Donnerstag, 30. Januar 2014

Taubentöter und Mäuseterminator



Das ist etwas auf was ich ganz und gar nicht stolz bin, auch wenn ich eine zeitlang ein T-Shirt trug, auf dessen Vorderseite *Mäuseterminator* und auf der Rückseite *Taubentöter* stand.
Wenn ich dann erzählte wieso, erntete ich teil, entsetzte, verblüffte Blicke oder/und schallendes Gelächter mit den Worten *Is nich wahr!* garniert.

Wie ich zu dem Titel Mäuseterminator kam könnt ihr hier nachlesen: Mäuse Teil I und Mäuse Teil II-
(Im Moment belagern meine beiden Samtpfoten lieber mich als die aktuelle Mäusepopulation in Schach zu halten....)

Das mit der Taube war etwas anderes und ich kann euch sagen: Ich stand unter Schock. Danach. Also nachdem ich die Taube in ein besseres Dasein katapultiert hatte. Komplett ohne Absicht.....
Es war einer dieser Stuttgarter Sommer: heiß, schwül, irgendwie wissen die Nächte nicht wie sie zu Ende gehen sollen, man wir morgens nicht wach und ist schon erledigt, wenn man das Bettlaken von sich wirft. Im Tatjahr musste ich jeden Wochentag sehr früh auf den Zug, noch kein S21, das den Bahnhof in Großbaustelle mit fatalen Folgen für die Pendler verwandelte.
Ich war mal wieder sehr spät dran und das fatale an Zügen ist ja: man selbst wartet auf sie, egal wie verspätet sie ankommen, aber sie warten nie auf einen.
Da nicht nur Zeit, sondern auch Geld knapp war, fuhr ich nicht U-Bahn sondern Fahrrad. Teilweise war ich wohl die größte Verkehrsgefährdung auf der Strecke Heusteigviertel-Bahnhof.
Die Strecke konnte ich blind, nach Gehör, fahren.
Erst die Heusteigstraße lang, dann den Hügel runter, in einem Affenzahn, am schlafenden Wilhelmsplatz vorbei, über die Kreuzung wie ein geölter Blitz, der Fahrtwind pfiff in den Ohren, eine scharfe Rechtskurve und ab durch die Mitte bzw die Eberhardstraße.
Hier bevölkert immer eine Horde Tauben, eigentlich sind es mehrere Horden Tauben, morgens schlaftrunken die Straße. Ich klingelte, rief und fauchte - das letztere wirkte am besten - und fuhr ungebremst durch eine Menge flatternder, gurrender Federansammlungen.
Die Tauben waren wach kann ich euch sagen.
An einem Morgen war es mal wieder soweit. Ich heizte durch die Stadt, nahm die Kurven wie ein Kamikaze, trat in die Pedale, als ginge es um mein Leben - ich hatte für die Strecke gerade mal neun Minuten und einen wichtigen Termin.
Als ich in die Eberhardstraße einbog breitete sich ein wahrer Taubenteppich vor mir aus. Ich klingelte wie eine Geistesgestörte, fauchte und die Federmasse teilte sich vor mir wie das rote Meer vor Moses...
bis, ja bis auf diese eine Taube. Ich stieg in die Eisen, klingelte gleichzeitig, bremste so stark, dass mein Hinterreifen blockierte und sah in Großaufnahme dieses Taubenvieh auf mich zukommen....Die saß da, drehte den Kopf zu mir  und gurrte. Ich könnte schwören, dass es fragendes Gurren war.
Es ging alles ganz schnell (was mich heute etwas beruhigt), die Taube kam unter die Räder, buchstäblich. Ich hörte ihre Knochen brechen. Ich höre es heute noch. Es bohrte sich in mein Gehör und mein Herz. Ich hatte es nicht geschafft rechtzeitig anzuhalten.
Als  ich zu ihr hinsah streckte sich ein Flügel anklagend gegen den Himmel. Mir stiegen die Tränen  in die Augen und ich stammelte: *Ich habe ne Taube überfahren....*
Aus der Schockstarrre löste mich die knarzende Stimme eines Schwaben *Ha, mached Se sech do nix draus, ä Lufdradde wäniga!*
Mir fiel der wartende Zug ein, ich setzte mich auf mein Rad und raste weiter, verfolgt vom Anblick des blutigen Flügels....
Ich erreichte den Zug gerade noch so. Und habe mich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Zugtoilette übergeben. Den Anblick der toten Taube bekam ich tagelang nicht aus dem Kopf.
Trotzdem ließ ich mir das T-Shirt damit bedrucken..... meine Art damit umzugehen.
Und - ich verließ das Haus ab diesem Tag immer zehn Minuten früher.....



Dienstag, 28. Januar 2014

Flexianer? Flexitarier!

Was is'n das? Flexianer?  Flexitarier? Kommt von flexibel und bedeutet in meinen Augen einfach *undogmatisch*- mir rennen im Moment zu viele Menschen durch die Welt und verkündigen deren Ende und/oder wie man sie retten kann.
Wir leben in einer Zeit der Gegensätze, der Glaubenskriege der anderen Art, leider aber auch der Verrohung der Sitten und dem Verlust des Anstandes. Nicht nur untereinander, sondern jedem und allem gegenüber was auf unserem Planeten wächst und gedeiht und selbst dem Boden auf dem wir leben.
Auf der einen Seite werden Moralvorstellungen hochgeschraubt, aber gelebt werden sie kaum noch.

Das Wort Flexianer las ich im Zusammenhang mit der Ernährung, sich vegan ernähren, vegan zu leben ist ein neuer Trend. In meinen Augen ein erfreulicher Trend, wenn auch nicht ganz ohne - sagen wir einmal: Problematiken.
Es geht mir heute aber nicht um das Pro oder Contra der veganen Ernährung, die Gründe dafür sind so mannigfaltig wie unterschiedlich, sondern um etwas mehr Nachdenken beim Konsum- und das machen erfreulich viele in meinem Freundeskreis. Aber auch sie sind keine Flexianer.

Flexianer sind Menschen, die für sich entschieden haben, eine Zeitlang, ohne Zeitpunkte zu setzen, auf eine bestimmte Art zu leben. Was bedeuten kann, dass sie ein paar Monate vegan leben um dann einen Hamburger zu verspachteln, und das mit Genuss und ohne Reue. (Mit Hamburger meine ich natürlich das Frikadellenbrötchen und keinen Anwohner der Alster.)(Ich weiß, etwas platt, aber der musste jetzt sein.) Und vielleicht auch wieder Fleisch essen danach, und das regelmäßig. Oder sie verzichten eine zeitlang auf Alkohol, shoppen gehen ect....

Was mir an den Flexianern so gefällt ist ihre undogmatische Art. Als alte Ernährungslehretante (5 Jahre meiner Schulzeit begleitete mich dieses Schulfach, zwei davon als Leistungskurs in Verbindung mit Chemie) denke ich, dass der Mensch ein Allesesser ist und bleibt. Er wird alles verspeisen, was ihm beim Überleben hilft. Wir können die moralische Verpflichtung ins Felde führen, so oft wir wollen, aber wenn wir am Verhungern wären, würden wir zu den Raubtieren werden, die wir nun mal sind.
Was nicht heißt, dass wie in Zeiten des Überflusses nicht gerne darauf verzichten können und es auch teilweise tun. (Ich flog schon aus einer veganen Gruppe raus, weil ich schrieb: wenn es darum geht zu überleben, würde ich auch einem Hühnchen den Hals umdrehen....)

Zurück zu den flexiblen Menschen - ich persönlich finde sie erfrischend undogmatisch - wie schon erwähnt. Sie tun, was sie für richtig halten, moralisch und sonstwie geleitet, aber sie kasteien sich nicht. Ich kenne einige Veganer, unter anderem mich, die manchmal einem Stück Käse einfach nicht widerstehen können - ein Teil suhlt sich dann wochenlang in Selbstvorwürfen. (Dazu gehöre ich nicht.) Wenn ich betrunken bin, kann es sogar sein, dass ich in eine Wurst beiße - wobei das schon länger nicht mehr passierte und ich es auch nicht wieder vorhabe. Aber wenn ich an der Kuchentheke des Zimt und Zuckers stehe und der Käsekuchen mich anlacht, kann ich für nichts garantieren.

Zum Schluss: Mir - und anderen Veganern - wird immer wieder vorgeworfen, bzw vorgehalten, wir seien verrückt, mit unserem Verzicht würden wir kein einziges Tierleben retten, das würde nur durch die Politik geschehen können.
Mag sein, aber ich muss ja nicht Teil des Systems sein und mitmachen. Jeder hat die Wahl. Auch es nur für eine Zeitspanne zu tun oder zu lassen.



Sonntag, 26. Januar 2014

Diskussion? Streit? (Sonntagsgedanken 4/2014)

Wer kennt es nicht? Hitzige Diskussionen, sachliche Wortgefechte. Ist man zu zweit und sieht man sich dabei in die Augen bleibt es meistens sachbezogen - wenn es nicht gerade um Gefühle geht - , denn man kommt selten mit so eng Menschen zusammen, die eine komplett andere Meinung oder Haltung vertreten. Oder man mag diesen Menschen aus irgendeinen Grund so sehr, dass man ihn nicht verletzen und verlieren möchte.
Im Fernsehen ist das anders. In den Talkrunden. Und nein, keine Angst, ich hechle hier nicht wieder diesen Talk*meister* des ZDF durch. Das war ein peinlicher Auftritt von Herrn Lanz und dem anderen, dem ich das Wort Herr nicht zugestehen möchte und deswegen auch seinen Namen nicht schreibe.
(Wahrscheinlich habe ich gerade wieder einen Dativ oder Genitiv gemeuchelt, was soll's...)

Weit davon entfernt mich in Rage zu schreiben, fällt es mir die letzte Zeit immer mehr auf, dass es vielen meiner Zeitgenossen an etwas fehlt. An der Kultur des Streitens, an einer Grundhaltung beim Diskutieren. Im wahren Leben geht es auch manchmal heiß her, wenn man mit Freunden zusammen sitzt und mal unterschiedlicher Meinung ist. Aber im Netz? In Foren? In den Kommentarleisten der *Sozialen Netzwerke*? Bei letzteren denke ich immer öfter: wie asozial. Hier ist es anscheinend so, da man ja sich hinter *Fakeprofilen* verstecken kann, man relativ anonym im Netz ist, dass man ungeniert die innere Sau auf andere hetzen kann. Hier lassen manche ihren Frust raus, ihre angestaute Wut, auf was auch immer, hier dient die Gegenseite als Blitzableiter.

Für mich selbst habe ich mir eine kleine, innere Checkliste angelegt, wann ich aus einer Diskussion aussteige:

  • wird mehr auf die Person eines Diskutanten eingegangen als auf das was er von sich gibt
  • werden die Argumente ins Lächerliche gezogen
  • werden Argumente als  falsch oder gar Lüge bezeichnet, ohne Quellennachweis
  • zählt die Grundhaltung eines Kommentators mehr als seine Argumente
  • taucht das Wort *Gutmensch* oder gar *linker Gutmensch* auf

Sind diese Punkte erfüllt, drehe ich mich auf meinem inneren Absatz herum und gehe. Bildlich gesprochen. Denn Menschen, die so *diskutieren*, möchten sich gar nicht wirklich mit einem Thema auseinandersetzen, sondern haben einfach die Lust am Bashen. Ihnen fehlt der Pranger am Marktplatz und sie wissen nicht wohin mit ihren geistigen - angefaulten - Salatköpfen.

Ich muss mich da auch an der eigenen Nase fassen, aber das immer weniger. Frau lernt. Als die *Sozialen Netzwerke* für mich neu waren, habe ich auch Federn gelassen und habe manchem Menschen das Fell nicht nur gegen den Strich gebürstet, sondern auch gleich mal über die Ohren gezogen....

Zur Zeit dreht sich mir auch des öfteren der Magen um, wenn ich manche der Kommentare unter den Artikeln von Onlinezeitungen lese. Manchem Schreiberling würde ich gerne Nachsitzen verpassen - in Staatskunde. Das Grundgesetz. Bis zum Erbrechen. Bis sie es auswendig singen können, rückwärts wenn es sein muss. Aber wahrscheinlich würde das auch nichts ändern.

Es gibt auch Themen bei denen man von vornherein weiß, dass eine Diskussion mit der Gegenseite sinnlos, - aber manchmal ganz lustig -  ist:

Pazifist - Waffennarr, Thema Krieg
Veganer - Jäger, Thema Sinn der Jagd
Agnostiker - Katholik, Thema Bibel
ect....

Manchmal ist streiten notwendig, es reinigt die Luft. Aber in einer Diskussion ist es förderlich auf die Argumente der Gegenseite einzugehen und zu hinterfragen: Wieso denkt der so?








Freitag, 24. Januar 2014

Habenichtse (Lifestyle)

Habenichts ist ein Schimpfwort. Der hat nichts. Aber das nichts haben bezieht sich auf den materiellen Status einer Person.
Wir leben in einer materiell veranlagten Welt. Neuer, schöner, weiter, schneller, bunter, ausgefallener, besser, teurer, hipper, angesehener.
Der Neid der anderen auf unseren Besitz ist gewollt und manche brauchen ihn um zu existieren, definieren sie sich doch scheinbar darüber. Es macht mich so müde.
Bin ich anders? Wahrscheinlich nicht ganz. Jeder von uns ist ein Stück eitel und hat seine Begehrlichkeiten. Ich auch.
Das mir Besitz als reiner Besitz nichts mehr, oder eben weniger, gibt, habe ich festgestellt, als ich aufhörte Schmuck zu kaufen. Ich trage kaum Schmuck. Mich stört alles auf der Haut. Selbst Haarreifen machen mich nach einer gewissen Zeit kirre und die brauche ich an manchen Tagen, um meine störrische Kopfbehaarung in den Griff zu bekommen. Trotzdem kaufte ich bei jeder Gelegenheit Schmuck, Kosmetik, hier noch eine Tasche, noch ein Paar Schuhe.
Ich komme aus der Modebranche und das hinterlässt Spuren.
Vor über einem Jahr hörte ich auf. Von jetzt auf nachher.
Ob ich jetzt ins Kloster gehe und Asket werde? Bestimmt nicht! Warum auch? Besitz ist an für sich nichts schlechtes. Ich besitze ein Bett, diversen Kleinkram an dem ich mich erfreue, usw usf...
Und ich weiß sehr wohl, dass es sehr viele Menschen gibt, die Nichts haben, weil sie arm sind.

Seit nun mehr zwei Jahren habe ich regelmäßig Anfälle und räume aus, weg und um. Verschenke, verkaufe, tausche und meine Habe wird immer weniger. Zusätzlich habe ich es mir zur Auflage gemacht erst zehn Teile zu verschenken, wegzuwerfen oder zu verkaufen bis ich mir ein Neues dafür zulege.
Ich sehne mich nach Weite und Leere. Einem Zimmer in dem nichts steht als nur ein Sessel und eine Stehlampe. Oder zumindest eine Ecke in einem Zimmer die so leer ist. Bücher nicht mehr kaufen sondern leihen. CD's runterladen und weitervererben. Ich habe hunderte CD's, die ich immer wieder einmal durchforste und wieder anhöre. Das hat auch was, auch schön. Aber ich werde sie wohl nach und nach *verscherbeln*.

Warum werden sich jetzt etliche fragen? Besitz belastet. Besitz macht unflexibel. Jedenfalls mich. Je weniger ich habe, desto weniger muss ich aufräumen und sauberhalten, waschen und wegräumen.
Besitz kann Freude machen - ich liebe meine Katzenstatuen, aber es sind nur 5, aus unterschiedlichen Kulturen - kann aber auch zur Belastung werden.

Nachdem ich entdeckte, dass ich teilweise manche Kisten seit Monaten nicht geöffnet hatte und nichts vermisste war es wieder an der Zeit. Meine Schränke leeren sich immer mehr, bald kann ich auch einen Teil der Schränke weggeben.
Ich bin ein unordentlicher Mensch, ich bin ordnungsliebend, aber nicht Ordnung schaffend. Weniger Besitz ist eine Maßnahme weniger Chaos um mich zu haben.

Donnerstag, 23. Januar 2014

Montag, 20. Januar 2014

Wintersalat und Vitaminschub


Tomaten, Gurken und Paprika sind kein Wintergemüse. Kopfsalat auch nicht.
Feldsalat und Endiviensalat schon.
Feldsalat ist putzintensiv. Endiviensalat nicht.

Endivien ist etwas bitter und eine sehr alte Salatsorte. Man kann ihn auch anbraten. Oder man kann ihn anmachen. Nicht von der Seite, sondern mit einem Dressing.
Und was gibt es im Winter in Hülle und Fülle.
Orangen und Walnüsse, oder andere Nüsse.

Gerade habe ich 20 kg Zitrusfrüchte über Poís bekommen und die gilt es zu verspachteln und zu verarbeiten. Und das ist für einen Singelinchen wie mich, trotz meiner Fresslust, eine enorme Herausforderung. Und so erfinde ich jeden Tag neue Rezepte.

Süßsauerer Genuss
(Rezeptangaben pro Person)
Salat:
4 Walnüsse (= Hälften )
1/4 viertel Endivien
1 Orange

Nüsse knacken, Orange schälen und in mundgerechte Stücke teilen, Salat waschen und in feine Streifen schneiden - alles in  eine Schüssel packen.

Dressing:
1 Zitrone
2 Teelöffel Agavendicksaft (wer mag Honig)
1 Teelöffel mittelscharfen Senf
etwas frisch geschroteten Pfeffer
etwas Salz
etwa mildes Olivenöl

Zitrone auspressen
zusammen mit allen anderen Zutaten in ein Schraubglas geben, dieses gut verschließen und dann schütteln, als würde es um euer Leben gehen.

Das Dressing über den Salat gießen und gut durchmischen.
Dazu frisch geröstetes Brot -

*schleck*




Kunst im Kleinen (Briefverkehr)



Als ich gestern bei den Stadtisten saß (ich habe die äußerst *dankbare* Aufgabe des Protokollanten) tat ich etwas, was ich seit meinen letzten Schultagen nur sehr selten tat. Und Dora Asemwald war Schuld, denn die fing an. Sie kritzelte die ganze Zeit irgendwelche Sachen auf A5 Blätter und ich tat es ihr - ganz automatisch - nach. Auf einem Briefumschlag.
Den habe ich dann mit in meine Wohnung genommen. (Meeeeeeein Schaaaatz!) (Nerds verstehen die Anspielung, alle anderen: Guckt oder lest Herr der Ringe.)

Briefumschläge zu bemalen ist für mich nichts Neues. Das habe ich als Teenager ständig gemacht. Ich verwendete mehr Zeit auf das Gestalten der Umschläge als auf den Inhalt der Briefe. Nun, wenn ich ehrlich bin: das Briefpapier bemalte ich auch. In den 80ern war *gestaltetes* Briefpapier (gerne auf 100% Recyclingpapier) chic und elegant. Ob mit, an Aquarellmalerei angelehnte, Himmelsbildern, Jugendstilmotiven oder der Friedenstaube.

Es waren die Endachtziger, beginnenden Neunziger. Die meisten aus meinem Freundeskreis waren *Friedens-bewegt* und *Anti Atom*. (Meine Freunde sind das heute noch.)(Jedenfalls der Großteil).
Nun hatte ich den bemalten Briefumschlag in den Händen und fand ihn auch noch schön.
Was macht man mit Briefumschlägen? Man verschickt sie. Ich könnte ihn leer verschicken, das wäre auch eine klare Aussage oder ein Hinweis oder ein Rätsel, aber ich finde, dass kann ich diesem Briefumschlag nicht antun. Ein Briefumschlag ohne Inhalt ist wie ein Schädel ohne Hirn. Eine Vase ohne Wasser.

Es gibt viele Menschen, denen ich einen Brief schicken könnte. Meinen letzten habe ich Anfang Dezember verschickt, jedenfalls meinen letzten Privaten. Ansonsten stehe ich in regen Kontakt mit Krankenkasse und Ämtern. Erst per Telefon, dann wird das Ganze noch einmal schriftlich bestätigt. Aber würdet ihr einem Amt einen hübschen Briefumschlag zukommen lassen? Nö, ich jedenfalls nicht.

Als dann heute morgen mein Internet anfing zu spinnen (eigentlich ist es mein Router) fiel mir wieder der Briefumschlag ein. Und die ganzen nicht bemalten Briefumschläge in meiner Ablage. Und das ich im Moment keine Lust auf Acrylmalerei habe. Aber auf's Zeichnen. Aber da auch nicht auf größere Sachen.
Kein Internet -> back to the Roots und schreiben (das Festnetz läuft auch über den Router, klassische *Arschkarten*-Situation)
Keine Lust auf's Malen -> also zeichnen.
Keine Lust auf große Flächen -> Briefumschläge.

Für was Protokoll schreiben auf Mitgliederversammlungen gut ist.....

( Heute kein Lektor, ich bin froh, wenn ich das *Ding* online bekommen)

Sonntag, 19. Januar 2014

Toleranz oder Akzeptanz? (Sonntagsgedanken 3/2014)

Das Thema kommt einfach nicht zur Ruhe.
Es wird immer noch gestritten. In Baden-Württemberg soll an den Schulen über sexuelle Orientierung gesprochen werden. Und schon rotten sich die ewig Gestrigen zusammen und schreien ihre Ängste in die Welt hinaus. Man spricht von *Verwirrung* stiften und *Irritationen*,  von*Beeinflussung Jugendlicher und Kinder.
Man kenne ja selbst ein paar und die seien ja ganz okay, man sei ja tolerant.
Entschuldigung, aber ich muss gleich speien. Und das so heftig wie die junge Dame in dem Film der *Exorzist*. Das was diese Menschen von sich geben hat nichts mit Toleranz zu tun. Tolerieren ist ja ein dulden. Ertragen. Toleranz hat wenig mit Akzeptanz  (annehmen) und Respekt (achten) zu tun.
Toleranz ist wichtig, denn nicht alles können wir annehmen und achten, sollten es aber dulden.
Homosexualität/Bisexualität (und auch andere Ausprägungen) ist nicht nur zu tolerieren, sondern auch zu akzeptieren und zu respektieren, denn es ist keine Krankheit mit der man sich anstecken kann. Mann und Frau sind es oder sind es nicht. Aber sie werden oft an der Seele krank, wenn sie es nicht ausleben können/dürfen. Wenn man sie verspottet oder auf ihre Sexualität reduziert.
Das dann unser aller wohl geschätzter Präsident Russlands (Vorsicht! Ironie!) von sich gibt, dass man nichts gegen dieses Menschen habe, aber sie sollen sich doch bitte von Kinder und Jugendlichen fernhalten....
Was wird den da unterstellt? Das jeder sexuell anders orientierte Mensch praktisch die Veranlagung zu einem Sexualstraftäter hat?
Manchmal frage ich mich in welchem Jahrhundert wir eigentlich leben.

Natürlich muss man nicht alles akzeptieren und/oder tolerieren. Die Liste ist lang.
Mit Verboten kommt man selten weiter. Mit Bitten oft auch nicht. Aber mit Aufklärung. Und das hat
Baden-Württemberg vor. Damit die sexuelle Orientierung eines Menschen keine Rolle mehr spielt. Damit Begriffe wie *voll schwul* nicht mehr als Schimpfwörter benutzt werden. So sollte es mit Religion, Hautfarbe, Nationalität auch sein.
Leider ist es noch lange nicht so weit.

Es wird Zeit, dass alle akzeptieren, dass ein Mensch nicht homosexuell wird, sondern es einfach ist.

Samstag, 18. Januar 2014

Geburtstag

Still und leise kam er und ging und keiner bemerkte ihn:
Der Blog Kokelores wurde am 16.1.2014 ein Jahr alt.
Mal mehr, mal weniger Leser, mal mehr, mal weniger Feedback - aber nie habe ich den Spaß daran verloren.
Manchmal war es zäh, auf Biegen und Brechen einen Artikel online zu stellen. Mann, Frau und auch ich lerne immer dazu. Lieber mal einen Artikel unter den Tisch fallen lassen, als langweilige (ist passiert), schlecht recherchierte Artikel  (ist auch passiert) oder voller Fehler (oha!) zu veröffentlichen. Kam vor. Und auch jede Menge Rechtschreib- bzw Tippfehler. Für Letzteres habe ich jetzt einen Lektor. Wie mein .......  kann es keiner. ( Einen Kuss in den Hallschlag.)
Fehlerfrei würden die Artikel, ohne ihn, selten sein  (und sind sie vielleicht auch jetzt nicht) - da macht meine Rechtschreibschwäche einfach nicht mit, wobei ich mich wahrscheinlich selbst am meisten ärgerte, wenn mir wieder einmal ein "denn" als "den" durchrutschte. Kommafehler lassen mich nicht ins Koma fallen und auch nicht die Groß- oder Kleinschreibung mancher Worte. Aber da ist ja jetzt einer, der heißt ..... (er mag einfach nicht erwähnt werden).

Ich werde jetzt  nicht anfangen die Monate durchzuackern und eine tabellarische Abfolge der Geschehnisse der vergangenen Monate auftippen.
Änderungen habe ich schon vorgenommen, so gibt es seit dem Herbst die Sonntagsgedanken. Zwar wollte ich den Blog anfangs komplett politikfrei gestalten, aber dazu brennen mir zu viele Geschehnisse auf  bzw unter den Nägeln. Wichtig ist mir dabei, dass es sehr persönliche Gedankengänge sind, ich nicht denke, dass ich aller Weisheit Ende bin. Ich versuche fair zu bleiben. Was mir bestimmt nicht immer gelingt. Dazu bin ich zu sehr Mensch.

Immerhin hat es Kokelores geschafft in die Zeitung zu kommen und mehrere Preise abzuräumen. Einfach auf die Links tippen und ihr kommt zu den entsprechenden Artikeln:

Das Ei
Stuttgarter Zeitung
Honig

Und in der Zwischenzeit habe ich Kontakt zu anderen Bloggern, bin in Blogger Gruppen. Jeder kann einen Blog machen und seine Weisheiten ins Netz schrei(b)en. Es gibt Blogs die sehr fein sind, sehr politisch, lustig und es gibt Blogs die zu reinen Werbeträgern der Industrie mutieren. Das muss jeder Blogger für sich selbst entscheiden. Ich werte das nicht. Es ist wie bei den Zeitungen: man liest das was einem am meisten zusagt. Geschmäcker sind verschieden.
Ich schreibe, weil es mir Spaß macht Geschichten zu erzählen, manchmal um eine konträre Meinung in die Welt zu setzen, gegen den Strom zu schwimmen, in meinen Augen gute Locations zu unterstützen, meine Stadt den Menschen näher zu bringen......

Ich freu mich, wenn ihr mir gewogen bleibt, meine FB Seite durch Likes beglückt, meine Artikel weiterverbreitet und mir Feedback und Kritik hinterlasst. Ohne euch schreibe ich ins Leere.
Danke für über 30.000 Aufrufe meines Blogs.

Cheers.









Donnerstag, 16. Januar 2014

Der lange Weg in die Freiheit - Nelson Mandela ( Kino)

Preview. Keine Kinoplakate verheißen Unterhaltung. Keine Werbung lenkt ab. Sofort beginnt der Film. Normalerweise höre und lese ich einiges über den Inhalt und die Schauspieler eines Films, bevor ich mich im Kinosaal einfinde. Zumindest Werbung. Diesmal ist es anders. Eine Freundin fragt mich am Wochenende, ob ich mit ginge, sie hätte Freikarten. Ja, klar. Gerne.
Ich wusste nur den Titel: Nelson Mandela, die Verfilmung seines Lebens. Es war praktisch ein Blind Date. Ich wusste nichts, rein gar nichts über den Hintergrund des Filmes. Nur, dass das Leben Mandelas verfilmt worden wahr. Nelson Mandela verstarb Anfang Dezember 2013.

Der Film schafft es ein Brücke zwischen den politischen Stationen im Leben Mandelas und seinen privaten Momenten zu spannen. Obwohl die späteren Sequenzen des Films sehr deutlich aufzeigten, das Nichts in dem Leben Mandelas noch privat blieb.
Die Mammutaufgabe das alles in zweieinhalb Stunden Film zu komprimieren ist trotzdem nur teilweise gelungen, es war praktisch unumgänglich, dass einiges nur an der Oberfläche angekratzt werden konnte, was aber dem Gesamteindruck des Films nicht wirklich schadet. Dazu sind die Bilder zu gut gezeichnet.
Die Schönheit Afrikas, die Emotionalität des Widerstands gegen die weißen Besatzer, auch die menschlichen Schwächen des Titelheldes.
Mandela selbst sagte einmal:
*Nein, ich bin kein Heiliger. Ich bin ein Sünder, der immer wieder versucht sich zu verbessern.*
Und genau dieses Bild schafft es der Film zu zeigen. Dies und die wunderschöne Bildsequenzen, das Transportieren der Stimmung der verschiedenen Zeitabschnitte und Orte macht diesen Film, trotz der schon erwähnten Schwächen, zu einem Kino-Highlight.

Einblendungen von Originalaufnahmen rufen einem ins Gedächtnis, dass dies alles wirklich geschehen ist.
Die überbordende Gewalt der Ordnungskräfte gegen den, Anfangs gewaltlosen, Widerstand, das Konzert im Wembley Stadion London zum 70igsten Geburtstag Mandelas, Bilder des weltweiten Protests gegen das Apartheitssystems in Südafrika.
Neben Nelson Mandela ist seine Frau Winnie Mandela eine weitere wichtige Figur des Films. Und es gelingt dem Regisseur die unterschiedliche Entwicklung dieser beiden Führungspersonen des ANC aufzuzeigen.

Dieser Film ist absolut sehenswert.
Er ließ mich nicht los und beschäftigte mich so sehr, dass mein letzter Gedanke ihm galt.
Allerdings nicht nur Mandela. Sondern auch Steven Biko. Und all den anderen Menschen, die Opfer dieses Regimes wurden.









Mittwoch, 15. Januar 2014

Tante Emma (Familiensaga)

Schon früh war ich als schwarzes Schaf der Familie entlarvt und geoutet. Als ich im Teenageralter war, dichtete man mir einiges an - eine Nachbarin hatte mitbekommen, dass ich nach Amsterdam fuhr. Für die Nachbarin gab es nur zwei Gründe warum man so was tat: Drogen und Abtreibung. Und in meinem Fall eben beides.
Das ich von Drogen und Sex (noch) keine Ahnung hatte, sondern einfach nur etwas sonderlich war und das der Amsterdambesuch eine Klassenfahrt war, interessierte niemanden.
Weder die Eltern meiner Freund noch die Familie. Ich war als Kind in mich gekehrt, als Teenager kapselte ich mich total ab oder war nur unterwegs. Irgendwie passte ich weder in das Dorf noch in diese Familie.
Und dann gab es da Tanten und andere Tanten.
Also es gab die normalen Tanten, die eben Tanten waren und es gab eben die anderen Tanten, die mich mochten und liebten wie ich war.
Tante Emma und Tante Ketsche waren solche anderen Tanten. Tante Julia war auch eine Tante, aber sie gehört in eine dritte Kategorie, über die ich vielleicht später einmal schreibe.
Emma. Nicht Emma Peel, aber für mich die liebenswerteste Emma der Welt, auch wenn ich sie selten sah. Obwohl wir im selben Dorf wohnten. Aber irgendwie hat es mein Teil der Familie nicht so mit den Banden, den Familienbanden. Das setzt sich bis zum heutigen Tage fort, auch wenn sich mein Bruder Mühe gibt, die Bande nicht ganz zerreißen zu lassen.
Tante Emma gehört wohl zu den tolerantesten Menschen die ich kenne. Jetzt schon über achtzig, habe ich sie nie klagen hören, oder auch nur schlecht über jemanden reden. Und sie war mir immer wohlgesonnen, was nicht viele in der Familie waren. Den meisten war ich sicherlich nur eines: ziemlich egal.
Als ich schon weit in den Dreißigern war sagte sie einmal zu mir: "Du warst schon immer ein Vögelchen der besonderen Art!", lachte und herzte mich und mir war klar: ich bin so wie ich bin und das ist auch gut.
Dabei sind wir gar nicht so anders als andere Menschen. Oder vielleicht sind wir es und bemerken es nur nicht, weil es uns im Prinzip egal ist wie andere Menschen sind, solange sie uns und anderen gegenüber auch tolerant und nicht wertend sind.
Wenn ich an Tante Emma denke, sehe ich ihr weißes Haar und ein Gesicht, das neugierig, wohlwollend und lachend zugleich in der Welt um die Ecke linst, an zwei feste Arme, die einen herzen konnten, dass einem die Luft wegblieb.
Und noch in einem Punkt sind wir uns ähnlich: wir lassen uns nicht gerne sagen, was wir zu tun oder zu unterlassen hätten, oder wie wir sein sollten, damit man uns mag. Da werden wir borstig, widerborstig.
Lange habe ich sie nicht gesehen, aber Dank meines Bruders habe ich wieder Kontakt und ich werde sie die nächsten 14 Tage besuchen, bevor es zu spät ist. Sie ist nicht mehr ganz die Jüngste und ich möchte sie lachen sehen. Und mit ihr tratschen.
Sie ist nämlich auch ein ganz besonderes Vögelchen.




Dienstag, 14. Januar 2014

Horst reloaded und Klobürsten united (Social Network)

Die Welt ist durch das Internet zusammengerückt und man hat die Chance dadurch Menschen und deren Humor kennenzulernen, die man normalerweise nie getroffen hätte, weder im realen noch im virtuellen Leben. Letzte Woche stellte ich die Idee vor, eine Virtuelle Schnecke namens Horst ( nein nicht Schimanski, der macht immer nur andere zur Schnecke)( außerdem ist der ein Relikt aus grauer Vorzeit) auf virtuelle Weltreise zu schicken.
Nun. das Netz ist eng und schnell und überall lauern Gefahren und Betrüger, aber auch Witzbolde und Komiker. Mit einigen davon bin ich freundschaftlich verbunden, andere treffe ich an Kreuzungen (Pinwände von Freunden im Netz).
Horst hatte sehr schnell Gesellschaft:


Also ist Horst ausgebüxt! Einfach mal Zigaretten holen gegangen oder was? Und wir helfen mit den Schurken Horst wieder einzufangen.
Aber das war nicht alles. Ein User schrieb: "Wer kümmerst sich jetzt um die Kinder?" Gibt es eine Schneckenfürsorge?
Eine befreundete Bloggerin hat ja für ihr Töchterlein einmal eine Schnecke in Echt als Haustier gehalten. Ob diese Schnecke auch ausgebüxt ist?
Außerdem sind Schnecken Zwitter.

Wenn man auf Reisen ist, dann trifft man manches verstopftes, deswegen vielleicht stilles, aber nicht benutzbares, Örtchen. Manchmal sind die auch nicht gerade sauber. Eine Klobürste ist also nicht zu verachten. Und seitdem im Hamburger Gefahrengebiet ( ein Unding ohne Ende) einem Zeugen einer Personenüberprüfung der Schnappschuss* des Jahres gelang, ist die Klobürste auch ein Symbol des friedlichen Protestes gegen die Staatsmacht.

*In den Nachrichten wurde die Szene einer Personenüberprüfung gezeigt. Eine der zu überprüfenden Personen hatte eine Klobürste dabei. Just in dem Moment als einer der Polizisten die Klobürste *zog* breitete sich in ganz Deutschland ein fettes Grinsen aus. Ein Bild für Götter! Das Bild des Polizisten mit der gezückten Klobürste.
Schon wenige Stunden später fluteten Bilder mit Klobürsten das Netz. Es ging so weit, dass in manchen Stadtvierteln Hamburgs Klobürsten ausverkauft waren. Zum Schluss zogen kleine Rudel Schulkinder mit Klobürsten bewaffnet an den Polizisten, die in voller Montur martialisch in der Gegend rumstanden, vorbei und winkten ihnen mit den Klobürsten zu.
Statt dem Senat einen Grund und Rechtfertigung für den Ausnahmezustand zu liefern machte der betroffene Personenkreis das einzig richtige: er zog die Mächtigen ganz mächtig durch den Kakao. Das Gefahrengebiet wurde aufgehoben und man versuchte das Ganze als Erfolg darzustellen. Was zu Kopfschütteln führte.
Ehrlich: ich hatte selten so einen Spaß.
Als dann noch ein Freund eine Klobürste auf Weltreise schicken wollte, war ich dabei.
Klobürsten aller Länder vereinigt euch.

Danke an Bertie Wolfgang Weichert 
Nachsatz zu Hamburg:
Gewalt ist nie eine Lösung. Auf keiner Seite. Und die Vorgänge müssen aufgeklärt werden. Die Polizei ist ein ausführendes Staatsorgan. Die Politik kann und darf nicht ihre Rechte und Verpflichtungen aus den Händen geben, so wie das der Hamburger Senat vor Jahren durch ein neues Gesetz getan hat und dadurch die Verantwortung auf die Polizei abwiegeln.
Die Polizisten vor Ort möchte ich nicht generell verurteilen. Kennzeichnung scheint mir der einzige gangbare Weg zu sein, um schwarze Schafe zu separieren.


Montag, 13. Januar 2014

*Bäbber-Krieg* (Stuttgarter Chroniken)


Nein, ich weiß nicht wie es in anderen Großstädten, Kleinstädten oder Dörfern Deutschlands ist.
Auch nicht wirklich in anderen Gemeinden dieser Welt. Aus bekannten Gründen reise ich seit über einem Jahr leider nicht mehr wirklich. Aber das kommt wieder.
Städte.
Jede Stadt hat ihre eigenen Markierungen. Jede Stadt hat ihre eigene Sprayerszene. Jeder Stadt hat ihre eigene Streetart.


Stuttgart ist für mich die Stadt der *Bäbber*.
Egal, wo man steht oder geht: praktisch an jedem verfügbaren Objekt klebt es: rund, bunt, schlicht, frech, bebildert, nonverbal, ansprechend, abschreckend, mahnend.
Mancher Straßenschildpfahl ist fast nicht mehr als solcher zu erkennen. Manchmal verpasse ich die Grünphase einer Ampel, weil ich die Bäbber studiere.
Was ein Bäbber ist? Ein Bäbber ist ein Bäbber und der bäbbt  - Also Aufkleber.
In Stuttgart gab es sogar einmal einen Bäbber-Krieg. Und wie kann es anders sein: es ging um S21. In dieser Stadt geht alles irgendwie um S21. Auch die Bäbber.
Da waren einige aufrechte Bürgerlein, die störten sich an den Bäbbern. Aber nur an den Gelben. Also an den Original Anti S21 Bäbbern. Und sie riefen zur Putzaktion auf. Ein Politiker zahlte sogar 50Cent. Manch gefuchster Gegner kratzte alte, schäbig gewordene *Stoppt Stuttgart 21* Aufkleber ab, gab sie bei dem Politiker ab und kaufte für den Lohn neue Kein S21 Asufkleber und zog los, um wieder zu *bäbben*.
Es nahm einen skurillen Verlauf. Kleine Rudel zogen durch die Stadt, die einen bäbbten (S21 Gegner), verfolgt von anderen, kleinen Rudeln, die das Gebäbbte wieder abkratzten.
Da die Gegner, mit Besenstielen bewaffnet, die Kleber außer Reichweite des längsten Armes in luftigen Höhen anbrachten, sahen sich die Befürworter gezwungen Räuberleitern zu bilden oder eine Leiter mit sich zu schleppen. Und jawohl, sie taten es. (Lustig Nachts einen Trupp mit einer Leiter zuzusehen, wie sie Bäbber abkratzten.)
Es kam, wie zu erwarten war, manchmal zu zu verbalen und leider auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.
*I bäbb dir glei oinä!* (Ich hau dir gleich eine runter!) wurde da wohl manchmal gerufen.Willkommen in der Stadt der Dickköpfe. Nichts  ist dickköpfiger, wie ein in Rage geratener Schwabe. Und in Stuttgart wimmelt es davon.
Übrigens wurden bei den Putzaktionen nur die Anti-S21-Aufkleber entfernt. Was einiges über die Beweggründe der  Abkratzer vermittelt. Nun ja.
Die gelben Bäbber sieht man nicht mehr so häufig. Es ist wieder etwas ruhiger in der *Bäbb-Scene* und in Stuttgart kleben wieder vermehrt andere Aufkleber an den Laternenpfählen. Oder auf Straßenschildern, oder, oder , oder ...


Sonntag, 12. Januar 2014

Gebetsmühle (Sonntagsgedanken, 2/2014)

Gebetsmühlen drehen sich im Kreis und wiederholen ständig das gleiche Gebet. Ob es je erhört wird?
So ähnlich geht es mir mit der momentanen Situation der Gesellschaft.
Manche Dinge scheinen sich nicht zu ändern: Vorbehalte gegen Fremde, Vorbehalte gegen sexuell anders Orientierte, Vorbehalte gegen alles und jeden der/die anders ist.
Toleranz wird gerufen, gefordet, überfordert, strapaziert, überstrapaziert.
Ausgerechnet von denen, die nicht bereit sind eben diese eingeforderte Toleranz selbst zu geben, und sie tarnen es mit folgenden Satz.
*Wir betrachten andere Lebensformen als tolerabel, aber nicht als gleichwertig.*.
Genauer:
 Das war FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke 

Er sagte, "er würde diese Petition (Anm.: Gegen Schulthema Homosexualität) nicht unterzeichnen, weil er nicht den Eindruck erwecken wolle, es gehe der FDP nicht um Toleranz. Er sei allerdings der Meinung, dass Grün-Rot dem Thema Homosexualität einen zu hohen Stellenwert zuschreibe. Für die FDP sei die Familie die wichtigste Lebensform. „Wir betrachten andere Lebensformen als tolerabel, aber nicht als gleichwertig.“ Die Konstellation Mann, Frau, Kind sei dabei die Lebensform, die dem Idealbild der Familie am nächsten komme.

Auch in der Presse nachzulesen:
http://www.pz-news.de/baden-wuerttemberg_artikel,-Kritik-fuer-FDP-Fraktionschef-Ruelke-nach-Aussagen-zu-Homosexuellen-_arid,463064.html

Alle Menschen sind gleich, aber nicht gleichwertig?
Was ist den das, bitte schön, für eine Logik?
Einen Mensch nach seiner Herkunft oder seiner sexuellen Orientierung zu beurteilen widerspricht dem Wertesatz *alle Menschen sind gleich*.
In Baden Württemberg soll das Thema *Homosexualität* mit in den Lehrplan genommen werden. Und schon hallt es aus vielen Ecken, auch aus den kirchlichen, es ist eine Litanei der Vorurteile, die da an die Oberfläche der zivilisierten Fassade kriecht und ihr Anlitz verschandelt.
Befürchtungen werden laut, dass sie Kinder einseitig beeinflusst werden.
?
Was machen denn diese Menschen, wie dieser FDP*ler, als die Menge einseitig, und zwar nach ihrem Gutdünken, einseitig zu beeinflussen. Wer ist denn hier nicht tolerant? Wer sich mit den Aussagen gewisser Menschen auseinandersetzt kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Wild werden? Schreien und sich die Haare ausreißen bringt in diesem Fall nicht. Sachlich dagegenhalten und hoffen, dass die Zuhörer sich ihr eigenes Bild machen.

Auch in Stuttgart ist das Flüchtlingsproblem angekommen. In Feuerbach haben sich Bewohner zusammengetan, um eine Unterkunft für Flüchtlinge zu verhindern. Zwar nicht mit Fackeln, aber durch ein Schreiben von einem Rechtsanwalt. In diesem Schreiben wimmelt es von Vorurteilen jeglicher Art, Angst vor Kriminalität.
Die selbserfüllende Prophezeihung? Ich glaube schon. Wenn man nämlich von Anfang an diese Menschen, die ja nicht aus Jux und Tollerei aus ihrer Heimat fliehen, mit dem Stempel der Kriminalität versieht, muss man sich nicht wundern, wenn das eines Tages so kommen sollte. Ausgrenzung ist der erste Schritt in diese Richtung.
Offenheit, freundlicher Umgang miteinander, der erste Schritt in die andere Richtung.
Und zwar zu einem guten Miteinander.

Am Freitag und Samstag sind wieder ein Transporte mit Kleidung und Haushaltswaren zu den Menschen im Flüchtlingsheim Kornwestheim organisiert worden. Freunde von mir haben bei uns, ihren Freunden, alles gesammelt, was sie bekommen konnten. Es wird nicht das letzte mal sein.
Gebraucht werden vor allem Töpfe, Gläser, Kinderkleidung, gut erhaltene Schuhe, Spielzeug, Kleidung, Geschirr, Bettwäsche, Handtücher. Denn die Geflohenen haben nichts, wirklich gar nichts.
Es ist an uns ihnen nicht auch noch die Würde zu nehmen, sondern ihnen, vielleicht auch nur vorübergehend, eine zweite Heimat zu geben.
Es sind Flüchtlinge, Menschen, die alles zurück gelassen haben, um zu überleben. Freunde, Familie, Besitz, ihr gewohntes Leben. Ob nun aus Hunger, wegen politischer Verfolgung oder weil sie vor dem Krieg geflohen sind. Sie taten es bestimmt nicht mit einem leichten Herzen.

Toleranz? Ja gerne. Aber nicht der Unmenschlichkeit gegenüber.
Euch allen einen friedlichen Sonntag.

Freitag, 10. Januar 2014

Horst auf Reisen (Social Network)

Horst auf Reisen? Etwa der Seehofer Horst? Reist der aus, während andere nicht einreisen dürfen?
Nein, um Politik geht es heute noch nicht mal am Rande, sondern um eine kleine, virtuelle Gestalt, die auf Reisen geschickt wurde.
Eine Schnecke namens Horst.
Ich finde es ja schon abenteuerlich, dass man ein langsames Tier wie eine Schnecke, die an für sehr, sehr süß ist, alleine auf so eine Weltreise schickt, aber das Tierchen dann auch noch Horst zu nennen, ist echt putzig.


Wer kennt nicht seinen Namensvetter den Schlämmer? Dessen Erfinder hüpft ja auch auf dem Jacobsweg und/oder in norwegischen Fjorden herum. Ihr kennt ihn doch, oder? Der Mann der perfekt Königin Beatrix nachmachte und mit einer Stulle an den Wachen vorbeiwollte?
Nein? Na wer es weiß, kann das gerne im Kommentar hinterlassen.

Aber zurück zu Horst,
Ich stolperte auf der PIN-Wand eines Freundes auf Facebook über ihn und verliebte mich sofort, Zwar konnte ich ihn nur vom Stuttgarter Hallschlag in den Süden der Stadt holen, aber dort nahmen sich zwei Freundinnen seiner an und er kam dann sogar noch bis nach Italien.
Er hat prominente Freunde in der analogen und auch der virtuellen Welt. Die junge Pariserin die ihrem Vater den Gartenzwerg entwendet und dann auf Weltreise schickt, der Gartenzwerg wiederum schickt dem Vater  Fotos von sich von allen möglichen Orten der Welt. (Nun ja, nicht der Zwerg, sondern die Begleitpersonen).
Die fabelhafte Welt der Amélie ist ein bezaubernder Film, absolut sehenswert.
Dann kenne ich noch Fotos von einem Teddy, der um die Welt reist.
Und jetzt eben Horst und ich hoffe er kommt weit herum und schafft seine Weltreise.
Wer ihn unterstützen will hier der Link zum Originalpost auf Facebook: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=517132615051603&set=a.360694527362080.82069.100002646070033&type=1&theater
Ein Spaß der nichts kostet und der Erfinderin bestimmt freut.

Go Horst, go!



Mittwoch, 8. Januar 2014

Kaffee! Jetzt! (Lifestyle)

Wer etwas auf sich hält trinkt Nespresso. Aus einer Kapselmaschine. Und bezahlt für das Kg Kaffee rund 60€. Man hat es ja. Man kann es sich ja leisten. Man produziert jede Menge Müll. Wir haben ja noch nicht genug.
Dafür ist man eins mit *Tschordsch Cluuuni*. Schlürft seinen Nespresso in hipper Gesellschaft, man ist in *en wog*.
Tatsächlich?
Vor gar nicht langer Zeit habe ich einen wirklich guten und witzigen Blogartikel zu diesem Thema gelesen.
Weder besitze ich eine Kaffeemaschine, noch eine Pad- oder gar Tabmaschine.
Einen Wasserkocher habe ich, einen Filterhalter aus Keramik, Kaffeefilter, eine kleine Kaffeemühle. Und einen kleinen Espressokocher. Ihr kennt die Originale bestimmt. Meiner hat eine kleine Besonderheit: man stellt ihn nicht auf den Herd, sondern man schaltet in ein. Er ist elektrisch.
Dadurch ist er allerdings nicht schneller oder besser, aber in etwas besser für mein Cerankochfeld, das nicht verkratzt. Das Ding habe ich einem Bekannten abgekauft, es funktioniert einwandfrei.



Müll? Ja, das Espressopulver geht in den Biomüll.
Verpackungsmüll? Ja, eine: die Espressopulverdose.
Teuer? Jedenfalls zahle ich nicht 60€ für das Kg.
So kann ich mir wirklich gutes Espressopulver leisten. Ansonsten brühe ich meinen Kaffee ganz altmodisch per Hand auf, eine kleine Prise Salz oder andere Gewürze (Kadamon oder Zimt) und dem Kaffeegenuss steht nichts im Weg.
Genuss ohne Reue.


Dienstag, 7. Januar 2014

Bittersweet (Kokelores kocht verhasstes Gemüse)

Als Kind gab es für mir drei Bewertungen von Essen:

  • Yeah!
  • Geht so.
  • Bääääh!


Heute geht es mir um das Bäh-Essen. Kinder schmecken anders als Erwachsene. Wahrscheinlich zarter.
... Spaß, Spaß.
Kinder erschmecken das Essen anders, die Geschmacksnerven verändern sich mit der Zeit. Vor allem bittere Speisen sind für Kinder fast grundsätzlich - bääääh.



Chicoree. Rosenkohl. Endivien.
Ich mag gebratenen, karamelisierten Chicorée. Ich liebe Endiviensalat mit süß-fruchtiger Salatsosse und Walnüssen. Aber Rosenkohl? Ich habe traumatische Erinnerungen daran wie ihn meine Mutter zubereitete in einer dicken Mehlsossenpampe, verkocht und einfach w-i-d-e-r-l-i-c-h.
Bäh, bäh und nochmal bäh.
Auch wenn die Bitterstoffe gesund sein sollen, dass war weder ein Anreiz noch eine Aufforderung mich an dieses Gemüse ran zu machen.
Aber eine Freundin von mir liebt den. Und ich habe also mal wieder ein Netz gekauft. Rosenkohl ist sagenhaft günstig! Aber da lag es dann da, das Netz, angefüllt mit kleinen, gemeinen, grünen Minikohlköpfen, die gemein zu kichern schienen.

Wenn man etwas nicht mag oderAngst davor hat sollte man sich ihm stellen.
Ich fasste mir also ein Herz und stellte mich der Rosenkohlarmee. Mit einem großen, scharfen Küchenmesser machte ich mich daran.
Ich wusch ihn, schälte die älteren Blätter ab, viertelte ihn und entfernte den kleinen Strunk. Und nun? Jetzt lag er da, erlegt und geviertelt - er sah schon etwas weniger gemeingefährlich aus. Ich stellte das Schüsselchen mit der Portion massakrierten Rosenkohls in die Nähe des Herdes, damit die kleinen Fieslinge auch schön mitbekommen würden was ihnen sonst noch so blühen würde.



Öl in der Pfanne heiß werden lassen, feingehackte Schalotten, Frühlingszwiebeln, Kümmel, Salz, schwarzen Pfeffer, kleingeschnittene, getrocknete Tomaten und etwas Chilli und etwas Zucker mit dem Öl anrösten, dann die überraschten Rosenkohlstückchen zugeben. Rösch (scharf anbraten bis sich Röststoffe bilden) anbraten, mit gehackten Walnüssen bewerfen und sofort auf den Teller und heiß verdrücken, also essen.



Dazu gab es Kartoffelstampf und Pilzsosse.
Na ja, die Freundin für die ich es eigentlich kochte, also für die ich das Rezept erdachte und ausprobierte, ging leer aus.
Ich habe es förmlich aufgesaugt, nachdem ich den ersten Bissen probiert hatte.
Boa war das lecker.
Tut mir leid Rosemmarie, aber ich koche das für dich gerne noch einmal nach.



Montag, 6. Januar 2014

Vitamine, Vitamine und mehr

Foto: Matthias Kästner
Jetzt habe ich schon zweimal, glaube ich, über Poís geschrieben. Die Hilfsaktion für portugiesische Kleinbauern, die vor Ort für ihre Ware nicht soviel erhalten, dass sie davon leben können. Dabei ist das Obst und das Gemüse vollkommen okay, aber entspricht eben nicht immer den gewünschten Normen (Größe ect). Und: es handelt sich um ungespritztes Obst, man kann also auch die Schale verwenden!

Foto: Mathias Kästner

Als dann ein Freund von mir auf die Idee kam, eine Direktvermarktung der Produkte seiner portugiesischen Freunde aufzuziehen, dachte er wahrscheinlich nicht im Traum daran, dass es einmal solche Ausmaße annehmen würde. Es ist eine Win-Win-Win Situation. Die Bauern bekommen ein vielfaches von dem Preis, den sie vor Ort erhalten würde, Matthias hat ein Auskommen und wir Kunden bekommen qualitativ hochwertige Ware zu fairen Preisen.
Bei den ersten zwei Lieferungen brachte er die Kisten noch bis zur Haustür, das geht aber nicht mehr, dazu sind es zu viele Besteller.
Der Preis für eine 10kg Kiste ungespritzer Zitrusfrüchte - dieses Jahr Orangen, Zitronen und Clementinen, beträgt weiterhin 25€.


Wer einmal diese Orangen gegessen hat möchte keine Supermarktware mehr essen. Diese Orangen sind Feinkost. Ich habe auch wieder bestellt und freue mich wie ein kleines Mädchen auf nächsten Sonntag, denn da ist Auslieferung.
Aber nicht nur das: im Theaterhaus Stuttgart findet der Poís Markt statt. Wer in Stuttgart wohnt, sollte sich die Chance nicht entgehen lassen, denn hier kann er wirklich zu fairen Preisen gute Qualität finden:
Olivenöl, handgemachte Seifen, hausgemachte Marmeladen von Christine, Feigensenf und Feigenkäse, weiße Pampelmusen, Bitterorangen, Meersalz, die beste Erdnussbutter die ich je gegessen habe, Feigenchutney, getrocknete Feigen, Feigenpralinies, Liköre und den selbstgemachten, naturtrüben Apfelsaft von Matthias von den Streuobstwiesen aus dem "Wild Räms" Kreis.



Was soll ich sagen? Kommt vorbei und seht, riecht, schmeckt selbst.
Die "Kistenware" ist allerdings vorbestellt, aber vielleicht hat er ja noch irgendeine Kiste auf Lager.
 Ich stocke auch meine Vorräte auf: Olivenöl, Seifen, ect.

Adresse:
Siemensstraße 1170469 Stuttgart


Für weitere Informationen könnt ihr hier nachsehen:
http://www.kokelores.com/2013/04/orangentraume-werden-wahr.html
und/oder
https://www.facebook.com/poisprojekt/info

Und bevor ich es vergesse: viele der Artikel könnt ihr in der Kichererbse kaufen, der kleine, feine, vegane Laden von Nora und Helga.





Sonntag, 5. Januar 2014

The making of *the winters face*

Manchmal ist es schon seltsam, wie sich Bilder entwickeln, oder auch Texte, Geschichten, Werkstücke.
Zwar habe ich meistens eine Idee im Kopf und auch ein Ziel, aber das Ergebnis weicht nicht selten davon ab. So auch auch bei dem Bild: The Winters Face.
Ich stelle euch hier jur ein Bild dazu ein, auf dem die einzelnen Fort-Schritte des bildes zu sehen sind und überlasse euch euren Betrachtungen:



Vorsicht: Vorsatz! Sonntagsgedanken 1/2014

Huch. Ein neues Jahr. Und fast alles beim Alten.
Zwar habe ich Weihnachten - gewünschterweise - fast alleine verbracht, am zweiten Feiertag stürmten Freunde mein Nest, aber Silvester habe ich mich dann doch breit schlagen lassen. In kleiner Runde, nur um Mitternacht im Pulk, verabschiedeten wir das alte und begrüßten das neue Jahr. Gerade ein paar Tage her und doch schon längst Vergangenheit.
Das Netz wimmelte von Rückblicken, im Fernsehen liefen die ganzen Ansprachen - die ich traditionell ignorierte - die Lebensmittelgeschäfte wurden geplündert und jede Menge Schwarzpulver in die Luft gejagt.
Und im Hintergrund höre ich Angela flüstern: es geht uns doch gut.

Aber manche Dinge schwappen einfach rüber ins neue Jahr: die Empörung über die Entgleisung der Polizei in Hamburg - wobei viele die Schuld mal wieder bei den Demonstranten suchen. Das ganze hatte den Anschein einer gewollten Eskalation und die Augenzeugenberichte von Freunden verstärken diesen Eindruck noch und auch wenn ich dem schwarzen Block kritisch gegenüberstehe:
stellt euch mal einer voll aufgerüsteten Polizeihundertschaft und einem Wasserwerfer gegenüber und versucht euch dabei nicht ins Höschen zu machen. Ich stand da schon mal, mehr oder weniger unfreiwillig und naiv, bis zum letzten Moment dachte ich: die machen das nicht, die machen das nicht, es gibt ein vom Grundgesetz zugesichertes Demonstrationsrecht und wir sind friedlich.
Nicht viel später traf mich der Wasserstrahl - eiskalt - wie ein Brechstange im Nacken, verschob zwei Wirbel, riss mich von den Füßen. Später lief mir das Wasser aus den Schuhen, durchweicht harrte ich noch Stunden aus.
Die Traumatisierung dauerte Monate....
An das denke ich, wenn ich Bilder wie aus Hamburg sehe. Und jedesmal packt mich die Wut, wenn die Schuld ausgiebig bei den Demonstranten gesucht wird. Aber nicht bei den Einsatzkräften.
Die Lage in Hamburg hatte sich beruhigt, als ein paar Vollpfosten Polizeireviere angriffen.
Sorry, aber da lange ich mir an den Kopf. Das ist schon wieder so doof, dass man fast glauben könnte, dass getarnte V-Männer .... aber das sind reine Gedankenschwurblereien.
Aber: die Hamburger Polizei nutzte die Gunst der Stunde und rief das betroffene Gebiet zur Gefahrenzone aus, muss nicht einmal den Senat um Erlaubnis bitten, denn die ehemalige CDU Regierung, Pardon: der Hamburger Senat, damals CDU, hat vor neun Jahren dementsprechende Gesetze erlassen.
Die Sache stinkt. Die Sache stinkt zum Himmel.Vor allem auch, weil ein Polizeigewerkschafter am Tag der Demonstration die Demonstranten *Abschaum* genannt hatte. Viele hielten dies für einen Fake, bis es von offizieller Seite bestätigt wurde.
Ich stehe nicht alleine mit dem Bauchgrummeln da: Die Zeit online berichtete darüber unter der Überschrift: Polizei erklärt Teile Hamburgs zum Gefahrengebiet.

Und gibt es einen Aufschrei?
Die taz hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. Hier geht es zum Artikel.
Ja, aber nur von einer kleinen Minderheit. Unter entsprechenden Artikeln im Netz ist oft Zustimmung für das Verhalten der Polizei zu lesen. Da wird von Prügel für die Demonstranten gesprochen, bis sie sich wieder zu benehmen wissen...

Freiheit ist ein hohes Gut. Freiheit, ob Rede-, Religions- oder Meinungsfreiheit, all das ist uns gesetzlich zugesichert. Das Demonstrationsrecht auch. Oder die Reisefreiheit (hat man ja zu Occupy Frankfurt gesehen; ganze Reisebusse aus `Berlin wurde abgefangen und die Leute wieder Heimgeschickt - durch wen? Na, durch unsere Freunde und Helfer.)
Zurück nach Hamburg. Hier gilt jetzt also Polizeirecht im Gefahrengebiet. Um die *Gewaltbereiten Randalierer aus der Linksszene* in Schach zu halten.

Für mich *fühlt* es sich anders an. So als würden sie sagen: Widerstand ist zwecklos. Euch bekommen wir klein.

Es herrscht wieder Recht und Ordnung. Und Sicherheit. Keep Calm and go shopping.






Freitag, 3. Januar 2014

Jute statt Plastik---

---- war ein Schlachtruf in den 80ern. Die ersten Ökos, noch mit selbstgestrickten Norwegerpullovern aus Lamawolle, Birkenstocklatschen (die bekamen ja ein Revival Anfang der 2000 Jahre durch *unsere* Heidi Klum), Latzhosen und seltsamen Bärten. Das letztere trugen meist nur die Männer, da aber rasieren und wachsen bei den Mädels verpönnt war, sah man manch hübschen Oberlippenbart und manch weniger schöne *tote Katze unterm Arm*. Es gibt ein Video von Nena, da könnte auch Rapunzel neidisch werden - aber erst wenn Nena den Arm hebt.
Wo war ich stehengeblieben? Ach ja bei den Ökos der 80er-
Wie Recht sie doch hatten. Plastik bzw Plastikmüll ist heute eines des größten Probleme unserer Zeit. Und nein, ich bezeichne mich nicht as Öko und ich laufe auch weder in Hara Krischna Orange durch die Gegend noch bin ich eine Grüne.
Aber wenn man eine Tatsache erkannt hat kann man doch handeln oder?
Ich finde es schade, dass sie gute alte Papiertüte auch dem Markt fast verschwunden ist . "Früher" bekam man den Salat sogar in eine alten Zeitung eingewickelt und man hatte ganz selbstverständlich eine Stofftasche oder einen Weidenkorb dabei.
Jute, auch Leinen, Baumwolle, Hanf, sind für viele Dinge zu gebrauchen, wenn auch nicht für alles. Aber zum Einkaufen taugt es allemal. Und die heutigen Taschen, bzw Stoffbeutel waren auch eine zeitlang ein "Must have" für jede/n Hipster - so wie die Nerdbrille. Ich kenne sogar einige, die Fensterglasbrillen trugen um hip zu sein - dazu halte ich mal lieber meine Klappe, als kurzsichtige Eule....
Also muss heute niemand mehr mit einen Öko-Beutel zum Einkaufen. Es gibt viele, witzige Variationen, die man noch nicht einmal selbstmachen muss:

Die kleine Hippe:



Die etwas Konventionellere:




Die Frechen:


Und wer keine Stofbeutel oder -taschen mag schnappt sich eben den guten, alten Weidenkorb. Oder einen anderen Einkaufskorb.

Natürlich kostet auch die Herstellung von Papiertüten Wasser und Energie, aber es ist noch nie ein Seevogel mit einem Bauch voller Papier verhungert. Aber mit einem Magen voller Plastik schon.

Think global, act local - ich schnapp mir mal meinen Korb - ohne Katze - und gehe zum Einkaufen.


Donnerstag, 2. Januar 2014

Geburtstag

Ein Jahr ist es jetzt her, dass der erste Artikel erschienen ist, davor hat Sabine mir die Hölle heiß gemacht endlich auch einen Blog zu machen.
Das Jahr war nicht nur blogtechnisch ein Wechselbad de Gefühle, ein auf und ab in allen Bereichen.
Nicht nur im Berich des Schreibens wusste ic nicht wohin die Reise geh, planen war - und ist immer noch nicht - möglich.

Mein persönlicher Jahresrückblick:



Januar:
Rechtzeitig vor de ersten Bein OP geht der Blog on, mit tatkräftiger Unterstützung einer befreundeten Bloggerin -

Der Tag danach


Jedes Jahr das selbe (oder das gleiche? Ich werde es nie auseinaderhalten können.) Erst Weihnachten, dann Sylvester. Die Chinesen feiern ja an einem anderen Tag. 2011 habe ich mir schon Gedanken darüber gemacht und sehe es immer noch so- wie in dem Gedicht beschrieben, allerdings denke ich hier ganz entspannt: jeder wie er mag und seltsameweise stehe ich jedes Jahr mit lieben Leuten zusammen und küsse um 0°°  wie jede ander auch irendwelche, auch fremde Menschen und wünsche ihnen Glück und Gesundheit.
Und das wünsche ich allen meinen Lesern auch.
Alles Gute für 2014

Jahrlos:
Da legt irgendeiner fest
so jetzt beginnt das neue Jahr
das alte kann gehen
und alle schrei'n
Hurra!
Nehmt Abschied Freunde
ungewiss ist alle Wiederkehr,
man herzt sich
man küsst sich
man taumelt durch die Nacht
doch ach wohin
und ach mit wem
und alle jubeln kollektiv
als
ob es nicht
nur einer war
der legte fest
den einen Tag
an dem beginnt das neue Jahr