Sonntag, 12. Januar 2014

Gebetsmühle (Sonntagsgedanken, 2/2014)

Gebetsmühlen drehen sich im Kreis und wiederholen ständig das gleiche Gebet. Ob es je erhört wird?
So ähnlich geht es mir mit der momentanen Situation der Gesellschaft.
Manche Dinge scheinen sich nicht zu ändern: Vorbehalte gegen Fremde, Vorbehalte gegen sexuell anders Orientierte, Vorbehalte gegen alles und jeden der/die anders ist.
Toleranz wird gerufen, gefordet, überfordert, strapaziert, überstrapaziert.
Ausgerechnet von denen, die nicht bereit sind eben diese eingeforderte Toleranz selbst zu geben, und sie tarnen es mit folgenden Satz.
*Wir betrachten andere Lebensformen als tolerabel, aber nicht als gleichwertig.*.
Genauer:
 Das war FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke 

Er sagte, "er würde diese Petition (Anm.: Gegen Schulthema Homosexualität) nicht unterzeichnen, weil er nicht den Eindruck erwecken wolle, es gehe der FDP nicht um Toleranz. Er sei allerdings der Meinung, dass Grün-Rot dem Thema Homosexualität einen zu hohen Stellenwert zuschreibe. Für die FDP sei die Familie die wichtigste Lebensform. „Wir betrachten andere Lebensformen als tolerabel, aber nicht als gleichwertig.“ Die Konstellation Mann, Frau, Kind sei dabei die Lebensform, die dem Idealbild der Familie am nächsten komme.

Auch in der Presse nachzulesen:
http://www.pz-news.de/baden-wuerttemberg_artikel,-Kritik-fuer-FDP-Fraktionschef-Ruelke-nach-Aussagen-zu-Homosexuellen-_arid,463064.html

Alle Menschen sind gleich, aber nicht gleichwertig?
Was ist den das, bitte schön, für eine Logik?
Einen Mensch nach seiner Herkunft oder seiner sexuellen Orientierung zu beurteilen widerspricht dem Wertesatz *alle Menschen sind gleich*.
In Baden Württemberg soll das Thema *Homosexualität* mit in den Lehrplan genommen werden. Und schon hallt es aus vielen Ecken, auch aus den kirchlichen, es ist eine Litanei der Vorurteile, die da an die Oberfläche der zivilisierten Fassade kriecht und ihr Anlitz verschandelt.
Befürchtungen werden laut, dass sie Kinder einseitig beeinflusst werden.
?
Was machen denn diese Menschen, wie dieser FDP*ler, als die Menge einseitig, und zwar nach ihrem Gutdünken, einseitig zu beeinflussen. Wer ist denn hier nicht tolerant? Wer sich mit den Aussagen gewisser Menschen auseinandersetzt kommt aus dem Staunen nicht heraus.
Wild werden? Schreien und sich die Haare ausreißen bringt in diesem Fall nicht. Sachlich dagegenhalten und hoffen, dass die Zuhörer sich ihr eigenes Bild machen.

Auch in Stuttgart ist das Flüchtlingsproblem angekommen. In Feuerbach haben sich Bewohner zusammengetan, um eine Unterkunft für Flüchtlinge zu verhindern. Zwar nicht mit Fackeln, aber durch ein Schreiben von einem Rechtsanwalt. In diesem Schreiben wimmelt es von Vorurteilen jeglicher Art, Angst vor Kriminalität.
Die selbserfüllende Prophezeihung? Ich glaube schon. Wenn man nämlich von Anfang an diese Menschen, die ja nicht aus Jux und Tollerei aus ihrer Heimat fliehen, mit dem Stempel der Kriminalität versieht, muss man sich nicht wundern, wenn das eines Tages so kommen sollte. Ausgrenzung ist der erste Schritt in diese Richtung.
Offenheit, freundlicher Umgang miteinander, der erste Schritt in die andere Richtung.
Und zwar zu einem guten Miteinander.

Am Freitag und Samstag sind wieder ein Transporte mit Kleidung und Haushaltswaren zu den Menschen im Flüchtlingsheim Kornwestheim organisiert worden. Freunde von mir haben bei uns, ihren Freunden, alles gesammelt, was sie bekommen konnten. Es wird nicht das letzte mal sein.
Gebraucht werden vor allem Töpfe, Gläser, Kinderkleidung, gut erhaltene Schuhe, Spielzeug, Kleidung, Geschirr, Bettwäsche, Handtücher. Denn die Geflohenen haben nichts, wirklich gar nichts.
Es ist an uns ihnen nicht auch noch die Würde zu nehmen, sondern ihnen, vielleicht auch nur vorübergehend, eine zweite Heimat zu geben.
Es sind Flüchtlinge, Menschen, die alles zurück gelassen haben, um zu überleben. Freunde, Familie, Besitz, ihr gewohntes Leben. Ob nun aus Hunger, wegen politischer Verfolgung oder weil sie vor dem Krieg geflohen sind. Sie taten es bestimmt nicht mit einem leichten Herzen.

Toleranz? Ja gerne. Aber nicht der Unmenschlichkeit gegenüber.
Euch allen einen friedlichen Sonntag.

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