Dienstag, 18. Februar 2014

Schnipp Schnapp, Haare ab (der wilden Süden)


Was macht Frau, wenn sie ihr Leben ändern will? Genau: Ab zum Friseur. Es ist kein Mythos. Genauso wenig wie die Tatsache, dass wir Frauen gerne Schuhe schoppen (die passen zwar nicht immer, aber der Spiegel zeigt einem nicht die ganze Figur, sondern nur den schlanken Knöchel).
Vorurteile? Mag sein. Da ich aber dieser Menschengruppe angehöre darf ich das so äußern.
Wenn sich Frau dann entschlossen hat, dass Schuhe kaufen nicht mehr reicht, die letzte Diät wieder gescheitert ist, die Wohnung zum x-ten mal umgeräumt wurde (die erschreckten Gesichter meiner Kater wandelten sich schnell in vorwurfsvolles Abgeneigtsein) muss das eigene Haupthaar dran glauben.
Meine Haare haben die letzten anderthalb Jahre sehr gelitten, aber durften ungebremst ihren Wachstumdrang ausleben. Ich hatte keinen Nerv für irgendwelche *Trendschnitte*, zwischen Krankenhausaufenthalten, Reha, nochmal Reha, mit Krücken und zum Sport, ständigen Schmerzen (die Gott sei Dank nachgelassen haben), waren mir meine Haare gelinde gesagt scheiß egal. Hochgesteckt oder mit einem Haarband gezähmt, wucherten sie struppig und stumpf vor sich hin. Das Heparin, das Blutverdünnungsmittel machte es zusätzlich strohig und ließ es auch ausfallen.
Da stand ich dann mal wieder vor dem Spiegel und hätte mir am liebsten den Kopf geschoren. Aber das hätte kaum eine Verbesserung gebracht, also auf zum Frisör.


Leichter gesagt als getan. Ein Friseurbesuch ist Vertrauenssache und ich habe schon des öfteren den Kopf hingehalten um mir danach die Haare zu raufen, bzw wochenlang mit Mütze herumzulaufen.
Also, was tun? Wie einen Friseur aussuchen. Zu einer Kette wie J7? Darauf habe ich ehrlich gesagt keine Lust mehr. Dann flammte über mir ein Kronleuchter auf! Klar! Im Viertel hat ein neuer, kleiner Friseursalon aufgemacht, um den ich schon des öfteren herumgeschlichen bin. Ein Eckladen, mit großen Fenstern, trotzdem sah man, dass die Kunden nicht auf dem Präsentierteller sitzen, anders wie in den ganzen *Hair-Lounges*. Wenn man durch die Fenster linst, dann sieht man herrlich altmodische Friseurstühle, ein Schaukelpferd, viele Bilder an den Wänden und eine freistehende Garderobe, ab und zu parkt auch ein Fahrrad im Laden.


Also schneite ich rein, machte einen Termin aus und ha(a)rte der Dinge.
Der große Tag kam, wir beschnupperten uns. Ich machte der netten Scherenkünstlerin klar, dass mir nur eines klar sei, nämlich dass meine Haare ziemlich kaputt seien. Sehr gefährlich, da dies in vielen der modernen Haartempel dazu führt, dass man sehr teure Pflegeprodukte aufgeschwatzt bekommt und man mit einer Kurzhaarfrisur den Laden verlässt. Hier nicht. Sie bürstete mein Haar, betrachtete es kritisch und dann kam die Analyse: *So kaputt ist es gar nicht, die Spitzen, ja, und es ist ein bisschen trocken.*
Das Fragezeichen leuchtete über mir. Ich: *Echt?!* Sie lachte. Wir redeten über Länge und Farbe und einigten uns auf eine leichte Korrektur, ich bekam den Kopf gewaschen - in einem Nebenraum, was sehr angenehm war, da ich es absolut nicht leiden kann, wenn mir Hinz und Kunz dabei zusehen kann.
Sie schnitt mir die Haare, teilweise im Stehen, da sie schon ziemlich lang sind, erklärte mir was sie machte, glich Stufen aus, und föhnte über eine Rundbürste -wobei sie mir erklärte, dass dadurch das *fizzelige* weggehen würde.
Ich war verblüfft als ich das Ergebnis sah. Die Haare sahen einfach gesund aus - und sehen sie auch heute noch, dabei habe ich kaum Länge verloren.
Der ganze Laden erinnert an einen Barbershop der späten 50er in den Staaten. Irgendwie flimmerte diese Atmosphäre einem ständig durch den Kopf, alles weist darauf hin, die Fotos, die Einrichtung, der ganze Flair. Und MANN kann sich hier richtig rasieren lassen - mit einem richtigen Rasiermesser, ihr wisst schon: so eines, das am Lederriemen geschärft wird. Da hüpft der Adamsapfel.
Und als es ans Zahlen ging, war ich noch erstaunter. Glatte 30€. Bei den *Ketten* war ich immer mindestens das Doppelte los.... und die Haare.
Aber das Erwachen kommt meist nach der ersten Haarwäsche. Hier nicht. Ich bin zufrieden!

Der Laden heißt Kopftheater und ist in der Schlosserstr. im wilden Süden. Hier könnt ihr Termine machen: Call my number.





1 Kommentar:

  1. Das werde ich mir merken.... in Regensburg habe ich zwei Totalpleiten erlebt, bevor ich beim Dritten einigermaßen glücklich rausging. Einer Kette, das muß ich zugeben, die ich in meiner Heimatstadt Hamburg meide wie die Pest

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