Montag, 13. Januar 2014

*Bäbber-Krieg* (Stuttgarter Chroniken)


Nein, ich weiß nicht wie es in anderen Großstädten, Kleinstädten oder Dörfern Deutschlands ist.
Auch nicht wirklich in anderen Gemeinden dieser Welt. Aus bekannten Gründen reise ich seit über einem Jahr leider nicht mehr wirklich. Aber das kommt wieder.
Städte.
Jede Stadt hat ihre eigenen Markierungen. Jede Stadt hat ihre eigene Sprayerszene. Jeder Stadt hat ihre eigene Streetart.


Stuttgart ist für mich die Stadt der *Bäbber*.
Egal, wo man steht oder geht: praktisch an jedem verfügbaren Objekt klebt es: rund, bunt, schlicht, frech, bebildert, nonverbal, ansprechend, abschreckend, mahnend.
Mancher Straßenschildpfahl ist fast nicht mehr als solcher zu erkennen. Manchmal verpasse ich die Grünphase einer Ampel, weil ich die Bäbber studiere.
Was ein Bäbber ist? Ein Bäbber ist ein Bäbber und der bäbbt  - Also Aufkleber.
In Stuttgart gab es sogar einmal einen Bäbber-Krieg. Und wie kann es anders sein: es ging um S21. In dieser Stadt geht alles irgendwie um S21. Auch die Bäbber.
Da waren einige aufrechte Bürgerlein, die störten sich an den Bäbbern. Aber nur an den Gelben. Also an den Original Anti S21 Bäbbern. Und sie riefen zur Putzaktion auf. Ein Politiker zahlte sogar 50Cent. Manch gefuchster Gegner kratzte alte, schäbig gewordene *Stoppt Stuttgart 21* Aufkleber ab, gab sie bei dem Politiker ab und kaufte für den Lohn neue Kein S21 Asufkleber und zog los, um wieder zu *bäbben*.
Es nahm einen skurillen Verlauf. Kleine Rudel zogen durch die Stadt, die einen bäbbten (S21 Gegner), verfolgt von anderen, kleinen Rudeln, die das Gebäbbte wieder abkratzten.
Da die Gegner, mit Besenstielen bewaffnet, die Kleber außer Reichweite des längsten Armes in luftigen Höhen anbrachten, sahen sich die Befürworter gezwungen Räuberleitern zu bilden oder eine Leiter mit sich zu schleppen. Und jawohl, sie taten es. (Lustig Nachts einen Trupp mit einer Leiter zuzusehen, wie sie Bäbber abkratzten.)
Es kam, wie zu erwarten war, manchmal zu zu verbalen und leider auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen.
*I bäbb dir glei oinä!* (Ich hau dir gleich eine runter!) wurde da wohl manchmal gerufen.Willkommen in der Stadt der Dickköpfe. Nichts  ist dickköpfiger, wie ein in Rage geratener Schwabe. Und in Stuttgart wimmelt es davon.
Übrigens wurden bei den Putzaktionen nur die Anti-S21-Aufkleber entfernt. Was einiges über die Beweggründe der  Abkratzer vermittelt. Nun ja.
Die gelben Bäbber sieht man nicht mehr so häufig. Es ist wieder etwas ruhiger in der *Bäbb-Scene* und in Stuttgart kleben wieder vermehrt andere Aufkleber an den Laternenpfählen. Oder auf Straßenschildern, oder, oder , oder ...


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