Freitag, 28. Februar 2014

Rosarot und Postgelb.


Als ich das Foto gestern auf FB postete tippten Freunde gleich auf das richtige Postamt.... was sagt uns das? Das nächste mal ein anderes aufsuchen!

Schlange stehen macht mir selten etwas aus, denn aufregen bringt selten etwas. Ein defekter Fahrkartenautomat wird durch Gemurre und Gemeckere auch nicht wieder funktionsfähig. Oder zaubert mehr Personal her. Meistens sind nicht die Angestellten schuld, sondern die Unternehmen, die die Besetzung der Dienstleistungsbereiche planen. Und wo kann man das besser als sonst wo? Jepp, bei den Personalkosten....
Gestern wurde dann aber meine Geduld auf eine gar arge Art geprüft. Als ich in das Postamt kam ging die Schlange schon bis zur Automatiktür - die man deaktiviert hatte, damit der Letzte in der Schlange nicht ständig die Öffnungsautomatik auslöste. Innerlich stöhnte ich laut auf, war aber sofort besänftigt als ich bemerkte, dass sich eine Angestellte liebevoll um einen älteren Herrn bemühte. Leider hatte ich nicht das Glück, an sie zu geraten, aber dazu später. Trotzdem geisterte der Begriff Schneckenpost in meinem Kopf herum.
Da es um Geld ging verschwanden beide, Angestellte und Kunde, im Bankbereich Separee. Also standen nun nicht mehr drei Postangestellte, sondern nur noch zwei der Meute gegenüber. Die war überraschend ruhig und freundlich. Die Meute. Bis ein Mann eine der Angestellten anmeckerte. Aber anstatt das alle mit einstimmten drehten sich alle zu dem Mann um. Der verstummte recht schnell und ich tratschte mit meiner Nachbarin in der Schlange.
Nach 20 Minuten war ich endlich am Ziel - dachte ich zumindest. Und meine, bis Dato gute Laune, verflüchtigte sich innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde. Der gestrenge Blick der Angestellten, durch die pinkfarbenen, runden Gläser ihrer randlosen Brille trafen mich wie Pfeile als ich sie anlächelte. Keine Regung, ein schnarrendes *Was kann ich für Sie tun?* Irgendwie musste ich an eine der Hauptfiguren von Bram Stokers Dracula denken - allerdings trug der das Brillenmodell mit den blauen Gläsern und war charmant. Mir fröstelte.
Normalerweise wickle ich unfreundliche oder abgestumpfte Verkäufer, Kassiererinnen, missmutige Beamte mit links um den kleinen Finger und entlocke ihnen zumindest einen kleines Lächeln oder einen freundlichen Blick, aber hier versagte mein Können auf ganzer Linie.
Hier prallte meine  Freundlichkeit ab wie ein Tennisball von einer Wand. Ich gebe ja dann trotzdem nicht auf. Und es ist mir egal, was andere darüber denken.
Ungern gebe ich aber zu: ich habe verloren. Haushoch! Nach zehn Minuten mit der Dame hinter dem Schalter fühlte ich mich wie nach einem heftigen Auffahrunfall und dem Kontakt mit einem Airbag.
Ich weiß ja nicht was der Dame in ihrem Leben hinter dem Schalter alles schon passiert ist - ich malte mir grauenhafte Auseinandersetzungen mit Kunden aus, um nicht zurück zu stürmen und zu rufen *Ein Lächeln kostet nichts, Sie unfreundliches Ding!*. Aber das Mitleid siegte.
Wer schon eine rosarote Brille auf der Nase hat und trotzdem nichts Erfreuliches wahrnimmt ist echt arm dran.

Mittwoch, 26. Februar 2014

Die dreisten Drei (Essen)

In einem Punkt bin ich typisch deutsch. Ich liebe Brot. In jeder Form, zu jedem Anlass, pur, mit *Butter*, als Marmeladenbrot, zum Tunken, geröstet, getoastet, zu Knödeln verarbeitet, morgens, mittags, abends.
Das einzige was mir noch lieber ist: Laugenbrötchen. Voll assimiliert von den Schwaben.


Aber heute geht es nicht um das drunter, sondern um das drauf.
Für ein gutes Sandwich lasse ich Pommes Pommes sein und lasse auch die Falafel links liegen. Und dann kommt's:
*Was packst du denn als Veganer da drauf?*
Oh, jede Menge, nur selten Gemüse in Reinform, wobei Zucchinisscheiben bei mir schon lange die Gurke ersetzen. Auch wenn Putte Zucchini für *Teufelszeug* hält. Mir schmeckt's.
Aber nur das grüne Gemüse auf's Brot wäre extrem lagweilig. Natürlich gibt es jede Menge *Wurst- und Käseersatz* und vieles davon ist lecker, aber das ist a) teuer und b) ist die Auswahl doch nicht ganz so groß.
Anders sieht es bei den Aufstrichen aus: Ob von Zwergwiese oder Alnatura (und auch noch vielen anderen Anbietern) - es gibt so leckere Sachen.
Was mich die letzte Zeit so begeistert ist die Tatsache, dass es auch in den *normalen* Supermärkten langsam ankommt, dass es neben Wurst, Schinken und Käse, Honig und Marmelade noch etwas anderes auf das Brot kann. Und es muss auch nicht immer auf Nährhefebasis sein. Zwar auch lecker, aber leider ähnle ich nach dem Genuss einem Heißluftballon mit Leck. Mehr sage ich dazu nicht. (Pffffffffffffft).
Als ich wieder einmal durch die Gänge des nahen Supermarktes schlenderte, auf der Suche nach etwas, um dem angekündigten Besuch zu verköstigen, so dass der Besuch zufrieden sein würde, obwohl es *nur* veganes Essen geben würde, stolperte ich über folgendes:


Alle drei Aufstriche sind ober lecker und mit etwas frischen Gemüse oben auf, Gurke-Zucchini-Tomate-Karotte, noch leckerer! Es fehlt eine Aufstrich auf dem Bild: Cashew-Paprika. Und mit 1,49/125g finde ich es auch nicht teuer. Die Gläser haben eine gute Größe, auch für mich als Single und sauber ausgespült nutze ich sie gerne um Gewürze aufzubewahren oder für selbstgemachte Aufstriche und Marmeladen.
Probiert es doch mal. Tut gar nicht weh .....




Dienstag, 25. Februar 2014

Frühlingserwachen


Seit Montag, also seit gestern, scheint sich der Winter geschlagen zu geben und der Frühling will uns anscheinend für seine Abwesenheit letztes Jahr entschädigen. Wäre auch sinnvoll. Wer denkt nicht mit Grauen an die grauen Tage von 2013 zurück? Der Winter wollte einfach nicht gehen und blieb. So wie mancher Gast, der die auffälligen, aber indirekten, Hinweise der Gastgeber nicht wahrnehmen möchte.
Wenn die Gastgeber dann *Gute Nacht* sagen und sich in ihre Schlafgemächer verziehen sollte, es dem letzten Gast klar sein, dass die Party vorüber ist. Anders der Winter 2012/2013. Der hockte bei uns bis zum Morgengrauen des Sommers. Irgendwie gab es keinen Frühling.

Ich mag den Frühling, auch wenn er einige negative Nebenerscheinungen für mich hat - Pollenflug. Ich ignoriere es einfach und trage meine dicke Nase und rot geschwollenen Augen mit Fassung. Es juckt mich und doch auch nicht. Auf Wimperntusche verzichte ich zu diesen Zeiten, da ich sonst wie ein verheulter Teenie aussehe.

Wir drehen unsere Gesichter in die Sonne, die Kater sitzen an dem geöffneten Badezimmerfenster und halten Ausschau nach den frechen Kohlmeisen, blinzeln in das helle Licht, schnuffern erwartungsvoll in das laue Lüftchen, um die aufregenden Gerüche zu analysieren. Ein Traum. Auch wenn es noch recht frisch ist ist. Nicht für die Jahreszeit, aber der Schein trügt. Der strahlend blaue Himmel verspricht etwas, was die Lufttemperatur nicht hält.

Mein Wohnung, in den unteren Etagen liegend, ist plötzlich lichtdurchflutet. Herrlich. Wenn, ja wenn nicht feine Staubpartikel im Licht tanzen und das Licht gnadenlos die ungeputzten Fenstern enthüllen würden. Überall hockt noch der Winter - in Form von, bis dato übersehenen, Wollmäusen und Staubflusen. Ihr ahnt wahrscheinlich was kommt.
Der Frühlingsputz........... wenn da nicht die Frühlingsmüdigkeit wäre. Die Kater sind auch davon betroffen. Sie liegen bei mir und blinzeln verschlafen ab un zu in meine Richtung, strecken sich ab und zu, um sofort wieder weg zu schnarchen.
Was soll ich sagen? Es ist ansteckend.

Montag, 24. Februar 2014

Montag

Die Boomtownrats sangen *I don't like monday*. Warum eigentlich? Der Tag des Mondes kann nichts dafür, dass die meisten von uns hier wieder in die Tretmühle müssen. Und nur Menschen, die ein geregeltes Wochenende haben, und keinen Spaß am Job, mögen diesen Tag nicht.
Ich denke da an die vielen hilfreichen Geister die Wochenenddienst schieben:
Rettungsdienste, Krankenhauspersonal, Servicekräfte, Hotelangestellte, Sportstättenangestellte, Callcenter...
Was sagen die?
In der heutigen Gesellschaft geht eine kleine Gruppe Privilegierter davon aus, dass ihre Wochenaufteilung ALLE betrifft, selbst, wenn sie sich am Sonntag beim Brunch und im anschließenden Wellnessbad vergnügen.
Ich persönlich kenne sehr viele de an den Wochenenden, oder zumindest Samstags arbeiten und das auch noch im Schichtsystem, teilweise im Dreisschichtsytem. Was das für die Familien bedeutet? Es kommt immer auf die einzelnen an. Manche finden es auch super, weil sie regelmäßig vier bis sieben Tage frei haben. Andere stöhnen. Wieder andere haben einen *normalen* Vollzeitjob plus Nebenjobs, so dass sie teilweise sieben Tage, bzw komplett durcharbeiten.
I don't like mondays steht für mich in der Zwischenzeit für etwas anderes:
Keinen Bock mehr auf etwas, dessen Sinn man nicht mehr nachempfinden kann und das zur Belastung wurde. Fronarbeit. Nicht anerkannt werden im Job. Und es ist ein Ding der inneren Einstellung.
Wenn ich gerade aus dem Fenster sehe lacht mich der tiefblaue Himmel an. aber ich gehöre zu den *Glücklichen* die heute nicht ran müssen. Ich habe leicht reden. Auch ich kenne das Gefühl Sonntag abends da zu sitzen und mit Grauen an den nächsten Morgen zu denken.
Aber dafür kann der Montag nichts.
Kommt gut in die Woche.

Sonntag, 23. Februar 2014

Hasch mich, ich bin der Frühling (Sonntagsgedanken 7/2014)

Blauer Himmel! Endlich! Die ersten Blüten knospen zaghaft, die Menschen drehen ihre Gesichter in die Sonne. Wenn der kalte Wind nicht wäre, wären die Straßencafes schon wieder bevölkert wie ein Bienenstock, wildes Durcheinander und das Summen und Brummen der Gespräche.
Ich genieße es auch, auch wenn die Pollen fliegen  *wie'd Sau*. Badischer Ausdruck für *enorm*.
Die Frühlingssonne macht es einfacher das zu verdrängen, was in unserer nächsten Nachbarschaft passiert.
Manchmal denke ich, das wir Deutschen in einer Enklave leben, beschützt und abgeschirmt. Wir empören und entsetzen - jedenfalls einen Teil - uns, aber es betrifft uns nicht wirklich. Und so lange es uns nicht (be)trifft, bleibt es beim kollektiven Netzaufschrei einer Minderheit.
Alleine die Tatsache, dass für Großprojekte wie Sotschi und Katar Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
Die Spiele finden statt und die Massen kleben an der Flimmerkiste am Flatbildschirm. Da ist es entsetzlicher, dass eine deutsche Sportlerin positiv getestet wurde. Das empört die Volksseele.
Und was tut es zur Sache, dass 400 Inder in Katar ums Leben kamen, wenn die deutsche Nationalelf einen guten Platz macht. Es ist doch viel schlimmer, wenn *Schland* schon wieder nicht Weltmeister werden sollte. Aber dann kann man es ja auf die Hitze schieben.
Korrupte Hochrangige IOC und FIFA Mitarbeiter entscheiden sich aus unerfindlichen Gründen für Sportstätten wie Sotchi und Katar. Ein Schelm der da an Bares denkt.
Auch wenn ich die Spiele boykottiere - ich glaube allerdings nicht, dass das wirklich jemanden juckt - so entkommt man den Nachrichten nicht.

Während die Welt ihren Idolen zujubelt brennt die Ukraine. Die Lage eskalierte. Die Bilder waren entsetzlich. Es starben Meschen - gezielt abgeschossen durch Scharfschützen. Hier gibt es trotzdem kein schwarz-weiß. Die Informationen über den Widerstand - der wochenlang friedlich war - sind widersprüchlich, vielfältig und verwirrend. Gestern las ich in einem anderen Blog, dass ein Rabbi die jüdische Bevölkerung aufforderte die Ukraine schnellst möglich zu verlassen, da er Übergriffe seitens der Ultranationalisten und Rechten befürchtet. Ich kann nicht beschreiben, was ich in diesem Moment fühlte, aber ich dachte: ist es schon wieder so weit? Lernen es die Menschen nie?
Wie es in der Ukraine weitergehen wird ist schwer vorherzusehen. Es ist ein Tauziehen um die Vorherrschaft von Ost (Russland) und West (Europa und USA).

Denkt jemand noch an Syrien? Oder an Lampedusa? Sind wir schon so abgestumpft, weil das Elend der Welt jeden Tag - hoch aufgelöst - über die Bildschirme in unser Leben strömt, unterbrochen von der zartesten Versuchung seit es Schokolade gibt und der neuesten Rabattschlacht eines Elektronikkonzerns.
Wahrscheinlich muss man es ausblenden, um nicht zu verzweifeln. Aber man sollte es nicht vergessen. Und handeln.


Freitag, 21. Februar 2014

Zwischendurch

...ist man früher an die Pommesbude gewetzt, wenn einen der Hunger überfiel. Heute macht Frau das aus mehreren Gründen nicht mehr. Oder nur noch sehr selten. Wenn man sich vegan/vegetarisch ernährt, schrumpft das Angebot von Fast Food plötzlich um ein Vielfaches. Denkt man. Ist aber nicht so.
Ich finde es momentan sehr erfreulich das die Vietnamesen Stuttgart erobern. Und nicht nur sie: Japaner sind auch auf dem Vormarsch, auch ein kunterbunter kulinarischer Mix aus beiden. So bekommt man meist auch noch Sushi. Nicht zu vergessen die Thailänder. Wenn man, wie ich, eh auf die Asiatische Küche steht, wandert man gerne auch weiter, um indisch zu futtern.
Und plötzlich geht vegan/vegetarisch und das auch noch vielfältig, günstig und gut.

Als ich einmal wieder meine Termine nicht im Griff hatte, eine Stunde Zeit blieb und mein Magen schon protestierte, entdeckte ich in der Tübinger Strasse einen kleinen Imbiss. Entdecken ist falsch ausgedrückt. Ich hatte ihn schon der öfteren gesehen, aber diesmal ging ich hinein.


Hell, sauber, dezent eingerichtet. Kleine Theke. Gute Auswahl. Nettes Personal - das auch Witze reißt.
Ich blieb.
Aß.
Und war rund herum zufrieden.
Man kann sich die Sachen einpacken lassen oder vor Ort essen. Wie üblich bestellt man an der Theke und bezahlt auch sofort, bekommt aber das Essen an den Tisch gebracht.




Die Portionen sind anständig, das Gemüse knackig, es waren auch frische Kaffir-Blätter im Essen. SUPER!
Das Thai-Curry war angenehm scharf, der Tofu essbar, ich war satt, zufrieden und meine Nase lief.
Ach ja, der Laden heißt DO's und befindet sich im verkehrsberuhigten Teil der Tübinger Strasse in der Nähe der Stadtmitte, gleich neben der Jeanshalle.




Mittwoch, 19. Februar 2014

Die Seidenstraße ( die hippe Mitte)

Marco Polo ist nicht nur eine Modemarke, die in den Achtzigern elitäre Popper mit Sweatshirts in Pastellfarben versorgte, sondern der ursprüngliche Marco Polo war ein Entdecker, dem einiges zugeschrieben wird. Er trieb es wild und bunt und vor allem Handel. Er häufte Wissen und Materialien an.
Aber heute halte ich euch keinen Vortrag über Handelsbeziehungen in grauer Vorzeit, sondern ich möchte euch mit der Nase auf einen kleinen Laden ( schöne Homepage!) stoßen, der auch schon sehr lange in Stuttgart angesiedelt ist und der uns das beschert, was der Orient an Überraschungen für uns bereit hält, ohne dass wir die Kamele satteln müssen und mit einer Karawane gen Osten ziehen.
Vor allem Handwerk aus Indien wird hier feilgeboten, in einem farbenfrohen Geschäft, in dem man sich gerne etwas länger aufhält, staunend zwischen bestickten Kissen, handbemalten Tassen, hochwertigen Porzellan, entzückenden Tabletts, indonesischen Sitzkissen, Tuniken, Schmuck, Stoffen, Puppen, Lampen - *hach*.

die Tüten sind aus indischen Zeitungen gemacht
Recycling einmal anders

Habe ich mich gerade als Fan geoutet? Sieht so aus.
Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen (Ehrenwort!), aber die Tassen im Schaufenster lachten mich schon seit Wochen an. Immer wenn ich an den großen Fenstern vorbei lief lächelten mich Farben und Muster an und ich hörte leise, piepsige Stimmen, die mich anflehten: *Nimm mich, nimm mich, nimm mich mit.*


Ich hatte keinen Mast wie Odysseus, um mich daran zu binden und so den Sirenengesängen zu entgehen, und auch die Stöpsel meines mp3-players waren keine große Hilfe. Als folgte ich eines Tages dem Ruf der Verlockung und betrat den Laden.
(Ganz großer Fehler!) (Nein! Ganz toll!)
Ich hatte keine Chance. Ich war die Maus vor der Katze, der Hase vor der Schlange, ich war hin und weg.
Und die Tassen mein. Aber ganz so kampflos ergab ich mich nicht. Fast wäre ich noch entflohen, ohne Beute, wenn: Ja wenn mir nicht die nette Verkäuferin einen Sonderpreis gemacht hätte. Weil die eine Tasse die letzte sei, würde ich beide für so und so viel bekommen, statt so und so viel. Es waren satte 10% Nachlass, wie kann ich da nein sagen. Und die Verkäuferin war so nett.
Was soll ich sagen: ich tastete mich mit Blicken durch das Geschäft, schnupperte und bewunderte. Meine Augen müssen geglänzt haben wie polierte Murmeln, und ab und zu entrang sich meiner Brust ein Stoßseufzer.


(Ich brauche einen Sugardaddy!)
Die Tassen sind mein und ich glücklich. Die Seidenstraße ist nicht weit von der Stelle wo in Stuttgart schon wieder ein Einkaufs- und Konsumtempel hochgezogen wird: Das Gerber. Ich werde weiter in die Seidenstraße gehen, denn solche Läden gibt es nicht mehr so viel. Leider.



Dienstag, 18. Februar 2014

Schnipp Schnapp, Haare ab (der wilden Süden)


Was macht Frau, wenn sie ihr Leben ändern will? Genau: Ab zum Friseur. Es ist kein Mythos. Genauso wenig wie die Tatsache, dass wir Frauen gerne Schuhe schoppen (die passen zwar nicht immer, aber der Spiegel zeigt einem nicht die ganze Figur, sondern nur den schlanken Knöchel).
Vorurteile? Mag sein. Da ich aber dieser Menschengruppe angehöre darf ich das so äußern.
Wenn sich Frau dann entschlossen hat, dass Schuhe kaufen nicht mehr reicht, die letzte Diät wieder gescheitert ist, die Wohnung zum x-ten mal umgeräumt wurde (die erschreckten Gesichter meiner Kater wandelten sich schnell in vorwurfsvolles Abgeneigtsein) muss das eigene Haupthaar dran glauben.
Meine Haare haben die letzten anderthalb Jahre sehr gelitten, aber durften ungebremst ihren Wachstumdrang ausleben. Ich hatte keinen Nerv für irgendwelche *Trendschnitte*, zwischen Krankenhausaufenthalten, Reha, nochmal Reha, mit Krücken und zum Sport, ständigen Schmerzen (die Gott sei Dank nachgelassen haben), waren mir meine Haare gelinde gesagt scheiß egal. Hochgesteckt oder mit einem Haarband gezähmt, wucherten sie struppig und stumpf vor sich hin. Das Heparin, das Blutverdünnungsmittel machte es zusätzlich strohig und ließ es auch ausfallen.
Da stand ich dann mal wieder vor dem Spiegel und hätte mir am liebsten den Kopf geschoren. Aber das hätte kaum eine Verbesserung gebracht, also auf zum Frisör.


Leichter gesagt als getan. Ein Friseurbesuch ist Vertrauenssache und ich habe schon des öfteren den Kopf hingehalten um mir danach die Haare zu raufen, bzw wochenlang mit Mütze herumzulaufen.
Also, was tun? Wie einen Friseur aussuchen. Zu einer Kette wie J7? Darauf habe ich ehrlich gesagt keine Lust mehr. Dann flammte über mir ein Kronleuchter auf! Klar! Im Viertel hat ein neuer, kleiner Friseursalon aufgemacht, um den ich schon des öfteren herumgeschlichen bin. Ein Eckladen, mit großen Fenstern, trotzdem sah man, dass die Kunden nicht auf dem Präsentierteller sitzen, anders wie in den ganzen *Hair-Lounges*. Wenn man durch die Fenster linst, dann sieht man herrlich altmodische Friseurstühle, ein Schaukelpferd, viele Bilder an den Wänden und eine freistehende Garderobe, ab und zu parkt auch ein Fahrrad im Laden.


Also schneite ich rein, machte einen Termin aus und ha(a)rte der Dinge.
Der große Tag kam, wir beschnupperten uns. Ich machte der netten Scherenkünstlerin klar, dass mir nur eines klar sei, nämlich dass meine Haare ziemlich kaputt seien. Sehr gefährlich, da dies in vielen der modernen Haartempel dazu führt, dass man sehr teure Pflegeprodukte aufgeschwatzt bekommt und man mit einer Kurzhaarfrisur den Laden verlässt. Hier nicht. Sie bürstete mein Haar, betrachtete es kritisch und dann kam die Analyse: *So kaputt ist es gar nicht, die Spitzen, ja, und es ist ein bisschen trocken.*
Das Fragezeichen leuchtete über mir. Ich: *Echt?!* Sie lachte. Wir redeten über Länge und Farbe und einigten uns auf eine leichte Korrektur, ich bekam den Kopf gewaschen - in einem Nebenraum, was sehr angenehm war, da ich es absolut nicht leiden kann, wenn mir Hinz und Kunz dabei zusehen kann.
Sie schnitt mir die Haare, teilweise im Stehen, da sie schon ziemlich lang sind, erklärte mir was sie machte, glich Stufen aus, und föhnte über eine Rundbürste -wobei sie mir erklärte, dass dadurch das *fizzelige* weggehen würde.
Ich war verblüfft als ich das Ergebnis sah. Die Haare sahen einfach gesund aus - und sehen sie auch heute noch, dabei habe ich kaum Länge verloren.
Der ganze Laden erinnert an einen Barbershop der späten 50er in den Staaten. Irgendwie flimmerte diese Atmosphäre einem ständig durch den Kopf, alles weist darauf hin, die Fotos, die Einrichtung, der ganze Flair. Und MANN kann sich hier richtig rasieren lassen - mit einem richtigen Rasiermesser, ihr wisst schon: so eines, das am Lederriemen geschärft wird. Da hüpft der Adamsapfel.
Und als es ans Zahlen ging, war ich noch erstaunter. Glatte 30€. Bei den *Ketten* war ich immer mindestens das Doppelte los.... und die Haare.
Aber das Erwachen kommt meist nach der ersten Haarwäsche. Hier nicht. Ich bin zufrieden!

Der Laden heißt Kopftheater und ist in der Schlosserstr. im wilden Süden. Hier könnt ihr Termine machen: Call my number.





Sonntag, 16. Februar 2014

Narrenmund tut Wahrheit kund (Sonntagsgedanken 6/2014)


...trällert:
die Gedanken sind frei
wer kann sie erraten
sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten
kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei
die Gedanken sind frei

Allerdings wäre ich bestimmt schon in irgendeinem Verhörzimmer, wenn ich alles aussprechen würde, was so zwischen meinen Schädelknochen hin und her wabert. Oder zumindest würde ich des öfteren *schell* 
(badisch für schief/ schräg/ abwertend) angesehen. Wobei wir Glück haben und nicht in Russland leben, wo gerade der olympische Gedanke pervertiert wird. Aber das alleine den Russen zuzuschieben wäre falsch und unfair. 
Mich treibt dies alles diese Woche um, nachdem ich eine fantastische Sendung *Die Anstalt* gesehen habe (allerdings als Aufzeichnung in der Mediathek des ZDF) - und auch die *Heute Show*, die sich praktisch jede Woche selbst toppt - bin ich zu folgender Schlussfolgerung gekommen:

Die Wahrheit wird ausgesprochen, sie interessiert aber nur wenige.


Bei den jungen Wilden aus der *Anstalt* musste ich an das alte, bissige Politikkabarett *Münchner Lach- und Schießgesellschaft* denken. Teilweise so bitter in ihren ausgesprochenen Wahrheiten, dass mir das Lachen im Hals explodierte , bevor es stecken blieb. Böse sind sie, treffend, teilweise  fast zynisch. Und wie immer in unseren rechtlich-öffentlichen Sendeanstalten wird diese Sendung zu einer unchristlichen Zeit ausgestrahlt. Aber noch gibt es die Mediathek des ZDF. 


Die Mediathek nutze ich oft auch für die heute-show und sehe sie mir Samstags zum Frühstück in aller Ruhe an. Anders als die *Anstalt'ler* spotten hier die Propagisten wie die berüchtigte Drossel. So frech, so deutlich, teilweise so unverschämt, dass es eine wahre Freude ist ihnen beizuwohnen.
Oliver Welke und seine Mannen (und Frauen, ich will ja niemanden unterschlagen) gehen Freitags, spät abends, den Politikern an den Kragen und die Wäsche. Dabei bleibt kein Auge trocken. Aber manches wird gebläut. In der Zwischenzeit ist sein Mitstreiter Hassknecht mein absoluter Favorit, obwohl die ganze Truppe wirklich gut ist.


In beiden Sendungen werden Wahrheiten ausgesprochen, die man selten in solcher Deutlichkeit in den Nachrichten vernimmt. Sie bringen das Zeitgeschehen in unserer Republik auf den Punkt und treffen die Nägel, gleich im Dutzend, auf den Kopf.
Es beruhigt mich dann immer ein klein wenig, dass ich, in meinem stillen Kämmerchen, doch nicht ganz so schräg ticke mit meinen Überlegungen und Gedankengängen....

Aber alle gute Dinge sind drei: *Pelzig hält sich*, als Herr Pelzig Einzug in die alte Anstalt hielt, als Ersatz für Georg Schramm, war ich am Anfang wenig begeistert. Er war so anders. Heute schätze ich ihn eben genau dafür! Er ist auf seine Art sehr frech, sehr gerade heraus und er fühlt seinen Gästen auf den Zahn, teilweise bis zur entzündeten Zahnwurzel der Gesellschaft.
Wer Politikkabarett mag, wer freches Kabarett den flachen Comedy Shows der Privaten vorzieht, ist hier richtig:

heute-show: Freitags 22:30 ZDF
Die Anstalt: Dienstag 11.3.2014 22:15 ZDF
Pelzig hält sich: 18.3.2014 ZDF 22:45

Warum nur so spät abends? Liegt es daran, dass die Wahrheit nicht mehr gesagt werden soll, oder mag man sie nicht mehr hören?











Mittwoch, 12. Februar 2014

One Billion Raising - Tanz gegen die Gewalt gegen Frauen



Zum zweiten mal werden sich am Valentinstag weltweit Millionen Frauen (und ein paar Männer) versammeln um gegen die Gewalt gegenüber Frauen tanzen.

Diese Gewalt tritt in mannigfaltigen Formen auf. Verstümmelung der Genitalien, Zwangsehe von Mädchen, die noch Kinder sind, Ehrenmorde, Gruppenvergewaltigungen, häusliche Gewalt (wie verniedlicht das doch klingt), Stalking, Nötigungen, Mobbing.
All das klingt furchtbar und ist doch Alltag und das weltweit. Mich packt jedesmal das Grauen, wenn ich mich auch nur am Rande vorstelle was manche meiner Geschlechtsgenossinen weltweit tagein, tagaus erleben müssen.
Ich lebe auf einer der kleinen Inseln der Glückseligkeit, mich trifft die Gnade der späten Geburt in einem der, für Frauen, sichersten Ländern der Welt. Offiziell gleichberechtigt kämpfen wir hier schon auf einer ganz anderen Ebene als in Indien, Afghanistan oder Äthopien. Aber wer denkt, dass hier alles Gold ist was glänzt.... sollte sich folgenden Video ansehen:



Oder lest das Buch *Die Töchter Egalias*. Es öffnete mir die Augen als ich ein Teenager war und ich fing langsam, aber sicher an zu verstehen, dass diese Welt nicht fair zu uns Frauen ist.
Und es ist typisch für unsere Gesellschaft, dass es gerne ins lächerliche gezogen wird, auch von Frauen, dass es teilweise heißt, Frau würde sich *künstlich aufregen*, *ja was wollt ihr denn noch*. Wenn es um Vergewaltigung geht, höre ich immer noch den Satz, denn eine Krankenschwester über eine vergewaltigte Frau sagte, als diese schwer verletzt in ihrem Krankenhaus eingeliefert wurde:
*Was läuft die auch in so einem Aufzug nachts in der Gegend herum*. Oder der Vergewaltiger, der frei gesprochen wurde, weil sein Opfer sich nicht heftig genug gewehrt hätte und es nicht deutlich genug gemacht hätte, dass es das nicht wolle. Er über dreißig, sie Teenager.

One Billion Raising hat es sich zur Aufgabe gemacht das alles präsent zu halten und das am Tag der Verliebten - dem Valentinstag. Ein gewaltfreier, fröhlicher Protest gegen Gewalt und Unterdrückung. Es steckt noch mehr dahinter. Informiert euch. Als Frauen, als Männer, als Menschen die gegen Gewalt sind. Tanzt mit uns und sei es nur im Herzen. Ich hoffe dieses Jahr sind es noch mehr als letztes Jahr.

Ich kann dieses Jahr leider nicht dabei sein - ich nehme Abschied von meiner Tante Ketsche, aber im Herzen werde ich überall dort sein, wo getanzt wird.
Gewalt gegen Frauen, gegen jeden Menschen ist nicht hinnehmbar, tanzt, tanzt, tanzt.
In Stuttgart treffen sich die Frauen auf dem Marktplatz um 16 Uhr.





Dienstag, 11. Februar 2014

Handwerker: Mythos und Wirklichkeit.



Handwerker haben so ihren Ruf.....weg. Ich weiß nicht, ob es stimmt, was man so sagt. Allerdings kann ich in Bezug auf Handwerker auch ganze Opern singen. Und das will bestimmt keiner hören.
Servicetechniker sind auch Handwerker. Aber die sind meistens angestellt von großen Firmen.
Wie das ist, weiß jeder von uns, oder zumindest die meisten.
Mein Waschtrockner, gerade ein Jahr alt, bockte vor zwei Wochen und wollte auf Teufel komm raus nicht mehr trocknen. Ich schnappte mir die Betriebsanleitung und vollzog jedes Ritual, prüfte jedes Lämpchen, drehte jeden Schalter und drückte jeden Knopf.
Nix half.
Also Rechnung rauskramen.
1. Panikattacke.
Wo ist dir Rechnung?
Die klebte, mit einem Magneten befestigt, immer noch an der Kühlschranktür. Ein tiefes Aufatmen. Beim Elektrohändler angerufen, nein keine Kette, ein echter, wirklicher Einzelhändler, angerufen, die Servicenummer, auch dort sofort durchgekommen und einen Termin abgemacht, der mir ebenso passte wie dem Techniker.
Montags morgens ab 7:30 - 12:00, na, das kann ja dauern, dachte ich, als ich früh morgens durch die Wohnung tigerte. Von wegen. Um acht war er da. Jemand anders hatte seinen Termin kurzfristig abgesagt und ich lag auf dem Weg.
Grundsätzlich biete ich jedem meiner Gäste - und auch anderen Menschen - etwas zu trinken an. Das wurde, lächelnd, abgelehnt und und ran ging es an die Maschine.

Haben Sie eine Fehlermeldung bekommen?
Nein.
Was genau funktioniert nicht?
Nun, die Wäsche wird nicht mehr trocken!
Ja, das haben Sie gemeldet. Aber warm ist sie?
Ja.
Sie lassen doch immer nach dem Trocknen, und ich sage immer, den Feinspülgang laufen, wenn Sie die Wäsche entnommen haben?
(Irgendwas an dem Tonfall machte mich stutzig und der intensive Blick mit dem mich der Techniker bedachte irritierte mich dann doch etwas. Ich stand da im Schlumpel-Look und hochgesteckten Haaren, also an meiner frühmorgendlichen Schönheit lag es nicht.)
Ich habe mich immer an die Betriebsanleitung gehalten! (In diesem Moment erschien ein Heiligenschein hinter mir.)
Gut. Es ist nämlich so, dass die Garantie nur auf die elektrischen Teile gilt, wenn das Ding verstopft ist.....das Flusensieb ist sauber, haben Sie gesagt? Na, dann gucken wir mal.
Was kostet das denn dann in etwa?
Anfahrt, Arbeitszeit ca 200€
Nicht gerade billig, aber noch im Rahmen. Er fing an die Maschine zu untersuchen, unterstützt von meinen neugierigen Blicken. Irgendwann ging ich ihm zur Hand, hielt dieses und jenes, reichte das und dies. Zwischendurch warf ich die Kater immer wieder  aus dem Badezimmer. Selbst der scheue Soleil fand den Techniker interessant, ich musst sie wegsperren....
Da Sie ja immer den Feinspülgang laufen ließen, versuche ich das Ganze auf Kulanz laufen zu lassen, aber das muss ich am Laptop machen.
Aber jetzt zeige ich Ihnen erst einmal was Sie machen müssen falls das noch einmal passieren sollte.

Das Programm ließ es zu, dass die Reparatur auf Kulanz läuft und ich weiß jetzt, wie ich meine Waschmaschine auseinander nehmen kann. Als ich ihn fragte, ob er das jedem Kunden zeigt, sagte er: Nur die es interessiert und die nett sind, so wie Sie.
Die Reparatur hätte mich um die 200€ gekostet, ich weiß jetzt was ich zu machen habe, dass das Ding nicht wieder verstopft, jetzt weiß ich, wie ich es selbst reparieren kann und was ich zu beachten habe, selbst wenn der Trockner den Geist aufgibt: die Waschmaschine ist 1A, dann habe ich eben nur noch eine Waschmaschine, kann aber einen Kondenstrockner oben drauf stellen.
Ich habe danach gegoogelt, und die Angaben des Technikers bestätigten sich. Gerade noch einmal Glück gehabt.

Ich habe den Handwerker nicht geküsst. Aber mich herzlich bedankt. Nett sein lohnt sich also doch.

Montag, 10. Februar 2014

Die wilde Ketsche (Familiensaga)

Woher der Name Ketsche kam, weiß ich nicht. Und warum mein Cousin Antony, kurz Tony gerufen, so anders aussah als wir anderen Kinder und nie zum Sonnenbrand neigte, war mir lange ein Rätsel. Hatte was mit dem Zweiten Weltkrieg und der amerikanischen Besatzung danach zu tun.
Ketsche war die ältere Schwester meines Paps und hieß im wahren Leben Fanziska S, geborene K. Und sie war ein Feger. Als ich sie bewusst wahrnahm, war sie schon locker in den Vierzigern, eine gelassene Frau (so nahm ich sie wahr), bei der ich immer nach der Schule zum Essen ging. Abwechselnd ging es auch zu anderen Futterstellen, während meine Mutter einen ihrer Klinikaufenthalte hatte. Die Familie hielt zusammen. Meine Tanten kochten alle gut...
Groß war sie (aus der Kinderperspektive), kurze, blonde Locke, sehr schlank, eher schon hager. Wie mein Paps eben. Und stahlblaue Augen. Nicht dunkelblau. Wir haben ein Mischung aus blau und grau. Ich habe die Augenfarbe meines Paps geerbt.

Tante Ketsche ist gegangen. Von ihrer Generation sind nicht mehr viele um uns. Meine Mutter hat mich so spät bekommen, dass ich mit einer Generation aufwuchs, die meine Großeltern hätten sein können. Aber man bekommt auch als Kind einiges andere mit. Sie putzte an meiner Grundschule, damals kein Grund zum Schämen - heute für manche schon - und wenn sie mit den anderen blau *bekittelten* Frauen schnatternd durch die hallenden Flure zog, fühlte ich mich irgendwie zuhause.
Wo gibt es denn heute, dass eine Tante in ein Klassenzimmer geht, die Stickarbeit ihrer Nicht nimmt und lachend sagt: langes Fädchen, faules Mädchen?
Meine Lieblingsgeschichte erzähle ich jetzt euch:

Die Wilde Ketsche

Sie waren noch Kinder. Und wohnten noch in dem kleinen Häuschen, am Ende der engen Gasse, die danach, ein Haus weiter, steil zum Dorfbach führte. Es war ein typisches Haus in dem alten Teil des Dorfes. Anderthalbstöckig, mit einem kleinen Innenhof und einer Scheuer. Einem Stall. Unten die Viecher, oben das Heu. Hinter dem Haus ein kleiner Garten. Alles klein. Sehr klein. Hier zog meine Großmutter 11 Kinder groß und überlebte leider einige ihre Kinder. Das sollte keiner Mutter passieren. Sie war eine sehr freundliche, warmherzige Frau, meine K-Oma.
Die Scheune war Spielplatz, aber an diesem Tag jagte Ketsche meinem Paps mit der Mitgabel über den Hof und in die Scheune. Ich stelle mir die Szene so vor: gackernde, wild flatternde Hühner, die versuchten sich vor den beiden in Sicherheit zu bringen. Der Boden mit Pfützen überzogen, meine Paps in kurzen Hosen und Hemd, meine Tante im leichten Sommerkleid. Ich weiß nicht, ob es Spaß war oder sie ihn tatsächlich umbringen wollte. Bei dem Temperament, das in meiner Familie vorherrscht, wäre auch letzteres denkbar.
Er versuchte sich nach oben, auf den Zwischenboden zu retten, als sie ihn erwischte. Oder lag er da schon im Heu? Sie stach zu. Sie traf. Und wie sie traf. Eine der Zinken bohrte sich in den Oberschenkel und traf die Hauptschlagader des Beins. Mein Vater muss geschrieen haben. Und vorbei war es mit der wilden Hatz, dem wilden Spiel. Er hat es überlebt. Zäher Bub.
Wie es weiterging ist nicht überliefert. Wahrscheinlich Bein abbinden, Arzt, die nächste Klinik weit weg. Was danach kam? Meine Oma war weich, aber Opa Herrmann, den ich leider nie kennen lernen durfte, nicht.  Also gab es bestimmt Hiebe für Ketsche.

Ich sehe sie vor mir. Mit ihrem neugierigen Blick. In den Fluren der Schule, wie sie mit dem Riesenmob durch die Gänge wippte. Der Boden ein Traum zum Schlittern, Holz*kläpper* waren verboten, da es ein Höllenlärm verursachte, wenn im Sommer alle Mädels mit Shorts und *Kläpper* die Flure fluteten.

Ich stelle mir vor, dass sie und mein Paps jetzt wieder fangen spielen, und höre Kinderlachen.
R.I.P. Tantchen


Sonntag, 9. Februar 2014

Der Ring. Sonntagsgedanken 6/2014



Die Ringe. Die Ringe sie zu binden, zu knechten, zu finden.
Oh falscher Text....
Da schweben sie uns wieder über unseren Häuptern - eher hängen sie. Und mit oben hängt die Idee der Spiele. Und die hängt durch. Ganz gewaltig sogar. Um nicht zu sagen: die Spiele haben einen Hangover.
Irgendwie haben Intoleranz und Korruption, und noch andere schmutzig Sachen, mir den Spaß verdorben, den ich eh noch nie dabei empfand. Und wenn ich ihn je empfunden habe, dann weiß ich nicht mehr wann.

Mütterlein Russland. Immerhin geben sie Snowden Asyl. Aber auch nur um dem Schwippschwager Amerika, Entschuldigung USA, eins auszuwischen. Ansonsten tritt Russland das mit den Füßen, was es den Amis vorwirft: Menschenrechte.
Aber von wegen: nur Russland - wo wird die nächste Farce des Fußballs aufgeführt) Katar?  Legendär der Satz: "Er hätte keine Sklaven gesehen." Wer war das noch einmal?  Der saubere Beckenbauer, der seiner Sekretärin - oder wem auch immer, ein Kind schenkte.Und nicht nur das. Die Bayern haben es ja nicht so mit Bundesgesetzen. MANN lebt ja im Freistaat. Und da muss dann Beckenbauer dem Uli H. beiseite springen. Ähm, zur Seite, Geld in der Schweiz -  natürlich nicht versteuert, und mit ihm der Rummenigge (mit den sexy Knie) der eine extrem teure Uhr nicht verzollen wollte. Seitdem ist der vorbestraft.
Also ein Dreckspatz pickt dem anderen Dreckspatz zwar das Futter weg, aber bestimmt nicht eine Feder aus. Die rupft man dann der Schwarzer aus, der ollen Emanze! Am Besten gleich teeren, gefleddert hat man sie ja schon (Ja, ich finde ihr Verhalten auch etwas befremdlich, sich als Opfer dazustellen. Mir blieb die Spucke weg. Die Moralkrähe der Nation.)

Zurück zu Russland. Was bläht sich der Westen wegen Putins Homophobie! Der Böse. Zeitgleich unterschreiben über 200.000 Baden-Württemberger ein Petition, um zu verhindern, dass in er Schule über Homosexualität, im Ramen des Lehrplans, gesprochen werden soll. Das Ganze gipfelte in einer Demo - stark unterstützt von der *sagenhaften* AfD - und einer aktiven Gegendemo.
Während einerseits  ein Teil der Presse über Rangeleien zwischen den Gruppierungen berichtete und der Ton oft in Richtung der Gegendemonstration wies (die sind Schuld an den Rangeleien), schlug ein Ordner in Gelber Warnweste, mit der Aufschrift: *Gott liebt dich* auf friedliche Gegendemonstranten ein, bis die Polizei ihn in Gewahrsam nahm. Er hatte wohl die Worte des amerikanischen Bischofs zu wörtlich genommen, dass man Homosexuelle wie Kinder züchtigen solle.
Nach dem Motto: was man liebt, das schlägt man. Man soll ja seinen Nächsten lieben wie sich selbst.

Zurück zu Mütterchen Russland. Die Hotels nicht fertig, die Straßen nicht fertig, die teuersten Spiele aller Zeiten. Die Idee Olympias pervertiert. Es gibt keine sauberen Spiele! Weder politisch noch medizinisch. Es ist mehr als Dreck, dass da unter manchem Fingernagel klebt. Siehe die Tour de France.
Es ist bitter.
Auch wie sich alle Finger - der Zeigefinger - gen Russland erhebt. Aber (fast) alle sitzen vor der Glotze und glotzen und wenn dann die Medaillen rieseln, jubelt das Volk. Da haben wir es den anderen gezeigt! Und die bösen Russen. Bäh. Dieser Putin.
Da macht es ja nichts, wenn man zuhause seine verkappten Homophobie bei scheinheiligen Demonstrationen auslebt, die AfD wählt (NPD geht ja nicht, die sind ja rechts), man Flüchtlinge wie Verbrecher behandelt und Tiere quält. Ist ja alles so schön bunt hier.
Ach ja, noch schnell einen Flachbildschirm auf Raten gekauft, damit man ja auch nichts verpasst.

Es macht mich müde. Ich mag den Putin auch nicht. Bzw. seine Politik und sein Auftreten. Ihn kenne ich ja nur so, wie er sich ablichten lässt. Aber er macht mich nicht müde.  Das machen schon meine Mitbürger, die sofort die Hand heben, oh Pardon, den Zeigefinger strecken, um auf andere zu deuten.
Vier weisen auf einen selbst.
Wer ganz ohne Fehl ist werfe den ersten Stein.
Das wäre doch einmal eine olympische Disziplin. Aber da gäbe es wahrscheinlich keine Medaille.


P.S. Es ist nicht falsch auf  Missstände hinzuweisen. Aber nicht so. Erst blähen, dann konsumieren.
Es ist auch nicht falsch seinen Ängsten Ausdruck zu verleihen, aber doch erst, wenn man sich Wissen angeeignet hat und nicht jeden Mist nachplappert. (Geht an die Bildungsreformgegner.)



Euch allen einen friedlichen, bunten, Sonntag.







Donnerstag, 6. Februar 2014

Der tierfreundliche Vegetarier

Nein, das wird kein Bashing gegen Vegetarierer. Ich denke auch, dass es den Menschen selbst überlassen bleiben soll und muss, wie sie sich ernähren. Jeder auf seine Art. Ob mit oder ohne tierische Produkte.
Ich selbst war nur die kürzeste Zeit meines Lebens Vegetarierer, war die meiste Zeit ein Fleischesser (und fühle mich deswegen nicht schuldig) und versuche seit nun drei Jahren vegan zu leben. *Ausrutscher* inbegriffen. Wenn ich unterwegs bin trinke ich schon mal einen Milchkaffee. Und wenn es mich überkommt ein Stück Käse. OHNE schlechtes Gewissen. Aber es wird immer weniger. Es gibt Alternativen.
Warum eine vegetarische Lebensweise nicht  unbedingt tierfreundlich ist, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Und auch ich war ganz überrascht zu erfahren WO überall Tier ist, auch totes.
Wer denkt schon an Schweinemast, Milchkühe und Legebatteriehühner, wenn er ein Stück Erdbeersahnetorte isst? Aber die Gelatine wächst nicht auf Bäumen, es regnet keine Eier und noch habe ich keine frei fließende Milch entdeckt. Aber das alles steckt in einer normalen Erdbeersahnetorte.
Gelatine scheint überall zu sein: Als Trägerstoff für Farbstoffe, um Flüssigkeiten zu klären usw usf...


Zum Nachdenken über dieses Thema hat mich der Post auf einer Facebookseite gebracht. *Schlachtfohlenrettung*. Über meinem Kopf bildete sich ein Fragezeichen. Seit wann werden Fohlen in diesen Mengen geschlachtet? Das hat mehrere Gründe: Stutenmilch ist begehrt. Eine Stute gibt Milch nur dann, wenn sie ein Fohlen hat. Also Stute decken und fohlen lassen. Das Fohlen ist überflüssig. Erinnert mich ein wenig an das Schicksal der jungen Bullenkälber - auf zur Mast. Kein anderes Schicksal als die der Hengstfohlen.

Dass auch Fohlen in der Touristikindustrie (jo mei, sind die halt süß, die jungen Haflinger) sehr werbewirksam sind, ist auch unbestritten. Aber wohin, wenn die Viecher groß sind?
Endstation Schlachter, weil a) kein Platz und b) ausgewachsen nur noch halb so niedlich.
Was bin ich nur naiv (gewesen).

Ob es das Schreddern von Millionen männlicher Küken ist (Legehuhnrassen eignen sich nicht zur Mast. Und 50% der geschlüpften Küken sind kleine flauschige Hähne. Was ihnen aber nicht hilft. Also das flauschig sein und piepsen. Sie werden direkt nach dem Schlüpfen getötet, als Tierfutter an Zoos und Züchter verkauft oder zu Tiermehl verarbeitet. Manchmal landen die kleinen Kadaver auch einfach im Müll ) oder die Überproduktion an männlichen Kälbern.  Ich rede hier nicht von Kleinsterzeugern, ich schreibe über die Lebensmittelindustrie.
Industrie. Das Wort macht mich in Verbindung mit gefühlsfähigen Wesen wütend. Es führt einem vor Auge wie pervertiert das System ist.

Zur Herstellung von Käse benötigt man das Enzym Lab. Traditionell gewonnen aus Kälbermagen. Wer jetzt scharf nachdenkt, kann sich sehr schnell vorstellen, dass dies für das Kalb nicht gut enden kann. Es geht auch ohne das Kälberlab. Bakteriell erzeugte Enzyme machen es möglich. Wenn man sich erkundigt wird man schnell fündig. Ein bisschen nachdenken hilft eben weiter.

Fordere ich jetzt alle Menschen dazu auf vegan zu leben? Nein. Ich möchte nur Infos streuen. Und dann kann jeder für sich selbst entscheiden. Und es machen wie Monika: die hat *aussortierte* Legehennen und einen Hahn, der sich nicht für die Mädels interessiert. Die Hühner legen gewohnheitsmäßig weiter Eier, aber unter *feinen* Bedingungen. Monika isst die Eier. Fairer Deal findet ich. Sie rettet die Flattertiere vor dem sicheren, frühzeitigen Tod und bereitet ihnen einen schönen Lebensabend.
Auch ein Milchbauer, der seinen Kühen Platz. Licht und Luft lässt, der seine Kühe auf die Weide packt im Sommer und die Bullenkälber auf der Weide großzieht ist kein Unmensch, aber die Realität ist meist eine andere.

Um was es mir geht? Ich schrieb es schon oben: ich möchte Infos streuen, Fakten bewusst machen.
Mir sind Menschen lieb, die bewusst leben und nicht gedankenlos ihren Einkaufwagen füllen. Die sich sagen: manchmal ist weniger mehr. Manchmal ist Verzicht noch mehr. Oder eben bewusstes Auswählen.
Lasst uns der *Lebensmittelindustrie* eine runter hauen und etwas tun. Für uns und die Tiere.





Dienstag, 4. Februar 2014

Entschlacken, entgiften ... eben fasten

Fasten hat eine Tradition, in vielen Religionen. Bei uns ist vor allem das Fasten vor Ostern bekannt. Bis zum Aschermittwoch wird geschlemmt, gesoffen, geschwooft, geraucht bis...ja bis die Schwarte kracht. Dann ist man enthaltsam, um Ostern dann wieder zuzuschlagen.
Ich möchte nicht auf die religiösen Hintergründe des Fastens eingehen, aber sehr wohl auf das Frühlingsfasten.
Für mich ist es eine Reinigung des Körper und des Geistes, auch wenn es viele Stimmen gegen das Fasten gibt. Ich selbst hatte Biochemie und Ernährungslehre, deshalb sind mir die negativen Nebenwirkungen des Fastens bekannt und ich sehe sie nicht unkritisch. Aber ich fühle mich gut, wenn ich es mache, meine Haut reinigt sich von innen heraus und auch wenn es die sogenannten *Körperschlacken* nicht geben sollte - ich fühle mich während des Fastens einfach gut.

Nein, ich werde euch hier keine Anleitung für das Fasten geben, ihr solltet es unbedingt mit eurem Arzt absprechen, wenn ihr es vorhaben solltet, aber ich kann euch einige - vielleicht hilfreiche - Tipps geben.

Zeitpunkt: legt ihn für euch selbst fest, auch wie lange ihr fasten wollt. Wichtig: nicht unbedingt über Feiertage oder wenn viele Geburtstage anstehen. Führt unnötig in Versuchung.

Wie: es gibt verschiedene Formen des Fastens. Ob man nun das Hardcore-Fasten - also Reduktion auf Wasser und Luft - oder Saft-/Brühefasten macht, wichtig sind einige Punkte:
  • Vorbereitung, der sogenannte sanfte Einstieg
  • Darmreinigung (Glaubersalz und/oder Einlauf, beides absolut BÄÄÄÄH)
  • Bei bekannten Mangelerscheinungen Substitution der entssprechenden Minerale und Vitamine
  • Verzicht auf Genussgifte wie Alkohol und Nikotin, aber auch Koffein 
  • mindestens 3 Liter Flüssigkeitszufuhr
  • Ausreichend Schlaf
  • Spaziergänge 
Spätestens hier steigen schon die meisten aus. Der Verzicht auf Kaffee trifft mich wirklich hart.
Ich faste aber nicht auf die wirkliche harte Art: also ich substituiere Eisen und die Vitamin B Gruppe, trinke Gemüsebrühe und Gemüsesaft, der Einstieg erfolgt mit sogenannten Eiweißpulver auf Pflanzenbasis.

Solltet ihr Kopfschmerzen bekommen: trinkt mehr und auch einmal Gemüsesaft oder ungesüßten Fruchtsaftschorle. Euer Hirn braucht Kohlenhydrate und die holt es sich nicht unbedingt aus den Fettdepots - die Umwandlung dauert einfach zu lange - , sondern eher aus dem Muskelbereich.
Die sogenannten *Schlacken* - ich halte sie für eine Mär. Aber: Unsere Fettzellen sind praktisch die Giftendlager unseres Körpers. Reduzieren wir die Kalorienzufuhr *brechen* diese Fettzellen auf und geben die angesammelten Gifte wieder frei. Also: viel trinken, damit der Müll ausgespült wird.
In dieser Phase steigen auch die Blutfettwerte an nicht kirre machen lassen - die gehen auch wieder runter.

Wer das Fasten als reine Gewichtsreduktion anwenden möchte wird zwar zuerst schnell Erfolg haben (die ersten 3kg sind eingelagertes Wasser) danach wird es zäh. Denn der Körper signalisiert dem Gehirn:
WIR SIND AM VERHUNGERN!
Das Gehirn reagiert folgendermaßen:
  • Drosselung des Stoffwechsels auf das Minimum
  • Erhöhung der Ausnutzung der zugeführten Kalorien
  • Zuckerauslösung aus den Muskeln
  • Abbau von Fett UND Muskelgewebe (fatal für den Grundumsatz)
  • Freisetzung körpereigene *Opiate* die sogenannte Endorphine (alter Trick aus der grauen Vorzeit: fit bleiben, um zu überleben) 
Man ist während des Fastens also praktisch *voll drauf* und das ganz legal. Aber die Wiederzunahme an Gewicht ist praktisch vorprogrammiert. Wenn ihr nur abnehmen wollt, dann fastet nicht: stellt eure Ernährung um, bewegt euch, das bringt längerfristig viel mehr.

Fasten ist aber mehr. Durch die Endorphin- Ausschüttung eignet es sich auch um neu durchzustarten.
Lust bekommen, oder abgeschreckt?

 

Montag, 3. Februar 2014

Dear Mr. President

sang PINK (ich habe extra das Video mit deutschen Untertiteln herausgesucht) und klagte damit die Gedankenlosigkeit des Republikaners Bush an. Ich kann weder wirklich gut singen, noch habe ich den Bekanntheitsgrad der Sängerin PINK, so bleibt mir nur mein Blog, meine Meinung zu unserem Bundespräsidenten kund zu tun. Ob er es je lesen wird und wenn, ob es ihn dann jucken würde, darf stark bezweifelt werden. Wenn ich einen Brief schreiben würde, würde er wohl so aussehen:

Guten Tag Herr Gauck,

"Sehr geehrter Herr" kann ich leider nicht schreiben. Diese Anrede verdienen Sie ihn meinen Augen nicht.
Als Tochter einer Kriegsgeflüchteten kann ich keinen deutschen Bundespräsidenten diese Anrede zuteil werden lassen, der mehr Einmischung seitens Deutschlands fordert in Krisengebieten.
Kriegerische Auseinandersetzungen erzeugen immer Leid. Nicht nur unter den Soldaten und deren Angehörigen, sondern auch unter der Zivilbevölkerung.
Aber wohin mit den ganzen Waffen, die in Deutschland produziert werden? Es geht ja auch um Arbeitsplätze, oder? Und wozu Waffen herstellen und verkaufen, wenn diese nie benutzt werden?
Es klingt in meinen Ohren mehr als zynisch, dass Sie indirekt den Einsatz dieser Waffen fordern.
Und wenn dann Frau Ursula von der Leyen es auch noch gut findet, Minderjährige für eine Berufsarmee anzuwerben, dann kocht mir die Galle über.
Und ich sehe die Bilder der Kriegschauplätze vor mir.
All das Leid.
Sie wecken den Wunsch in mir, Herr Wulff hätte das Amt noch inne. Besser noch Herr Köhler, der damals sagte, dass die Kriege der Zukunft um Ressourcen geführt werden würden. Ich vermisse diesen Bundespräsidenten.
Sie hätten ihm besser zugehört.
Dabei sehen sie so freundlich aus. Sie erinnern mich immer irgendwie an einen Bernadiner. Wie der nette Opa nebenan. So freundlich. So ohne Arg.
Aber Ihr Gerede von der Freiheit. Dabei meinen Sie den Neoliberalismus. Manchmal lese ich die Texte Ihrer Reden und frage mich: Hat der das selbstgeschrieben und wenn, was bekommt er dafür? Und wenn Sie diese Reden tatsächlich selbst verfasst haben sollten und nichts dafür bezahlt bekommen, dann frage ich mich: Meint der das tatsächlich ernst?

Wenn Sie so dafür sind in den Krieg zu ziehen (natürlich nur um den Frieden zu erhalten, schon klar) und die Freiheit zu verteidigen, dann ziehen Sie sich doch bitte eine Uniform an und stellen sich in die erste Reihe. Ich werde Ihnen applaudieren und Sie anfeuern, voller Elan und mit Freude. 
Nehmen Sie dann doch bitte noch die Söhne und Töchter der Frau von der Leyen mit. Ich spendiere auch Bonbons.

Vielleicht sollten Sie sich aber auch nur den Text der Sängerin Pink durchlesen. Vielleicht würden Sie dann anfangen zu begreifen. Ich wünschte es mir.


M. Kokelores




Ohne Farbe

Ich vermisse diese Handycam ohne Ende. Und nein, es war kein iPhone. Schwarz-weiß zu fotografieren hat seinen ganz eigenen Reiz. Und im Nebel erst recht. 






Sonntag, 2. Februar 2014

Schönfärbende Worte (Sonntagsgedanken 5/2014)




Schon wieder ein Monat vorüber? Heute ist schon der 2.2.2014. Am 4.4.2014 werden sich wieder viele das Jawort geben und sich ewige Liebe schwören. Aber dies soll nicht mein Thema heute sein.
Es geht mir um Worte und die Macht, die wir ihnen verleihen. Angeregt zu diesem Thema hat mich ein Facebookpost von Selma, die da schrieb (ich zitiere hier wortwörtlich):

"BEHINDERUNG - das böse Wort?

Eine Behinderung ist etwas das beeinträchtigt, das den einfachen geraden Weg versperrt und an sich eigentlich Einfaches merklich erschwert. Kurz, etwas das behindert.

Eigentlich doch ein perfektes Wort das genau das ausdrückt was es ausdrücken soll.

Stellt sich die Frage warum gerade Menschen ohne Behinderung dieses Wort oft nicht mögen.
Statt einfach von Behinderten zu sprechen werden Konstrukte wie „besondere Menschen“, „Menschen mit besonderen Bedürfnissen“, „bedürftige Menschen“ etc. gebraucht."


Allerdings hat sie selbst abgeschrieben (sagte sie mir sofort, als ich fragte, ob ich sie zitieren dürfte) und zwar hier:
https://www.facebook.com/AH.TA.eV
Wer nicht auf Facebook sein mag klickt hier:
https://www.ah-ta.de/

Ich selbst nenne mich ja scherzhaft Krüppel, an manchen Tage humple ich stark und spätestens, wenn ich Treppen nach unten gehe, sieht man das ich stark im Bewegungsablauf eingeschränkt bin, je nach Tagesform mal mehr, mal weniger..
Was mich während der ganzen Rehabilitationszeit wunderte war, dass mich Menschen ständig, wegen meiner Wortwahl, zurechtwiesen:
*Das heißt Gehilfe, nicht Krücke!*
*Man sagt nicht Behinderte!*
*Sag doch nicht Krüppel!*
Wenn mich Freunde scherzhaft Krüppelinchen nannten lachte ich herzhaft mit, denn ich wusste wie sie es meinten. Es traf mich nicht. Aber mancher Blick traf mich um so mehr, wenn ich mich in der U-Bahn schwerfällig aus dem Sitz hochstemmte. Als ich noch an Krücken  Gehilfen ging, waren diese Blicke eher mitleidig, manchmal neugierig, aber auch hier schon manchmal abwertende und abfällig. Ohne Krücken waren es meist die letzteren Blicke, die mir die Gedankengänge der Mitpassanten offenbarten. Oder eben den Verdacht was sie denken könnten, denn man selbst ist etwas empfindlich am Anfang.

Mir geht es um die wahrgenommene Macht der Worte, um die Bezeichnungen. Nicht wie wir es nennen, sondern was wir damit meinen ist ausschlaggebend. Wenn ich keine hohe Meinung von etwas habe kann ich es nennen wie ich es möchte, es wird meine Denkweise nicht ändern.
Die Sprachdiskussion bevölkert schon länger Zeitungen, Magazine, Blogs und Social Networks. Da wird sich über Mohrenküsse echauffiert - dazu muss ich sagen, wenn sich ein Mensch der ethnischen Gruppe durch solche Wörter beleidigt fühlt, dann benutze ich es nicht mehr, das ist eine Sache des Anstands -, die Zigeunersoße sorgte für Wirbel und sage bloß nicht *behindert*.
Doch, ich sage es! Behindert. Ich sage von mir selbst, dass ich gehbehindert bin, dass ich Krücken benutzte und leider bald wieder benutzen muss. Ich bin in meiner Bewegung eingeschränkt und darf mich behindert nennen.
Jedes Wort kann zum Schimpfwort werden, wenn es in einem abfällig Ton ausgesprochen wird. Oder man packt noch ein Fäkalien beschreibendes Adjektiv davor .... du stinkender, dreckiger, scheiß *Was-auch-immer*.
Ob es sexuelle Orientierung ist (*Bist du schwul, oder was!?* *Eh voll schwul* *scheiß Lesbe*), ob es die Hautfarbe ist oder eben ein körperliches Gebrechen - in dieser Hinsicht ist der Kreativität mancher Menschen wirklich keine Grenzen gesetzt. Wie sagte meine Oma immer so treffend: der Ton macht die Musik. *Spasti* war zum Beispiel ein ganz normaler, abwertender Ausdruck meiner Kindheit für tollpatschige Mitschüler. Ob ich ihn selbst benutzt habe, kann ich gar nicht sagen. Kinder sagen viel. Wenn man ihnen es nicht anders vorlebt oder ihnen freundlich erklärt.

Man kann auch für den schlimmsten Misstand eine schöne Formulierung finden, aber ändert es etwas über die Denkweise?
Eine Putzfrau  (ich würde meine lieben, wenn ich mir eine leisten könnte!) nennt man heute *Reinigungsfachkraft* oder gar *FacilitymanagerIn*. Bringt irgendjemand deswegen der mobschwingenden Putzfrau mehr Respekt entgegen als vorher?
Wohl kaum.
Jemand der keinen Respekt vor bestimmten Menschen hat wird auch nicht durch andere Bezeichnungen Respekt entwickeln, dazu ist mehr nötig.
Versteht mich bitte nicht falsch: aus Respekt spreche ich von anderen nicht als Krüppeln, Schwarze bezeichne ich nicht als Neger, ich sage Sinti und Roma und nicht Zigeuner. Aber ich respektiere diese Menschen so oder so als das was sind: gleichwertig.
Und um das geht es.
Respekt.

In diesem Sinne, euch einen schönen Sonntag.

Samstag, 1. Februar 2014

Smörrebröd. Smörrebröd, römdömpömpöm (schwedisches Modell)

http://www.youtube.com/watch?v=nw-z_FAyIVc

Es st ein alter Witz: Was bedeutet die Abkürzung IKEA....Idioten kaufen einfach alles. Nein, nicht jeder Ikea-Kunde ist ein Idiot. Aber Ikea schafft es, seine Kunden dazu zu bringen, sobald man das Möbelhaus betritt, in 95% der Fälle, den Verstand in den Einkaufswagen zu legen und erst wieder auszupacken, wenn man die Bauanleitung nicht versteht, wenn man zuhause versucht die gekauften Möbel zusammen zu schrauben.
(Und man fühlt sich dabei aber auch noch gut - ganz furchtbare Kombination).
Ikea ist kein Monster. Nein, bestimmt nicht, Ikea hat aber auch nicht die weiße Weste wie es der Konzern uns gerne weismachen würde. Aber da ist diese Firma nicht alleine. Also mit dem weiß und grün *washing* der Firmenweste.
Und doch: Ich lebe mit und in Ikeamöbeln, und das schon lange und das auch gut. Und günstig. Wenn auch nicht so günstig und gut wie es die umtriebigen Werbegeister des Möbelriesen verkaufen möchten.

Dabei habe ich die Möbel oft aus zweiter Hand, meine Billy-Regale habe ich *geerbt* und *geschenkt* bekommen, meine Lackregale und meine Couch habe ich gebraucht von Freunden gekauft, ein Teil meiner Expedit-Regale ist auch gebraucht bei mir gestrandet.
Nur mein Ikeageschirr "365" und ein paar wenige Stücke  sind *neu* gekauft.

Was ich an der weißen Linie des 365 Geschirrs so schätze. Es ist all- und festtagstauglich, geht mal was kaputt und ist die derzeitige Linie nicht nachkaufbar, dann passt die neue Linie zum alten Geschirr. Es ist strapazierbar und nicht wirklich teuer.
Hm. Klar. Wo wird es produziert? Ganz ehrlich: Ich weiß es nicht. Ich war auch schon seit über drei Jahren nicht mehr bei Ikea. Ich brauche ja auch nichts. Also gerade im Moment. Zwar stand ich gestern vor  einem sehr süßen, kleinen Laden, mit sehr bunten, sehr süßen Kaffeepötten, aber mein sehr kleiner und sehr leerer Geldbeutel mahnte mich rechtzeitig ab.
Und das ist eben der Punkt: Viele sind eben auf *Billiganbieter* wie Ikea angewiesen. Nur die Frage stellt sich: Wie oft muss  ich meine Wohnung umdekorieren und neue Vasen, ect, kaufen?
Da ich seit Monaten auf dem Reduktionstrip bin fahre ich nicht, wie früher, ein-, zweimal im Jahr aus Spaß zu Ikea um zu bummeln...
Aber es macht Spaß! Doch es macht Spaß. Und manchmal kann man andere Kunden (aber nur die Nervigen) ärgern. Ich hatte mit meiner Mädelsclique manchen Trip mit schallenden Gelächter auf der Rückfahrt beendet - wenn wir uns gegenseitig die Streiche, die wir manchem Kunden gespielt hatten, erzählten.
Das Fatale an Ikea: An der Kasse kommt die Rechnung, denn man hat den Wagen vollgepackt: Hier ein Handtuch, dort ein Rahmen, hier ein Bild, dieses Pflänzchen, jenes Teelicht, und dazu noch die passenden Halter, Gläser....
Irgendwie schaffen die es immer meinen *Will haben*-Schalter zu finden und ihn auch zu drücken.
Und das ist der Grund, warum ich diese Konsumtempel meide wie die Pest.
Wobei, der Schwedenshop mit den Leckereien ist wirklich gut sortiert. Und mir ist mein letzter Suppenteller kaputt gegangen... Ich muss gleich mal nach dem Fahrplan gucken....