Sonntag, 30. März 2014

Wie du mir, so ich dir? -Sonntagsgedanken 13/2014

Irgendwie kaute ich jetzt mehrere Tage auf dem virtuellen Bleistift herum und zermarterte mir meine analogen Gehirnzellen auf der Suche nach einem Thema für die Sonntagsgedanken.
Mir wollte einfach nichts einfallen, obwohl mir das tägliche Leben das Thema mit Gewalt unter die Nase rieb. Vielleicht habe ich deswegen ständig Niesattacken?

Während sich der Westen mit Putin anlegt und die Welt mit auf dem Pulverfass tanzt, sich Pro West und Pro Ost die Köpfe heiß reden und teilweise verbal einschlagen, bemerkte ich einige Unruhe in meinem Umfeld. Es betraf nicht mich persönlich - diesmal bin ich außen vor (der Göttin sei Dank, oder wem auch immer ich das zu verdanken habe), aber ich kenne es zur Genüge.
Missverständnisse durch Schweigen und Grübeln im dunklen Kämmerlein.
Wobei - nun eine Freundin kam mir auch mit einem Vorwurf, der mich aus der unsichtbaren Ecke traf, aber das war schnell geklärt. Ich bin nicht mehr bereit mir jedes Paar Schuhe anzuziehen das man mir hinstellt. Und die passten mir nun ganz und gar nicht. Ich fand den Vorwurf befremdlich, erinnert mich aber daran auch schon so gehandelt zu haben, deswegen hielt ich den Ball flach und versuchte mich in sie hinein zudenken.
Womit ich bei der Ursache des Übels bin:
Haben wir verlernt, uns erst einmal Gedanken darüber zu machen wie der andere zu irgendwelchen Schlussfolgerungen kommt? Haben wir verlernt uns selbst mal zu hinterfragen? Haben wir verlernt uns in den anderen hineinzuversetzen? Oder haben wir es nie gekonnt?
Oft neigt man (ja ich verallgemeinere jetzt einfach mal ganz gnadenlos) dazu, mit Unverständnis auf das Verhalten anderer zu reagieren, wenn es nicht unserem Schema entspricht. Wir sehen nur was uns *angetan* wird, was uns nervt und nehmen uns das Recht in unserer Art zu reagieren ohne darüber nachzudenken, wie unsere Reaktion bei der *Gegenseite* ankommt.
Wenn wir uns so verhalten können wir stunden-, tage- oder wochenlang miteinander reden, wir werden kaum verstehen was abläuft und unversöhnlich bleiben.
"Ich mag das nicht, wie die/der mit mir umgeht!"
Missverständnisse pflastern den Weg der Trennung. Ich beobachte gerade wie hoffnungsvolle Freundschaften daran zu zerbrechen drohen und stehe manchmal hilflos daneben.
In der Zwischenzeit weiß ich nämlich auch, wem ich die Augen öffnen kann ohne den Schädel eingeschlagen zu bekommen.
Zielorientiertes Verhalten ist schon im Job nicht leicht, aber bei Freundschaften, wenn Emotionen mit ins Spiel kommen, wird es fast unmöglich.
Der erste Schritt ist eine ehrliche Selbstreflexion. Nur zu reflektieren reicht eben nicht: manchmal steht uns unser Ego, wie ein Zerrspiegel auf dem Rummel, im Weg. Was natürlich wieder zu falschen Schlüssen führt.
Aber wie geht man dann damit um, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt?
Für mich habe ich da einen kleinen *Pfadfinder* entwickelt.
Der erste Schritt: dem anderen erst einmal keinen bösen Willen unterstellen.
Die Situation des anderen mit einbeziehen ist der zweite.
Den Charakter nicht vergessen: temperamentvolle Menschen klären so etwas direkt und heftig, aber der stille Typ?
Und dann ansprechen. Und so schwer es fällt: Ohne Vorwurf in der Stimme und wenn es auch noch schwerer fällt: dem anderen zuhören, ausreden lassen und das Ganze in Ruhe überdenken. Auch glauben, das was man hört. Nicht  urteilen, verurteilen.
Es passiert eben, dass es menschelt. Aber Freundschaften sind zu kostbar um sie wie Tempotaschentücher wegzuwerfen.
Bei dieser Angelegenheit geht es nur nebensächlich darum gut zu anderen zu sein, es geht in erster Linie darum gut zu sich selbst zu sein.

In diesem Sinne
geht behutsam mit euch und den anderen um.







Donnerstag, 27. März 2014

Die böse Bohne

Blaue Bohnen sind nicht verdaulich und schaden der Gesundheit. Jelly Beans sind süß, bunt und schaden der Gesundheit.
Es gibt ganz unterschiedliche Bohnen:
Wachtel-, Kidney-, Chilibohnen, Prinzess- und Flachbohnen, grüne, weiße, rote, gefleckte Bohnen. Es gibt sie in Dosen, frisch oder getrocknet, als fertige Eintöpfe, mit Suppengrün.
Es gibt auch die Kaffee- und die Kakaobohne. Aber die nennen sich nur so. Das sind Betrüger. Auch wenn sie gut schmecken, als Heißgetränk oder in Tafelform.
Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen. Wenn viele Menschen gemeinsam Bohnen essen, dann könnte man also faktisch ein Kammerkonzert geben. Mit Duft.
Schon die Cowboys sorgen für frischen Wind in den Prärien Amerikas - denn sie aßen gebackene Bohnen bis zum Erbrechen. Kein Wunder, dass sie nach blutigen Steaks gierten - bei der nahrhaften und ballaststoffreichen Einheitskost.
Ich liebe gebackene Bohnen mit Kartöffelchen und Salat.
Also. Warum ist die Bohne böse? Und welche Bohne ist es?
Wer vegetarisch oder/und vegan lebt den suchen jetzt schon die ersten Vorahnungen heim.



Stellt euch folgende Situation vor:
Ihr sitzt in einer großen Kantine und alle am Tisch essen Fleisch, außer ihr. Nach ein paar Tagen fällt es auf, dass ihr viel Salat futtert und auch die vegetarischen Gerichte meidet. Der erste wird neugierig und fragt nach.
Ihr outet euch mit den Worten: *Ich versuche vegan zu leben*.
Die Hölle bricht los:
*Wegen dir werden die Regenwälder abgeholzt!*
*Bäh, dann frisst du diesen genmanipulierten Scheiß?*
*Tofu schmeckt nicht!*
*Der Sojaanbau zerstört Ökosysteme!*
Und noch andere Sachen werden euch an den Kopf geworfen und am Anfang wisst ihr nicht, was ihr sagen sollt. Die ganze Zeit habt ihr nicht einmal ein Sojaprodukt gegessen, denn die Kantine bietet das gar nicht an.
Und wenn ihr euch noch nicht mit der bösen, bösen bösen Sojabohne auseinander gesetzt habt: Jetzt fangt ihr damit an.

Ich kann es ehrlich auch nicht mehr hören. Die böse Bohne. Denn 80% der Weltproduktion an Soja geht als Tierfutter direkt ins Fleisch. Aha. Von wegen die bösen Vegetarier....
Ja, der Sojaanbau, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent, ist in Monokulturen angelegt, der Pestizideinsatz ist astronomisch, die Kleinbauern werden enteignet und in die Armut getrieben, es wird Regenwald abgeholzt - um neue Anbauflächen für Sojafelder und Weideland zu schaffen.
Bin ich jetzt schuld?
Ich wasche meine Hände NICHT in Unschuld, möchte aber betonen:
  • Biosojaprodukte sind nicht genverändert
  • Es wird in Europa Soja für Biosojaprodukte angebaut
  • Vegetarier und Veganer essen nicht nur Tofu
  • Hafer- und Reisdrinks ersetzen wunderbar Sojamilch


Vorsicht bei Sojaprodukte aus den Asialäden: hier gibt es keine Garantie!
An der bösen Bohne sieht man sehr schön: nicht das Produkt an für sich ist schlecht, aber die Massenproduktion.
In diesem Sinne:
Pffffffffffffffffft
P.S. guckt eich mal diesen Video an: ARD zum Thema Fleisch



Mit Pfefferminz bist du mein Prinz

Was viele ja nicht wissen: Ich bin verrückt nach Pfefferminz. In jeder Form (und Farbe). Auf dem Cannstatter Wasen gibt es ja immer diese rosa-weißen Pfefferminzblöcke zu kaufen: Zucker pur mit Pfefferminzgeschmack. Und als ich in Schottland war habe ich fast den gesamten Bestand an Mint-Fudge aufgekauft und das Innere unseres kleinen, gemieteten Fiat Punta roch tagelang wie eine Pfefferminzfabrik. Ich auch. Mir strömte das Aroma aus jeder Pore meines Körpers.
Da Highlight in London war der Abend als ich Cornetto-Pfefferminz entdeckte...
Und ihr wundert euch, dass ich so anglophil bin?

Im Sommer brühe ich mir meinen Pfefferminztee aus der frischen Pflanze

Nicht nur die Liebe zu Pfefferminz verbindet mich mit den Briten, sondern auch die Liebe zu Tee. Und auch alles was mit Tee zu tun hat: es gibt da eine Schokolade mit Earl Grey Aroma.... hmmmm. Aber ich esse ja auch gerne Zartbitterschokolade mir Meersalz....

Im Winter schnappe ich mir die Mine im Beutel, es muss aber nicht unbedingt Meßmer sein
Wenn man auf der Suche nach Pfefferminzeis ist, wie ich, und nicht fündig wird, dann wird man
a) erfinderisch und
 b) erinnert sich an die Eismaschine, die man im Schrank stehen hat und wenn man
c) experimentierfreudig ist dann ist die Katastrophe vorgezeichnet.

Immer wenn ich Eis machen möchte, geht etwas schief, aber das ist eine andere Geschichte. Ich mag ja auch Sorbets. Mein liebstes Sorbet habe ich auch in Schottland gegessen: Zitronen-Thymian-Sorbet. Der Himmel auf Erden und meiner Zunge.
Hm. Damit musste sich doch etwas machen lassen. Pfeffermintee-Zitronen-Erdbeer-Sorbet. Kühl und erfrischend, nett anzusehen. Die Idee war geboren und musste nur noch umgesetzt werden.
Was würde ich brauchen?

Rezept:
Zitronen, bzw deren Saft, bei Biozitronen gerne der Abrieb der Schale
Frische Erdbeeren oder gefrorene (Aber ohne Grün!)

Im Kübel gezogene Erdbeeren sehen ganz anders aus als die gekauften.

Frische Pfefferminze (ein Hoch auf die Stuttgarter Markthalle!)
Pfefferminztee im Beutel
Puderzucker (Am Anfang machte ich den Fehler normalen Zucker für das Eis zu nehmen. Ganz schlechte Idee.)

Zubereitung:
Als erstes kochte ich einen starken Pfefferminztee und ließ ihn abkühlen. Dann schmeckte ich ihn mit dem Zitronensaft ab und süßte ihn mit dem Puderzucker. Die Erdbeere wurden zerstampft. Dann zerriss ich die frische Minze in kleinste Stückchen und füllte alles in die Eismaschine (das Kühlteil habe ich immer im Eisfach, ich weiß ja nie, wann mich die Lust auf frisches Eis überfällt).
Ich stand daneben und konnte es kaum abwarten bis eine Stunde vorbei war... und was soll ich sagen:
es war essbar und schmeckte herrlich nach Erdbeeren und Pfefferminztee. Sah allerdings so schlimm aus, dass ich es nicht fotografierte. Mit kleinen Schokostückchen und Sahne (Soyota) war ich dann ganz im Himmel. Allerdings nicht beim Anblick meiner Küche. Ich brauche unbedingt eine Spülmaschine....
Tja, warum habe ich meine Küche wieder einmal in ein Schlachtfeld verwandelt?
Die sind schuld: Küchenatlas hat mal wieder eine Blogparade, bzw eine Challange gestartet und ich hatte meinen Spaß daran und wieder ein paar Kalorien mehr auf meiner Hüfte.... *schleck*


Tee Challenge

Dienstag, 25. März 2014

Internat! Hanni und Nanni lassen grüßen ......

Vor allem die Mädchen in meinem Bekanntenkreis erinnern sich an de Internatgeschichten der englischen Schriftstellerin Enid Blyton. Die lustigen und manchmal traurigen Geschichten über die Zwillinge Hanni und Nanni brachten zahllose Mädchen zum Träumen. Internat! Als Kind wollte ich unbedingt ins Internat. Das lag bestimmt nicht nur an den lebendigen Erzählungen der Schriftstellerin, wohl eher an meinem damaligen Umfeld, aber das Internat blieb mir erspart verwehrt.
Nun, man sollte vorsichtig sein, was man sich wünscht. Manchmal sind Wünsche schon fast vergessen, bzw schon längst begraben und dann kehren sie als Untote zurück.
So auch bei mir. Ich hätte nie gedacht, dass ich noch einmal die Schulbank drücken würde - und ich spreche hier nicht über ein paar Kurse, sondern über eine komplette Ausbildung. Als etwas in die Jahre gekommenes Mädchen denke ich eher an Urlaube und ans Ausruhen. Okay, ausgeruht habe ich mich die letzten Monate genug, wenn man das Erholen von einigen OP's so nennen kann. Als mir dann gesagt wurde, ich solle einmal darüber nachdenken, ob ich mit dem Rücken und dem Bein weiterhin als Dekorateurin arbeiten könne, schrillten alle Alarmglocken. Und was hat das jetzt mit Hanni und Nanni zu tun?
Ich werde ab Juli wieder die Schulbank drücken und das in einem Internat, zwar nicht auf dem Lindenhof und auch als Auszubildende, aber in einer überbetrieblichen Einrichtung und der Stoff von drei Jahren wird uns in zwei Jahren eingetrichtert.
Das hätte ich mir nie träumen lassen. Vor allem weil mir während der Reha letztes Jahr gesagt wurde, ich sei etwas *zu alt*, was mich empörte und mir auch Angst machte. Was sollte ich tun? In meinen alten Job konnte, sollte ich nicht zurück - und mein Rücken erinnert mich auch ständig daran, dass dies die bessere Entscheidung ist - und zu alt, um nochmal neu anzufangen?
Pustekuchen. Eine Sozialarbeiterin der Rehaklinik vermittelte ein Gespräch mit einer Sachbearbeiterin der Rentenversicherung, die dann schon einmal die Unterlagen auf den Weg brachte. Das nennt sich *Antrag auf Wiederteilhabe am Arbeitsleben*. Ich beruhigte mich ein wenig. Erlebte ich doch in der Reha, dass viele Anträge abgelehnt wurden.
Relativ schnell bekam ich Antwort und ein Beratungsgespräch in Stuttgart, und auch hier wurde ich positiv überrascht. Da saß mir ein aufgeschlossener Berater gegenüber mit dem man reden konnte. Aber: alles was mir Spaß machen würde würde der medizinischen Indikation nicht standhalten.
Und jetzt? Ich musste durfte schon mal verreisen:
Vierzehn Tage Schwarzwald zur Berufsfindung. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete. Als ich dann vor Ort war schrieb ich zwei Wochen jeden Tag Tests, es gab Gruppenarbeiten, wir wurden ständig von Sozialarbeitern und Psychologen beobachtet. So ähnlich laufen auch die Assessment-Center-Trainings. Jede angehende Führungskraft muss heute solche Tests durchlaufen. Als Ergebnis kam heraus, dass ich
a) voll integrierbar
b) flexibel einsetzbar
c) ziemlich intelligent bin.
Das freute mich natürlich. Und ich bekam, nach einem weiteren Gespräch mit meinem Rentenberater, die Zusage für eine komplette Ausbildung und die Kostenübernahme für diesen Zeitraum. Da diese Ausbildung allerdings nur im Schwarzwald angeboten wird heißt es eben:
Ab ins Internat!
Ehrlich? Ich freue mich darauf - und bin schon ganz hippelig .....


Montag, 24. März 2014

Heavy Metal


Headbanging geht in der Zwischenzeit wirklich gut, da meine Haare über schulterlang sind - nun ja, wenn sie nass sind und ich sie glatt bürste. Aber wer denkt es geht hier um ein Metal-Konzert der irrt gewaltig.
Ich konnte nie headbangen, mir wurde immer schwindlig und schlecht und dann tat mir wochenlang der Nacken weh. Ein Weichei bin ich trotzdem nicht. Und seit ca zwei Monaten bin ich auf ein Mindestmaß an Schmerztabletten runter. Hat auch lang genug gedauert. Aber Entwarnung ist nicht: am 7.Mai kommt die Platte raus. Eine Titanplatte, die meinen auseinander gesägten Oberschenkelknochen fixierte. Der Knochen ist vollständig verheilt, aber Treppen laufen macht nicht wirklich Spaß. Und ich war Stammgast in der Sprechstunde der Sportklinik. Erst nach einer Injektion einer Mischung aus Schmerz-, Gleit- und einem entzündungshemmenden Mittels direkt ins Kniegelenk war ich einigermaßen schmerzfrei.


Ob die Operation den gewünschten Effekt hatte (ein künstliches Kniegelenk verhindern) wird sich erst in ein paar Monaten zeigen, aber ich bin guten Mutes.
Die kleine Schraube unterhalb des Knies fixiert das künstliche Kreuzband. Das habe ich wahrscheinlich einer Orthopädin zu verdanken, die 2008 nach einem Arbeitsunfall eine falsche Diagnose stellte: sie ging von einem Meniskusanriss aus -trotz meines Protests, dass das Knie instabil sei. Ihr Kommentar: Ich sei eben keine 20 mehr. Das letztere stimmte zwar, aber ich rannte zwei Jahre ohne Kreuzband herum und schädigte den Knieknorpel....
Aber nachweisen? Pustekuchen. Meine Krankenkasse hat es versucht. Alle versuchen sich die Kosten zuzuschieben, aber letztendlich muss die Krankenkasse das ausbaden. Und ich.
Aber der Hoffnungsschimmer am Horizont leuchtet hell.


Sonntag, 23. März 2014

Temperatursturz - Sonntagsgedanken 12/2014

Ach wie jubelten wir und streckten unsere Gesichter der Sonne entgegen, als die ersten warmen Tage uns aus den Wohnungen lockten. Die ersten Frühlingsboten überschlugen sich, um unseren Augen Farbtupfer auf den frisch ergrünten Wiesen zu bieten, die Vöglein sangen, unsere Herzen sprangen, der Heuschnupfen spülte unerwartet früh Geld in die Kassen der Apotheker.
Parallel dazu spitzte sich die Situation in unserer europäischer Nachbarschaft zu, Truppen marschierten auf und Russland kassierte die Krim, einen Teil der Ukraine.
Nein, ich werde das jetzt nicht werten, denn die Infos die es über die Vorgänge in der Ukraine gibt sind zu mannigfaltig, teilweise widersprüchlich und sehr verwirrend.
Da wird über den, anscheinend durch die USA mitfinanzierten Aufstand auf dem Maidan - dem Platz auf dem alles begann - geschrieben, über die %-Zahlen der Völkerzugehörigkeit auf der Krim, über den Rabbi, der seine Glaubensgemeinschaft auffordert das Land zu verlassen, weil er Übergriffe von Ultrarechten befürchte.
Parallel dazu läuft die mediale Schlacht zwischen Ost und West, es wird aufgerüstet, in Worten und Taten. Das Verhältnis kühlt merklich ab, de EU sanktioniert, Japan und China folgte.
Und dann las ich, dass die USA plant wieder Atomwaffen auf dem Boden meines Heimatlandes zu stationieren.
Ich fiel fast vom Hocker. Lernen die es denn nie? Reicht es nicht, dass wir unsere Welt schon mit solchen AKWs wie Fukushima und Tschernobyl verseuchen. Ich bin noch keine 50 Jahre alt und habe schon zwei atomare Katastrophen *miterlebt*. Es gibt kein danach, sondern nur ein Leben mit den Folgen. Und jetzt kommen die Amis uns mit Bomben.
Was ist nur los mit denen da oben, möchte man sich fragen.
Parallel dazu wird de Bevölkerung Europas immer mehr in ihren Rechten beschnitten. Der Wählerwillen zählt immer weniger.
Vor gar nicht langer Zeit gab es eine europaweite Unterschriftenaktion:
Freier Zugang zu Trinkwasser ist ein Menschenrecht. 1,5 Millionen Europäer bekundeten ihren Unwillen gegenüber Firmen wie Nestlé, die gerne den Zugang zu Trinkwasser privatisieren möchten. Die Folgen kann man sich in Afrika schon ansehen. Viele von uns jubelten, als wir die Mindestmenge an Unterschriften hatten. Was macht jetzt die EU-Führungsspitze? Lässt das ganze unter den Tisch fallen und kehrt es unter den Teppich. Freier Zugang zu Trinkwasser ist/wird nicht als Menschenrecht anerkannt.
Der Ausverkauf unserer Rechte geht weiter.
Darauf angesprochen verweigerte ein EU-Komissar eine Begründung.
Mir fröstelt, und nicht nur, weil sich der Winter mit einem Kälteeinbruch noch einmal zu Wort meldet.

Donnerstag, 20. März 2014

Großprojekte

Ich male, ich schreibe, ich nadle. Also das letztere nicht wie eine Tanne, sondern mit Nadel und Faden. Mit verschiedenen Nadeln: Häkel-, Strick- und Sticknadel. Mit Wolle, Garn und Bambus.....
Socken. Mützen. Stulpen. Handschuhe. Schals.
Also bleibt auch viel über. Wolle. Wollreste. Tüten voll mit Wolle. Und manchmal Motten. Sehr zur Freude meines Katers Soleil, der nichts besser findet als Wolle durch die Wohnung zu schleppen, dem Knäuel den Garaus zu machen und mich damit in den Wahnsinn zu treibe. Oder Motten zu jagen und dabei die halbe Wohnung in Schutt und Asche zu legen.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Was macht Frau mit Tonnen an Wolle, wenn sie nicht vor hat eine Mottenzucht aufzumachen?
Ringelsocken stricken bis ans Ende ihrer Tage?
Spenden?
Hm, ne. Manchmal bin ich, in Bezug auf Handarbeiten, leicht größenwahnsinnig und fange Großprojekte an. Und wie der Berliner Flughafen verzögert sich dann die Fertigstellung. Ausreden Gründe gibt es immer. Kein Material mehr, Lieferschwierigkeiten, Bürger Katzenbeschwerden usw usf. Selbst nenne ich mich dann *Klein Mehdorn*.
Im Moment laufen zwei Projekte:
Projekt Tagesdecke und Projekt Teppich.



Bei der Tagesdecke liegt es wirklich daran, dass ich nur Wollreste der Nadelstärke 2-2,5 nehme und nicht dazu kaufen möchte. Die ersten Quadrate habe ich gehäkelt, aber bin jetzt dazu übergegangen anzustricken. Die Tagesdecke wird bunt und fröhlich. Soleil liebt sie jetzt schon und liegt bei jeder Gelegenheit auf ihr - wenn er nicht gerade die Wolle ankaut.
Aber irgendwann hat man soviel Decke, dass es nicht mehr möglich ist unteregs daran zu arbeiten. Also abends beim Fernsehen.
Das Projekt Teppich ist da anders. Eine Häkelnadel und Wolle einpacken und los geht es:


Die gehäkelten Kreise werden dann zusammengenäht. Der Teppich wächst langsam, aber Stück um Stück, ich habe ihn jetzt schon zwei Jahre in der Mache und es stört mich nicht, dass er so langsam wächst.
Andere Projekte habe ich gecancelt. Zwei Mammutprojekte reichen. Mal sehen, wann ich die fertig bekomme .....

Mittwoch, 19. März 2014

Hinter Gittern ( der wilde Süden)

Jedesmal wenn ich zu der U-Bahnstation Österreichischer Platz gehe und auf *meiner Seite* der Hochstätterstraße die Treppen runter humple bietet sich mir dieses Bild:


Ein Garten hinter Gittern. Ein verbotener Platz für mich, zwischen U-Bahnstationabgang und Hinterhöfen gelegen. Es ist mehr als nur ein Garten. Es ist ein Spielplatz. Allerdings ist es ein trauriger Spielplatz, verlassen. Kein Kind das auf einer Schaukel wippt, kein Kichern und hellauf begeistertes Kinderjubeln habe ich hier je gehört. Manchmal bleibe ich stehe und beobachte wie die Menschen an diesem Ort der Stille vorbeihasten und ihn keines Blickes würdigen. Am Wochenende sieht man im Bereich des Zauns des öfteren eine Pfütze Erbrochenes, an dem sich Tauben bedienen, und an den versteckteren Ecken riecht es unangenehm nach den Hinterlassenschaften pinkelfreudiger Nachtschwärmer.
Ein Schild weist darauf hin, dass man den Schlüssel für diesen Garten der Kinder in einem bestimmten Haus abholen kann, ein anderes auf die Öffnungszeit und ein drittes mahnt die *Haus*-Ordnung an.


Währenddessen träumt der kleine Platz vom Kinderlachen und Getrappel. Es ist fast so als würde man die Stimmchen hören, die da rufen *Fang mich doch!*, *Kriegst mich nicht!*. *Hab' dich!*.
Ob ich mein Kind hier spielen lassen würde? Als Blickobjekt für jeden Passanten? Wie kleine Äffchen mit ihrer Primatenmutter im Zoo, hinter Gittern?
Wohl kaum. So mag es den Müttern gehen, die diesen Spielplatz nicht nutzen. Ich kann sie sehr gut verstehen.
Dieser Spielplatz ist der traurigste Ort meines Viertel, nicht der hässlichste, nicht der lauteste, nicht der schlimmste, nicht der gefährlichste.
Nur der traurigste Spielplatz meiner Stadt.


Dienstag, 18. März 2014

Tiger Tiger



Raubkatzen. Wer mag sie nicht? Wer bewundert sie nicht? Diese Kraft, Eleganz, Wildheit.
Aber im Wohnzimmer möchte man sie dann doch nicht haben. Zu schnell wäre man das Abendessen, oder je nach Tageszeit auch Frühstück oder Mittagessen.
Aber für was gibt es denn die kleinere Ausgabe, auch Felidae Stuben Tigris, allgemein als Hauskatze, Mäusezahntiger, Plagegeister oder Haustyrannen bekannt.
Diese kleinen - manche auch nicht so kleinen, wenn man sich einmal eine Main Coone betrachtet - Mitbewohner gibt es auch wild und freilaufend.
In Wald, Felde und Wiese, Hinterhöfen, Großstädten und Dörfern.
Sie sind ja auch so süß, wenn sie Kitten (Welpen) sind. Aber Welpen werden einmal groß und dann haben die Großen Spaß und haben wieder Welpen - ihr ahnt es schon: aus Spaß wird ganz schnell Ernst.
Es ist bald wieder soweit: der Frühling bricht sich mit aller Gewalt Bahn und eine neue Schwemme Katzenbabies flutet das Land. Und irgendwann sind sie dann nicht mehr klein und süß, sondern groß und hungrig und paarungsbereit.
Ich kann es immer noch nicht verstehen, dass es Halter von Freigängern gibt, die ihre Kater nicht kastrieren lassen, mit der Begründung: die wollen auch ihren Spaß haben. Zu groß ist das Leid der ausgesetzten, nie gefundenen Kätzchen. Wenn sie Glück haben landen sie im Tierheim.
Wobei Jungkatzen noch die besten Vermittlungschancen haben.
Schwerer wird es mit zunehmenden Alter.
Meine beiden Mäusezahntiger habe ich im besten Mannesalter von vier Jahren bekommen und ich bin froh, dass ich ihre Flegeljahre nicht miterleben musste. Sie sind  auch so noch flegelhaft und verspielt genug, anhänglich, verfressen und frech wie Otto, verschmust bis über beide Ohren.
Vor allem Soleil verfolgt mich auf Schritt und Tritt.


Trennen darf man die beiden auf keinen Fall, sie  sind wie Yin und Yang, versucht man es hat man das doppelte, jammernde Elend. Woher ich das weiß? Nun, wenn ich mit einem der beiden in den Hinterhof gehe, plärrt sich der andere die Seele aus dem Leib und stirbt fast an Atemnot.
Wie selbstsüchtig manche Halter auch sein mögen, oder unwissend, unbelehrbar, es gibt Menschen die das alles ausbaden und auch noch freiwillig, weltweit.
Sie können nicht alle retten, aber sie tun ihr bestes.
In Stuttgart sind das unter anderem die Katzenhilfe e.V. und natürlich das Tierheim in Botnang.
Meine beiden Zuckerschnecken habe ich auch mehr oder weniger über die Katzenhilfe. Und um nichts in der Welt möchte ich sie missen.
Das Problem ist nicht groß geredet. Zusätzlich gibt es Halter die ihre Tier aus finanziellen Gründen abgeben müssen - was für beide Seiten absolut tragisch ist -, alters- und krankheitsbedingt.
Während meiner  ganzen Krankenhausaufenthalte und Rehas sprangen bei mir Freunde ein. Meine beiden sind sicher. Aber nicht jeder hat so viele Helfer.
Wenn ihr selbst keine Katzen halten wollt, könnt oder dürft - die Katzenhilfe freut sich auch über Patenschaft oder über eine kleine Finanzspritze für Kastrationsaktionen.

Montag, 17. März 2014

Sonntagsgedanken - Verspätung 10/2014

Normalerweise schaffe ich es immer - wenn auch manchmal mit Verspätung - die Sonntagsgedanken online zu stellen. Normalerweise. Gestern nicht. Und das Helle Licht des Monitors tut jetzt schon meinen Augen weh, wenn ich huste, droht mir mein Kopf zu zerplatzen und gestern Nacht schwitzte ich drei Pyjamas durch und bekam Schüttelfrost, wenn ich zur Toilette musste.
Mich hat es erwischt. Infiziert! Irgendwo toben die kleinen Wesen jetzt in meinem Körper und liefern sich ein Scharmützel nach dem anderen mit meinen weißen Blutkörperchen....
Aber Scharmützel werden nicht nur in meinem Körper geschlagen. Ich lerne gerade, dass es Menschen gibt, die einen partout nicht verstehen wollen, und die Worte so (miß)interpretieren, dass mir fast die Augen aus den Kopf fallen. (Was nicht weiter schlimm wäre, heute, den der Druck hinter ihnen ist fast unerträglich).
Um was es geht?
Um meine letzten Sonntagsgedanken. Um einen Satz. Um folgenden:
*Und dann treffe ich Menschen die ticken wie ich, die auch sagen: demonstrieren und Schilder hoch halten reicht uns aber nicht mehr. Wir wollen nicht erst danach unseren Senf dazu abgeben können, dürfen, sollen, wollen* 
Mit dieser Aussage würde ich den Widerstand (ich nenne es Protest) gegen S21 schmähen und abwerten. Witzig wie man so etwas dermaßen falsch auslegen kann. Ich war lange aktiv, habe mich aber nie nur auf die Demonstrationen beschränkt, wobei ich diese als sehr wichtig empfand. Da waren das Pavillon der Künstlergruppe Soup, die ich unterstützte und noch andere Aktionsgruppen.
Und ich weiß von vielen, die entweder zusätzlich zu den Demonstrationen aktiv geworden sind oder dem Protest ganz den Rücken gekehrt haben.
Wieso sollte ich jetzt den Protest abwerten?
Demonstrationen sind für mich ein legitimes Mittel der Demokratie.
Freie Meinungsäußerung auch.
Woher ich das erfuhr ist doppelt amüsant. Über Facebook. Ein Freund und Mit-Stadtist hatte meinen Artikel geteilt und fing an Kommentare zu schreiben. Aber mit wem diskutierte er da so heftig? Ich konnte nur ihn lesen und da war es mir klar: mit jemanden der mich auf FB blockiert hat. (Blocken bedeutet das man nichts mehr gegenseitig lesen kann). (Und ich befinde mich in guter Gesellschaft, die Person die mich geblockt hat, hat den halben Protest geblockt.)
Ich amüsierte mich. Wie nett und einfach es ist jemanden in der Öffentlichkeit einer Pinnwand zu kritisieren und der kritisierten Person nicht einmal die Chance zu geben Stellung zu beziehen. Das haben dann andere für mich übernommen. Ich habe ja auch die Kommentarfunktion unter den Artikeln. Die man gerne nutzen kann. Also um direkt mit mir zu kommunizieren.
Seufz.
Ist aber nicht gewollt. Auch gut.
Denn für die (falsche) Interpretation dieser Worte kann ich nichts und ich muss und werde diese Aussage auch nicht (länger) verteidigen. Eine vorgefasste Meinung ist schwerer zu ändern als einen Atomkern zu spalten, so oder so ähnlich sagte es schon Albert Einstein.
Und ich kann nichts für die Auslegung meiner Worte, auch nicht für ihre Fehlinterpretation. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass manche Menschen es gerne falsch verstehen. Nun, wenn sie es brauchen.
Dann viel Spaß dabei.
Euch allen (auch den Blockern) einen schönen Wochenanfang.



Samstag, 15. März 2014

Zahlenspiel

Woher weiß ich als Blogger eigentlich, das ich gelesen werde, bzw meine Artikel? Und wie oft, und ob es gefällt oder nicht? Nun, dafür gibt es Statistiken. Und die Kommentarfunktion. Und ein sogenanntes Gadget mit dem der Leser den Artikel bewerten kann.
Ich arbeite ja mit Blogger, andere arbeiten mit Wordpress, aber die Instrumente sind ähnlich. Und es gibt die Übersicht. Und ich liebe und hasse sie gleichzeitig:


Gnadenlos wird mir hier gezeigt wie es läuft - und wenn ich einmal außergewöhnlich viele Aufrufe habe und dann nach dem Publikum sehe, kann es sein, dass ich 100 Aufrufe innerhalb einer Stunde von den Amis oder Russen habe, das sind dann sogenannte Bots oder, wenn es die Amerikaner sind, dann einfach ein Blogscan von Google.....

Jetzt ist es so - man kann die Statistiken nutzen, um *mainstream* zu werden: Was wollen die Leute lesen? Was kommt gut an? Also das Publikum analysieren. Aber will ich das? Mich anpassen? Eher nicht, das würde meinem ganzen Charakter zuwider laufen. Also, was mache ich mit den Statistiken?
Ich studiere sie - und mache mir so meine Gedanken.
Witzig ist, auf welche *Labels* die Leute anspringen. Labels sind die *Suchbegriffe* für die Suchmaschinen im Netz, mit denen man seine Artikel markieren kann.
Ich mache mir manchmal den Spaß *Dünger, Bombe, basteln* als Label zu nehmen um zu sehen was passiert. (Hier grinse ich fett, fetter, am fettesten. Hello NSA). Und tatsächlich - es wirkt.
Aber das ist ja nicht mein Ziel.
ProdukttestbloggerInnen gibt es wie Sand am Meer - das Thema ist aber bei mir durch. Auch wenn es Spaß macht Produkte kostenlos abzustauben und darüber zu schreiben, aber  es hat etwas von *Lohnschreiberei* und auch das ist nicht wirklich mein Ding, auch wenn ich ein-zwei Blogs kenne, die das wirklich gut gestaltet und amüsant zu lesen rüberbringen.
Produkte bewerte ich weiterhin oder stelle sie vor, wenn ich sie gut finde, vor allem wenn es um Essbares geht, aber nicht mehr, weil ich Gratisproben abgestaubt haben.

Ich habe ein paar Leser, auch im Ausland, Spanien und Italien, und freue mich immer, wenn die Ländernamen auftauchen (huhu Inge, huhu Margit). Ehemalige StuttgarterInnen, die am Ball bleiben. Es geht mir in der Zwischenzeit mehr um meines Stadt, um das alltägliche - politische - Geschehen.
Auch wenn es mir weniger Leser bringen sollte....



Freitag, 14. März 2014

Das Galao (der wilde Süden)



Das ist nicht das erste mal in Stuttgart, dass sich Gäste einer Location zusammen tun, um diese - für sich - zu erhalten. Das Galao ist ein Treffpunkt, den man nicht in eine der Kategorien Kneipe, Cafe, Bar oder sonst etwas pressen kann und sollte.
Am Marienplatz, also um's Eck am Marienplatz, bevölkern an sonnigen Tagen die Gäste die Tische und fellbesetzten Bänke in der Tübingerstraße. Hier trinkt man Kaffee, Bio-Limonade, gegen später Wein oder ganz andere Sachen, isst etwas, tratscht und fühlt sich irgendwie zuhause. Die Atmosphäre ist freundlich-lässig und sehr entspannt. So wie der Macher des Ortes: Reiner.
Er schwäbelt und lacht.
Nein, er hat weder die Miete drastisch erhöht bekommen noch bleiben die Gäste aus - das Haus wird schlicht und einfach verkauft: Wie so oft dieser Tage in den neu angesagten Vierteln. Das erlebe ich in meinem gerade auch. Umzugswagen, dann Baugerüste, dann Schilder von Immobilienfirmen in den Fenstern und wieder verschwinden ein paar bekannte Gesichter aus dem Viertel. Gentrifizierung nennt man das. Erst sanieren, dann teuer verkaufen, die Mieten kann sich das Normalvolk nicht mehr leisten.
Erst will da keiner wohnen, dann kommen coole Leute, dann entdecken die reicheren Hipster das für sich und schwupp wird ein Viertel übernommen.
Aus meinem statdtistischen Umfeld (sie hätten es auch gemacht, wenn sie keine Stadtisten wären, aber weil sie so sind, sind sie eben Stadtisten) wurden zwei Freunde aktiv und haben einen Kurzfilm gedreht und online gestellt - den könnt ihr euch hier ansehen: *Rettet das Galao*
Nun, Reiner will bleiben und hat alles was er hat zusammen getragen, incl sein Erbe, was er sich hat auszahlen lassen, und einen Bankkredit hat er auch bekommen, aber das reicht noch nicht ganz. Die Bank will die gleiche Summe von vom ihm sehen, die sie bietet.
Er wandte sich an die Öffentlichkeit - auch über soziale Netzwerke -, sprach Freunde an, die Lokalzeitung berichtete und: Das Wunder nahm/nimmt seinen Lauf. Es fehlen noch knapp 23.000 Euro, das Spendenglas auf dem Tresen füllt sich immer mehr. Ich habe auch einen Schein reingelegt, was eben so geht, wenn man nicht viel hat. Und am Montag steigt die riesen Bensfitsveranstaltung im Merlin, zugunsten des Galaos.
Also ab ins Merlin am Montag: 20°°, Augustenstr.72, 70178 Stuttgart (West).

Reiner - ein Original wie sein Galao

So liebe ich meine Stadt und meinen Stadtteil. Die Leute nehmen am Leben anderer Teil und helfen sich gegenseitig.
Aus einer - mir unverständlichen Ecke - kam der Lobbyismusvorwurf. *Manche sponsern Atomernergie, andere Kneipen*, das fand ich so abstrus, dass ich da gar nicht darauf reagiert habe. Trotzdem ist es bemerkenswert wie viele Menschen das Ganze nicht gut finden. Zwar jammern alle über das Kneipensterben in Stuttgart (die UHU-Bar und das Scholz sind die neuesten *Opfer*), aber wenn man dann was macht, ist es auch nicht recht.
Persönlich finde ich es klasse, dass sie Menschen für ihre Lieblingsplätze einsetzen. Und ein Stück Vielfalt bleibt erhalten.
Wie wär's? Treffen wir uns mal auf einen Kaffee dort?

Donnerstag, 13. März 2014

Eisige Zeiten

Der Frühling übermannt uns und mich die Frühjahrsmüdigkeit. Nach einem frühern Termin gestern hat sie mich nieder gestreckt und ich verschlief eine Verabredung. Noch geht das ja.
Der Himmel spannte sich während dessen blau über unseren Köpfen, klar, der Morgendunst war schon vergangen.
Im Laufe des Tages wurde es richtig warm und die Lust auf eisige Leckereien wurde entfacht. Ich kann ja Eis zu jeder Jahreszeit essen, aber für uns Veggies ist das Angebot leider noch nicht ganz so groß. An den Eisdielen bleibt mir meist nur das Zitroneneis - zwar lecker, aber mit der Zeit etwas langweilig.
Obwohl es mein Lieblingseis ist und schon *die Ärzte* es besangen.
Aber was packe ich in den Kühler? Es gibt ja in der Zwischenzeit veganes Eis: Soja, Kokos, Lupinen dienen als Basis. Oder man greift auf die klassischen Sorbets zurück. Und hier wurde ich auch wieder bei mir im Supermarkt um die Ecke fündig:



Es gibt neben den Sorten Zitrone und Blutorange noch Erdbeer und, ich glaube es war Aprikose, bin mir aber nicht mehr ganz sicher.
Das Zitronensorbert ist übrigens in Verbindung mit Thymian eine Wucht (das habe ich das erste mal in Schottland gegessen und wollte spontan den Koch ehelichen),(wobei ich sagen muss: ich wollte schon öfter Köche heiraten, aber auch Ärzte usw usf).
Die Sorbets kosten unter 3€, ein günstiger, aber leckerer Genuss. Trotzdem schaffe ich es in der Zwischenzeit die Becher nicht ganz leer zu futtern - am Stück. Jetzt geht es auf zweimal....

Zwar soll das Wetter zum Wochenende schlechter werden, aber bis dahin heißt es Sonnenlicht tanken - meiner Kater und ich hängen gemeinsam am Fenster ab und betrachten die Welt von oben -  und mit Eis wieder abkühlen.



- schleck -

Dienstag, 11. März 2014

40.000

Vierzigtausend? Vierzigtausend was? 40.000 Blogaufrufe!
Yeah!
Als ich vor etwas über einem Jahr anfing zu bloggen, wusste ich gar nicht was da auf mich zu kommt. Ich hatte Zeit und Lust zum Schreiben, Sabine vom Liebstöckelschuh hatte mich dazu getrieben - Beschwerden also gerne an sie.
Ich schrieb - und schreibe - über dies und jenes und orientierte mich stark an anderen Bloggern, fand Bloggergruppen, entdeckte die Vielfalt und entwickelte mich.
Ich probierte aus und verwarf wieder, bzw änderte die Richtung.
Eins bleibt aber: Ich schreibe über mein Leben. Auch eine Art Tagebuch, aber eben nicht ganz so persönlich, wie wenn man es nur für sich schreiben würde.
Aller Anfang ist zäh, und ich freute mich, wenn mal mehr als 20 Menschen einen Artikel gelesen haben. Und ich dann auch noch - positives - Feedback dafür bekam.
In der Zwischenzeit habe ich Spamwellen erlebt, massenhaft Aufrufe aus Russland, aus den USA, ich habe ein paar treue Abonnenten, die Themen haben sie weiterentwickelt, ich wurde politischer. Aber eines blieb und bleibt auch: der Schwerpunkt ist Stuttgart.
Ich liebe diese Stadt, trotz ihrer Beton-, Glas- und Großmannssucht. Ich mag ihren angestaubten Charme, den manche jetzt mit Gewalt durch Metropolengehabe ersetzen wollen. Aber das ist ein anderes Thema.
40.000. Wow. Über 400 Artikel.
Ich schreibe nicht mehr jeden Tag. Ich könnte, aber ich will nicht (mehr). Wenn ich eins die letzten zwölf Monate gelernt habe - mich selbst nicht mehr unnötig unter Druck zu setzen. Betonung liegt auf Schwerpunkt. Es reicht, wenn andere ständig fordern.
Noch etwas hat sch geändert: die einzelne Artikel werden öfter aufgerufen, manche mehr, manche weniger. Es ist ganz unterschiedlich. Der meist gelesenen Beitrag ist ein Reisebericht - es is nicht mein bester Artikel, aber irgendwie habe ich den richtig getaggt und er wird ständig über Google aufgerufen. Nun, ich wehre mich nicht dagegen.
40.000 Aufrufe, etliche Kommentare, mal mehr, mal weniger, tausende von Wörtern, Buchstaben, Zahlen, Satzzeichen.
Es macht mich ein klitzekleines bisschen stolz.

40.000. Wow.....

Sonntag, 9. März 2014

Sonntagsgedanken - New Kid in Town (9/2014)

Bin ich wirklich in der richtigen  Woche? Muss mal auf dem Kalender nachsehen. Auf alle Fälle ist es März, die Sonne scheint (Yeah!), die Pollen fliegen (kein Yeah!) und die Nase läuft, die Augen erinnern stark an ein weißes Angorakaninchen. Frühling eben. Aufbruchstimmung.
Die herrscht auch in meinem Umfeld. Seit einigen Monaten bin ich bei den Stadtisten dabei, sogar Gründungsmitglied (yeah!) und da wir nicht nur als Bürgerplattform agieren möchten, sondern auch politisch tätig werden wollen, sind wir gerade etwas im Stress - die Kommunalwahlen stehen vor der Tür und wir haben alle Hände voll zu tun.
Natürlich stoßen wir, als Verein, und auch als Einzelpersonen, in manchen Bereichen an unsere Grenzen. Sowohl was das Wissen, das Können und das Menschliche angeht.
Ich sehe das eher gelassen, denn wir sind jung, als eingetragener Verein gerade mal 6 Monate alt. Und wir machen Fehler. Normal!, sagen die einen. Steinigt sie!, schreien ein paar andere. Das muss man aushalten, wenn man sich in das Licht der Öffentlichkeit begibt. Keiner hat gesagt es würde ein Zuckerschlecken. Aber Spaß macht es allemal.
Natürlich könnte ich jetzt schreiben für was die Stadtisten stehen, aber dazu möchte ich euch auf die Homepage verweisen. Allerdings werdet ihr dort *nur* Themenpapiere und viel Haltung vorfinden.
Meine Ma hätte gesagt: *Ä bisserl wenich, findeschd du ned?* Ja, Mama, da gebe ich dir recht, aber es ist so schwer Forderungen zu formulieren, wenn man anders tickt. Und ich sehe sie grinsen und sagen. *Du warschd scho imma andersch*. Und das sind meine Mitstreiter auch.
Klar, die meisten von uns sind für mehr Integration, Inklusion, Mobilität und und und. Und das macht sich auch so gut auf Wahlplakaten:
Freie Fahrt für frei Bürger!
Weniger Steuern für ALLE!
Usw usf.....
Aber wenn man seine Wünsche und Forderungen auf Schlagworte reduziert wird es schwammig. Wie sagte der aktuelle MP BWs, der Kretsche? *Es geht nicht um Wahrheiten bei Wahlen, es geht um Mehrheiten!*
Und genau das verneine ich.
Aber, wenn Maximalforderungen auf einander treffen gibt es selten einen Konsens, aber meistens einen faulen Kompromiss. Siehe Genmais. Die SPD ist gegen Gentechnisch verändertes Getreide, stimmt aber mit ja, weil der Koalitionsvertrag das fordert.
Und genau das ist einer der, vielen, Gründe, warum ich mich bis jetzt Parteien und Wählervereinigungen verweigert habe. Und dann treffe ich Menschen die ticken wie ich, die auch sagen: demonstrieren und Schilder hoch halten reicht uns aber nicht mehr. Wir wollen nicht erst danach unseren Senf dazu abgeben können, dürfen, sollen, wollen. Machen kann man auch ohne im Rathaus zu sitzen. Aber mitreden wird schwierig.
Natürlich gibt es auch andere Vereinigungen, in Stuttgart die SÖS, deren Arbeit ich sehr schätze.
Warum ich da mich nicht einbringe? Es gibt eben nicht genug Überschneidungen, um mich bei ihnen einzubringen. Wobei ich bei der Gemeinderatswahl dem einen oder anderen schon ein paar Stimmen geben werde.

Kritiker haben wir genug - was prinzipiell super ist! Und es gibt auch Basher. Damit kann ich, können wir leben. Der Unterschied zwischen Kritik und Bashing möchte ich anhand folgenden Gesprächs verdeutlichen:

*Ihr seid Wischiwaschi!*
*Dann komme doch mal zu einer Arbeitsgruppe vorbei und sieh es dir an.*
*Verschwendete Zeit, ich weiß ja wie das läuft!*

Der gute Mann kann also hellsehen, bzw nicht. Urteilen, verurteilen ohne wirkliches Wissen. Das kennt man. Schade, kann ich da nur sagen. Und wie gesagt: wir lernen. Wir sind neu am Markt. Manchmal wissen wir einfach nicht wie wir unsere Ideen an den Mann und die Frau bringen sollen, also uns vermarkten.
Wir suchen. Gleichgesinnte, die mit uns unsere Stadt, das Miteinander in dieser Stadt gestalten.
Kritiker, die uns auch mal, konstruktiv, die Meinung sagen. Solche Menschen sind schon bei uns (einer meiner Liebsten ist überzeugter SPDler, der uns regelmäßig den Kopf wäscht, aber das macht er gut!) und es dürfen gerne noch mehr werden.

Im Moment sammeln wir Unterschriften, wir brauchen 250, um zur Wahl zugelassen zu werden. Mehr als die Hälfte haben wir schon. (Yeah!)




















Samstag, 8. März 2014

Frauenpower

Heute ist internationaler Frauentag!
Das Bild, das die Werbung von der modernen Frau zeichnet, ist einfach umwerfend: Junge Frauen, die mit links Kind, Karriere und Küche unter einen Hut bekommen und dabei noch so strahlend aussehen wie der frisch erblühte Tag. Und die Kosmetikindustrie liefert gleich die passende Creme, die alles glatt bügelt. *Ich habe mal wieder zuwenig geschlafen, aber Dank der Blablabla-Creme sieht das keiner*. lächelt die moderne Sklavin in die Kamera.
Nein, ich sage nicht: Früher war alles besser. War es nämlich nicht. Auch wenn es Jahrhunderte her zu sein scheint, bis in die späten 70iger unterschrieb der Ehemann den Arbeitsvertrag seiner Frau mit. In der Schweiz wurde das Wahlrecht der Frauen sehr spät eingeführt.
Juhu Europa, was sind deine Frauen so glücklich.
Wörter wie *Unterdrückung wurden durch *Anforderung* ersetzt, Frauen beuten sich heute selbst aus und das machen sie wirklich gut. Bleibt sie mit Kind zu Hause, ist sie faul, geht sie mit Kind arbeiten, ist sie ...
Die Frauen von heute sind immer noch nicht frei. Frei von Anforderungen an sie, frei von Ansprüchen und Regeln.
Frauen in meinem Alter werden immer noch gefragt: *Was, keine Kinder?*, das A im *Was* schön langgezogen. Ich wollte nie. Und ich nahm mir das Recht raus, nein zu sagen. Bei Männern in meinem Alter wird seltener gefragt und wenn, dann ist das Nein keiner Ansage wert.
Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer und so weiter.
Wobei ich mich gegen Gleichmacherei wehre. Wir Frauen sind anders. Alleine schon vom Körperbau. Unsere Physiologie ist naturbedingt anders. Aber macht uns das unwerter? Sind die Jobs, die Frauen bevorzugt ausüben, deswegen zu recht schlechter bezahlt?
Wenn man sich die Branchen ansieht, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten, dann packt einen das Grauen, wenn man den Gehaltsscheck sieht. Und wenn diese Frauen dann auch noch Kinder haben und geschieden sind, dann steht die Tür oft nur noch in Richtung aufstocken, durch Hartz IV, offen.
Aber bei allen muss Frau schlank, sexy und immer gut angezogen, frisiert und adrett aussehen.
Und Frauen machen das mit. Viele Frauen machen das mit. Fast alle Frauen machen das mit.  Ich ja, zum Teil, auch.
Und dann die Werbung, die uns entgegen schreit:
Sei Sexy! Sei feminin! Sei stark! Sei allzeit bereit!
Frauen werden gerne immer noch auf ihr Aussehen reduziert, aber die Männer holen in diesem Bereich mächtig auf.
Auf dem Papier sind alle Menschen und Geschlechter frei, die Gesellschaft hat subtilere Wege gefunden. Frauen sperren sich heute selbst ein.

Donnerstag, 6. März 2014

Protestpinkler (Katzenjammer)



Die größten Kerle sind meistens auch die größten Weicheier. Oder anders ausgedrückt: Die größten Sensibelchen. Nun, wir Menschen können uns verbal wehren. Oder wir versammeln uns, halten Schilder hoch und trillern. Das nennen wir dann Demonstration. Pro oder Contra ist dann Ansichtssache.
Aber wie protestieren unsere tierischen Mitbewohner?
Als ich meine beiden Fellnasen bekam, wusste ich, dass der eine ein sogenannter *unsauberer* Kater war und es dauerte fast ein ganzes Jahr bis er von dieser Unsitte abließ, jeder Wäschehaufen wurde bepinkelt -und auch ich hatte dazu gelernt: Keine Klamotten oder Handtücher mehr auf dem Boden liegen lassen und sehr dankbar dafür sein, dass ich eine Ledercouch habe (die habe ich schon seit Jahren und angeschafft wurde sie bevor ich zu einem Veganer mutierte). Nicht schreien, wenn er es mal wieder getan hatte. Die betroffenen Stellen *parfümierte* ich mit Orangenöl - das mögen Katzen nicht.
Dann war Ruhe. Grey - der große, stattliche, majestätische Grey - war angekommen, hatte seine Unsicherheit überwunden und pinkelte nur noch in der Katzentoilette.
Bis... ja bis ich anfangen musste die Wohnung umzuräumen. Ich übersah die ersten Warnzeichen seiner beginnenden Unruhe und Unwohlseins. Mir fiel zwar auf, dass er unglaublich anhänglich wurde (er schläft seit einiger Zeit in meiner Armbeuge, dicht an mich gepresst) und ständig mauzend durch die Wohnung lief. Er hat Angst.
Als er dann auf ein Handtuch pinkelte, dachte ich nur: Oh, denk dran, nix auf dem Boden liegen lassen.
Gestern Abend dann, ich saß nichts ahnend im Wohnzimmer, hörte ich ein Plätschern.
?
Nun, ich folgte sofort dem Geräusch und da saß Grey im Flur, im Papierkorb und ließ es laufen. Statt zu schreien musste ich laut loslachen, was ihn so erschreckte, dass er unter das Bett flüchtete. Ich wischte die Sauerei auf, und hatte dann alle Mühe ihn unter dem Bett hervor zu holen und ihn zu beruhigen. Heute morgen passierte es dann im Bad. Der Blick des Katers war herzerweichend. Er wusste genau, dass er etwas getan hatte was er nicht sollte und guckte kläglich aus der Wäsche dem Fell. Statt zu schimpfen schnappte ich ihn mir und knuddelte ihn durch.
Jetzt liegt er neben mir, entspannt und unschuldig wie ein kleines Welpen. Die Krise ist noch nicht überstanden, aber das wird wieder. Mit Geduld.

=^.^= 

Dienstag, 4. März 2014

Blockade


Zur Zeit male ich gar nicht, schreibe auch nur jeden zweiten, dritten Tag. Das beunruhigt mich selbst ein wenig, vor allem das Malen, bzw das Nicht-Malen. Ich sehe die leeren Leinwände, das Skizzenpapier und es bleibt still in mir. Selbst wenn ich Farbe auftrage, geschieht nichts in mir. Stille. So muss sich ein Seemann fühlen, wenn seit Tagen kein Wind die Segel seines Schiffes bläht. Flaute.
Es ist still in mir, keine Ruhe, sondern Stille.
Ich mag Ruhe, aber keine Stille. Das erinnert mich an eine Übernachtung bei meiner Mutter, die auf dem Land lebte. Es war einer jener schneereichen Winter, die wir als echten Winter bezeichnen. Wenn man wie ich in der Stadt lebt ist es nie ganz still. Irgendwo schlägt immer eine Tür, ein Nachtbus fährt ein paar Straßen weiter, die Studenten in der Wohnung darüber trappeln des Nachts an den Kühlschrank, man hört ein Bett quietschen. Nur in den toten Stunden der Nacht ist es etwas stiller in der Stadt, aber nie ganz.
Anders auf dem Land.
Ich lag da im Gästebett, längst hatte ich kein Zimmer mehr im Haus meiner Mutter, und um mich herum herrschte erdrückende Stille. Es war als würde selbst die Dunkelheit schweigen. Kein Knarren, kein Ächzen des Hauses - ich wohne in Stuttgart in einem Altbau, der ständig spricht - ich hörte noch nicht einmal meinen eigenen Atem, fühlte aber meinen Herzschlag. Da lag ich unter der Decke, eingemummelt wie ein kleines Kind, schlaflos, lauschte angestrengt in die Nacht und - fühlte mich nie wieder so verlassen und einsam.
Ich hielt es nicht aus, zog den Rollo etwas hoch, spähte in die schneehelle Nacht - und hörte den Schnee. Schnee wispert und singt leise, so still war es.lll^kä#_* Es ist nicht wirklich hörbar, es entsteht eher im Kopf.
Ich weiß nicht wie lange ich da am Fenster stand, aber als ich meine Füße nicht mehr spürte kehrte ich reumütig ins Bett zurück, machte aber das Radio und die Nachttischleuchte an. Ich lag noch lange wach.
So fühle ich mich im Moment, wenn ich versuche zu zeichnen oder zu malen. Die Blockade macht mir auch etwas Angst. wenn man es gewohnt ist einfach losmalen zu können, dann tut es weh es plötzlich nicht mehr zu können.
Gut, ich räume gerade das zweite Zimmer meiner Wohnung leer, es stehen einige Veränderungen in meinem Leben an, die vierte und letzte Bein OP steht drohend im Raum. Vielleicht schaffe ich es heute nachmittag, heute Abend mal. Ich lebe gerade im Chaos - also in meiner Wohnung herrscht es gerade- vielleicht ist es deswegen so still in mir.

Sonntag, 2. März 2014

Krieg? (Sonntagsgedanken 9/2014)

Oh, ich müsste genauer definieren: Krieg vor der Haustüre Europas. Denn, wenn wir ehrlich sind, es herrscht seit Jahren Krieg, schön verteilt auf der Welt. So verstieg sich ein deutscher Kriegs Verteidigungsminister auch einmal zu den Worten, dass die deutsche Freiheit (oder was war es noch mal?) am Hindukusch verteidigt wird. Als der letzte wahre Bundespräsident der BRD das Kind beim Namen nannte, dass die Kriege der Zukunft um Rohstoffe und Ressourcen geführt werden würden, ging er ganz schnell ins Nirwana. Wer glaubt, er wäre freiwillig gegangen oder aus eigenem Antrieb - nun ja. Glauben macht selig.
Krieg an den Toren Europas. Wenn wundert es? Das Machtspiel zwischen West und Ost geht schon eine ganze Weile. Und als Putin die Generalamnesie erließ, kurz vor den olympischen Spielen, beschlich mich ein ungutes Gefühl.
Ich boykottierte die Spiele (und werde es auch mit der Fußball WM in Katar tun) aus mannigfaltigen Gründen. Sie rochen nach Blut. (Katar riecht nicht nur, es stinkt wie eine Abdeckerei). Sie rochen nach Unterdrückung. So wie sich Putin über Homosexuelle äußerte bogen sich mir die Fußnägel hoch. Er hätte nichts gegen sie, aber sie sollten die Finger von den Kindern lassen. Geht es eigentlich noch? Homosexuell wurde mal wieder mit Phädophilie gleichgesetzt.
Pussy Riot, Schwulenhatz und vieles mehr zeigten uns sehr deutlich wie das System Putin tickt.
Und dann kam die Ukraine.
Was in der Ukraine geschah kann ich, als Außenstehende, weder ganz überblicken noch erklären. Mir schnitten die Bilder, die über den Monitor flimmerten ins Herz. Scharfschützen die Menschen erschossen.
Wie oft haben wir solche Bilder schon gesehen oder von solchen Gräuel gehört und gelesen? Aber das war ja weit weg. Die Ukraine ist praktisch um's Eck.
die Welt brennt an allen Ecken und Enden und das schon seit längerer Zeit. Und Deutschland liefert das Material dazu. Mein Vaterland ist der 3 größte Waffenexporteur der Welt. Es werden aus den Rohstoffen aus den Krisengebieten Waffen geschmiedet, die diese Krisengebiete dann durch den Einsatz dieser Waffen *befrieden* sollen.
Mich beschleicht langsam aber sicher das Gefühl, dass alles was die letzte Zeit passiert ist *uns* auf den ukrainischen  Krieg Konflikt vorbereiten soll.
Außenminister Steinmeiers Rede auf der Sicherheitskonferenz.
Verteidigungsministerins Von der Leyens Aussage, dass man mehr Einsätze im Ausland machen müsse.
Und dann der Wolf im Schafspelz, Gauk, der auch noch seinen Senf dazu gab.
Ich sehe nach Osten. Und ich sehe wie sich der russische Bär erhebt und drohend seine Pranken hebt. Dieser Bär droht nicht nur. Und der Westen? Entrüstet sich. Dabei wäscht er sein Hände auch im Blut der Unschuldigen.
Ich sehe nach Osten und es schüttelt mich.