Donnerstag, 12. Dezember 2013

Graue Panther - Papiertiger im Cafe Weiß (die hippe Mitte)

Nun ja, wer nicht reserviert, der daf sich  nicht beklagen, wenn er im letzten Eck landet. Taten wir auch nicht, also letzteres, aber im letzten Eck landeten wir schon. In einem Separee, das wahrscheinlich einiges zu erzählen hätte. Ich hörte die Wände flüstern, aber bald war das übertönt vom Lärm der Kneipe.


Das Cafe Weiß ist ein Teil der Stuttgarter Rotlicht und Kneipengschichte, jahrelang ein Treffpunkt für Schwule, in einer Zeit in der sie noch mehr diskriminiert wurden als heute. Lange bevor es so schicke Lääden wie das Rubens gab.
Und hier fand ein Leseabend statt. Also im Cafe Weiß, nicht im Rubens. Joe Bauer, der Kolumnist der Stuttgarter Nachrichten, (der einzig wahre Grund dieses Blatt zu kaufen) traf sich mit ein Paar Musikern, seinem Kumpel Baisch und dem Schriftsteller Schorlau.
Was für ein schräger Abend. Er hätte ein Highlight der Woche  werden können. Joe Bauers Texte lese ich gerne, aber ich liebe es ihm zu lauschen.
Nun, man kann das Separee ertragen, aber eine Kneipe lebt und stirbt mit dem Charakter ihrer Bedienungen. Fast hatte ich Mitleid mir, anscheinend hatte man nicht mit dem Ansturm gerechnet und anstatt den Gästen das mit einem Lächeln und einem schrägen Witz schmackhaft zu rmachen wurde gejammert, man wurde strafend angesehen und es wurde einem sofort unterstellt, das man kein Verständnis hat. Nun ich kenne solche Kneipenbeißzangen und ich amüsiere mich köstlich über sie - wie kann man nur so verbiestert durch das Leben laufen? (Und kommt mir nicht mit: was die wohl schon alles erlebt hat....)
Ich habe Verständnis, habe ich doch selbst einmal bedient und lange Jahre mit Kunden zu tun gehabt. Nein, ich war nicht immer freundlich zu den Leuten, aber irgendwann sollte man es sein oder den Job wechseln - oder eben damit leben, dass manche Gäste Eintagsfliegen bleiben.
Ausnahme ist und bleibt die einarmige Dame des legendären Zum-Zum Imisses, einer der Eckpunkte des vergangene Szene Dreiecks. Palast der Republik, das unbekannte Tier und das Zum Zum. Das Tier und das Zum Zum sind (leider) Geschichte. Mancher Kater begleitete mich nach Hause und manche Curry Wurst.
Mich störte es allerdings gar nicht so sehr, ich dachte mir meinen Teil, aber die nette junge Dame, die mit uns im Separee saß, wusste anscheinend nichts mit dem Begriff Lesung anzufangen und textete ihrerseits ihren Begleiter zu.
Ich erfuhr einiges aus ihrem Leben, beziehungsweise von einem Treffen, mit einem Mann an einem bestimmten Abend, dass nicht gerade zu ihrerer Zufriedenheit lief.
Irgendwie wollte er nicht so wie sie und er hatte mein gesamtes Wohlwollen. Also der Verschmähte und jetzt Geschmähte. Mein Mitleid für den Begleiter des Abends hielt sich in Grenzen, den er hing ihr an den Lippen, bzw sein Blick an ihren anderen weiblichen Accessoires.
Hin und her gerissen zwischen dem Gedanken, den Schluß ihres Dramas nicht verpassen zu wollen und dem Wunsch Shorlau zu lauschen, entrang sich meiner Brust ein leises "Psssst", was sie zu einem giftigen Blick animierte und ihn zu einer Entschuldigung.
Ich glaube die beiden werden ein Paar.
Die Bedienung hatte es dann mal endlich geschafft meiner Begleiterin den Kaffee zu bringen, der so schmeckte wie ihre Art war. Und meine Begleitung trinkt meinen Kaffee ohne zu murren, und der ist nun wirklich nichts besonderes. Obwohl: er ist besonders schrecklich.
Schorlau las und wir lauschten - angestrengt. Denn, auch wenn er volltönend  und witzig schreibt so liest er es nicht so. Leise, fast ohne Betonung - mein Trommelfell krampfte nach wenigen Minuten im Dreiviertetakt - formten unsere Ohren Muscheln um den Klang zu verstärken.
Aber was ich hörte, also der Inhalt, machte mich neugierig auf die Bücher.
Wir gaben auf und wollten zahlen - was aber de Barfrau zu verhindern wusste. Sie verschwand einfach...
So hörten wir noch einmal Herrn Baisch zu .....
Irgendwie schräg, der ganze Abend, aber irgendwie lustig. Und an die Bedienung könnte ich mich gewöhnen ...




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