Sonntag, 22. Dezember 2013

Es weihnachtet gar sehr - eine Weihnachtsgeschichte (Sonntagsgedanken 50/2013)



 LIEBE.

Was für ein schönes Wort und was wird es gequält und missbraucht.
Opa liebt die Oma, Mama liebt die Kinder, Papa liebt den Rostbraten und der Onkel liebt den Schnaps.

Weihnachten berührt mich. Die Tradition. Wobei ich mich an kein Weihnachtsfest in der Familie erinnern kann, das wirklich Freude gemacht hat.
Es gab ein Weihnachtsfest was mich allerdings bis heute beseelt  und dieses liegt Jahrzehnte zurück, Es war im Freundeskreis. Und dieses Weihnachten war ein wahres Fest. Alle hatten heimlich alles mögliche herangeschafft, Haushaltswaren jeglicher Art, Töpfe, Kehrwisch, Bettwäsche. Wir Mädels hatten vorgekocht. Alle haben wir uns zusammengetan, die Autos beladen und waren von Bruchsal nach Freiburg gebrettert. Selbst ein kleiner Baum und Kerzen waren im Kofferraum.
Wir haben einen Freund überrascht, der von seiner Familie verlassen wurde. Sie mussten aus ihrer alten Wohnung ausziehen, einer Bruchbude und weil er über 18 war hieß es: gehe deine eigenen Wege, hier ist kein Platz mehr für dich. Er hockte alleine in seiner kleinen Wohnung. Ohne alles.
Wir holten ihn ab, besetzten kurzerhand sein altes Haus (woher wir den Strom hatten, weiß ich bis heute nicht), stellten Bierbänke, Tische und den Weihnachtsbaum auf, der nur Wachskerzen erhellt in der Mitte der Küche stand.
Die Toiletten waren versifft, der Putz der Wände hatte Löcher, es fiepte überall. Es war kalt. Wir ließen die Jacken an. Die Sicherung für den Herd flog ständig raus.
Und mittendrin zwei strahlende Kinderaugen. Das Kind war 1,85 groß und ziemlich wuchtig. Und heulte wie ein kleines Kind. Wegen uns. Und weil der Raum mit etwas erfüllt war, was uns alle fest im Griff hatte.

Liebe.


Wir aßen, tranken - das Geschirr ging danach nahtlos in seinen Besitz über, der Baum fackelte fast ab und wir schliefen dann alle in seiner winzigen Neubauwohnung, auf Isomatten und in Schlafsäcken.
Uns war von innen heraus warm.
Um nichts anderes geht es an diesen Tage.
Auch wenn man uns etwas anderes weismachen möchte.

Euch allen einen schönen vierten Advent.

Kommentare:

  1. >Wobei ich mich an kein Weihnachtsfest in der Familie erinnern kann, das wirklich Freude gemacht hat.
    Geht mir nicht unähnlich....
    Danke für diese schöne Geschichte!
    Lass es dir in den nächsten Tagen gut gehen
    LG
    Sabienes

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    1. oh, ich bin mit der Antwort wirklich spät dran. Danke dir Sabienes - ja, ich glaube wir setzen zu viele Erwartungen in dieses Fest.
      LG

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