Freitag, 24. Januar 2014

Habenichtse (Lifestyle)

Habenichts ist ein Schimpfwort. Der hat nichts. Aber das nichts haben bezieht sich auf den materiellen Status einer Person.
Wir leben in einer materiell veranlagten Welt. Neuer, schöner, weiter, schneller, bunter, ausgefallener, besser, teurer, hipper, angesehener.
Der Neid der anderen auf unseren Besitz ist gewollt und manche brauchen ihn um zu existieren, definieren sie sich doch scheinbar darüber. Es macht mich so müde.
Bin ich anders? Wahrscheinlich nicht ganz. Jeder von uns ist ein Stück eitel und hat seine Begehrlichkeiten. Ich auch.
Das mir Besitz als reiner Besitz nichts mehr, oder eben weniger, gibt, habe ich festgestellt, als ich aufhörte Schmuck zu kaufen. Ich trage kaum Schmuck. Mich stört alles auf der Haut. Selbst Haarreifen machen mich nach einer gewissen Zeit kirre und die brauche ich an manchen Tagen, um meine störrische Kopfbehaarung in den Griff zu bekommen. Trotzdem kaufte ich bei jeder Gelegenheit Schmuck, Kosmetik, hier noch eine Tasche, noch ein Paar Schuhe.
Ich komme aus der Modebranche und das hinterlässt Spuren.
Vor über einem Jahr hörte ich auf. Von jetzt auf nachher.
Ob ich jetzt ins Kloster gehe und Asket werde? Bestimmt nicht! Warum auch? Besitz ist an für sich nichts schlechtes. Ich besitze ein Bett, diversen Kleinkram an dem ich mich erfreue, usw usf...
Und ich weiß sehr wohl, dass es sehr viele Menschen gibt, die Nichts haben, weil sie arm sind.

Seit nun mehr zwei Jahren habe ich regelmäßig Anfälle und räume aus, weg und um. Verschenke, verkaufe, tausche und meine Habe wird immer weniger. Zusätzlich habe ich es mir zur Auflage gemacht erst zehn Teile zu verschenken, wegzuwerfen oder zu verkaufen bis ich mir ein Neues dafür zulege.
Ich sehne mich nach Weite und Leere. Einem Zimmer in dem nichts steht als nur ein Sessel und eine Stehlampe. Oder zumindest eine Ecke in einem Zimmer die so leer ist. Bücher nicht mehr kaufen sondern leihen. CD's runterladen und weitervererben. Ich habe hunderte CD's, die ich immer wieder einmal durchforste und wieder anhöre. Das hat auch was, auch schön. Aber ich werde sie wohl nach und nach *verscherbeln*.

Warum werden sich jetzt etliche fragen? Besitz belastet. Besitz macht unflexibel. Jedenfalls mich. Je weniger ich habe, desto weniger muss ich aufräumen und sauberhalten, waschen und wegräumen.
Besitz kann Freude machen - ich liebe meine Katzenstatuen, aber es sind nur 5, aus unterschiedlichen Kulturen - kann aber auch zur Belastung werden.

Nachdem ich entdeckte, dass ich teilweise manche Kisten seit Monaten nicht geöffnet hatte und nichts vermisste war es wieder an der Zeit. Meine Schränke leeren sich immer mehr, bald kann ich auch einen Teil der Schränke weggeben.
Ich bin ein unordentlicher Mensch, ich bin ordnungsliebend, aber nicht Ordnung schaffend. Weniger Besitz ist eine Maßnahme weniger Chaos um mich zu haben.

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