Donnerstag, 5. September 2013

Ei, Insel und seufzender Pudding (Buchbesprechungen)

Al Kind las ich alles. Alles in Griff- und Reichweite meiner Arme und meines Geistes. Ich wuchs auf zwischen den Welten Karls Mays, Readers Didgest Magazinen und Büchern, den SiFi-Hefttchen meines Vaters (Perry Rhodan - unser Mann im All. Aber ihn den habe ich mich nie verliebt. Das war dann Atlan.)
Als ich älter würde, Teenageralter, fiel mir das erste Charles Bukowski Buch in die Hände und ich lief mindestens eine Woche mit roten Ohren und seltsamen Fantasien durch die Gegend. Zu diesem Zeitpunkt, gerade 16, war ich schon für die normale Welt meiner Mitschülerinnen verloren und war in der Ecke der *Anderen* gelandet. An amerikanischen Schulen gibt es Nerds und Freaks.

Eines der Bücher, welches ich nie vergessen konnte war:
Das Ei und ich von Betty Mcdonald, und auch ihr Buch: Die Insel und ich. Was habe ich gelacht, als ich von dieser tolpatischigen Rothaarigen las, die sich dem Schicksal entgegenstellte und die das Leben so nahm wie es kam. Und irgendwie erkannte ich zum Teil mein Schicksal wieder. Ich dachte: wenn die das alles wuppte wuppe ich mein Leben auch.
Stellt euch vor: die zweite Tochter: in jeder Beziehung die zweite Tochter (sie steht ständig im Schatten ihrer bezaubernden Schwester) wird vom Glück erhört und heiratet, statt aber mit ihrem Mann glücklich in der Stadt zu wohnen, hängt der seinen sicheren Job an den Nagel und beschließt Hühnerzüchter zu werden.
Ganz entzückend - für den geneigten Leser, aber nicht für die Antiheldin - schildert Betty Mcdonald das Leben auf einer Hühnerfarm in einer entlegenen Gegend der USA in den 40/50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Mag sein, dass uns heute ihr Stil etwas angestaubt erscheint, aber wie sie ihre Kindheit und Jugend mit ihren zwei komplett unterschiedlichen Großmüttern schildert - einfach herrlich. Wenn man sich darauf einlässt ist es der absolute - leichte - Lesespaß. Und ganz nebenbei eine Gesellschaftsstudie der damaligen Zeit und der USA.

Nur der Pudding hört mein Seufzen, ist eines der Bücher von Erma Brombeck, auch Amerikanerin, die im Prinziep auch über ihr Leben schreibt. Ihr Leben als Hausfrau in einer amerikanischen Gemeinde, so wie man sich eben das Leben einer Vorstadthausfrau in den USA vorstellt - so wie sie in den 60/70igern gelebt haben. Hat nichts mit Desperate Housewives zu tun. genauso gut könnten die Geschichten auf einem anderen Planten spielen. Mit Figurproblemen, Hund und Kindern, zwischen Waschmaschine und Kosmetiksalon. Sie hat eine amüsante Art über die kleinen Und großen Probleme ihres Alltags zu schreiben, Ob es die liebreizende Nachbarin ist, die aussieht, als könne sie keine zwei Schrauben auseinander halten, aber sobald kein tüchtiger Mann mehr in der Nähe ist, die Ärmel hochkrempelt und Waschmaschinen repariert. Oder wenn die Titelheldin hoch erhobenen Hauptes den Kosmetikstudio verlässt, alle Blicke auf sie gerichtet - bis, ja bis eine Kosmetikerin ihr hinter her eilt und die Zewaspur von ihrem Absatz befreit.

Die Bücher gehören zur leichten Literatur, angenehm zu lesen, mit Kichergarantie. Ideal für Badewanne oder Liegestuhl. Betty Mcdonald ist *hochwertiger* und malt mit ihren Worten Bilder ihrer Zeit.
Sie bekommt von mir fünf von sechs Sternen, Erma Brombeck immerhin noch vier. Bücher von beiden bekommt man gebraucht schon ab 3€.






Kommentare:

  1. Na, du warst aber früh dran mit Bukowsky... den habe ich erst später kennen gelernt. Mit 16 habe ich noch hohe Literatur wie zum Beispiel "Glanz und Elend der Kurtisanen" von Honoré de Balzac gelesen (auch mit roten Ohren...)
    LG
    SvL

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