Freitag, 28. Februar 2014

Rosarot und Postgelb.


Als ich das Foto gestern auf FB postete tippten Freunde gleich auf das richtige Postamt.... was sagt uns das? Das nächste mal ein anderes aufsuchen!

Schlange stehen macht mir selten etwas aus, denn aufregen bringt selten etwas. Ein defekter Fahrkartenautomat wird durch Gemurre und Gemeckere auch nicht wieder funktionsfähig. Oder zaubert mehr Personal her. Meistens sind nicht die Angestellten schuld, sondern die Unternehmen, die die Besetzung der Dienstleistungsbereiche planen. Und wo kann man das besser als sonst wo? Jepp, bei den Personalkosten....
Gestern wurde dann aber meine Geduld auf eine gar arge Art geprüft. Als ich in das Postamt kam ging die Schlange schon bis zur Automatiktür - die man deaktiviert hatte, damit der Letzte in der Schlange nicht ständig die Öffnungsautomatik auslöste. Innerlich stöhnte ich laut auf, war aber sofort besänftigt als ich bemerkte, dass sich eine Angestellte liebevoll um einen älteren Herrn bemühte. Leider hatte ich nicht das Glück, an sie zu geraten, aber dazu später. Trotzdem geisterte der Begriff Schneckenpost in meinem Kopf herum.
Da es um Geld ging verschwanden beide, Angestellte und Kunde, im Bankbereich Separee. Also standen nun nicht mehr drei Postangestellte, sondern nur noch zwei der Meute gegenüber. Die war überraschend ruhig und freundlich. Die Meute. Bis ein Mann eine der Angestellten anmeckerte. Aber anstatt das alle mit einstimmten drehten sich alle zu dem Mann um. Der verstummte recht schnell und ich tratschte mit meiner Nachbarin in der Schlange.
Nach 20 Minuten war ich endlich am Ziel - dachte ich zumindest. Und meine, bis Dato gute Laune, verflüchtigte sich innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde. Der gestrenge Blick der Angestellten, durch die pinkfarbenen, runden Gläser ihrer randlosen Brille trafen mich wie Pfeile als ich sie anlächelte. Keine Regung, ein schnarrendes *Was kann ich für Sie tun?* Irgendwie musste ich an eine der Hauptfiguren von Bram Stokers Dracula denken - allerdings trug der das Brillenmodell mit den blauen Gläsern und war charmant. Mir fröstelte.
Normalerweise wickle ich unfreundliche oder abgestumpfte Verkäufer, Kassiererinnen, missmutige Beamte mit links um den kleinen Finger und entlocke ihnen zumindest einen kleines Lächeln oder einen freundlichen Blick, aber hier versagte mein Können auf ganzer Linie.
Hier prallte meine  Freundlichkeit ab wie ein Tennisball von einer Wand. Ich gebe ja dann trotzdem nicht auf. Und es ist mir egal, was andere darüber denken.
Ungern gebe ich aber zu: ich habe verloren. Haushoch! Nach zehn Minuten mit der Dame hinter dem Schalter fühlte ich mich wie nach einem heftigen Auffahrunfall und dem Kontakt mit einem Airbag.
Ich weiß ja nicht was der Dame in ihrem Leben hinter dem Schalter alles schon passiert ist - ich malte mir grauenhafte Auseinandersetzungen mit Kunden aus, um nicht zurück zu stürmen und zu rufen *Ein Lächeln kostet nichts, Sie unfreundliches Ding!*. Aber das Mitleid siegte.
Wer schon eine rosarote Brille auf der Nase hat und trotzdem nichts Erfreuliches wahrnimmt ist echt arm dran.

Kommentare:

  1. Ich glaub die kenn ich. Ich bin auch schon ganz erschüttert aus dieser Postfiliale gekommen, weil ich diese überbordende Freundlichkeit fast nicht ertragen habe.
    LG
    SvL

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    1. Wurdest du auch von Miss Draculinchen bedient? chchchchc
      LG Marianne vom K

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