Donnerstag, 30. Januar 2014

Taubentöter und Mäuseterminator



Das ist etwas auf was ich ganz und gar nicht stolz bin, auch wenn ich eine zeitlang ein T-Shirt trug, auf dessen Vorderseite *Mäuseterminator* und auf der Rückseite *Taubentöter* stand.
Wenn ich dann erzählte wieso, erntete ich teil, entsetzte, verblüffte Blicke oder/und schallendes Gelächter mit den Worten *Is nich wahr!* garniert.

Wie ich zu dem Titel Mäuseterminator kam könnt ihr hier nachlesen: Mäuse Teil I und Mäuse Teil II-
(Im Moment belagern meine beiden Samtpfoten lieber mich als die aktuelle Mäusepopulation in Schach zu halten....)

Das mit der Taube war etwas anderes und ich kann euch sagen: Ich stand unter Schock. Danach. Also nachdem ich die Taube in ein besseres Dasein katapultiert hatte. Komplett ohne Absicht.....
Es war einer dieser Stuttgarter Sommer: heiß, schwül, irgendwie wissen die Nächte nicht wie sie zu Ende gehen sollen, man wir morgens nicht wach und ist schon erledigt, wenn man das Bettlaken von sich wirft. Im Tatjahr musste ich jeden Wochentag sehr früh auf den Zug, noch kein S21, das den Bahnhof in Großbaustelle mit fatalen Folgen für die Pendler verwandelte.
Ich war mal wieder sehr spät dran und das fatale an Zügen ist ja: man selbst wartet auf sie, egal wie verspätet sie ankommen, aber sie warten nie auf einen.
Da nicht nur Zeit, sondern auch Geld knapp war, fuhr ich nicht U-Bahn sondern Fahrrad. Teilweise war ich wohl die größte Verkehrsgefährdung auf der Strecke Heusteigviertel-Bahnhof.
Die Strecke konnte ich blind, nach Gehör, fahren.
Erst die Heusteigstraße lang, dann den Hügel runter, in einem Affenzahn, am schlafenden Wilhelmsplatz vorbei, über die Kreuzung wie ein geölter Blitz, der Fahrtwind pfiff in den Ohren, eine scharfe Rechtskurve und ab durch die Mitte bzw die Eberhardstraße.
Hier bevölkert immer eine Horde Tauben, eigentlich sind es mehrere Horden Tauben, morgens schlaftrunken die Straße. Ich klingelte, rief und fauchte - das letztere wirkte am besten - und fuhr ungebremst durch eine Menge flatternder, gurrender Federansammlungen.
Die Tauben waren wach kann ich euch sagen.
An einem Morgen war es mal wieder soweit. Ich heizte durch die Stadt, nahm die Kurven wie ein Kamikaze, trat in die Pedale, als ginge es um mein Leben - ich hatte für die Strecke gerade mal neun Minuten und einen wichtigen Termin.
Als ich in die Eberhardstraße einbog breitete sich ein wahrer Taubenteppich vor mir aus. Ich klingelte wie eine Geistesgestörte, fauchte und die Federmasse teilte sich vor mir wie das rote Meer vor Moses...
bis, ja bis auf diese eine Taube. Ich stieg in die Eisen, klingelte gleichzeitig, bremste so stark, dass mein Hinterreifen blockierte und sah in Großaufnahme dieses Taubenvieh auf mich zukommen....Die saß da, drehte den Kopf zu mir  und gurrte. Ich könnte schwören, dass es fragendes Gurren war.
Es ging alles ganz schnell (was mich heute etwas beruhigt), die Taube kam unter die Räder, buchstäblich. Ich hörte ihre Knochen brechen. Ich höre es heute noch. Es bohrte sich in mein Gehör und mein Herz. Ich hatte es nicht geschafft rechtzeitig anzuhalten.
Als  ich zu ihr hinsah streckte sich ein Flügel anklagend gegen den Himmel. Mir stiegen die Tränen  in die Augen und ich stammelte: *Ich habe ne Taube überfahren....*
Aus der Schockstarrre löste mich die knarzende Stimme eines Schwaben *Ha, mached Se sech do nix draus, ä Lufdradde wäniga!*
Mir fiel der wartende Zug ein, ich setzte mich auf mein Rad und raste weiter, verfolgt vom Anblick des blutigen Flügels....
Ich erreichte den Zug gerade noch so. Und habe mich zum ersten Mal in meinem Leben auf einer Zugtoilette übergeben. Den Anblick der toten Taube bekam ich tagelang nicht aus dem Kopf.
Trotzdem ließ ich mir das T-Shirt damit bedrucken..... meine Art damit umzugehen.
Und - ich verließ das Haus ab diesem Tag immer zehn Minuten früher.....



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