Sonntag, 26. Januar 2014

Diskussion? Streit? (Sonntagsgedanken 4/2014)

Wer kennt es nicht? Hitzige Diskussionen, sachliche Wortgefechte. Ist man zu zweit und sieht man sich dabei in die Augen bleibt es meistens sachbezogen - wenn es nicht gerade um Gefühle geht - , denn man kommt selten mit so eng Menschen zusammen, die eine komplett andere Meinung oder Haltung vertreten. Oder man mag diesen Menschen aus irgendeinen Grund so sehr, dass man ihn nicht verletzen und verlieren möchte.
Im Fernsehen ist das anders. In den Talkrunden. Und nein, keine Angst, ich hechle hier nicht wieder diesen Talk*meister* des ZDF durch. Das war ein peinlicher Auftritt von Herrn Lanz und dem anderen, dem ich das Wort Herr nicht zugestehen möchte und deswegen auch seinen Namen nicht schreibe.
(Wahrscheinlich habe ich gerade wieder einen Dativ oder Genitiv gemeuchelt, was soll's...)

Weit davon entfernt mich in Rage zu schreiben, fällt es mir die letzte Zeit immer mehr auf, dass es vielen meiner Zeitgenossen an etwas fehlt. An der Kultur des Streitens, an einer Grundhaltung beim Diskutieren. Im wahren Leben geht es auch manchmal heiß her, wenn man mit Freunden zusammen sitzt und mal unterschiedlicher Meinung ist. Aber im Netz? In Foren? In den Kommentarleisten der *Sozialen Netzwerke*? Bei letzteren denke ich immer öfter: wie asozial. Hier ist es anscheinend so, da man ja sich hinter *Fakeprofilen* verstecken kann, man relativ anonym im Netz ist, dass man ungeniert die innere Sau auf andere hetzen kann. Hier lassen manche ihren Frust raus, ihre angestaute Wut, auf was auch immer, hier dient die Gegenseite als Blitzableiter.

Für mich selbst habe ich mir eine kleine, innere Checkliste angelegt, wann ich aus einer Diskussion aussteige:

  • wird mehr auf die Person eines Diskutanten eingegangen als auf das was er von sich gibt
  • werden die Argumente ins Lächerliche gezogen
  • werden Argumente als  falsch oder gar Lüge bezeichnet, ohne Quellennachweis
  • zählt die Grundhaltung eines Kommentators mehr als seine Argumente
  • taucht das Wort *Gutmensch* oder gar *linker Gutmensch* auf

Sind diese Punkte erfüllt, drehe ich mich auf meinem inneren Absatz herum und gehe. Bildlich gesprochen. Denn Menschen, die so *diskutieren*, möchten sich gar nicht wirklich mit einem Thema auseinandersetzen, sondern haben einfach die Lust am Bashen. Ihnen fehlt der Pranger am Marktplatz und sie wissen nicht wohin mit ihren geistigen - angefaulten - Salatköpfen.

Ich muss mich da auch an der eigenen Nase fassen, aber das immer weniger. Frau lernt. Als die *Sozialen Netzwerke* für mich neu waren, habe ich auch Federn gelassen und habe manchem Menschen das Fell nicht nur gegen den Strich gebürstet, sondern auch gleich mal über die Ohren gezogen....

Zur Zeit dreht sich mir auch des öfteren der Magen um, wenn ich manche der Kommentare unter den Artikeln von Onlinezeitungen lese. Manchem Schreiberling würde ich gerne Nachsitzen verpassen - in Staatskunde. Das Grundgesetz. Bis zum Erbrechen. Bis sie es auswendig singen können, rückwärts wenn es sein muss. Aber wahrscheinlich würde das auch nichts ändern.

Es gibt auch Themen bei denen man von vornherein weiß, dass eine Diskussion mit der Gegenseite sinnlos, - aber manchmal ganz lustig -  ist:

Pazifist - Waffennarr, Thema Krieg
Veganer - Jäger, Thema Sinn der Jagd
Agnostiker - Katholik, Thema Bibel
ect....

Manchmal ist streiten notwendig, es reinigt die Luft. Aber in einer Diskussion ist es förderlich auf die Argumente der Gegenseite einzugehen und zu hinterfragen: Wieso denkt der so?








Kommentare:

  1. Ich musste beim Lesen an die aktuelle Debatte Lanz - Wagenknecht denken. Hat dich das inspiriert?
    Man sollte vielleicht mal die Unterschiede zwischen Shitstorm und Diskussion herausarbeiten. Denn dass es hier einen gibt, ist vielen nicht klar.
    LG
    Sabienes

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lanz habe ich erwähnt, weil der gute Mann keinerlei Streitkultur zu kennen scheint, aber der Anlass war eine Diskussion auf Facebook, aus der ich ausgestiegen bin - eben aus den oben genannten Gründen.

      Löschen
  2. Du schreibst genau dass wofür mir die Worte fehlten. Ich bin völlig bei Dir in Deinen Ansichten bzgl. Streitkultur.
    Wie oft wird gar nicht erst gelesen, was geschrieben wurde - die Headline reicht ja oder das Wort eines anderen …
    Wie Du selbst schreibst, vergessen manche Leute ihre Kinderstube - sofern sie eine besaßen, da sie meinen, sich im Internet anonym, mit dabei zu fühlen, wenn es um das "bashen" geht ohne zu wissen was sie tun.
    Auch das Internet ist nicht rechtsfrei und schützt nicht vor dem Grundgesetz. ;)
    Deine Idee mit dem GG ist wirklich klasse. :)
    LG Timm

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Timm,
      jepp, aber leider habe ich dazu keine Handhabe :)
      LG
      Marianne

      Löschen