Donnerstag, 14. November 2013

Bob der Baumeister ... (Stuttgart Mitte)

hat Stuttgart im Sturm erobert. Es fing irgendwann mal an und dann schien Stuttgart plötzlich nur noch aus Baustellen zu bestehen. Die Freude darüber - immerhin jede Menge Arbeitsplätze! (da gab es dann schon jede Menge Skandale, aber das ist eine andere Geschichte)- hält sich in Grenzen, denn diese Baustellen bringen auch die unangenehmen Seiten des Baugewerbes in die Stadt: Lärm und Dreck und viele kleine, duftende Klohäuschen.
Okay, denkt sich meinereine, und hinterfragt mal was denn da gebaut wird, es könnte ja sein, dass ich es (und da geht es nur um meine persönliche Meinung), dass ich es gut finde.
Fangen wir doch einmal hinter dem Bahnhof an, den selbigen möchte ich etwas separat betrachten:



Die neue Bibliothek. Von den Kritikern als *Bücherknast*, oder *Stammheim II* bezeichnet, von den anderen als Wunderwerk der modernen Architektur gefeiert. Dazu muss ich sagen: über Architektur lässt sich streiten und über Geschmack auch - und das ganze endlos. Da in Stuttgart ein Faible für quadratisch, praktische Formen vorhanden zu sein scheint - siehe den Kunstkubus am Schlossplatz - na, wer wundert sich da noch?
Ich packte einmal meine Vorurteile ein und pilgerte letztes Jahr hin.
Nun: von außen sieht das Ding aus wie der Geldspeicher von Dagobert Duck, jetzt wird es zugebaut - von allen Seiten bedrängt, also verschwindet es demnächst aus dem Blickfeld. Was für manche eine Gnade wäre, wären es nicht eben solche Kästen.
Der ursprüngliche Entwurf des koreanischen, preisgekrönten Architekten sah vor: weißer Beton und Teiche rundherum. Beim Beton hat man den falschen Sack erwischt und die Teiche wurden aus Kostengründen gestrichen. Großmannssucht ganz klein-städtisch.

sieht natürlich jetzt ganz anders aus
Auf unseren Baubürgermeister sind viele nicht gut zu sprechen, dementsprechend *unfrei im Kopf* ging ich dort hin. Über den Steg von der U-Bahnhaltestelle laufend, wunderte ich mich über die Jubelchöre der Baufreunde  ich fand alles sehr - nun ja, baustellenmäßig. Schön ist was anderes. Kein Grün. Nur Kräne und Bagger.
Aber als ich die Bibliothek betrat vergaß ich die Draussenwelt.
Meine Lippen formten ein großes O und verblieben auch so.


Was mich beeindruckte war die Weite, diese unglaubliche Weite, das Design, auf das funktionelle reduziert schuf es trotzdem eine Dom ähnliche Atmosphäre. Die Farbe weiß dominierte und gab gleichzeitig den Büchern den Vortritt. Man erreicht jede Etage bequem per Fahrstuhl oder nimmt die Treppen, überall laden kleine Bänke zum ruhen und betrachten auf, zum lesen.
Ich flüsterte automatisch.
Und fühlte mich wohl. Schlendeter über die Etagen, trank mir meinem Besuch einen Kaffee in der LesBar, erklomm mit ihr das Dach ( das war vor den ganzen OP's).
Und was sich uns bot war ein toller Ausblick auf - nun ja, hust, nicht so tolles. Aber der Tag war sonnig und da nimmt man einiges in Kauf. Ich ging lieber zurück in das Innere.

Mein Fazit -
Innen: überwältigend, Funktion und Design gehen Hand in Hand und haben einen Lesetempel erschaffen
Außen: Wenn man sich auf die Detail einlassen kann - wow, aber das was die Stadt verbockt hat: eingezwängt zwischen Einkaufmals und Bürogebäuden wird alles verschwinden. Nicht gelungen. Leider.



Kommentare:

  1. Bin wie immer begeistert. Grüßle von der Ziebelhex

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, genauso ging es mir auch als ich das erste Mal mich in die neuen Bib reingetraut habe. Von innen begeistert sie mich wirklich. Von außen stößt sie mich eher ab. Ich verbinde das Quadratisch Praktisch Gut ja immernoch mit einem Schokoladenhersteller aus der Umgebung (lecker...) und kann es darum irgendwie nicht auf den grauen Klotz anwenden...interessanterweise gibt es aber oben im Museumskaffee nicht nur kostenfrei Wlan sondern auch leckeren Schoko-Kuchen. Unbedingt ausprobieren!!!!

      Löschen
  2. Ich liebe diese Bibliothek von innnen. DAS ist Architektur, wie man sie sich besser nicht wünschen kann. Nebenbei bemerkt: Das Café bietet nicht nur einen grandiosen Blick. Es ist auch ein Projekt der Caritas, in dem Menschen mit Behinderung arbeiten.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ja, diese Bibliothek ist ein Täuscher: das nicht ansehliche Äußere hat eine guten Kern

      Löschen