Sonntag, 5. Januar 2014

Vorsicht: Vorsatz! Sonntagsgedanken 1/2014

Huch. Ein neues Jahr. Und fast alles beim Alten.
Zwar habe ich Weihnachten - gewünschterweise - fast alleine verbracht, am zweiten Feiertag stürmten Freunde mein Nest, aber Silvester habe ich mich dann doch breit schlagen lassen. In kleiner Runde, nur um Mitternacht im Pulk, verabschiedeten wir das alte und begrüßten das neue Jahr. Gerade ein paar Tage her und doch schon längst Vergangenheit.
Das Netz wimmelte von Rückblicken, im Fernsehen liefen die ganzen Ansprachen - die ich traditionell ignorierte - die Lebensmittelgeschäfte wurden geplündert und jede Menge Schwarzpulver in die Luft gejagt.
Und im Hintergrund höre ich Angela flüstern: es geht uns doch gut.

Aber manche Dinge schwappen einfach rüber ins neue Jahr: die Empörung über die Entgleisung der Polizei in Hamburg - wobei viele die Schuld mal wieder bei den Demonstranten suchen. Das ganze hatte den Anschein einer gewollten Eskalation und die Augenzeugenberichte von Freunden verstärken diesen Eindruck noch und auch wenn ich dem schwarzen Block kritisch gegenüberstehe:
stellt euch mal einer voll aufgerüsteten Polizeihundertschaft und einem Wasserwerfer gegenüber und versucht euch dabei nicht ins Höschen zu machen. Ich stand da schon mal, mehr oder weniger unfreiwillig und naiv, bis zum letzten Moment dachte ich: die machen das nicht, die machen das nicht, es gibt ein vom Grundgesetz zugesichertes Demonstrationsrecht und wir sind friedlich.
Nicht viel später traf mich der Wasserstrahl - eiskalt - wie ein Brechstange im Nacken, verschob zwei Wirbel, riss mich von den Füßen. Später lief mir das Wasser aus den Schuhen, durchweicht harrte ich noch Stunden aus.
Die Traumatisierung dauerte Monate....
An das denke ich, wenn ich Bilder wie aus Hamburg sehe. Und jedesmal packt mich die Wut, wenn die Schuld ausgiebig bei den Demonstranten gesucht wird. Aber nicht bei den Einsatzkräften.
Die Lage in Hamburg hatte sich beruhigt, als ein paar Vollpfosten Polizeireviere angriffen.
Sorry, aber da lange ich mir an den Kopf. Das ist schon wieder so doof, dass man fast glauben könnte, dass getarnte V-Männer .... aber das sind reine Gedankenschwurblereien.
Aber: die Hamburger Polizei nutzte die Gunst der Stunde und rief das betroffene Gebiet zur Gefahrenzone aus, muss nicht einmal den Senat um Erlaubnis bitten, denn die ehemalige CDU Regierung, Pardon: der Hamburger Senat, damals CDU, hat vor neun Jahren dementsprechende Gesetze erlassen.
Die Sache stinkt. Die Sache stinkt zum Himmel.Vor allem auch, weil ein Polizeigewerkschafter am Tag der Demonstration die Demonstranten *Abschaum* genannt hatte. Viele hielten dies für einen Fake, bis es von offizieller Seite bestätigt wurde.
Ich stehe nicht alleine mit dem Bauchgrummeln da: Die Zeit online berichtete darüber unter der Überschrift: Polizei erklärt Teile Hamburgs zum Gefahrengebiet.

Und gibt es einen Aufschrei?
Die taz hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel veröffentlicht. Hier geht es zum Artikel.
Ja, aber nur von einer kleinen Minderheit. Unter entsprechenden Artikeln im Netz ist oft Zustimmung für das Verhalten der Polizei zu lesen. Da wird von Prügel für die Demonstranten gesprochen, bis sie sich wieder zu benehmen wissen...

Freiheit ist ein hohes Gut. Freiheit, ob Rede-, Religions- oder Meinungsfreiheit, all das ist uns gesetzlich zugesichert. Das Demonstrationsrecht auch. Oder die Reisefreiheit (hat man ja zu Occupy Frankfurt gesehen; ganze Reisebusse aus `Berlin wurde abgefangen und die Leute wieder Heimgeschickt - durch wen? Na, durch unsere Freunde und Helfer.)
Zurück nach Hamburg. Hier gilt jetzt also Polizeirecht im Gefahrengebiet. Um die *Gewaltbereiten Randalierer aus der Linksszene* in Schach zu halten.

Für mich *fühlt* es sich anders an. So als würden sie sagen: Widerstand ist zwecklos. Euch bekommen wir klein.

Es herrscht wieder Recht und Ordnung. Und Sicherheit. Keep Calm and go shopping.






Kommentare:

  1. Im Moment kennt sich das Volk bei den Örtlichkeiten rund um die Notaufnahme eines Krankenhauses in Grenoble besser aus, als im Hamburger Schanzenviertel. Damit will ich sagen: Schumis Unfall belagert die Schlagzeilen aller Medien, im Gegensatz zu dem "Abschaum" in Hamburg.
    LG
    Sabienes

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  2. Hallo Sabienes, ja so sieht es aus. Und dann sagen wieder viele: ich habe das nicht kommen sehen. Sehr bitter.
    LG Marianne

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