Mittwoch, 19. März 2014

Hinter Gittern ( der wilde Süden)

Jedesmal wenn ich zu der U-Bahnstation Österreichischer Platz gehe und auf *meiner Seite* der Hochstätterstraße die Treppen runter humple bietet sich mir dieses Bild:


Ein Garten hinter Gittern. Ein verbotener Platz für mich, zwischen U-Bahnstationabgang und Hinterhöfen gelegen. Es ist mehr als nur ein Garten. Es ist ein Spielplatz. Allerdings ist es ein trauriger Spielplatz, verlassen. Kein Kind das auf einer Schaukel wippt, kein Kichern und hellauf begeistertes Kinderjubeln habe ich hier je gehört. Manchmal bleibe ich stehe und beobachte wie die Menschen an diesem Ort der Stille vorbeihasten und ihn keines Blickes würdigen. Am Wochenende sieht man im Bereich des Zauns des öfteren eine Pfütze Erbrochenes, an dem sich Tauben bedienen, und an den versteckteren Ecken riecht es unangenehm nach den Hinterlassenschaften pinkelfreudiger Nachtschwärmer.
Ein Schild weist darauf hin, dass man den Schlüssel für diesen Garten der Kinder in einem bestimmten Haus abholen kann, ein anderes auf die Öffnungszeit und ein drittes mahnt die *Haus*-Ordnung an.


Währenddessen träumt der kleine Platz vom Kinderlachen und Getrappel. Es ist fast so als würde man die Stimmchen hören, die da rufen *Fang mich doch!*, *Kriegst mich nicht!*. *Hab' dich!*.
Ob ich mein Kind hier spielen lassen würde? Als Blickobjekt für jeden Passanten? Wie kleine Äffchen mit ihrer Primatenmutter im Zoo, hinter Gittern?
Wohl kaum. So mag es den Müttern gehen, die diesen Spielplatz nicht nutzen. Ich kann sie sehr gut verstehen.
Dieser Spielplatz ist der traurigste Ort meines Viertel, nicht der hässlichste, nicht der lauteste, nicht der schlimmste, nicht der gefährlichste.
Nur der traurigste Spielplatz meiner Stadt.


Kommentare:

  1. Ja, dieser Spielplatz ist mir auch schonmal aufgefallen und schaffte es, in meinem Blog mit ein paar Worten bedacht zu werden. ;-)
    Nur damals war er noch "frei" nutzbar und man musste noch keinen Schlüssel irgendwo abholen... aber auch schon damals drängte sich mir der Vergleich mit einer JVA auf.
    http://www.liebstoeckelschuh.com/2010/07/auszeichnungswurdige-kinderspielplatze.html
    LG
    SvL

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    1. Ja, ich habe deinen Artikel gelesen - nachdem du mich darauf aufmerksam gemacht hast - und ich finde es - wieder einmal - witzig, dass uns, unabhängig voneinander, so etwas auffällt. Der Platz ist jetzt grüner, und ich bin manchmal etwas neidisch um das Eckchen grün, aber es ist doch echt wie im Zoo.
      LG

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  2. nun als Elternteil ist man bei so einem Hof zum Spielen etwas zweigeteilt, einerseits ist es natürlich super wenn der Garten bzw in einem geschützen Gebiet das gut abgetrennt ist befindet, anderseits kommt mir bei dem Gedanken hinter solchen Gittern Kinder spielen zu sehen eher direkt ein Bild aus einem Zoo in den Sinn. Ich bin ehrlich gesagt ganz froh das es hier dann doch etwas anders ausschaut und um umser Haus u Gelände nur eine kleine alte Mauer aus dem 18 Jahrhundert drum ist.

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  3. Schaut ja übel aus. Und dann noch das Ambiente drumherum! Lecker.
    Ich wäre mit meinen Kindern nicht dort hingegangen.
    LG
    Sabienes

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    1. Der Spielplatz an für sich ist eine nette, kleine Grünanlage, aber die Platzierung und das Ambiente ist komplett daneben. Ich habe da noch nie Kinder gesehen... da scheinen die anderen Mütter deiner Meinung zu sein.
      LG Marianne

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