Mittwoch, 6. November 2013

Die Russen kommen - der etwas andere Lesetipp

Irgendjemand hat mal gesagt: Zeit, die man mit Katzen verbringt, ist nie verschwendet. Ich wünschte ich könnte das über Bücher sagen. Gerade habe ich mich durch einen sogenannten *Laydythriller* gequält. Ich hätte dem Ganzen ein schnelles, schmerzlose Ende bescheren sollen, statt dessen las ich mich durch Sexszenen alla Barbara Cartland und Personenbeschreibungen: zierliche, feen-gleiche Heldin und breit schultriger, schmalhüftiger Held mit unglaublichen Augen... seufz.
Warum ich mich da durch gebissen habe? Die Grundstory war gar mal nicht so schlecht, als sich dann aber auf den letzten Seiten die Hausfrauenträumereien unerträglich wurden, gab ich auf.
Und stand an meinem Bücherregal, ließ meine Finger über die leicht angestaubten Buchrücken gleiten, - ein Kindle hätte bestimmt etwas, aber ich stehe auf Papier - und überlegte, welches Buch ich noch einmal lesen könnte.
Ja, ich lese Bücher manchmal zwei, dreimal - wenn sie gut sind. Dann bleiben sie auch bei mir. Und der Staub darf sie ein wenig einhüllen, was jedesmal Niesanfälle auslöst, wenn ich sie aus ihrem verdienten Schlaf reiße und ihre Seiten streichle.
Der Rest geht auf Wanderschaft, wird verschenkt, wieder verkauft.
Bücher sind für mich mehr als nur bedruckte Seiten, sie sind die Türen in andere Welten, ihr Papier sind mein Schiff, dass mich über den Ozean der Wörter trägt, Abenteuern entgegen.
Ich bin der Gast in den Geschichten, den niemand sieht, der Voyeur.
Welche Geschichte ich immer wieder lesen kann - und auch ansehen, denn sie wurde ansehlich verfilmt (die Handlung im Film weicht allerdings in einigen Punkten ab, was aber dem Geasmtwerk nicht schadet), ist die
Wächter-Serie von Sergei Wassiljewitsch Lukjanenko.



Jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht ins Schwärmen gerate.
Als alte Fantasy und SIFI Tante war ich schon länger etwas gelangweilt, die Bücher wurden sich immer ähnlicher, geschliffener, nichts Neues, nichts mehr, was mich praktisch vom Hocker riss und den Schlaf raubte, bis - ja bis ich eines Tages auf einer Geschäftsreise, wieder einmal durch eine Verspätung der Bahn, meine Zeit in einer Bahnhofsbuchhandlung *verbummelte*.
Gerne könnt ihr mich seltsam nennen, Bücher suchen sich auch ihre Leser aus. Und dieses Buch zog mich an, etwas kribbelte unter meinen Fingerkuppen. Ich schlug es auf und fing an zu lesen. Klappte es zu, las die Beschreibung auf der Rückseite, ging zur Kasse, bezahlte und las bis ich zuhause ankam, aß etwas, las weiter. Ich war in die Falle gegangen.
*Wächter der Nacht* erzählt die Geschichte des ewigen Kampfes zwischen Gut und Böse, erfrischend grob und ungeschönt, ohne die übliche schwarz-weiß Malerei.
Es gibt keine strahlende Helden, alles wirkt etwas schmuddelig und Kohle geschwärzt, es graut einem manchmal beim Lesen. Beim Lesen entwickelte ich aber auch eine gewisse Sympathie für die dunkle Seite.
Es ist eine Reise in ein anderes Land, eine andere Kultur, eine andere Welt. Nicht nur in die Fantasie. Nachdem ich das Buch gelesen hatte, kam relativ bald der Film dazu in die Kinos, der bis heute erfolgreichste russische Film.


Und dieses Film begeisterte mich ebenso wie das Buch: ich saß atemlos und selbstvergessen im Kinosessel und tauchte ganz in die Geschichte ein. Ungeschönt erzählt, teilweise in grausamen Bildern.
Als ich Jahre später tatsächlich einmal in Moskau war, konnte ich erst begreifen wie der Autor diese Stimmung im Roman zustande bringen konnte. Es ist wirkliche eine andere Welt.
Ihr wartet auf eine Inhaltsangabe? Dann folgt dem Link zu Wikipedia.
Ich las alle Bände der Wächter Geschichten und nicht nur das - ich hatte für mich entdeckt, dass ich die düster-melancholische Art mancher  russischer Schriftsteller mag und erbeutete manch gutes Buch.
Warnung: Suchtgefahr.



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