Sonntag, 6. Oktober 2013

Raclette im Wild Räms (hinter den Toren der Provinz, am Ende der Welt)


Wild Räms ist die scherzhafte Bezeichnung des Rems-Mur Kreises. Ein Freund, der dort ansässig ist sagte einmal: *Achtung, hier verlassen Sie die Zivilisation!* Was nicht ganz stimmt. Aber eigen sind die Leute hier schon. Aber wo sind sie dass denn nicht?
Mittwochabend trafen wir uns bei einer Feundin in der Nähe von Backnang, man verabredete sich gemeinsam mit der S-Bahn zu fahren und die Gastgeber versprachen uns abzuholen. Das taten sie auch und standen etwas länger am Bahnsteig, weil wir es geschafft hatten uns zu verfahren, samt S-Bahn. Das soll uns mal einer nachmachen, dass können nur wir Baden-Württemberger.
Dazu muss man wissen, dass es zwei Möglichkeiten gibt ans Ende der Welt zu gelangen: man nimmt den direkten Weg mit der S3 oder man fährt den Umweg über das Ende der Galaxis mit der S4. Wir sollten die S3 nehmen und eine Station vor dem Ende der Welt aussteigen. wir nahmen die S4, weil der vertrauenserweckende, junge Mitarbeiter der Bahn saget: "Sicher hält die da auch!"

Nun, ihr habt Recht, wenn ihr euch an die Stirn fast und sagt: *Seit wann sind Bahnmitarbeiter vertrauenserweckend?" Stimmt, wer den Schaden hat spottet jeder Beschreibung. Aber trotz Verspätung und heroischen Schuldeingeständnissen wurde es ein herrlicher, sehr verfressener Abend, mit kleinen Neckereien, viel Gelächter, auch mal sanftere Töne. In der Runde waren wir sehr lange nicht zusammen gekommen. Und manche Steilvorlage wurde schamlos ausgenutzt, sehr zur Freude der nicht Betroffenen.

Jetzt, Anfang Oktober kann man zwar nicht mehr wirklich lange draußen sitzen, abends, und wenn, dann nur mit Fleecedecken und Heizöfchen. Aber es ist die Zeit der Kerzen, Teelichter, Bollerofen und Rotwein.
Nichts mehr mit Hugo und Caipi. Lieber einen torfigen Single Malt, der bernsteinfarben und schwer im Glas
sein Aroma entfaltet.


Herbst bedeutet für mich auch immer Raclette, Fondue, Kürbissuppe, Eintöpfe und ich mag den Geruch nach nelkengespickten Orangen.
Unsere Gastgeber haben uns einen unvergesslichen Abend beschert - der sitzt nämlich jetzt auf den Hüften von uns Mädels. Pappsatt, müde und zufrieden schnurrten wir fast wie die Katzen des Hauses.
Der Espresso machte uns fit für die Heimreise, die wir noch fast verpassten, der Hausherr nahm sportlich jede Kurve des Geländes und reizte seinen braven Skoda. Fast beschlich mich der Verdacht, dass er uns unbedingt pünktlich an die S-Bahn bringen wollte, damit wir sicher - ganz sicher - heim fuhren. (Hinweis an Marion - Küsschen du Schlumbel. Denk dir das Herzchen)(Und den Smilie).
Wir hatten den fatalen Fehler begangen den Wasen zu vergessen und in Cannstatt flutete junges, total betrunkenes Volk in Billigtrachten die Bahn, Die nächste Station flüchteten wir in die Nacht. Und lieber humpelte ich die letzten Meter nach Hause, als mich dem länger auszusetzen.
Ich lag noch lange wach - der Kessel spannte, wie man bei uns sagt und meine Kater hatten nichts besseres zu tun, als sich eben auf diesen Kessel zu legen.

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