Freitag, 18. April 2014

An Tagen wie diesen - Karfreitag

Agnostiker. Ich glaube nicht an Gott, Jahwe, Allah. Ich diskutiere auch nicht mehr mit Gläubigen. Egal welcher Religion sie anhängen. Glauben hat auch nichts mit Vernunft zu tun.
Am ehesten kann ich mich mit den Grundströmungen des Bhuddismus anfreunden. Und das mir -ich komme aus einem kleinen, katholischen Örtchen, bin noch mit den Dogmen aufgewachsen, auch wenn es bei uns in der Familie freier war als in anderen. Alte Sozifamilie.
Nichts desto trotz ist heute Karfreitag. Und solche Feiertage sind gar nicht schlecht um zu reflektieren, fern ab vom Karfreitagsfisch und Ostermontagslamm. Ohne die ganzen Rituale.
Für einen Staat wie die Bundesrepublik Deutschland, in der ja Religion und das andere getrennt laufen soll, beeinflusst die christliche Kirche ganz schön den Ablauf in diesem Land. Ja ja, wir leben in einem christlich geprägten Land. Aber sind wir doch mal ehrlich: die christlichen Feste sind doch schon längst zu Konsumschlachten und Freßorgien verkommen. Nicht das ich denke, dass es nicht wirklich gläubige Menschen gibt. Aber eben auf diese, wird von der Masse herabgesehen, die Nase gerümpft.
Mir ist es egal, welchen Glauben ein Mitmensch hat, solange dieser Glaube nicht die Kreise der anderen stören und/oder mit *Missionierungsgewalt* daher kommen.

Als ich schrieb, ich würde nicht glauben, habe ich nicht ganz die Wahrheit geschrieben. Ich glaube an das Gute. An die Liebe. An Freundschaft. Aber auch an die Existenz von negativen Gefühlen und auch deren Macht.
Misstrauen, Vorverurteilungen, üble Nachrede, Voreingenommenheit.
Aber ich glaube nicht an das Böse. Seltsam? Muss es nicht immer ein Gegenstück geben? Licht und Schatten, Ying und Yang, Gut und Böse?
Positiv und negativ.

Jeder von uns kennt das: geht man schlecht gelaunt aus dem Haus, dann geschehen meist unschöne Dinge, trägt man aber ein Lächeln in sich, und reagiert auf negative Begegnungen nicht, wird es meist ein guter Tag. Ich hatte gestern so ein Erlebnis. In einem meiner Lieblingsläden kramte ich herum, suchte eine Kleinigkeit mit der ich einen Gutschein einlösen konnte, wurde fündig und war am zahlen, als ich noch hübsche Bastkörbe entdeckte. Die Verkäuferin war aufmerksam und preiste die Ware an. Ich seufzte und verneinte mit den Worten: *Das kann ich momentan nicht leisten*, lachte aber und fügte hinzu: *Aber ich habe ja diese wunderschöne Porzelanschale*. Die Verkäuferin verschwand kurz hinter einem Vorhang und packte eine leuchtendgelbe Bastschale mit ein, lächelte, *es ist Ostern* und machte mich sprachlos. Ich fiel ihr spontan um den Hals.
Auf das *Warum?* kam: *Du lachst immer so herzlich.*

Nein, ich bin nicht immer gut drauf. Auch ich bin mal wütend, aufgebracht, traurig. Auch mal voreingenommen, ungerecht und lästerlich. Eine zeitlang muss ich eine furchtbar schwarze Wolke negativer Gefühle mit mir herumgetragen haben. Verletzt und schwach, desillusioniert.  Denn das ist die Ursache für das Unglück: Verletzungen an der Seele, des Ichs. Mein Glück: Ich traf Menschen, die mich auffingen. Und manche, die die richtigen, manchmal auch harte, Worte fanden. Es handelte sich hier um Menschen, die selbst einmal am schwarzen Loch in ihrem Sein fast zerbrachen, bzw am Abgrund standen und hineinsahen. Am Anfang verstand ich noch nicht, aber mit der Zeit klärte es sich. Wie ein Himmel nach einem Sommergewitter.

Es ist wie bei der selbsterfüllenden Prophezeiung: Man erhält was man erwartet. Ich dachte früher auch anders. Denkt man immer das Negative, dann geschieht es auch. Erwartet man von den Menschen das Schlimmste, dann geben sie es einem auch. Das ist keine Einbahnstraße. Merke ich, dass mir Menschen oder Geschehnisse nicht gut tun, versuche ich es zu lösen. Durch Rückzug oder auch durch Gespräche. Funktioniert nicht immer. Auch bei mir selbst nicht.
Aber: ich genieße die sich ausbreitende Zufriedenheit in mir. Und wünsche sie euch auch.







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