängnis werden würde.
In der Zwischenzeit taten mir die Hände, die Fingergelenke und Schultern weh und mein linkes Bein, das rechte wird geschont, krampft incl. Po. Marianne ist seit Ende Januar an Krücken. Ich möchte es mir nicht vorstellen, wie das ist. Ständig muss ich die rechte Krücke mit in die linke Hand nehmen, wenn ich die Tube Karte anlegen möchte, wenn ich nach meinem Geldbeutel fische, bei allem wozu ich die rechte Hand brauche. Essen oder Tee trinken beim Laufen? Geht nicht! Es nervt.

Camden Garden - ein überdachter Markt 
Pause im Camden Garden mit musikalischer Begleitung: hier haben Straßenkünstler die Möglichkeit trocken zu bleiben
Wir tigern noch nach Camden Garden und Andrea schleppt mich in den witzigsten Laden den ich je sah. David and Goliath. Hier erbeute ich das erste Mitbringsel für Marianne - ein Hoodi und Kühlschrankmagneten, danach gehen wir FANTASTISCH thailändisch essen. Nicht billig, aber jeder Bissen ist ein Genuss. Und scharf. Es schmeckt ganz anders als das Thai Essen, wie ich es von Deutschland kenne. Ich bin satt, müde, platt von den Eindrücken, den Menschenmassen.
Aber:
Ich fange an Marianne zu verstehen. Und werde assimiliert. Langsam und fast unmerkbar.

Werbung einmal anders: Dieser kleine, runde Buddha sitzt vor einem Restaurant
Jetzt schon wünschte ich mehr Zeit in dieser Stadt zu haben. Und ohne Krücken. Aber ich ahne noch nicht wie voll das Programm sein wird.

Morgen mehr.
Good bye,




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