Freitag, 13. Dezember 2013

Stuttgarts Schande und Ludwigburgs Fehlverhalten

Stuttgart ist reich. Einer der reichsten Städte Deutschlands. Trotzdem ist jeder 5. dieser Stadt direkt oder indirekt von der Armut bedroht.
20%
Und das obwohl hier Vollbeschäftigung herrscht.
Aber anscheinend auch eine gewisse menschliche Kälte.
Es herrscht das *Wegsehen*
Von was ich spreche? Vom Umgang mit den Schwächsten. Von denen die keine Lobby haben und an denen man nicht verdienen kann. Von denen, die keine Wahl haben.
Ich spreche hier vom Umgang Stuttgarts und der Stadt Ludwigsburg mit Flüchtlingen.

Vor Wochen schon stolperte ich im Gesichtsbuch über das Engagement von Freunden und Bekannten, die etwas Freude in das Leben der Flüchtlings-Kinder bringen. Es wurden Geschenktüten gepackt und eine Nikolausaktion gestartet. Es gabe viele fröhliche Kindergesichter zu sehen. Aber auch andere Bilder.
Als ich dann folgende Fotos sah, die mir ausdrücklich zur Verfügung gestellt wurden, und die Zustände im Heim aufzeigten, fiel ich vom Glauben ab. Dieses *Auffanglager* gehört nicht zu Stuttgarts Verwaltungsbereich, sondern zu Ludwigsburg. Was die Sache auch nicht besser macht.
In Stuttgart protestierten Flüchtlinge gegen die unwürdigen Umstände ihrer Unterbringung.
Kaum beachtet. Kaum gehört.


Die Bilder wurden mir von Jürgen K. zur Verfügung gestellt.
Er schrieb folgende Worte dazu:

"Vergangenen Freitag habe ich eine zentrale Asylbewerberunterkunft im Raum Stuttgart besucht. Das Gebäude, ein mehrstöckiger fabrikähnlicher Bau, der offensichtlich eine ehemalige Bahnimmobilie ist, bei welcher man ab Mitte der 50er-Jahre nichts mehr hineingesteckt wurde. Das Gebäude gleicht einer Plattenbau-Ruine. Im Inneren sind vorwiegend große Räume ohne Zwischenwände, in welchen teilweise mehrere Familien leben müssen. Die Zustände in diesem Wohnheim sind völlig inakzeptabel. Ein völlig heruntergekommenes Gebäude, Elektroinstallation aus dem letzten Jahrhundert, defekt, Kabel hängen aus Decken und Wänden, die sanitären Anlagen sind niemandem zuzumuten, das Wasser läuft nicht ab, die Stadt kümmert sich nicht darum. Das erinnert eher an ein Straflager in Sibirien, die Menschen dort müssen ihr Essen zubereiten, während Kakerlaken und Schaben aus den Wänden krabbeln und um den Topf rennen. Bis vor kurzem ging die Heizung nicht. Wie die Menschen dort leben müssen ist abgrundtief traurig. Was ich dort gesehen habe, beschäftigt mich sehr. Eigentlich sollte sich das jeder einmal von innen anschauen. Das Lachen der Kinder und die Freude über kleine Geschenke wärmen das Herz, jedoch bleibt der bittere Beigeschmack, mit welcher tatsächlichen Herzenskälte hier mit den Familien umgegangen wird. Offiziell sollen dort 200 Menschen Platz finden, jedoch hat die zuständige Behörde bereits mehr als 300 Personen untergebracht. J.K."
Hier hilft auch kein Putzen mehr, auch nicht etwas Farbe. Hier muss mehr geschehen. 

Die Würde des Menschen ist unantastbar

Steht irgendwo im Grundgesetz. Zum Wohle des deutschen Volkes. Und was ist, wenn man nicht deutsch ist, auf der Flucht und mittellos?
Vor kurzem war St. Martin. Kleine Menschen zogen mit Laternen durch die Straßen, ein berittener Polizist als St. Martin begleitet die Gruppe Kinder. Fröhliche, kleine Menschen-
Was ist mit den anderen Kindern? Die in dem Asylbewerberheim? Die, die nichts haben?
Interessiert sich denn die Stadt, der Gemeinderat dafür? Lobna Forer, Stuttgarter Aktionskünstlerin, und Britta Bamberg setzen sich für diese Menschen ein. Und nicht nur sie. Sie tun etwas, sie sehen nicht weg. Und sie sind nicht alleine.

Durch mein Umfeld. hörte ich zum erstenmal von der *Willkommenskultur*.  Willkommen in Stuttgart.
Wie geht die Stadt mit Fremden um?
Sie sind willkommen.
Wie geht Ludwigsburg mit Fremden um?
Die Bilder, die ich sah, sprachen eine andere Sprache. Ich machte mir Gedanken und fing an im Netz zu suchen. Aber ich fand keinen Artikel über die Missstände in diesem *Wohnheim*. Anscheinend gilt auch hier:

Keine Lobby = Keine Unterstützung.

Was kann man machen?
Viel. Selbst etwas diesen Menschen geben. Die zuständigen Stellen bei der Stadt nerven. Briefe, Anrufe bei den Verantwortlichen im Rathaus, die Parteien anschreiben, anrufen, fragen.
Ob Stuttgart odder Ludwigsburg. Berlin oder Hamburg.
Es kann jeden treffen

Wegsehen hat noch nie etwas an den Zuständen geändert.



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