Samstag, 2. November 2013

Rübe ab! (vergessenes Gemüse)



Bei uns auf dem Dorf waren Rüben nur Zweierlei: entweder *Saufutter* oder Zuckerlieferant. Im Herbst fuhren Traktoren mit Anhängern, auf denen sich Rüben türmten, Richtung Zulieferer für die Zuckerfabriken.
Armeleuteessen oder Viehfutter - das war die Steckrübe. Sie kam bei uns nie auf den Tisch, ebenso wenig wie der Kürbis oder Mangold. Dabei war meine Mutter eine gute Köchin und baute auch Gemüse selbst an.

Nun, die diese Rübe besticht nicht gerade durch ihre Schönheit, aber ich bin kulinarisch auf dem Entdeckertrip und manchmal auch auf Irrwegen. Das letztere eher selten. Und da ich zu der verfressenen Gattung der Menschheit gehöre - seufz - und  auch noch eine geeignete Testperson im Freundeskreis habe, heißt es in diesen Fällen:
Probieren geht über studieren. Und ich machte mich ans Werk.


Als erstes schnitt ich die Rübe in zwei Hälften und schnufferte. Ein leichter Kohlgeruch stieg mir in die Nase, dann schälte ich mit einem scharfen Messer die Schale großzügig ab. Ein kleines Fitzelchen Rübe wanderte in meinen Mund. Ich war überrascht, ein angenehmes würziges Aroma, leicht an Kohlrabi erinnernd, aber süßer.
Eine Hälfte der Rübe ging, gut verpackt, in den Kühlschrank, die andere wurde in ca 1,5 cm große Würfel zerteilt.
Womit ich zum Rezept komme.
Herbstzeit, Eintopf und Suppenzeit. Und ich hatte noch einen halben Hokaido im Kühlschrank, der auf seine Weiterverarbeitung wartete.
Hm. Ich stand vor meinem Reich der Kühle und starrte hinein. Lauch, Knollensellerie, Knoblauch, Zwiebeln: habe ich immer zuhause.
Gewürzschrank auf: Lorbeerblätter, Kümmel, Liebstöckel.
Ein altbackenes Laugencroiss und glatte Petersilie waren auch vorhanden.
Und in meiner Rübe - ähm Kopf, rumorte schon eine Idee. Hier das Ergebnis:



Dreierlei Knollen:  (4 Portionen)

1/2 Steckrübe, geschält und gewürfelt
1/2 Hokaido, gewaschen und gewürfelt
3 große, festkochende Kartoffeln. geschält und gewürfelt
(alle drei jeweils in ca 1,5 große Würfel)
2 Knoblauchzehen, gehackt
1 große Schalotte geschält und gewürfelt
1 1cm dicke Scheibe Knollensellerie,geschält,  feingehackt
1 große Gemüsezwiebel, geschält und fein gewürfelt
1 halbe Lauchstange, geputzt und in 1,5 cm dicke Ringe zerlegt

Gewürze und Kräuter:
Salz , Pfeffer (weiß), Kümmel 1/2 Teelöffel, Liebstöckel (Maggikraut),  2 Lorbeerblätter,

Einen großen Topf braucht ihr. Öl heiß werden lassen, Zwiebeln und Knoblauch *anschwitzen* (nicht bräunen!) lassen, bis sie glasig werden. Jetzt das zerkleinerte Gemüse (also alles) dazugeben und und andünsten. Die Gewürze dazu und weiterschmorren.
Mit Wasser aufgießen bis alles bedeckt ist, und ca 20 Minuten Köcheln lassen.
Fertig!


Topping:
1 altbackenes  (Laugen)Croissant
gehackte, glatte Petersilie
etwas Öl
in einer Pfanne *rösch* anbraten
und über den heißen Eintopf geben

Der Eintopf ist leicht süßlich, lebt davon das Kürbis, Kartoffeln und Rübe einen unterschiedlichen Biss haben: der Kürbis *schmilzt* förmlich auf der Zunge, die Rübe zerfällt fast.
Also, das gibt es jetzt öfters bei mir.

Rübe rockt!





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