Dienstag, 5. November 2013

Vom Flanieren und Flaneuren ( das Theaterhaus, der coole Norden)

Laut Wikipedia ist ein Flaneur ein Genießer:

Der Flaneur (aus französisch flaner „umherstreifen, umherschlendern“) ist ein Mensch, der im Spazierengehen schaut, genießt und planlos umherschweift – er flaniert.

Für mich sind Flaneure mehr seitdem ich Joe Bauers Depesche lese und seinen Flaneursalon besuche. Während er flaniert, sinniert er auch über einiges, und ich mag seine Art von A nach Q zu wandern mit Umwegen über Z. Er ist sarkastisch, witzig, verpackt sein Wissen gekonnt in eine sehr ansprechende Sprache. Und manchmal ist er böse. Aber gut.
Aber um diesen lesenden Autoren geht es heute nur am Rande.


Warum ich ins Theaterhaus ging, ist ebenso Nebensache. Ich war auf alle Fälle vor Ort und da fanden dann ein paar Menschen, wenn ich schon da sei, müsse ich auch in die Vorstellung der Jubiläumsvorstellung des oben genannten Herrn. Und wie ich immer sage: Es ist nicht wichtig, wen man kennt. Es ist nur wichtige, wen die wieder kennen. Eigentlich wollte ich heim. Irgendwie war mir nicht ganz gut, aber eine Freundin ließ nicht locker und schließlich saß ich der zweiten Reihe vor der Bühne. (Nur kein Neid bitte.) Ich höre Joe Bauer gerne zu, ich mag seine Art seine Texte vorzutragen, und als ich dann Uta Köbernick ein paar  ihrer Rabenlieder singen hörte, war ich im Glück.

Es ist wie mit meinem Smartphone, meinen beiden *Booben* (meine Kater) - ich komme zu ihnen wie die Mutter zu dem Kinde: unerwartet.
Ich schweife wieder einmal gnadenlos ab - mir geht es heute um das Theaterhaus. Es heißt so. Einfach Theaterhaus. Heute in der Nähe des Pragsattels, in der Sichtweite der großen Neon-Litfaßsäule, von der ich mich immer Frage, was den darin sei, unter deren Haupt sich zu fast jeder Tageszeit der Verkehr staut, wenn man runter in die Stadt fährt. Man kann aber auch bequem mit der U-Bahn fahren (die U7/U15) - von der nächsten Haltestelle aus ist es ein Katzensprung.


Im Sommer kommen viele durch den Park angeradelt, der in der Nähe sich bis in die Innenstadt zieht und der leider mal wieder - durch S21 verursacht - einiger seiner Prachtbäume verliert, geopfert auf dem Altar der Fortschrittsgläubigkeit.

Das Theaterhaus war nicht immer hier oben, über der Stadt, es zog irgendwann einmal um. Ich kenne es aus alten Tagen, wenn ich mit der *Neuner* (oder war es die Vier?) Richtung Wangen zuckelte, in eine ruchlosere Gegend, eine Polizeiwache um die Ecke. Hier war alles noch etwas *alternativer*, abgeratzter. Mit einem kleinen, lauschigen Biergarten. In den alten Hallen sah ich manches Konzert, "die kleine Tierschau" und manch anderes. Das Publikum war schräger, bunter. Ich liebte es.
Als ich gestern in der Eingangshalle des neuen Theaterhauses stand kamen die Erinnerungen und als ich so das Publikum betrachtete - nun, wir kommen alle in die Jahre. Ein Teil passt sich an, ein Teil bleibt anders.


Das neue Theaterhaus besticht nicht gerade durch den Charme des Gebäudes. Es ist funktionell und irgendjemand hat bestimmt gedacht (ich vermute stark, es war der Architekt):
-  Schicht-Beton ist ein gute Sache -
Es ist funktionell. Stimmt. Und ein Ort wird meist durch seine Nutzung ein guter Ort. Und die Macher des Theaterhauses machen gute Sachen. Hier habe ich Hagen Rether gesehen, Caveman, hier lauschte ich Ben Becker als er *Alexanderplatz* las und verliebte mich wieder einmal in seine Stimme. (Der Rest kann mir gestohlen bleiben.)
Hier flaniere ich - denn flanieren kann man nicht nur durch Wälder, Parks und Straßen - durch die Hallen und beobachte.
Was ich am Theaterhaus nach wie vor schätze, ist seine übersichtliche Größe, dass man es gut erreicht und das Programm. Ein Ort lebt von dem, was sich in ihm abspielt.

Theater eben.











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