Mittwoch, 30. April 2014

Süss und würzig - das Violas' (die hippe Mitte)



Kleine Läden sind meine Favoriten. Überschaubar und/aber eine Falle für jeden Geldbeutel. Kleinode nenne ich sie, die den Einheitsbrei der Ladenketten wohltuend unterbrechen. Nicht immer an erster Stelle, an den besten Plätzen, in den teuersten Lagen, nicht mit den größten Schaufenstern und den üppigsten Auslagen.
Aber mit viel Liebe zum Detail und Herzblut gestaltet, mit viel Eigeninitiatve und Kreativität.
Als ich am Schaufenster des Violas' vorbeischlenderte, dachte ich zuerst irgendwie an einen rosaroten Mädchen-(Alp)-Traum. Wenn nicht gerade eine Kundin begeistert aus dem kleinen Lädchen gestürmt wäre, mich anlachte und fröhlich rief: *Toller Laden, da müssen Sie reinschauen.* Das liess ich mir nicht zweimal sagen und ging sofort hinein.

Der erste Eindruck kann täuschen. Das Schaufenster hatte mir einen falschen Eindruck vermittelt. Innerhalb von Sekundenbruchteilen hätte ich meinen Wochenetat ausgeben können. Von süss, über salzig, scharf, nussig. Unglaublich. Kaugummis in Tennisballform, Zuckerbonbons, rot und herzförmig, pinkfarbenes Risotto, Olivenöle von mild bis herb, Nüsse jeder Art und Würzung. Gewürze aus allen exotischen Ecken der Welt......
Kurzum - ich war einfach mal überfordert und begeistert in einem.



Wenn man dann mal wieder aus dem ersten Staunen aufwacht, den Mund zuklappt und zur Besinnung kommt, wird einem bewusst in was für einem Gaumen-Paradis man gelandet ist. Und umklammert unbewusst die Geldbörse.


Wie wäre es einmal mit Spargel, Bärlauch- oder Pink Risotto? Alles mit natürlichen Zutaten. Das Pink Risotto wird mit Rote Beete Saft so herrlich mädchenhaft.
Ich habe auch etwas gefunden. Na gefunden habe ich eh viel, aber eigentlich wollte ich gar nichts kaufen. Erstanden habe ich Lutscher die mir eine Zeitreise bescherten. Als ich die Lutscher Freunden zeigte, kam ein mehrstimmiges *GEIL!* zurückgeschallt. *Haben die auch diese Figuren als Stiel?*, wollte jemand aufgeregt wissen. Ja haben sie. Mit was man Menschen glücklich machen kann.



Cashew Nüsse mit Sourcreme oder Dill und Chili. Pistazienkerne, Studentenfutter, Senfe.
Ich höre schon wieder Stimmen: Das gibt es auch woanders.
Mag sein. Oder auch nicht. Aber im Violas gibt es Dienstags und Donnerstags auch einen Mittagstisch. Den habe ich allerdings noch nicht getestet, werde ich aber einmal machen. Klingt nämlich gut- zur Auswahl stehen immer zwei kleine Menüs zu je 10€, eines davon vegetarisch/vegan.
Ein Blick in den kleinen Laden sich, die Mitarbeiter sind sehr nett. Das Stuttgarter Lädchen ist ein Ableger des Hamburger Violas'.
Ich werde da jetzt öfters vorbeischneien und mir etwas gönnen.


Und hier findet ihr das schmucke Lädchen:

Violas'
Neue Brücke 4
70173 Stuttgart





Dienstag, 29. April 2014

Stadtspaziergang

Als ich die letzten Tage des öfteren zu Fuß unterwegs war - endlich kann ich wieder einigermaßen laufen und nutze es bis zur nächsten OP - und einfach mal von den gewohnten, also den kürzesten, Wegen abwich, entdeckte ich unter anderem neue, kleine Läden. Auf die Frage an die Inhaber, seit wann sie denn schon da seien, kam teilweise: *1Jahr* -
*Ups*, dachte ich da nur. *Und du willst deine Stadt kennen?* Auweia - Stuttgart verändert sich gerade täglich.
Letzte Woche hatten wir strahlenden Sonnenschein und ich nutzte diese Tage, hatte immer meine kleine Kompaktkamera dabei und nahm mir etwas, was ich momentan in Überfluß so oder so habe: Zeit.
Diese Stadt verblüfft mich immer wieder und das Grün, dass unvermutet um die Ecke flutet, auch wenn einige Großmannsüchtige versuchen die Stadt in eine Glas-Stein-Konsumtempelstätte zu verwandeln.
Aber der alte Teil der Stadt trotzt einfach herum.
Mein Weg führte mich am lochigsten Platz der Welt vorbei: der Österreichischer Platz ist nicht mehr als ein Kreisverkeht um ein Loch herum gebaut, an einem neuen Gebäudekomplex vorbei, der eine wunderschöne alte Kirche fast komplett verdeckt, sie ist ins Eck gedrängt, zwischen der Paulinen-*Hoch*-Strasse, auf deren anderen Seite das neue *Gerber* in den Himmel wuchert und dem Caleido.
Ich biege ab und laufe am Karlsgymnasium (ein wunderschöner alter Bau, aber ich weiß nicht ob das die Schüler und Lehrer auch so sehen) vorbei und stehe vor dem ersten Grün der Karlshöhe.


Ich wechsle die Straßenseite und fange an zu zu fotografieren. Hier wuchert nicht der Beton, sondern hier rankt sich das Grün in alle Richtungen und lässt sich auch nicht von einer Mauer abhalten die Straße zu erobern. Es herrscht wenig Verkehr und man kann gefahrlos die Straßenseite wechseln.


Aber es geht bergauf. Mein weg wird die nächste halbe Stunde nur bergauf gehen. An dem hässlichen Allianzgebäude in der Reinsburgstrasse vorbei an den beinahe schönsten Altbauten stuttgarts vorbei. Ich bin mittlerweise in Stuttgart West angelangt und mein Auge kann sich gar nicht an den alten Gründerzeitbauten satt sehen. Man merkt kaum, dass man in einer Großstadt ist. Aber ich muss abbiegen und laufe auf die Rothebühlstrasse zu. Um diese Uhrzeit hat sich der Berufsverkehr schon in oder aus der Stadt gequält und die Anzahl der Autos ist mehr als übersichtlich, hier ein Bus, dort ein Müllauto.
Aber diese Kastanienbäume! Sie stehen in voller Blüte, die rosa und weiß blühenden Bäume sind abwechselnd gepflanzt und sind ein Augenschmaus.

eine Kastanienblüte aus der Nähe

Der Duft nach frisch gemähten Gras steigt mir in die Nase, am Feuersee wurden die Grünfächen gemäht. Irgendwie steigen Kindheitserinnerungen hoch.
An der roten Kapelle und beim Troll sind schon die Sonnenschirme aufgespannt und die Tische füllen sich mit hungrigen Menschen. Es ist bald Mittagszeit.
Aber ich laufe weiter, biege rechts ab und laufe den Hinweg einfach zurück und nehme mir wieder ein paar Minuten aus meinem Zeitsäckchen und betrachte die unglaubliche Schönheit der Blütenpracht an den sanften Hängen der Karlshöhe.


Ich liebe diese Stadt und auch sie zu erlaufen. Wenn man die Augen öffnet und nicht immer auf das Display seines Mobiltelefons starrt entdeckt man die Natur mitten in der Statd.


Montag, 28. April 2014

Das unbekannte Wesen

Jeder kennt es. Der Ausweis ist weg, man hat ihn verlegt oder er ist abgelaufen. Ich bin in der Beziehung eine *Schumpel* (badisch für schlampiges Mädchen), alles was kleiner als 7x10cm ist wird gnadenlos verbummelt.
Da stand ich einmal auf dem Landratsamt und wollte meinen neuen Reisepass abholen, den ich dringend brauchte, da ich nach Moskau auf eine Baustelle zum Arbeiten sollte. Der Reisepass war fertig und bezahlt. Und da blickten mich zwei strenge Beamtenäugelein an, kaum zu sehen hinter den zugekniffenen  Lidern und eine schnarrende Stimme erklang:
*Ha Se bekomme den nuar wenn d'Se den Alde bringed*.

Ihr könnt euch vorstellen wie ich dumm aus der Wäsche glotzte. Dann stritt ich mit dem Beamtenwesen eine halbe Stunde, gab auf, rief auf der Arbeit an und meldete, dass ich in *Mission imposible* unterwegs sei. So schnell war ich noch nie in meiner Wohnung. Und ich suchte. Und wie ich suchte. Nachdem ich fertig war mit dem Suchen, sah meine Behausung aus wie nach einem Einbruch bzw nach einer Hausdurchsuchung, aber ich hatte gefunden was ich suchte:
Meinen alten Reisepass. EINEN? Nein: ich hielt einen alten und 5 (!) vorübergehenden Pässe in der Hand. Die vorläufigen gelten ja nur ein Jahr.

Also zurück zum Amt, ich zu dem verkniffenen Wesen hinter der Theke: *Man bekommt doch den neuen Reispass, wenn man den Alten nicht abgibt!* und warf ihr die Pässe hin.
Unberührt lochte sie jeden einzelnen Pass und stempelte genüsslich die Seiten. Dann reichte sie sie mir zurück mit den Worten: *Ha no, Ordnung muass hald sei*, ich vergaß fast den neuen Pass mitzunehmen.
Innerlich musste ich grinsen. Vor einer schwäbischen Beamtenseele würde auch ein Tyrannosaurus Rex kapitulieren.

An diese Geschichte muss ich jedesmal denken, wenn ich auch nur an dem Landratsamt vorbeilaufe. In der Zwischenzeit habe ich, was Ämter angeht, eine Eselsgeduld. Manches verstehe ich nicht, rege mich aber nicht darüber auf, sondern lächle und bleibe freundlich. Was in den meisten Fällen zu einem positiven Ergebnis führt. Oder zumindest entlocke ich der, manchmal etwas steifen Beamtenseele, ein Lächeln.

Grundlegendes:
  • nie aufregen
  • gut vorbereiten
  • nie um eine (glaubwürdige) Ausrede verlegen sein
  • notfals alles selbst in die Hand nehmen
  • nie aufgeben
  • alles (zusätzlich) schriftlich machen
Dann klappt es meist auch mit dem unbekannten Wesen, dem Beamten.



Sonntag, 27. April 2014

Der kleinste gemeinsame Nenner - Sonntasgedanken 16/2014

Etwas sehr müde bin ich heute morgen, da die WG im vierten Stock solange laut abgefeiert hat bis irgendwelche Nachbarn die Polizei riefen. Zuerst klingelten mich Partygäste aus dem Bett, weil sie anscheinend nicht wussten wo sie läuten sollten, dann besagte Polizeibeamte, denen es wohl ebenso ging.
Ich war den letzteren dankbar, auch wenn ich sie nie gerufen hätte. Einschlafen konnte ich lange nicht, also lauschte ich zuerst dem prasselnden Regen und dann dem Morgenkonzert der Singvögel.
Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den WG-mitbewohnern und mir ist die Adresse. Das war es dann auch.
Würde ich mich mit ihnen verbünden, wenn es um ein gemeinsames Ziel ginge? Käme darauf an. Ich stand ja auch mit mir völlig unbekannten Menschen vor dem Stuttgarter Bahnhof und demonstrierte für dessen uneingeschränkten Erhalt.
Ich wusste nichts von politischer Färbung meiner Mitdemonstranten, Verflechtungen ect. Und nicht jedem Redner lauschte ich voller Hingabe. Mir trillerte auch einmal eine ältere Dame aufgebracht ins Ohr, weil ich nicht zuhörte. Es kam fast zum Handemenge, da mir fast das Trommelfell im Ohr herumflog. Als ich sie anschrie, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hätte, dass das Körperverletzun sei und ich sie anzeigen würde, flitzte sie wie ein junges Mädchen und tauchte in der Menge unter.
Irgendwann rief auch jemand aus der Menge: *Scheiß Juden!* Der stand aber ziemlich schnell alleine da.

Auf was ich hinaus möchte ist ganz einfach: Solange man ein gemeinsames Ziel hat und noch nichts über den anderen weiß, gibt es eigentlich keinen Grund NICHT miteinander auf die Straße zu stehen und für irgendetwas zu sein. Es ist eben der kleinste gemeinsame Nenner. Man lernt sie vielleicht langsam kennen. Entdeckt Dinge am anderen, die man selbst anders machen würde oder sieht, aber sie sind vielleicht noch tolerierbar.
Aber was macht man, wenn das was der Nebenmann von sich gibt, den eigenen Grundsätzen sogar entgegen steht? Jetzt wird es schwierig.
Weicht man die eigenen Grundsätze auf?
Im Moment beobachte ich die sogenannten Friedensdemonstrationen (Massenphänomene) und diskutiere mit Teilnehmern.
Ich stelle Fragen, die anscheinend einigen unangenehm sind. Die Reaktion darauf fällt ganz unterschiedlich aus.
A) Unverständnis für die Fragen
B) Abstreiten bestimmter Tatsachen
C) Ignorieren
D) Absprechen der Denkfähigkeit meinerseits
E) Beleidigungen jeglicher Art


Gegen das letztere habe ich mir schon lange ein dickes Fell wachsen lassen. Wer mitliest in den Foren kann sich dann seine eigene Meinung bilden. Mir wurde vor zwei Tagen gesagt, ich sei wohl zu lange im Geburtskanal stecken geblieben. Diese Person bezeichnet andere Menschen auch als Genmüll:
Als ich nachhakte, ob dass ihre Form von Diskussion sei, kam lapidar:
*Ich diskutiere mit dir nicht, ich mache mich über dich lustig, denn du bist eine Miesmacherin*:
Sehr argumentativ.

Diese Person ist - so sagt sie - für den Frieden. Ich auch. Würde ich neben ihr stehen, wenn ich das Erlebnis nicht gehabt hätte? Wahrscheinlich. Danach? Wahrscheinlich nicht. Denn der kleinste, gemeinsame Nenner reicht da eben nicht aus.
Man nennt mich Spalter deswegen.
Think about it.



Freitag, 25. April 2014

Harte Bandagen

Das Wahlkampffieber ist ausgebrochen, nun, noch nicht hoch, aber man merkt es schon.Und zwar an einigen unschönen Begleitumständen.
Es ist ja nicht nur Europawahl, sondern auch Kommunalwahl. Und in Stuttgart geht es wie immer darum die aufgerissenen Gräben in der Bevölkerung - unter anderem S21 - entweder zu überbrücken oder weiter auszudehnen.
Es stehen so viele Themen gar nicht zur Debatte - kommunaltechnisch gesehen - aber es ist ein Machtkampf um besondere Pfründe:
Die konservative Ecke will Terrain zurückerobern, dass die auf Landesebene verloren hat. Und bei der letzten OB Wahl zog ja auch noch ein Grüner, wenn auch knapp, ins Rathaus.
Die SPD steht in Stuttgart nicht wirklich gut da, die Landes- und Bundespolitik tun da schon ihres dazu.
Aber das man ihre Plakate zerfetzt, finde ich unter aller ***.


Das gibt es immer heisst es, das ist normal. Finde ich nicht. Für mich gehört ein respektvoller Umgang mit politisch Andersdenkenden und deren Arbeit dazu. Und ich weiß was Plakatieren bedeutet und was es kostet.
Mir doch egal, werden einige sagen, oder auch: aber das gilt für NPD Plakate nicht, oder?
Doch. Solange eine Partei nicht verboten ist kann sie wie alle anderen plakatieren, ob es nun einigen passt oder nicht.
Andere gehen da noch etwas mehr unter die Gürtellinie. Einer Bekannten wurde mit dem Finger auf die Motorhaube - sehr staubig - Kinderschänder geschrieben. Sie ist bei den Grünen. Es muss sich auch noch um einen Nachbarn gehandelt haben, denn es geschah in ihrem Wohnvierte und wer sonst sollte wissen, dass es das Auto einer Grünen ist?
Vor allem de Unterstellung, alle Grünenpolitiker, Mitglieder und Wähler seien Triebtäter. Wer denkt denn so einen Schwachsinn? Und ich bin noch nicht einma für diese Partei.
Überall sehe ich verklebte, heruntergerissene Plakate und denke mir im Stillen: Was soll das? Woher die Wut? Warum denn nicht miteinander diskutieren und das Beste für die Stadt zustande bringen?

Es war schon schlimmer: Vor der Lantagswahl 2011, der OB Wahl 2012.
Es wäre schön, wenn man es ALLEN Bürgern selbst überlassen würde, wen sie wählen wollen und nicht die Plakate anderer Parteien zerfetzt.




Sonntag, 20. April 2014

Glaubensfragen.

Es läuten die einen Glocken, die anderen verblühen. Lämmer, Hasen und Eier bangen um ihr Leben.
Es ostert. Es ostert seit kurz nach Weihnachten. Und alle östern mit. Wer beklagt sich denn schon über freie Tage? Wohl kaum einer, nur der, der sie nicht hat, der hat zu klagen. Am gestrigen Brückentag wurden wieder VerkäuferInnen in Grund und Boden gerannt. Nun denn.
Mit Glauben hat das wenig zu tun. Mit Kommerz schon.
Als Agnostiker beisse ich dem Schokohasen genüsslich seinen Kopf ab und denke über die heidnische Symbolik in der Christlichen Kirche nach. Und nicht nur über das.
Es gibt Menschen, die glauben an was auch immer und fühlen sich gut dabei. Finde ich klasse.
Es gibt aber aber auch Menschen, die glauben nicht an was auch immer und finden sich dabei auch gut. Finde ich auch klasse.
Bis hieher gar nicht so schwer zu verfolgen. Oder doch?
Alles wäre fein, wenn da nicht ein gewissses Anspruchsdenken wäre.
Ich zum Beispiel habe den Anspruch, dass man mir mit dem ganzen Kram vom Hals bleibt. Ich feiere zwar Weihnachten, aber nicht als christliches Fest, sondern weil ich Geschenke mag, der Baum ist ja auch ein heidnisches Symbol und Kerzen mag ich auch.
Ostern, mit seinen bunten Eiern (heidnisch) und Hasen (sehr heidnisch) finde ich lustig. Soweit so gut.
Was ich nicht so lustig finde, das der Staat mir vorschreibt, dass ich am Karfreitag gefälligst laute Musik und tanzen zu lassen hätte. Ach? Warum? Weil an dem Tag der Heilbringer einer religiösen Gemeinschaft gestorben sei. Nun bin ich in der christliche Kultur aufgewachsen und kann es ertragen, aber muss es nicht gut finden, dass eine Glaubensgemeinschaft einem ganzen Staat ihre Riten aufdrückt und der Staat auch das tut - per Gesetz.
Auch hier kann man anderer Meinung sein, nur hat Religion nichts im Gesetzbuch verloren, außer der Zusicherung, dass eben jeder seine Religion frei ausüben  darf. Jetzt gibt es das Gesetz und ich werde es kaum ändern, aber man diskutiert darüber. Mit wem? Natürlich mit den Vertretern dieser Glaubensgemeinschaft.
Singet und lobet den Herrn. Eben  nicht. Trauert und schweigt und stört unsere Andacht nicht.
Zum mitschreiben:
Ich, Agnostiker, sage: Feiert ihr euren Glauben wie ihr wollt, bekomme aber gesagt: Aber du musst an dem und dem Tag dich an unsere Riten halten, sonst fühlen wir uns gestört.
Mit dem Argument könnte ich jeden Sonntag sämtliche Glocken in der Gemeinde zum Schweigen bringen, die stören nämlich mich, meine Ruhe und Andacht. (In der Zwischenzeit höre ich sie nicht mehr, aber als ich neben einer Kirche wohnte war es buchstäblich die Hölle - an die ich nicht glaube.)
Aber das ist Geplänkel, das macht mir Spass, da locke ich denn den Gläubigen an und zanke und zicke ein wenig, wobei ich grinse, denn ich weiß im vorne herein: *Hier kommst du eh ned durch.*
Alles gut? Pustekuchen, denn schnell fallen solche Sätze wie:

".... weil du zwar deine Position verstehen möchtest, aber nicht unsere. Ich war lange genug Atheist, um deine Position zu verstehen, aber ich sage dir eines Marianne, ohne Gott ist das Leben traurig und einsam. Und das geht über Feiertage, Tanzen, Regeln, ect pp hinaus!"

Mein Leben ohne Gott ist also traurig und einsam. Aha.

Jemand anderen wurde geantwortet:

Wir sind kein sekularer Staat. Auch wenn es manche gerne hätten.
Und schade. Ohne Gott ist das Leben traurig und öde. Gott kennt keine Verbote. Ihr mischt einiges durcheinander. Es geht nicht nur darum, wie ihr leben möchtete, sondern auch wie wir als Christen leben möchten. Und wenn es euch Nichtchristen so schwer fällt, einen Tag auf etwas zu verzichten, ja was soll ich dann sagen? Das ist der Grund, warum die Welt so ist wie sie ist. Und das hat weder etwas mit Christ, Moslem oder sonst was zu tun, sondern einfach damit, dass die Menschheit nicht für andere Menschen auf etwas verzichten möchte. Schade, wie heisst es so schön, etwas weniger ich und viel mehr wir.... aber das ist nur die Theorie!



Ihr (alle nicht Christen) verzichtet, damit alle mehr haben. Okay. Aber auch hier: Ohne Gott ist das Leben traurig und öde. Gott kennt keine Verbote. (Das macht dann der Staat.) Und wir Nichtchristen sind mit unserem Verhalten Schuld daran, dass die Welt so ist wie sie ist. Aha. Das Böse ist klar lokalisiert.

Ich habe mich dann ausgeklinkt. Aber die Diskussion ging weiter:

Ihr sprecht von Toleranz, seid aber meiner Religion gegenüber intolerant. Ihr sprecht von Veränderungen, habt aber keine Beispiele wie das aussehen sollte (Einwurf von mir: stimmt nicht, haben wir eingebracht, aber die wurden schlichtweg ignoriert.) In einem Land, wo Gott überhaupt keine Rolle mehr spielt, möchte ich nicht leben. Ich bin froh um die ganzen Dinge, die wir haben und stelle fest, den Menschen hier geht es zu gut... man braucht Gott hier gar nicht, im Gegenteil, man ist Gott überdrüssig geworden. (Einwurf von mir: ich bin Gott nicht überdrüssig, ich *glaube* nur nicht an *ihn* .) Ganz traurig. Das hat mit Vielfalt und Toleranz überaupt gar nichts zu tun. Ich bin mit vielen Moslems  befreundet und die Art wie sie mir ihre Religion vorleben, hat mich beeindruckt. Sich gegenseitig unterstützen ohne Vorwürfe. (Einwurf von mir: Wer macht hier eigentlich wem Vorwürfe?)

Antwort einer Mitdiskutatin:
...Keiner hier ist intolerant! Im Gegenteil, man versucht zu erklären, das JEDER SO LEBEN SOLL WIE ER WILL. Du hingegen willst, dass WIR ALLE in einem christlichen Staat leben. Und Zum Staat gehören auch Atheisten, Buddhisten, Agnostiker, Hindu und und und sowie gemässigte Christen wie ich, die alle leben lässt wie er/sie es will. Jesus ist eine der coolsten Personen, seit Adam und Eva, der Liebe, Nächstenliebe und Frieden predigte und sagte, dass man andere lieben soll wie sich selbst. Christ zu sein ist net an Gott glauben, sondern Jesus' Wort zu leben. Dabei sind manche Nichtchristen größere Christen! In diesem Sinne, schönen Abend. 


Ich las, sah und staunte. Da stritten gerade zwei Christen.
Was mich an solchen Diskussionen immer abnervt ist die Tatsache, dass es da Leute gibt, die glauben zu wissen wie es mir geht, weil ich nicht an das glaube was sie glauben. Die es gar nicht in Betracht ziehen können, dass es anderen auf ihre Art auch gut geht. Das ist ziemlich anmaßend. Erstaunlich, dass vor allem Ex-Agnostiker das machen. Egal ob sie zum sich zum Christen oder Moselm oder was auch immer wandeln.
Es wird nie etwas, wenn man von sich auf andere schliesst. Deswegen spreche ich Gläubigen eben NICHT ab, dass sie glücklich sind mit dem was sie glauben. Und bei der ganzen Diskussion ging mir der Satz im Kopf herum: Die Message kommt nicht an.
Religion und deren Ausübung ist reine Privatsache.

Dicker Seufzer.





Samstag, 19. April 2014

Massenphänomene

Es ist Karsamstag, der Tag  ist grau, ich muss gleich los, Kabelbinder und Katzenfutter kaufen gehen. Eigentlich ist es ein Tag um im Bett zu bleiben. Und nach den gestrigen Diskussionen und Sichtungen auf FB würde ich das auch ganz gerne: Die Decke über den *Detz* ziehen und den ganzen Mist vergessen. Aber das geht nicht.

Der Reihe nach.

Der *sogenannte* Rechtsruck /Friedensdemos und Mahnwachen

Vorab: Nein, ich glaube nicht, dass jeder der zu den Mahnwachen geht automatisch rechts ist. Und vielleicht sollte man das Links-Rechts Schema hier nicht verwenden, einfach mal auf Abstand gehen und sich die Sache genauer ansehen.

Einige der Organisatoren der Friedensdemonstrationen sind auf jeden Fall nicht gerade zimperlich in der Wortwahl und ihren Aussagen. Unter anderen Ken Jebsen.
An dem Umgang mit den Kritikern (Feinden) erkennt man ganz gut, wessen Geistes Kind jemand ist. Geht man sachlich mit der Kritik um, oder stellt man sich sofort als Opfer dar und beleidigt die Gegenseite, versucht sie zu verniedlichen oder ins Lächerliche zu ziehen?
Habt mal diese Worte im Hinterkopf, wenn ihr dem K.J. zuhört und beobachtet die gefilmten Leute dabei.
K.J. über Jutta Dithfurt
Man muss Frau Dithfurt nicht gut finden, aber diese Art mit Kritikern umzugehen spricht Bände. Ich habe mir das Video mehrmals angesehen und jedesmal wurde es mir mulmiger.


Auch der Shitstorm, der sich auf den Seiten einiger Medien und einiger Kritiker von den Organisatoren der Montag-Demos,  austobte war nicht von schlechten Eltern. Es wimmelte von Spam-Kommentaren, Copy & Paste, und der selbe Kommentar tauchte in einem Kommentarstrang x-mal auf, und noch nicht einmal nur von einer  Person.
Es wimmelte auch hier von Beleidigungen, Diffamierungen der übelsten Art. Natürlich nicht von K.J. oder den anderen Organisatoren, sondern von deren Anhänger. Jetzt kann sich jeder etwas denken oder lassen.
Was teilweise auf Twitter geschrieben wird, von Jutta Ditfurths Kritikern reicht von den übelsten Beschimpfungen bis zur Holocaustverleugnung.
Kann man das den Organisatoren anlasten? Ja, denn sie schreiten nicht ein.
Den Menschen, die Friedensbewegt Montags zu den Demos und Mahnwachen strömen:
Ich glaube euch, das ihr für den Frieden seid, ich möchte euch nicht unterstellen antisemitisch und *rechts* zu sein. Ich möchte nur eins: seht euch an wer da zu euch spricht, hört den Klang der Worte und informiert euch etwas mehr über die, unter deren Schirm ihr euch scharrt.
Ich bin auch für den Frieden ect, aber ich werde mich hüten zusammen mit gewissen Menschen in einer Reihe zu stehen.
Der Feind meines Feindes ist nicht automatisch mein Freund.

Zum Schluss möchte ich euch noch einen Video *zeigen* und im Vorfeld Leander Sukov zitieren, der folgendes zu dem Video schrieb:

"Nur mit äußerstem Widerwillen poste ich diesen Link. Aber es ist nötig ihn zu posten.
Ich habe mich geirrt. Ich habe angenommen, andere als Ken Jebsen wären das eigentliche Problem der sogenannten Montagsdemonstrationen in Berlin und anderswo. Märholz, Elsässer, vielleicht. Ich habe leichtfertig und aufgrund mangelnder Informationen, also fehlender Einsicht, Jebsen für mich entschuldigt. Welch ein Fehler.
Was Ken Jebsen hier, insbesondere ab Minute 53:30, verbreitet ist ein tief sitzender Hass auf Juden. Wie er da sein intellektuelles Wasser auf den Opfern der Shoa abschlägt, ist nicht hinnehmbar. Ja, das ist, einen anderen Begriff habe ich dafür nicht, Antisemitismus. Verächtlich werden die Nachfahren, die Überlebenden selbst damit auch, zu Tätern gemacht und die Shoa, der millionenfache Mord an den Juden in Europa durch die deutschen Faschisten und ihre Helfershelfer als Knüppel genommen, um wiederum auf die Juden einzuprügeln. Widerwärtig und widerlich ist der Kreis der da von Jebsen gemalt wird. Ja, das ist Antisemitismus. Ja, Jebsen ist einer, der ihn verbreitet."


Das Video

Ich misstraue Menschen, die einfache Formeln bieten, Feindbilder zeichnen. Man kann natürlich jetzt behaupten: Du hast das doch auch mit deinem Artikel gemacht.
Hier entgegne ich:
Nein, ich habe euch nur Informationen geliefert und meine Meinung mitgeteilt. Ich habe nicht diffamiert, nicht beleidigt, nicht verniedlicht.


Freitag, 18. April 2014

An Tagen wie diesen - Karfreitag

Agnostiker. Ich glaube nicht an Gott, Jahwe, Allah. Ich diskutiere auch nicht mehr mit Gläubigen. Egal welcher Religion sie anhängen. Glauben hat auch nichts mit Vernunft zu tun.
Am ehesten kann ich mich mit den Grundströmungen des Bhuddismus anfreunden. Und das mir -ich komme aus einem kleinen, katholischen Örtchen, bin noch mit den Dogmen aufgewachsen, auch wenn es bei uns in der Familie freier war als in anderen. Alte Sozifamilie.
Nichts desto trotz ist heute Karfreitag. Und solche Feiertage sind gar nicht schlecht um zu reflektieren, fern ab vom Karfreitagsfisch und Ostermontagslamm. Ohne die ganzen Rituale.
Für einen Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, in der ja Religion und das andere getrennt laufen soll, beeinflusst die christliche Kirche ganz schön den Ablauf in diesem Land. Ja ja, wir leben in einem christlich geprägten Land. Aber sind wir doch mal ehrlich: die christlichen Feste sind doch schon längst zu Konsumschlachten und Freßorgien verkommen. Nicht das ich denke, dass es nicht wirklich gläubige Menschen gibt. Aber eben auf diese, wird von der Masse herabgesehen, die Nase gerümpft.
Mir ist es egal, welchen Glauben ein Mitmensch hat, solange dieser Glaube nicht die Kreise der anderen stören und/oder mit *Missionierungsgewalt* daher kommen.

Als ich schrieb, ich würde nicht glauben, habe ich nicht ganz die Wahrheit geschrieben. Ich glaube an das Gute. An die Liebe. An Freundschaft. Aber auch an die Existenz von negativen Gefühlen und auch deren Macht.
Misstrauen, Vorverurteilungen, üble Nachrede, Voreingenommenheit.
Aber ich glaube nicht an das Böse. Seltsam? Muss es nicht immer ein Gegenstück geben? Licht und Schatten, Ying und Yang, Gut und Böse?
Positiv und negativ.

Jeder von uns kennt das: geht man schlecht gelaunt aus dem Haus, dann geschehen meist unschöne Dinge, trägt man aber ein Lächeln in sich, und reagiert auf negative Begegnungen nicht, wird es meist ein guter Tag. Ich hatte gestern so ein Erlebnis. In einem meiner Lieblingsläden kramte ich herum, suchte eine Kleinigkeit mit der ich einen Gutschein einlösen konnte, wurde fündig und war am zahlen, als ich noch hübsche Bastkörbe entdeckte. Die Verkäuferin war aufmerksam und preiste die Ware an. Ich seufzte und verneinte mit den Worten: *Das kann ich momentan nicht leisten*, lachte aber und fügte hinzu: *Aber ich habe ja diese wunderschöne Porzelanschale*. Die Verkäuferin verschwand kurz hinter einem Vorhang und packte eine leuchtendgelbe Bastschale mit ein, lächelte, *es ist Ostern* und machte mich sprachlos. Ich fiel ihr spontan um den Hals.
Auf das *Warum?* kam: *Du lachst immer so herzlich.*

Nein, ich bin nicht immer gut drauf. Auch ich bin mal wütend, aufgebracht, traurig. Auch mal voreingenommen, ungerecht und lästerlich. Eine zeitlang muss ich eine furchtbar schwarze Wolke negativer Gefühle mit mir herumgetragen haben. Verletzt und schwach, desillusioniert.  Denn das ist die Ursache für das Unglück: Verletzungen an der Seele, des Ichs. Mein Glück: Ich traf Menschen, die mich auffingen. Und manche, die die richtigen, manchmal auch harte, Worte fanden. Es handelte sich hier um Menschen, die selbst einmal am schwarzen Loch in ihrem Sein fast zerbrachen, bzw am Abgrund standen und hineinsahen. Am Anfang verstand ich noch nicht, aber mit der Zeit klärte es sich. Wie ein Himmel nach einem Sommergewitter.

Es ist wie bei der selbsterfüllenden Prophezeiung: Man erhält was man erwartet. Ich dachte früher auch anders. Denkt man immer das Negative, dann geschieht es auch. Erwartet man von den Menschen das Schlimmste, dann geben sie es einem auch. Das ist keine Einbahnstraße. Merke ich, dass mir Menschen oder Geschehnisse nicht gut tun, versuche ich es zu lösen. Durch Rückzug oder auch durch Gespräche. Funktioniert nicht immer. Auch bei mir selbst nicht.
Aber: ich genieße die sich ausbreitende Zufriedenheit in mir. Und wünsche sie euch auch.







Donnerstag, 17. April 2014

Wahlkampf


Am 25.5.2014 finde sie statt, die Europawahl. Parallel dazu finden in einigen Gemeinden auch die Kommunalwahlen statt. Unter anderem in Stuttgart. Und da treten *die STAdTISTEN* zum erste mal an. Das Ganze ist für uns ganz schön aufregend - ja ich bin ja auch ein STAdTIST, ähm Genderalarm, eine STAdTISTIN.
Ich mochte das Wortspiel - Satist - Stadt- wer ist die Stadt? - Stadt = Stadtisten.
Natürlich bedeutet Stadtist sein mehr als nur ein Wortspiel. Zur Zeit bedeutet es viel Arbeit. Und das in Form von Plakate hängen.
Die Vorarbeit wurde von vielen fleißigen Leten geleistet: Entwürfe für Plakate, Flyer, Aufkeber, Ideen-Pools anlegen, Druckereien ausfindig machen, Spendengelder auftreiben, heiß geredete Köpfe und lange Abende, Drehtermine, Phototermine, Schneidearbeiten u.v.m.


Dabei ist es nicht gerade hilfreich, dass aus dem eigenen Freundeskreis, teilweise unangebrachte, Kritik auftaucht. Kritik an für sich ist immer erwünscht, es kommt nur darauf an wie.
Es gibt Menschen die uns uns vorwerfen, wir würden anderen Parteien Stimme wegnehmen - und auch eben den Parteien, die sie favorisieren . Das will ich doch schwer hoffen. Das is ja unser Ziel. Also *Stimmenfang*. Das nennt man auch Demokratie. Als ein Freund dann auf mich zukam uns sagte: "Das nehme ich euch wirklich übel, denn ihr splittert die *kleinen Gruppen* noch mehr auf", erschien über meinem  Kopf ein Fragezeichen. Wieso muss ich jemanden nicht wählen, den ich wählen will, um jemanden anderen nicht die Stimmen wegzunehmen?  Nun gut. Mit Gegenwind haben wir eh gerechnet und *friendly fire* gibt es immer.
Her mit den Nesseln, ich möchte mich reinsetzen.
Aber das sind Nebenschauplätze. Und ich weiß auch, dass sie es im Grunde nicht böse meinen.


Plakate sind immer noch das A und O des Wahlkampfes, und die hängen sich nicht von alleine. Und dann kamen die Plakate auch noch zu spät. Die anderen wahlkämpfenden Parteien schwärmten schon in der entsprechenden Nacht, um Null Uhr, aus, um die besten Plätze zu erwischen. Wir sind da jetzt etwas hintendran, haben aber unseren Spaß dabei. Ich hatte das Glück und die Ehre in einem kleinen roten Bus zusammen mit einem Mitstadtisten im wilden Süden zu plakatieren. D.h. ich reichte ihm die Plakate an, gab ihm Kommandos und die Kabelbinder, klugscheisste ein wenig herum und lachte viel.
Wir waren stolz wie Bolle als das erste Plakat hing. Mein Mitplakatierer kraxelte, teilweise unter lebensgefährlichen Bedingungen, irgendwo hoch, aber dafür überragte dann unser Plakat die anderen. Oder wir setzten unsere Bilder frech an die der anderen.
Wir hatten Spaß und auch nette Begegnungen: Die Frau eines FDP Kandidaten kam auf uns zu, weil wir über dem Konterfei ihres Mannes eines unserer Plakate montierten, als sie gerade mit ihrem Mini an uns vorrüberfuhr.  Sie hielt an und es wurde ein sehr freundliches Gespräch.
Wahlkampf kann Spaß machen.
Anders geht eben doch.


Mittwoch, 16. April 2014

0711 Souvenir Souvenir (die hippe Mitte)


Dass ich keine Shopping Malls mag, dürfte sich herum gesprochen haben. Ich favorisiere kleine Läden, egal ob es um Lebensmittel oder Schnickschnack geht. Natürlich nutze ich auch gerne Supermärkte, aber Shopping Center sind mit ein Graus. Aber ich schweife ab. Es geht um kleine Andenken aus der Hauptstadt der Schwaben. Jeder Württemberger weiß, das nullsiebenelf die Vorwahl dieses Metropölchens ist.


Anlaufstelle für wirklich witzige, stylische Mitbringsel, Andenken, kleine Geschenke für sich selbst, Postkarten, heimatverbundene Klamotten, ist das 0711.
Ich kenne den kleinen Laden noch aus den Zeiten, als er im Westen noch ein Geheimtip war. 0711 ist umgezogen und ist jetzt in der Nähe des Marktplatzes, wenn man von der Eberhardtstr Richtung Rathaus läuft, in der Nachbarschaft eines Sanitätshauses, eines Bäckers und eines, etwas angestaubten, Schuhgeschäftes.

Die Auslage animiert mich immer etwas Geld locker zu machen, allerdings hat dann meist der Laden geschlossen - ich komme oft nur vorbei, wenn ich auf dem Markt bin, und das mache ich früh morgens, bevor das Volk die Stände stürmt, vor allem jetzt, während der Spargelsaison, ist es empfehlenswert nicht nach halb zehn auf den Markt zu gehen - jedenfalls nicht, wenn man Spargel möchte.


Die 0711-Tasse muss ich mir unbedingt holen - wenn ich dann im Schwarzwald sitze und fern der Heimat meiner Wahl, die Schulbank drücke.
Hier findet ihr bestimmt etwas, und wenn es nur eine Postkarte ist. Über Post freut sich doch wohl jeder - außer über Rechnungen. Also los: Postkarten kaufen und schreiben, hopp hopp.






Dienstag, 15. April 2014

Saures Vergnügen

Rhabarber, Rhabarber
so sauer, dass mein Gesicht sich verzieht
in alle Himmelsrichtungen


Wenn sich in dem Garten meiner Eltern die Rharbarberblätter wie mächtige Schirme aus frischem Grün spannten, war eine der schönsten Jahreszeiten im Anmarsch:
Streusel-Obst-Kuchenzeit. Der Erdbeerkuchenzeit begann kurz danach. Aber der Rabarber war der Startschuß. Jedes Wochenende gab es ab jetzt, mit dem Obst der Saison, Streuselkuchen. Der Zwetschgendatschi meiner Mutter war legendär, aber ich liebte den Rarbarberkuchen. Die Mischung aus süß-sauer machte mich glücklich. Oder wir Mädchen bekamen ein kleines Einmachglas Zucker und eine Rarbarberstange in die Hände gedrückt und suchten uns ein ruhiges Plätzchen im Garten: abwechselnd wurde das Ende des Rabarbers in de Zucker ge“dunkt“ und dann in den Mund gesteckt. Wir zogen Grimasen, denn direkt nach der Süße des Zuckers kam die Säure der Pflanze. Hui, wie das zog. Wir kicherten und konnten doch nicht aufhören.

Rhabarber enthält sehr viel Oxalsäure, was zu Vergiftungserscheinungen führen kann, aber erst ab einer sehr hohen Dosis, allerdings befindet sich die Säure vor allem in den Blättern, die man nicht isst. Das Problem an der Oxalsäure ist eher, dass sie die Aufnahme von Eisen, Kalzium und Magnesium hemmt, weil sie mit diesen Mineralien Komplexe eingeht, die nicht wasserlöslich sind.

Wenn man ihn nur verbackt, tut man ihm Unrecht, dem Rabarber. Kaltschale, Kompott, Saftsschorle, egal wie, ich liebe ihn. Und einmal liebte ich ihn besonders: Wir wollten ein paar Stangen schneiden und als wir die Blätter zur Seite schoben, blickten wir in die aufgerissenen Augen kleiner Kätzchen und die Mutterkatze fauchte uns an. Das Fauchen war eine Mischung aus Angst, Wut und Mutterinstinkt. Ich muss nicht extra betonen, dass meine Eltern wenig begeistert waren, aber wir plötzlich mehrere Familienangehörige mehr hatten. Wir hatten immer Katzen oder haben zumindest Halbwildlinge mit durchgefüttert. Diese Wildlinge blieben bei uns, bis sie groß genug waren sich eigene Reviere zu suchen.

Rarbarber war lange vergessen, bzw man bekam ihn kaum in der Stadt. Und wenn, dann als Obstkuchen beim Bäcker. Jetzt wird er auch auch seit ein paar Jahren wieder in den Obsabteilungen der Supermärkte angeboten. Ich hole meinen aber lieber auf dem Markt, und es ist jedesmal wie eine kleine Zeitreise. Mit dem Rababer kommen die ersten Erdbeeren – auf dem Markt meist noch aus Italien, die ersten Deutschen mischen sich aber schon darunter. Nur ich habe Geduld. Ich warte. Bis sie Saison haben. Ich nehme mir selbst nicht die Freude auf etwas besonderes weg.

Und jetzt backe ich einen Kuchen, mit Rhababer und Streusel.

*schleck*

Sonntag, 13. April 2014

Ruhe - Sonntagsgedanken 15/2014

Wir sind immer erreichbar. Selbst wenn wir mit Freunden unterwegs sind, werden irgendwann die Smartphones es gezückt und Bilder des Erlebten sofort per Klick in die virtuelle Welt geschickt. Ohne Unterlass, über alle Altersgrenzen hinweg. Babys, Kleinkinder und Großeltern werden zwangsdigitalisiert, ob sie wollen oder nicht.
Ich bin nicht frei davon und gehöre wohl zu den Menschen, die extrem viel Zeit im Internet verbringen. Oder verbrachten. Was auch meinen Lebensumständen geschuldet ist/war. Sehr lange war ich einfach Krankheitbedingt an meine Wohnung gebunden.
Manche Menschen sind immer online, es scheint als gäbe es nichts schlimmeres als etwas virtuell zu verpassen

Aber wie am Samstag schon geschrieben, bin ich momentan eher Netzfrei. Ich kann nicht sagen, dass es mir schadet. Auch wenn ich nicht gerade zu den Zeitgenossen gehöre, die sich beim Spaziergang im Wald über das schlechte Netz beklagen, so besteht doch schon eine gewisse Abhängigkeit: schon für das Bloggen brauche ich das Internet, meine Fotografien bearbeite ich mit mit einem Onlineprogramm.
Aber um das Thema Internet geht es heute nur am Rande.
Wir leben in einer hektischen Zeit, im Zeitalter der Information. Ständig prasselt allerhand auf uns nieder. Egal ob im Supermarkt oder beim Kleidungschoppen, meistens dudelt irgendeine Easy-Listening-Musik auf uns ein. Zu hause läuft das Radio oder der Fernseher oder man hängt im Internet. Wenn das nicht ist, trifft man sich mit Freunden, oder putzt, oder macht den Garten, oder oder oder. Wenn man unterwegs ist, ist man oft schon wieder auf dem Sprung, wenn man gerade erst angekommen ist.
Natürlich verallgemeinere ich gerade sehr. Und viele werden jetzt sagen: das ist bei mir aber anders! Tatsächlich? Woher kommt denn das Wort:

Freizeitstress?!

Ich habe mir das ja auch nicht gerade eben aus den Fingern gesogen. In unserer Gesellschaft wird jeder einzelne so auf Leistung getrimmt, dass viele das mit in die Freizeit mitnehmen, aus Angst womöglich für faul gehalten zu werden, oder für eigenbrödlerisch.
Da wird Freitag nachmittags die Bude geputzt und poliert, der Supermarkt gestürmt, weil am Samstag ist man ja weder zum Brunchen verabredet, da hat man keine Zeit und der Sonntag ist auch schon vollgepfropft mit Sport, Spaß und Aktivität, kaum kommt man zum Ausschlafen. Sonntag Abend will man dann zu hause Tatort gucken, ein wenig entspannen, man ist ja vom Wochenende so geschafft. Unser Leben ist getaktet. Bis in die letzte Minute.

Wirklich?! Bestimmt nicht bei allen und bestimmt auch nicht so extrem,  und es ist auch nichts gegen eine ausgefülltes Leben einzuwenden. Nur kenne ich einfach zu viele Menschen, die überhaupt nicht mehr runterfahren können. Deren inneres Kraftwerk ständig auf Hochleistung fährt.
Sie träumen davon, sich ohne Buch und iPod auf eine Wiese zu werfen und mit offenen Augen den Wolken beim spielerischen Treiben zuzusehen. Aber sie können es nicht mehr, denn zuviel ist zu erledigen. Die Seele würden gerne baumeln, aber nicht am Galgen der Umtriebigkeit.
Sich auf dem Nachhauseweg - von wo man auch immer kommen mag - alleine in ein Café zu setzen, die Passanten betrachten, ohne Unterhaltung, ohne Buch, ohne Musik oder Zeitung. Wer kann das noch?
Einfach mal mit sich alleine sein, auch mitten unter anderen? Das Telefon ausschalten. Den Stecker ziehen, sich selbst die Seele kraulen. Mit sich selbst einmal ins Nichts gleiten. In die Stille des *Allein*Seins gleiten und sich selbst wieder hören.
Aufhören zu laufen, davonzulaufen, sich zuzuballern mit externen Reizen.
Erst einmal das Erlebte *verarbeiten*. Ich mag dieses Wort nicht, man verabeitet so viel, auch Fleisch und Wolle und und und. Umwandeln, das Erlebte umwandeln. Und nicht schon wieder auf dem Sprung sein, und das Morgen nicht erwarten können.

Auch ich war lange in diesem Laufrad. Und man hatte mir genau das gesagt. Aber ich habe es nicht verstanden. Es geht auch nicht darum Sonntags bis in die Puppen im Bett liegen zu bleiben.
Wenn an sich die Pausen des *Nichtstun* gönnt, sich diese Zeit zum reflektieren nimmt, entspannt man auf eine Art, die einem etwas ganz spezielles gibt: Eine gewisse Gelassenheit in Streßsituationen. Dazu gehören natürlich auch noch ganz andere Dinge und Faktoren, aber es ist schon enmal ein Anfang. Weniger ist oft mehr.

Wenn ich jetzt schreibe, zeichne oder male, läuft weder Musik noch etwas anderes. Wenn es die Temperaturen es zulassen, öffne  ich die Fenster und höre die Stimmen meiner Stadt. Das aufgeregte Gebrumme des Staubsaugers aus der Wohnung gegenüber, die vorbeifahrenden Autos, die Amsel, die verzweifelt versucht dagegen anzusingen. Kinderlachen perlt zwischen den Häuserwänden entlang und wird je vom kurzatmigen kläffen eines Hunde unterbrochen, meine Katzen maunzen oder schnarchen zu meinen Füßen.
Ich kann gut alleine bleiben und ich mag es ebenso wie wenn ich mit lieben Menschen zusammen bin.


 

Samstag, 12. April 2014

Disconnected

Ohne Netz und ohne Kabel.




Es war der zweite Tag (das war Freitag), an dem ich keine Internetverbindung hatte. Vor ein paar Monaten noch hätte ich mir die Haare gerauft und getobt. Jetzt sehe ich das Ganze mal wieder als Pause vom virtuellen Leben und nutzte die Zeit für andere, angenehme und unangenehme Dinge: Lesen und Papiere sortieren, Malen und Behördengänge erledigen. Träumen und grübeln. Alles hat seine Berechtigung und braucht seine Zeit.
Ohne Internet bedeutet in meinem Fall auch ohne Fernsehen und Festnetz. Ärgerlich, aber nicht weiter tragisch: immerhin kann ich mobil telefonieren, habe jede Menge DVDs und es soll ja auch noch Kinos geben.
Und das Wetter ist auch gut. Typisch aprilig, aber meistens trocken, fast zu trocken. Ich muss meinen Bambus täglich wässern. Er sieht ein wenig zerrupft aus. Und etwas vertrocknet. (Hüstel)
Das einzige was wirklich etwas ärgerlich ist: wenn ich einen Blogartikel schreiben möchte muss ich zu Dora. Nicht, dass ich nicht gerne meine Zeit bei Dora und Martin verbringen würde, Dora ist eh nie da und Martin ist ein angenemer, amüsanter Zeitgenosse, den ich sehr schätze und mag. Eigentlich macht es bei ihm sogar mehr Spaß als bei mir in der Wohnung. Und abends bin ich noch bei ihm versumpft, nachmittags half ich bei Filmaufnahmen als Tonmaus. Da meine beiden Pelzmäuse sich nur all zu gerne auf meinen Zeichnung breit machen flüchtete ich abends dann wieder zu Dora, um zu zeichnen. Ich war nicht alleine, Martin und Tine arbeiteten an Filmschnitt und Tondokumenten. Alles in einer entspannten Situation. Mit Pizza und Bier.
Und ich habe es doch tatsächlich geschafft das Bild *Dream on* fertig zu stellen:



Aber zurück zu Thema: Warum ich kein Internet habe ist mir immer noch nicht ganz klar, ob nun der Router spinnt oder etwas anderes der Grund ist – keine Ahnung. Interessiert mich als Kunde auch nicht. Ich zahle und die haben zu liefern. Falls die meinen sollten, dass es am Router liegen sollte (ich habe den von denen und er ist erst ein halbes Jahr alt und mein Kater Grey hat NICHT auf den Router gepinkelt) und somit mein Problem sei, dann gibt es Saures. Ich bin ein normaler User und kein PC Freak. Mein Wissen mit PCs beschränkt sich auf ein paar grundlegende Dinge: Ein-und ausschalten. Mehr nicht. Na ja, nicht ganz, aber da ziehe ich mich auf das Frauchen-Dasein zurück und jammere ganz gerne. 

Freitag, 11. April 2014

Veronika, der Lenz ist da.... Spargel!!!!

.... die Vöglein singen tralalala, so sangen die Comedian Harmonist und fügten ihrem Text noch allerlei zweideutige Dinge bei..... und der Spargel spriesst frivol. Um wohl kein anderes Gemüse werden solche derben Witze wie um den Spargel gemacht, erinnert es doch manche Zeitgenossen an etwas ganz anderes und mancher Mann zuckt zusammen, wenn seine Angebetete genüsslich die Spargelspitze abbeißt.  


Zum Frühling, dem Lenz, gehören für mich drei Dinge fast untrennbar zusammen.
Rabarber, Spargel und Erdbeeren. Genau in der Reihenfolge. Und für alle drei gilt: ich kaufe sie nur dann, wenn sie aus der Region sind und Saison haben.
Bleibt mir weg mit Obst, dass es auch bei uns gibt, oder Gemüse, aus Übersee. Europaweit, ja gerne, auch mal über's Mittelmeer, aber Spargel aus Peru? Nein Danke. Nichts gegen Peru, aber ihren Spargel dürfen sie selbst essen.


Wo kauft man aber den Spargel, wenn man nicht gerade einen Spargelbauern als Nachbar hat? Natürlich kann man den auch im Supermarkt kaufen, aber will man frische Ware haben sollte man seinen Hintern auf den Markt bewegen. Ich komme urspünglich aus einem Spargelanbangebiet, ich weiß was es bedeutet Spargel zu stechen, weiß wieviel Arbeit es macht, erkenne frischen Spargel und die Anzeichen, wenn sich diese Frische aus dem Staub macht.


Auch wenn ich jetzt in der Schwabenmetropole wohne und lebe so ist die Heimat im Frühling nicht weit.
Auf dem Wochenmarkt treiben sich nicht nur Bauern und Anbieter von den Fildern und dem Rems Murr Kreis herum, sondern auch die alt eingeschworenen *Feinde* aus dem Badischen.
Wenn man versucht mich deswegen zu ärgern, kontere ich immer: 1848 waren wir die letzten die die erste Demokratiebewegung verteidigt haben. Ob das so genau stimmt lasse ich einmal dahin gestellt. Es hört sich jedenfalls gut an. Aber Revoluzzer waren wir Badener schon von jeher, zwar nicht alle, aber immer wieder.
Wie mein Herz aufgeht, wenn ich den Spargelstand erspähe und meinen Heimatdialekt höre. Ich liebe Stuttgart, ich mag die Schwaben, aber Heimat ist Heimat.

Bruchsaler Spargel - eine Delikatesse, auch der Speyrer ist nicht zu verachten. In der Zwischenzeit gibt es auch Spargel für schäl-faule Mitmenschen. Der Küchenfertige: Einfach weiterverarbeiten.


Oder - auch etwas für schäl unwillige Zeitgenossen, der Grüne: Die Enden etwas kürzen und anschälen, dann - ab auf den Grill, oder was man damit machen möchte.


Oder der dicke Brummer, muss man zwar schälen, hat aber viel davon - und wenn man die Schalen auskocht hat man dies Basis für eine Spargelsuppe:


Meine Speiskarte für die nächsten sechs Wochen:

Stangenspargel mit Kartöffelchen
Spargelsalat mit gerösteten Brot
Grüner, gegrillter Spargel 
Pfannkuchen mit Spargelgemüse gefüllt
Spargelsuppe
Kartöffelchen mit Spargelgemüse
Gemischter Salat mit Spargelspitzen
und dann wieder alles von vorne ....

*schleck* (auch wenn das Pippi dann etwas streng riecht)





Dienstag, 8. April 2014

Raubtierdompteur und MitbewohnerIn gesucht

Während in den 70igern Wohngemeinschaften Hochkonjunktur hatten und dann auch fester Bestandteil vieler studentischer Aktivitäten wurden, erobert diese Wohnform in der Zwischenzeit alle Altersgruppen.
Gründe dafür gibt es unzählige. Der erste, und wahrsscheinlich gewichtigste, sind die, teilweise ins unermessliche, gestiegene Mieten in den Städten und den Einzuggsemeinden.
Im Stuttgarter Umland reicht die Nähe einer S-Bahn, um die Miete in die Höhe zu treiben. Das und dass immer mehr Menschen als Single leben, aber sich die Mieten für eine eigene wohnung nicht leisten können, oder eben nicht mit ihrem Partner zusammen ziehen möchten, fördert der Zuwachs an Wohngemeinschaften.

Weder ein finanzieller Notstand noch mein Singledasein haben mich genötigt mein zweites Zimmer auf dem Wohnnungsmarkt anzubieten, sondern der Umstand, dass ich ab Juli wieder die Schulbank drücken werde. Nur das diese Schulbamk im Schwarzwald steht und ich zwei Jahre von Montag bis Freitag im Internat leben werde. (Ich schrieb schon darüber: Hanni und Nani).


Alles kein Problem, wenn da nicht meine beiden bepelzten Mitbewohner wären. Wohin mit ihnen? Hergeben? Nein. Die zwei sind meine Babys, das haben sie nicht verdient und Grey ist auch schon ganz verstört, weil ich das eine Zimmer nach und nach leer räume.
Also was machen? Untervermieten! An eine/einen Katzenfreak wie mich.
Leichter gesagt wie getan, denn auch wenn wir uns nur an den Wochenenden sehen würden - es muss schon passen. Und ich musste auch meinen Vermieter noch herum bekommen. Zuerst wollte er nicht, da es eine Zweizimmerwohnung ist - zwar 75qm, aber nur die Küche als Gemeinschaftsraum?
Nun, nach etwas hin und her und einem herzerweichenden Bettelblick aus meinen blauen Augen, stimmte er zu.
Erste Hürde genommen.
Und nun? Ich setzte eine Suchanzeige in mehrere Facebook-Gruppen und auf meine Pinnwand bei FB. Und bekam viele, mehr oder weniger sympathische Zuschriften. Manchmal nur den Satz: *Hätte Interesse.*
Hm. Aber eine passende Mitbewohnerin, Katzennärrin wie ich, war trotzdem relativ schnell gefunden.

Was mich aber wirklich schockiert/e war und ist die Tatsache was in Stuttgart teilweise für ein WG-Zimmer verlangt wird. Bis zu 500€ für 13qm. Absurde Forderungen an Mieter: am Wochenende ist das Zimmer zu räumen. Zwar weiß ich, dass der Stuttgarter Wohnungsmarkt heiß umkämpft ist, aber das hatte ich nicht erwartet. Kein Wunder, dass mein Angebot: 300€ für 15qm incl Tele- und Internetflat und Nebenkosten, einschlug wie eine Bombe. Trotz der Katzen.
Die Mietpreise steigen seit Jahren, in manchen Vierteln (unter anderem in meinem geliebten Heusteigiertel) in astronomische Höhen. Ich nenne es unumwunden Wucher. Mir ist egal, was in anderen Städten die Wohnungen kosten, das ist auch Wucher. Warum die Politik nicht reagiert kann sich jeder selbst beantworten.







Sonntag, 6. April 2014

It's all about love Sonntagsgedanken 14/2014

Plakat der Bildungsplan-Gegner, es spiegelt NICHT meine Meinung zu diesem Thema wieder,
vor allem gibt es das Ziel des Bildungsplans in keinster weise korrekt wieder
 Normalerweise fällt mir das Schreiben leicht. Ich habe ein Thema, setze mich ans Laptop und tippe meine Gedanken auf das virtuelle Papier, lasse es meist Gegenlesen und gut. Es sprudelt mal mehr oder weniger witzig, schräg, ernst aus mir heraus. Es macht Spaß. Normalerweise.
Diesmal ist es anders. Seit gestern schiebe ich die Worte in meinem Kopf hin  und her, versuche das Erlebte so zusammenzufassen, dass nicht aus jedem Buchstaben der Zorn heraus bricht und das Ganze einigermaßen fair bleibt.
Das Thema ist kompakt. Es vermischen sich viel Dinge. Ich versuche es jetzt einfach.  

Welche Mehrheit wird denn diskriminiert?

In Baden-Württemberg wurde/wird der Bildungsplan zu 2015 so verändert, dass Toleranz gelehrt wird, im Rahmen der Sexualaufklärung. Es geht um sexuelle Vielfalt. Nennen wir es beim Namen: es geht um Hetero-, Homo,-Bisexualität, und vieles mehr. Es geht darum, den Kindern das Thema nahe zu bringen, dass die sexuelle Orientierung nichts schlimmes ist. Aufklärung bedeutet das Ausräumen von Vorurteilen und Mythen. Das regt mich NICHT auf. Ich wünschte die Aufklärung zu meiner Schulzeit wäre so gewesen...

Gegendemonstranten
Ich versuche zu verstehen warum dies manchen Menschen Angst macht und komme immer wieder zu den selben Schluss: Unwissenheit. Es ist wie mit allem Fremden: nur ein kleiner Teil der Gesellschaft findet es spannend Neues zu entdecken, der Rest hat Angst davor und auch vor Veränderung. 
Natürlich kann ich verstehen, dass man sich seinen Ängsten Luft machen möchte. Und ernst genommen werden möchte. Soweit so gut.

Ich fragte mich: was will dieses Schild mir sagen?
Was sich aber auf Stuttgarts Plätzen jetzt zum Thema Bildungsplan mehrmals abspielte macht mich sehr nachdenklich, zum Teil wirklich wütend und ich frage mich, ob die Beteiligten sich überhaupt wirklich mit dem Bildungsplan auseinander gesetzt haben. Aber ganz von Vorne.
Gestern trafen sich zum dritten mal "besorgte Eltern" in Stuttgart, diesmal vor dem Rathaus.
Ich wollte es selbst sehen und hören und mir ein Bild machen und ging zum Marktplatz, dem Ort der Demonstration. Die Polizei riegelte schon die Zugänge mit Hamburger Gittern ab und ich war überrascht über den Aufmarsch so vieler Bereitschaftspolizisten in voller Einsatzmontur.

Warum?
Ich  suchte mir ein Plätzchen und beobachtete wie sich der Platz füllte. Ein Drittel der Marktplatzes war dann besetzt, eifriger Helfer verteilten Luftballons in rosa und hellblau, Schilder in den gleichen Farben (bei denen sie allerdings Mühe hatten sie an den Mann bzw die Frau zu bringen) mit der Aufschrift: Demo für alle! (Ist ja im Grunde nicht verkehrt) und Flugblätter. Eines davon nahm ich an mich. Den Scan davon findet ihr am Ende des Artikels. 


Als die Ordner aufmarschieren beschlich mich ein wirklich ungutes Gefühl. Sie sahen eher nach Schlägern aus, denn wie normaler Demo-Ordner. Später erfuhr ich, dass die Polizei einen Mann bei den Ordnern entdeckt hatte, der schon bei Neonazi-Aufmärschen als Ordner dabei war. Ob und wie die Polizei handelte weiß ich leider nicht.  Ca 600 Menschen hatten sich eingefunden, als aber dann eine der Sprecherinnen davon sprach, dass sich die Teilnehmerzahl um mehrere 100% gesteigert hätte musste ich unfreiwillig loslachen. Übersteigertes Selbstwertgefühl nenne ich so etwas.
In der Zwischenzeit hatten sich Freunde und Bekannte von mir eingefunden. Und sie waren ebenso fassungslos wie ich, was dann von der Bühne herunter schallte und welche selbstgemacht Schilder hoch gehalten wurden.

Ist Aufklärung Manipulation? 
Manche skandierten: *Kinder brauchen Liebe, keinen Sex.* Wo das allerdings im Bildungsplan stehen soll, also das Kinder Sex haben sollen, können sie aber nicht sagen. Das steht da nämlich nicht. Der Verdacht keimt auf, dass die Damen und Herren den Bildungsplan gar nicht gelesen haben. Sie interpretieren es aber so.
Von Rufen wie *Schützt unser Kinder!* wurde nicht mehr so oft Gebrauch gemacht, weil sofort von Gegendemonstranten *Vor euch selbst!* zurückschallte.
Ein männlicher Demonstrant rief einer Gegendemonstrantin zu: *Geh heim und krieg' Kinder!". Dieser Satz alleine sagte mehr aus als eine lange Diskussion mit dieser Person. Ein überholtes, verstaubtes Rollenbild bricht (wieder) hervor. Frau, husch: in die Küche, an den Herd und ab ins Bett...

Gegendemonstranten 
Während sich bei einer der letzten Kundgebungen der  Bundestag-Politiker der CDU, Stefan Kaufmann, auf der Seite der Gegendemonstranten zeigte, und mit ihm unter anderen die Grünenpolitikerin Brigitte Lösch, haben diesmal ein weiterer CDU Politiker, aber auf Landesebene, mit einem Grußwort an die Bildungsgegner gewandt - Peter Hauk. Und mit ihm sein Kollege von der FDP, Hans Ulrich Rülke. Was wohl Herr Kaufmann zu seinem Parteikollegen sagen würde? Für mich sieht es aus, als würden die beiden Herren auf Stimmenfang gegen die Grünen gehen. 

Nach all den Rednern verstand ich immer noch nicht, warum diese Menschen solche Angst vor einem Teil des Bildungsplan haben. Homosexuell wird man nicht, man IST es. Es ist nicht heilbar, weil es keine Krankheit ist. Andersartigkeit bedeutet Vielfalt, keine Einschränkung. Das Ziel des Bildungsplans ist eine Ebene zu schaffen für Toleranz und Akzeptanz aller Menschen, egal welche sexuelle Orientierung sie haben, damit eben so etwas nicht mehr geschieht: Vorurteile gegenüber Menschen, die anders als man selbst sind. 

Es kommt nicht oft vor, dass ich die zehn Gebote zitiere: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Da steht nichts davon, dass der andere wie man selbst sein muss, um geliebt zu werden.

(Es hieß zu erst, es seien Knüppel bei einigen Demonstranten gefunden worden und ein Messer, aber das wurde wieder zurückgezogen, schlimm genug, dass Gegendemonstranten angespuckt wurden.)


Mehr zu dem Thema findet ihr auf der Webseite der Beobachter.

Der Flyer der Bildungsplan-Gegner (lesen auf eigene Gefahr):










Freitag, 4. April 2014

Der ewige Krieg

Zwar sieht sich der Mensch als der Gipfle die Krönung der Schöpfung, aber seine Regentschaft war schon immer bedroht. Wenn er nicht gerade dabei ist sich selbst in irgendeinem sinnlosen Gefecht sich gegenseitig umzubringen, so versucht er es tagtäglich im Straßenverkehr und auf sonst sehr vielfältige Art und Weise. Man könnte fast meinen die Menschheit sei mit dem Lemmingen verwandt, sie sich ja anscheinend alle paar Jahre in einer Massenhysterie die Klippen hinunterstürzen. Ansonsten sind das kleine possierliche Tierchen. Die Lemminge, nicht der Mensch.
Einzelne Menschen suchen die Konfrontation mit dem eigenen Ende auf andere drastische Weise:
Autorennen, Hochgebirgsklettern, Tiefseetauchen.
Dabei könnte uns jeden Tag der Himmel auf den Kopf fallen.
Aber das alles rottet uns nicht (unbedingt) aus. Auch unsere Art und Weise wie wir mit unserem Heimatplaneten umgehen wird uns vielleicht nicht den Garaus machen.
Es wird eher etwas anderes passieren.
Auch wenn die deutsche Hausfrau sich hektoliterweise mit Desinfektionsmittel eindeckt und jeder Staubflocke hinterher jagt (dieses Verhaten ist mir absolut fremd), so sind wir einer Gefahr ziemlich hilflos ausgeliefert. Und obwohl wir das wissen, gehen wir mit diesem Wissen sehr sorglos um:
Viren und Bakterien.
Die Pandemie 1918 hat mehr Tote gefordert als viele Kriege zusammen. Ein kleiner Virus lehrte die Menschheit das Fürchten. Im Mittelalter raffte die Pest halb Europa hinweg.
Das gemeine an Viren: sie mutieren, sie verändern sich ständig - kaum hat man ein Mittel, schon wirkt es nicht mehr. Siehe den gemeinen Schnupfen - man kann machen was man will, der dauert seine Woche, ob mit oder ohne Medikament.
Anders bei den Bakterien. Ihnen konnte man mit Antibiotika etwas entgegen halten - bis, ja bis der als zu sorglose Umgang damit die ersten *Stämme* resistent machten. Erst gegen ein Antibiotika, dann gegen mehrere. Multiresistent nennt man es. Und es könnte sich zu einer weiteren Katastrophe ausweiten. In Krankenhäusern sind die Keime gefürchtet -obwohl...
Obwohl es so einfach wäre: Heißes Putzwasser und konsequentes sauberhalten und desinfizieren. Aber hier menschelt es zu oft - was heißen soll, der Putztrieb wird vernachlässigt. Auch wenn Studien zeigen, dass gut geführte Krankenhäuser diese Probleme in Griff bekommen können.

Anstatt mit Antibiotika und Antivirenmittel auf die kleinen Übeltäter los zugehen haben findige Forscher etwas anderes entdeckt. Wir leben mit Bakterien. In unserem Darm spalten sie uns die Nahrung auf. Sie siedeln auf allen Schleimhäuten. Sie gehören zu unserem Immunsystem wie die weißen Killerzellen in uns. Sie sind die erste Barriere gegen feindliche Übernahmen. Wenn sie schwach sind klappt es nicht mit der Verteidigung. Dann brauchen sie Unterstützung. Nehmen wir Antibiotika, dann bekommen unsere eigenen Bakterien auch ein über den Detz gezogen. Friendly fire praktisch, statt sie zu unterstützen metzeln wir sie nieder.
Muss aber nicht. Es gibt jetzt Bakterien zu kaufen. Klingt lustig, ist aber so. Allerdings bekommt man sie nur auf Rezept. Man gurgelt mit der Lösung eine Minute oder sprüht sie sich in die Nase. Was dann passiert ist folgendes: Sie siedeln sich an und machen den Krankheitserregern den Platz streitig. Also praktisch eine feindliche Übernahme der feindlichen Übernahme. Oder Verstärkungstruppen. Wie man es auch nennen möchte - es funktioniert.
Eine gute Option wie ich finde. Ich mache das nämlich gerade. Und es funktioniert anscheinend ganz gut. (Aber das Zeug schmeckt so was von bääääh.)
Aber gute Medizin schmeckt bitter, sagte meine Oma immer.

Donnerstag, 3. April 2014

Fair teilen

Vielleicht kennt ihr das: Ihr habt mal wieder eine Vase geschenkt bekommen, die ihr nicht braucht, ihr habt ein älteres Küchengerät durch ein neueres, besseres ersetzt. Im Laufe der Jahre sammeln sich noch ganz andere Dinge an.
Wohin?
Okay, Sperrmüll anrufen. Schade aber, denn - hier geht alles in den Müll, was nicht findige Sucher schnell abgreifen.
Ebay. Auch ne Möglichkeit. Ich persönlich mag es (nicht) mehr. Schlechte Erfahrungen als Käufer und Verkäufer.
Verschenken? Manchmal gerne, aber manchmal möchte man dann doch noch eine Kleinigkeit dafür.
Flohmarkt: Alles hinschleppen, alles was man nicht verkauft wieder heim schleppen, den ganzen Tag rumstehen? Kann Spaß machen, man braucht aber ein Auto .....
Gibt es da noch etwas? Jepp. Im Internet gibt es verschiedene Plattformen, unter anderem der Kleiderkreisel.
Neu im Bunde ist folgende Plattform zwar nicht, aber sie macht sich auf die Socken. Der *Fair-Teiler*.
Der Begriff sagt es schon: Fair teilen. Hier kann man schenken, günstig verkaufen, abstauben, geschenkt bekommen. Bis jetzt war es *nur* eine Gruppe auf Facebook, die ich sehr gerne nutze, wenn ich etwas los werden möchte.
Der *Fair-Teiler* wird Facebook verlassen und eine eigene Webseite beziehen, wenn ihr Groundfounding klappt.
Die Idee und das Video findet ihr hier.

Es gibt jede Menge Facebookgruppen die sich mit dem Thema Wiederverkauf beschäftigen, es gibt da einige, die ich sehr gut finde.
Falls ihr auf Facebook seid, dann empfehle ich wärmsten: *Free your Stuff*, eine Gruppe in der nur verschenkt wird. Hier habe ich die nettesten Erfahrungen gemacht: jedesmal wenn ich etwas verschenkt habe bekam ich etwas zurück, obwohl man hier ohne Gegenleistung schenkt.


Dienstag, 1. April 2014

Grauer Städte Plätze

In Stuttgart gibt es viele Plätze. Wie sich ein Platz von einer unbeliebten, grauen, leeren Fläche an sonnigen Tagen zu einem Platz voll Leben und Quirligkeit entwickeln kann, ist der Marienplatz.
Hier lebt, lacht der Städter am Sonntag, auch wenn es kaum *Park* gibt, aber die Mischung macht es:
Eine wichtige Stadtbahnstation, Straßencafes, die Zacke (der bequemste Weg mit dem Fahrrad den Berg hochzukommen - per Bahn), Neu- und Altbauten, das Galao ist ums Eck, ein paar Schritte und man ist an der Karlshöhe.
Hier brodelt das sonntägliche Leben.
Andere Plätze in Stuttgart stehen noch vor dem Nirgendwo des Neubaus.


Sie laden nicht zum Verweilen ein, eher zum Durchhasten. Schnell weg.
Einer der Plätze, die seit Jahren um Anerkennung durch die Bevölkerung kämpfen ist der Pariser Platz. Früher gab es hier im Sommer immer die Stuttgarter Jazz Opens. Hier habe ich Lenny Kravitz live erleben dürfen. Da steppte der Bär und schwingten die Hüften. Zwar nur ein paar Tage und dann schlief der Platz wieder und träumte von seiner belebten Beliebtheit.
Aber das ist längst Vergangenheit.
Zu den Bankgebäuden ist ein Wohnhaus dazu gekommen - welches gar nicht so unschön zum Anschauen ist. Die Bewohner scheinen zufrieden. Vor ihren Balkonen erstreckt sich der schlafende, vereinsamte Platz, der nicht zum Verweilen einlädt.
Er scheint zu warten.
Auf Kinderlachen, Malkreide, Menschen die sich den Stufen niederlassen, die zu ihm führen.


Der Brunnen am Rand hatte am Sonntag kein Wasser und wirkte wie ein gestrandeter, rostiger Wal, der längst nicht mehr lebt.
Es gibt Menschen hier: aber sie überqueren den Platz und verschwinden zwischen den Bürogebäuden, deren Mauern kalt in den Himmel ragen.
Nur die Bänke des Burgerlokals an einer Seite des Platzes lädt zum Verweilen ein, aber dem Auge bietet sich nicht wirklich etwas zum Bestaunen, außer dem Essen. Mag sein, dass sich das ändert, wenn die Bäumchen am Rand etwas Grün und Schatten spenden werden. Ich wünsche es den Anwohnern.
Gestern wurde der Platz unverhofft belebt und bespielt, die Bewohner des Wohnhauses standen auf ihre Balkonen und betrachteten das bunte Treiben, das sich nach und nach einfand und dem Platz das gab, nach dem jeder Platz giert:
Leben.