Sonntag, 28. Juli 2013

Sommer, Sonne, Songwriter & Streetmusic


Gestern war der heißeste Tag des Jahres in Stuttgart. Und als ich um halb elf das Haus verließ spannte ich einen Regenschirm auf. Was mir manche Blick einbrachte, auch das Tape, pink und cool am Knie hat einen Sightseeing-Effekt. Ich sollte Eintritt verlangen.
Als ich aus dem Haus trat empfing mich die Hitze mit einer innigen Umarmung, der ich nicht entkommen konnte.
Also schläppelte ich zur U-Bahn und fuhr bis zum Schloßplatz, bzw Haltestelle Börse. Danke VVS, der Aufzug ist seit Wochen defekt. (Ich bin sauer, auch ohne Krücken fällt mir das Treppensteigen schwer und das Geländer ist verklebt und ekelig.) Und Stuttgart shoppte. Ich griff mir an den Kopf, dann zur Wasserflasche. Hinter dem alten Schloss sammelten sich schon ein paar Menschen. Nicht zum Sonnenbaden, alles drängte in den Schatten, sondern wegen Prism, NSA und BND und dem Verhalten der Regierung dazu. Dora hat einen fantastischen, satirischen Artikel dazu geschrieben. Aber das Interesse der Massen lag wohl woanders, es waren nur 200, aber die Reden waren gut. Und ich hatte einen Sitzplatz im Schatten.
Danach huschte ich noch zum Drogeriemarkt und organisierte mir diverse Kampfwaffen (verrate ich euch die Tage für was ich die brauchte), bummelte die Königstrasse hinunter und blieb immer wieder stehen, um begeistert jungen Strassenmusikern zuzuhören und von zwei jungen Männern war ich so begeistet - also von ihrer Musik, um das mal klar zu stellen!- dass ich ihnen eine CD Abkaufte, die jetzt im Hintergrund läuft.


Um halb zwei hatte ich einen Schweißausbruch nach dem anderen und flüchtete in die U-Bahn. Als ich die U14 betrat empfing mich Kühle und der Duft nach ungewaschener Männlichkeit. Schwitzen und Laufen, oder fahren und Gerüche ertragen?
Ich fuhr und machte mir Gedanken über eine Petition über *Zwangsduschen und Deoeinsatz*
Dann hieß es das bein hochlegen, Eis drauf packen und auf den Abend warten. Beide Kater fanden mir müsse kalt sein und kuschelten mit mir was das Zeug hielt.
Als ich um halb sechs das Haus verließ war es noch heißer. Es war fast unerträglich. Ich war mit Tine verabredet, aber das Handy streikte und ich konnte nur noch 2 SMS absetzen. An Tine:
*Direkt im ersten Wagen, wenn nicht, dann Ausgang Bahnhof Lubu!* *Und an Sabine: *Haupteingang Schloß,19°°*.Gefunden haben wir uns dann auch ohne Handys.
Und was soll ich sagen: es roch wieder in der Bahn nach allem, nur nicht erfrischend, Tine gabelte mich erst in Lubu auf, Sabine fand uns im Schatten schwitzend. Jede Bewegung löste eine Schwitzattacke aus.Und dann sackte mir der Kreislauf ab, obwohl ich schon drei Liter Wasser in mich geschüttet hatte.
Ich rief:*Zucker, Ich brauche Zucker* und bekam Cola, lehnte an der Mauer des wunderschönen Schlosses in Lubu und hatte das Gefühl gleich aus den Flip Flops zu kippen. Und da saß ich nun und machte mir Gedanken: wie kommst du wieder hoch?  Aber Sabine und Tine zogen bis ich wieder stand. Zucker und Wasser. Und Freunde.


Das Ludwigsburger Schloß ist einfach sehenswert und wunderschön. Und eine Hammer Rahmen für Konzerte. Ich sog die Atmosphäre auf und kam aus dem Gucken gar nicht mehr raus. Rundherum waren Stände und Buden aufgebaut, mit Leckereien und Getränken, letztere leider total überteuert: eine Cola 4,50, ein Weinschorle 7,50 - Wucher und das bei den Temperaturen! Aber die Organisatore haben kostenloses Wasser organisiert - aus dem Wasserschlauch, die Warteschlange ging fast bis zum Eingang.
Ich ließ mir die Wasserflasche füllen und die Beine abspritzen. Tine schüttete sich das Wasser in den Ausschnitt.
Da ich die junge Dame nicht kannte, entfremdete ich sie ein wenig,
 Persönlichkeitsschutz und so
Und dann genossen wir den herrlichen Sommerabend, die Umgebung, und weil wir uns auf die Anhängerkupplung einer Grillbude setzen durften, hatten wir es dann auch bequem.
Da saßen wir nun, ganz idyllisch, nippten an unserem Weinschorle und als dann Philippe Poisel das Lied *Wie soll ein Mensch das ertragen* (anklicken, anhören) sang kamen mir die Tränen. Bei dem Lied muss ich immer heulen, egal wo ich bin - es muss ein Bild für Götter gewesen sein:
Der Grillwagen vor der historischen Kulisse, zwei erhitzte Frauen, mit Plastikbechern bewaffnet, auf der Anhängerkuppel sitzend, die eine rauchend, die andere heulend.
Ob es uns peinlich war? Nö, wir haben gelacht.


Je später der Abend, desto schöner wurde der Himmel, aber es blieb heiß. Und als wir zur S-Bahn liefen, lief auch wieder der der Schweiß. Und die Bahnsteige waren voller fröhlicher Menschen, die S-Bahn dann auch und als ich dann die letzten Meter nach Hause lief gab es schon das erste Wetterleuchten über Vaihingen.
Als ich duschte prasselte es auch vor dem Fenster und ich hatte meine ganz private Lichtschau. Wir hingen zu dritt an den Fenstern, die Kater und ich, genossen die Kühle und fielen ins Bett.
Ein schöner Sommertag.

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