Montag, 10. Juni 2013

Sie! Fräulein! - Ja, Herrlein?

Durch die ganze Feminisierung der Sprache und die Diskussionen darüber auf Facebook - unter anderen durch meinen viel geschätzten  Schroeder - purzeln seit ein paar Tagen meine Gedanken etwas in eine andere Richtung. Da Wort Fräulein gibt es offiziel nicht mehr im deutschen Sprachgebrauch. Es wurde irgendwann abgeschafft. Es diskriminierte Frauen, die nicht verheiratet waren.
Es fiel mir zum ersten mal auf, als ich 18 war und in der Druckerei jobbte, in der mein Bruder Hermann arbeitete. Vitamin B ist alles und sein Chef liebte mich, denn mein Bruder war immer dann pünktlich, wenn ich jobbte. Ich jagte ihn dann morgens immer aus dem Bett, meinen Bruder, nicht seinen Chef und wenn man es als jagen bezeichnen kann, wenn man jemanden den Kaffee ans Bett bringt.
Aber ich schweife wieder einmal ab.
Das Thema war ja Diskriminierung durch Sprache. In dieser Druckerei arbeitete eine 36jährige Frau in der Buchhaltung. Nicht wirklich hübsch, immer in einem erdfarbenen, schlecht sitzenden Kostüm und mit dem Topfschnitt ihrer Haare an den mich Frau Merkels Frisur erinnert.
Dies Frau war eine super fitte Buchhalterin, die aber Fräulein ..... gerufen wurde. Sie hatte einen 16jährigen Sohn, war aber nie verheiratet gewesen.
Es mutete mich seltsam an, dass dieses gestandene Frau mit Fräulein angeredet wurde.
Ich saß nur an der Information, aber sie brachte mir ganz viele Dinge bei und hatte eine Elendsgeduld mit mir wilden Feger, der ich damals war.
Diese Frau habe ich nie vergessen. Sie wurde als Arbeitsesel geschätzt, aber nicht als Frau. Ich empfand dieses *Fräulein-Angerede* damals als falsch. Warum eine Frau als Fräulein anreden, die längst den Fräuleinjahren entwachsen war und für sich und ihren Sohn sorgen konnte? Ich kam ins Grübeln.
Und wieso nannte man einen jungen, nicht verheirateten Mann nicht Herrlein? Jungchen?Oder Bürschlein? Die letzteren zwei Begriffe gibt es wohl, aber sie werden bzw wurden immer nur abwertend genutzt.
Es ratterte in meinem Kopf, während die ganzen Jungs der Druckerei immer wieder einen Grund fanden, mein kleines Büro zu belagern. Auch einer der Außendienstler - ein schmieriger Typ, der immer zweideutige Anspielungen und abfällige Kommentare über Fräulein .... machte. Bis ich es meinem Bruder erzählte. Danach hatte ich Ruhe. Der Außendienstler hätte mich bestimmt auch mit Freuden zum *Fräulein* gemacht...... Aber mich nannte keiner Fräulein. Ich hatte Krallen und eine spitze Zunge und hielt mir die Kerle vom Leib.
Jahre später war ich irgendwann einmal abends unterwegs und müde, als ein älterer Mann mich anpflaumen wollte, ich weiß nicht mehr warum, wahrscheinlich hatte ich meine Füsse auf der Bank.
SIE! FRÄULEIN!
Ich wurde auf der Stelle hellwach und verdammt wütend. Längst dem Fräulein-Alter entwachsen meinte da ein alter Seggel mich über die Wortwahl demütigen zu können. Aber anstatt auf seinen Tonfall einzugehen lächelte ich und fragte:
*Was kann ich denn für Sie tun, Herrlein?*.
Und dann tat er etwas, was ich erwartete:
Er hielt Maulaffen feil. Ich liebe dieses Wort. Und er fing an zu stottern. Ich lachte ihn an und ließ ihn stehen.
Das Beste was man tun kann, wenn man Menschen begegnet, die meinen, einen mit der Sprache diskreditieren zu können.
Gilt auch für das N-Wort.
Lasst sie stehen.
Und geht.


Zum Thema Gleichstellung und Gleichheit empfehle ich folgenden Artikel *der Zeit*
Genderforschung: Schlecht, Schlechter, Geschlechter




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