Sonntag, 1. September 2013

Sonntagsgedanken: heute das Wörtchen Respekt

Es geht nicht um *Respekt Alda*, es geht im Prinzip nicht um das Wort, sondern um dessen Bedeutung.
Im Moment selbst eingeschränkt, gehandicapt, aber in der Zwischenzeit ohne Gehhilfen, fällt mir immer wieder das Starren auf. Sobald ich einen schlechten Tag habe - also humple oder nur mir Mühe in der U-Bahn aus der sitzenden Position in die Stehende kommen kann - wird gestarrt. Manchmal ganz offen, manchmal verstohlene Blicke hinter den Büchern, Tratschzeitschriften ....
Es nervt. Als ich mit den Gehhilfen unterwegs war wurde ich eher angesprochen. Ob ich einen Unfall gehabt hätte, jetzt wird gegafft.
Es tut nicht weh, aber es nervt. Und bei manchen Menschen kann die Gedanken praktisch hören.
Respekt bedeutet eben die Akzeptanz von Andersartigkeit in anderer Form.
Alles was anders ist ist spannend und abschreckend zu gleich. Die einen sehen die Herausforderung und das Neue, die anderen das Beängstigende und die Bedrohung.
Manche nehmen das Wort Respekt in den Mund, ohne die Bedeutung auch nur zu erahnen.

Hier geht es zur Definition: Respekt

Mein Respekt gehört den Menschen, die sich dem Leben mit Freude stellen, obwohl sie auf mannigfaltigste Art gehandicapt sind: durch ihre soziale Stellung oder durch ein körperlich/ geistiges Handicap. Dazu gehören auch Menschen die sich mit Hart IV durch das Leben schlagen müssen. Wer in Deutschland Hartz IV bezieht verliert recht schnell an sozialen Ansehen - von der sogenannten bürgerlichen Mitte und denen da oben.
Manchmal denke ich, es ist die Angst vor dem eigenen *Abstieg*, der diese Menschen so austreten lässt. Manche nehmen den Begriff Hartz IV als Schimpfwort. Mich macht das traurig und wütend zu gleich. Man hakt nicht nach, man verurteilt.

Eine Bekannte hat etwas irritierende Augen. Ich war fasziniert. Während das eine geradeaus sieht, guckt das andere etwas zur Seite. Wenn man mit ihr spricht, dann schwirren die eigenen Augen zwischen denen beiden von ihr hin und her. Mich machte das irre. Also fragte ich sie direkt. In etwa so: *Ich möchte nicht zu persönlich werden, aber darf ich dich fragen was mit deinen Augen ist?* Sie lachte, und erzählte mir, dass sie als Kind in einen Kaktus gefallen sei, einer mit fiesen, langen Stacheln. Das Ergebnis ist nicht zum Lachen: das Auge zerstört, der Augenmuskel betroffen, also ist sie auf diesem Auge blind und es ist unbeweglich. Ich sei einige der wenigen, die sie darauf angesprochen hätte, die anderen würden immer nur komisch gucken.

Respekt vor Andersdenkenden, vor anderen Meinungen hat in der Zwischenzeit Seltenheitswert. Das durfte bzw musste ich erleben als es in Sachen Stuttgart 21 hoch her ging. Ich war teilweise so entsetzt, dass mir die Sprache verschlug. Da wurden Menschen gestalkt, um sie im Netz der Öffentlichkeit zur Schau zu stellen, am Besten in einer peinlichen Situation. Pfui.
Und jetzt in den Wahlkampfzeiten ist Respekt ein Unwort, ein Nichtwort.

Komisch gucken, misstrauisch gucken. gaffen, nachstarren. Es passiert jeden von uns. Wir sind neugierig. Auch ich bin nicht heilig. Aus der Situation einer Betroffenen heraus kann ich nur eins sagen:
Ansprechen erlaubt. Und wenn ihr euch das nicht traut: Anlächeln.

Nachtrag: Zum Respekt gehört auch, sich über die Meinung anderer nicht lustig zu machen. Euch allen einen schönen Sonntag.






Kommentare:

  1. liebe marianne, deine worte tun mir sehr, sehr gut. vielen dank dafür.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Ralf,
      nichts zu danken. Mit fällt in letzter Zeit nur immer mehr auf wie das Bashing auf einzelne Personen, auf Gruppen zunimmt und es macht mir Angst.
      Dies Verrohung des Mittelstand.
      Aber jeder einzelne kann etwas dagegen tun. Und sei es nur selbst anders zu agieren und einen kleinen Artikel darüber schreiben.
      LG
      Marianne

      Löschen