Mittwoch, 18. September 2013

Reduktion

Stellt euch vor:
Ihr habt kein Festnetz, weil ihr alles über euer Mobiltelfon macht, aber ihr habt einen Internetanschluß.
Ihr meldet euren Kabelvertrag ab, weil ihr alles über das Internet macht, auch Radiohören, da ihr in einem Funkloch liegt.
Dann kackt euer Internetanschluß ab und den einzigen Netzkontakt nach draußen habt ihr noch über euer kleines, heiß geliebtes Smartphone, dass zwar schon die beste Zeit hinter sich hat, dafür aber schrullig wird und mit jedem Tag mehr Macken an selbigen legt, aber Frau hat ja schon Pläne, kann bei einem Nachbarn mit surfen, also alles halb so wild.
Was Frau dabei vergaß: das Gesetz der Serie.
Zuerst antwortete nur der DNS Server meines Providers nicht.
Dann zerlegte es den Router.
Zur Krönung verabschiedete sich mein Smartphone dann für immer ins Jenseits.
Und nun?
Kein Fernsehen, kein Radio hören, kein Internet, außer ich hopple zu Martin in sein Büro nach unten (ich wohne praktisch dort im Moment).
REDUKTION
ist das Zauberwort. Ich höre Musik, lese, ärgerer meine Katzer und sie mich, und irgendwie fühlt sich alles etwas seltsam an. Was ich als erstes bemerkte: ich bekomme nicht mehr viel mit - ob es sich nun um die neueste Schmutz-Kampagne gegen die Grünen geht, oder wer gerade gestorben ist - ich lebe die meiste Zeit auf einem Eiland der glückseligen Unwissenheit. Und langsam fange ich es an gut zu finden.
Aufgrund der Folgen mehrere Operationen muss ich ja immer noch (aber hoffentlich nicht mehr lange) den Ball flach halten, aber dadurch, dass ich selbst kein Netz mehr habe, übe ich praktisch den Alltag bei Martin im Büro.
Als mein Hilfeschrei durch das Netz hallte:
*Suche dringend ein gebrauchtes Smartphone* wurden mir innerhalb eines Tages drei Stück angeboten, aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, zu absolut fairen Preisen. Auch wenn ich mit dem Gedanken spiele, meine mobile Internetflat abzuschaffen.
Ich habe etwas bemerkt - schon in der Zeit in der ich noch an Krücken lief - ich brauche nicht wirklich ein mobiles Internet. Jetzt, da ich selbst die  Augen wieder für andere Sachen offen habe fallen mir die vielen Menschen auf, die mit gebeugten Haupt auf die kleinen Bildschirme starren - egal wo sie sind, egal was sie machen.
Ich sehe es.
Auch habe ich keine Eile, mit dm Providerwechsel. Allerdings steht es fest: weg mit der blonden Zicke Alice.
Mein Fernseher (gerade mal ein Jahr alt, so ein Flachbildschirmmonster) wandert am Samstag zur Imme Vierzehn, wir wollen die Wahlergebnisse zusammen gucken. der Fernseher bleibt dann erst einmal dort.
Ich finde es im Moment ganz lustig, ich bin gerne bei Martin unten. Gut ich schreibe meinen log morgens später, da ich nicht in einem Pyjama in einem rund herum verglasten Büro sitzen möchte (außer Sonntags).

Mein Fazit der letzten Tage ist ganz einfach.
Es ist anders ohne zu leben. Entspannter. Man verabredet sich auch wieder wie früher. Man macht etwas aus und geht da hin und sagt nicht 5 Minuten vorher ab. Man merkt auch sehr schnell wie gut die
Entschleunigung tut und fängt es an zu genießen.
Auch wenn man wie ich im Moment sehr eingeschränkt in der sonstigen Mobilität ist.
Ich habe einen Haufen Bücher, die nach mir schreien, dass ich sie endlich lese, da steht die Staffelei, es  liegen angefangene Handarbeiten herum - keine Zeit? Stimmt nicht.
wer mutig ist probiert es mal aus.


Kommentare:

  1. Für eine solche Reduktion müsste ich mich in ein Kloster zurückziehen oder schlimmeres ...
    Ich finde es gut, dass du es genießen kannst und andere Seiten im Leben entdeckst!
    LG
    Sabienes

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    1. oh,ja, Sbienes, es ist ist nicht einfach, aber in manchen Dingen bin ich einfach pragmatisch veranlagt :)
      LG
      Marianne

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