Dienstag, 4. März 2014

Blockade


Zur Zeit male ich gar nicht, schreibe auch nur jeden zweiten, dritten Tag. Das beunruhigt mich selbst ein wenig, vor allem das Malen, bzw das Nicht-Malen. Ich sehe die leeren Leinwände, das Skizzenpapier und es bleibt still in mir. Selbst wenn ich Farbe auftrage, geschieht nichts in mir. Stille. So muss sich ein Seemann fühlen, wenn seit Tagen kein Wind die Segel seines Schiffes bläht. Flaute.
Es ist still in mir, keine Ruhe, sondern Stille.
Ich mag Ruhe, aber keine Stille. Das erinnert mich an eine Übernachtung bei meiner Mutter, die auf dem Land lebte. Es war einer jener schneereichen Winter, die wir als echten Winter bezeichnen. Wenn man wie ich in der Stadt lebt ist es nie ganz still. Irgendwo schlägt immer eine Tür, ein Nachtbus fährt ein paar Straßen weiter, die Studenten in der Wohnung darüber trappeln des Nachts an den Kühlschrank, man hört ein Bett quietschen. Nur in den toten Stunden der Nacht ist es etwas stiller in der Stadt, aber nie ganz.
Anders auf dem Land.
Ich lag da im Gästebett, längst hatte ich kein Zimmer mehr im Haus meiner Mutter, und um mich herum herrschte erdrückende Stille. Es war als würde selbst die Dunkelheit schweigen. Kein Knarren, kein Ächzen des Hauses - ich wohne in Stuttgart in einem Altbau, der ständig spricht - ich hörte noch nicht einmal meinen eigenen Atem, fühlte aber meinen Herzschlag. Da lag ich unter der Decke, eingemummelt wie ein kleines Kind, schlaflos, lauschte angestrengt in die Nacht und - fühlte mich nie wieder so verlassen und einsam.
Ich hielt es nicht aus, zog den Rollo etwas hoch, spähte in die schneehelle Nacht - und hörte den Schnee. Schnee wispert und singt leise, so still war es.lll^kä#_* Es ist nicht wirklich hörbar, es entsteht eher im Kopf.
Ich weiß nicht wie lange ich da am Fenster stand, aber als ich meine Füße nicht mehr spürte kehrte ich reumütig ins Bett zurück, machte aber das Radio und die Nachttischleuchte an. Ich lag noch lange wach.
So fühle ich mich im Moment, wenn ich versuche zu zeichnen oder zu malen. Die Blockade macht mir auch etwas Angst. wenn man es gewohnt ist einfach losmalen zu können, dann tut es weh es plötzlich nicht mehr zu können.
Gut, ich räume gerade das zweite Zimmer meiner Wohnung leer, es stehen einige Veränderungen in meinem Leben an, die vierte und letzte Bein OP steht drohend im Raum. Vielleicht schaffe ich es heute nachmittag, heute Abend mal. Ich lebe gerade im Chaos - also in meiner Wohnung herrscht es gerade- vielleicht ist es deswegen so still in mir.

Kommentare:

  1. Ich kenne dieses Gefühl vom Schreiben her, das ist total ätzend, besonders, wenn ich eine Geschichte oder einen Text angefangen habe oder Zeit finde, länger an etwas arbeiten zu können und der Kopf ist einfach nur leer. Irgendwie hilft auch nix und ich mache eine Weile nutzloses Zeug und dann ist die Zeit rum.
    Manchmal hilf, so doof das auch klingen mag, bügeln oder putzen. Frage mich jetzt bitte nicht wieso.
    Wenn gerade so viel anderes passiert, sind Deine Gedanken einfach bei anderen Dingen. Kann man Chaos zeichnen und malen?
    Hach, vielleicht sollte man auch gemeinsam einen Kaffee trinken gehen oder nen guten Cocktail. ;-) Zumindest weiß ich, dass die Blockaden vorüber gehen und dann sprudelt es wieder. Ganz sicher!

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