Sonntag, 30. März 2014

Wie du mir, so ich dir? -Sonntagsgedanken 13/2014

Irgendwie kaute ich jetzt mehrere Tage auf dem virtuellen Bleistift herum und zermarterte mir meine analogen Gehirnzellen auf der Suche nach einem Thema für die Sonntagsgedanken.
Mir wollte einfach nichts einfallen, obwohl mir das tägliche Leben das Thema mit Gewalt unter die Nase rieb. Vielleicht habe ich deswegen ständig Niesattacken?

Während sich der Westen mit Putin anlegt und die Welt mit auf dem Pulverfass tanzt, sich Pro West und Pro Ost die Köpfe heiß reden und teilweise verbal einschlagen, bemerkte ich einige Unruhe in meinem Umfeld. Es betraf nicht mich persönlich - diesmal bin ich außen vor (der Göttin sei Dank, oder wem auch immer ich das zu verdanken habe), aber ich kenne es zur Genüge.
Missverständnisse durch Schweigen und Grübeln im dunklen Kämmerlein.
Wobei - nun eine Freundin kam mir auch mit einem Vorwurf, der mich aus der unsichtbaren Ecke traf, aber das war schnell geklärt. Ich bin nicht mehr bereit mir jedes Paar Schuhe anzuziehen das man mir hinstellt. Und die passten mir nun ganz und gar nicht. Ich fand den Vorwurf befremdlich, erinnert mich aber daran auch schon so gehandelt zu haben, deswegen hielt ich den Ball flach und versuchte mich in sie hinein zudenken.
Womit ich bei der Ursache des Übels bin:
Haben wir verlernt, uns erst einmal Gedanken darüber zu machen wie der andere zu irgendwelchen Schlussfolgerungen kommt? Haben wir verlernt uns selbst mal zu hinterfragen? Haben wir verlernt uns in den anderen hineinzuversetzen? Oder haben wir es nie gekonnt?
Oft neigt man (ja ich verallgemeinere jetzt einfach mal ganz gnadenlos) dazu, mit Unverständnis auf das Verhalten anderer zu reagieren, wenn es nicht unserem Schema entspricht. Wir sehen nur was uns *angetan* wird, was uns nervt und nehmen uns das Recht in unserer Art zu reagieren ohne darüber nachzudenken, wie unsere Reaktion bei der *Gegenseite* ankommt.
Wenn wir uns so verhalten können wir stunden-, tage- oder wochenlang miteinander reden, wir werden kaum verstehen was abläuft und unversöhnlich bleiben.
"Ich mag das nicht, wie die/der mit mir umgeht!"
Missverständnisse pflastern den Weg der Trennung. Ich beobachte gerade wie hoffnungsvolle Freundschaften daran zu zerbrechen drohen und stehe manchmal hilflos daneben.
In der Zwischenzeit weiß ich nämlich auch, wem ich die Augen öffnen kann ohne den Schädel eingeschlagen zu bekommen.
Zielorientiertes Verhalten ist schon im Job nicht leicht, aber bei Freundschaften, wenn Emotionen mit ins Spiel kommen, wird es fast unmöglich.
Der erste Schritt ist eine ehrliche Selbstreflexion. Nur zu reflektieren reicht eben nicht: manchmal steht uns unser Ego, wie ein Zerrspiegel auf dem Rummel, im Weg. Was natürlich wieder zu falschen Schlüssen führt.
Aber wie geht man dann damit um, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt?
Für mich habe ich da einen kleinen *Pfadfinder* entwickelt.
Der erste Schritt: dem anderen erst einmal keinen bösen Willen unterstellen.
Die Situation des anderen mit einbeziehen ist der zweite.
Den Charakter nicht vergessen: temperamentvolle Menschen klären so etwas direkt und heftig, aber der stille Typ?
Und dann ansprechen. Und so schwer es fällt: Ohne Vorwurf in der Stimme und wenn es auch noch schwerer fällt: dem anderen zuhören, ausreden lassen und das Ganze in Ruhe überdenken. Auch glauben, das was man hört. Nicht  urteilen, verurteilen.
Es passiert eben, dass es menschelt. Aber Freundschaften sind zu kostbar um sie wie Tempotaschentücher wegzuwerfen.
Bei dieser Angelegenheit geht es nur nebensächlich darum gut zu anderen zu sein, es geht in erster Linie darum gut zu sich selbst zu sein.

In diesem Sinne
geht behutsam mit euch und den anderen um.







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