Sonntag, 6. Oktober 2013

Erntedankfest (Sonntagsgedanken)

Es sollte wohl ein Tag der Freude sein. Aber was ist den Dank eigentlich? Froh sein etwas zu haben und das auch zu empfinden. Freude über den eigenen Zustand, dass es einem gut geht, dass man in relativen und Wohlstand lebt und einigermaßen gesund ist.
Viele nehmen das alles als selbstverständlich. Und sind selbst noch dann vom Neid zerfressen, wenn sie genug haben.

Für vieles bin ich sehr dankbar, ohne zu vergessen, dass man seine  Glückes Schmied sein kann und muss, jedenfalls in den Bereichen, die man beeinflussen kann. Und kann man es nicht beeinflussen, so kann man wenigstens seine Sichtweise dazu überprüfen.
Das berühmte Glas Wasser - Glas halb leer, Glas halb voll.
Grob gesagt: wenn man sich nur mit Arschlöcher umgibt, muss man sich nicht wundern, dass es stinkt.
Die letze Woche spülten einiges Übles an die glatte Oberfläche des scheinbar friedlichen Daseins und das nicht nur in Stuttgart.
Der 30.9., auch der schwarze Donnerstag genannt, das Datum, als vor drei Jahren in Stuttgart das Demonstrationsrecht mit Füßen getreten, Schülern Pfefferspray aus nächster Nähe in die Augen gesprüht wurde, Rettungswagen von der Polizei die Zufahrt zu den Verletzten verweigert wurden, man versuchte einen Jungen aus einem drei Meter hohen Baum mit dem Wasserwerfer *runter zu spritzen* und das Ganze dann auch noch als Notwendig bezeichnet wurde, der damals zuständig Minister um 20:15 in den nationale Nachrichten das Märchen von Pflastersteine werfenden Mob verbreitete - was um 22°° schon wieder revidiert wurde - aber da schlief die Nation schon...
Das an für sich macht mich heute nicht mehr traurig und wütend, aber die Reaktionen mancher Stuttgarter und Baden-Württemberger drauf, die das unnötig harte Durchgreifen der Polizei heute noch bejubeln.

Als am 3.10. sich heuer die geballte Staatspower, in Form einer Pastorentochter und eines Ex-Pastors, in Stuttgart an die Teilung Deutschlands traf, um sich zu Erinnern und die Wiedervereinigung zu feiern, blieb ich fern. Aus vielen Gründe, aber auch aus Respekt vor den Menschen, die sich über diese Feier freuten.
Und doch verdarb es mir die Laune - nachträglich - als sich dieses unsägliche Waschiwaschi - Gelabbere des alten Mannes las, der sich Bundespräsident nennt." Den haben wir nun wirklich nicht verdient!", schrieb eine Freundin dazu und ich fing an mich durch die Rede zu quälen, aber wandte mich nach drei Sätzen schaudernd ab, las dann lieber die Zerrisse der Zeitungen, die kein Gutes Wort an Mann und Wort ließen. Was mich ein klein wenig aussöhnte.

Aber der Friede hielt nicht lange:  Jemand aus meiner Budddieliste schrieb:
"Wenn da ein Selbstmordattentäter rein wäre, hätte es nicht die Falschen getroffen:" Ausnahmsweise blieb mir die Spucke weg. Bei aller Wut, die ich manchmal auf bestimmte Politiker oder andere Menschen empfinde, bin ich nicht bereit jegliche Form von Gewalt oder das Gutheißen von Gewalt zu akzeptieren oder zu tolerieren. Es widerspricht meinem ganze Sein und dem demokratischen Grundgedanken.
Ich trennte mich von diesem Menschen. Und zwei Tage später gleich vom nächsten, der folgende Artikel der Münchner Abendzeitung  mit folgenden Satz kommentierte:
*Wenn sie Hunger haben, kommen sie auch wieder runter*. Es war noch einer der harmloseren Kommentare. Selten habe ich so viel Neid und Unmenschlichkeit so geballt zu  einem Artikel gelesen. Da ist ein Mensch bereit aus Verzweiflung um das Schicksal seiner syrische Familie in den Freitod zu gehen und der Mob tobt.
Nun ja, ich habe meine *Freundesliste* bereinigt.

Dankbar bin ich für meine Freunde, die, egal aus welcher Schicht sie kommen und es ihnen geht, sich die Menschlichkeit, die Nächstenliebe und ihr Mitgefühl bewahren. Das sie geben, was ihnen möglich ist und sei es *nur* ein Lächeln, ein Gedanke, eine Idee.
Dankbar bin ich für das Vertrauen und bedingungslose Zuneigung meiner pelzigen Mitbewohner.
Über das Glück in einem Bereich der Welt zu leben in der Krieg, Hunger mir fern ist.
Es gibt es vieles über das ich mich freue.
Was mich aber nicht davon abhält  die Augen offen zu halten und kritisch zu bleiben.

Euch allen einen freundlichen Tag. Macht das Beste daraus.






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