Sonntag, 27. April 2014

Der kleinste gemeinsame Nenner - Sonntasgedanken 16/2014

Etwas sehr müde bin ich heute morgen, da die WG im vierten Stock solange laut abgefeiert hat bis irgendwelche Nachbarn die Polizei riefen. Zuerst klingelten mich Partygäste aus dem Bett, weil sie anscheinend nicht wussten wo sie läuten sollten, dann besagte Polizeibeamte, denen es wohl ebenso ging.
Ich war den letzteren dankbar, auch wenn ich sie nie gerufen hätte. Einschlafen konnte ich lange nicht, also lauschte ich zuerst dem prasselnden Regen und dann dem Morgenkonzert der Singvögel.
Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen den WG-mitbewohnern und mir ist die Adresse. Das war es dann auch.
Würde ich mich mit ihnen verbünden, wenn es um ein gemeinsames Ziel ginge? Käme darauf an. Ich stand ja auch mit mir völlig unbekannten Menschen vor dem Stuttgarter Bahnhof und demonstrierte für dessen uneingeschränkten Erhalt.
Ich wusste nichts von politischer Färbung meiner Mitdemonstranten, Verflechtungen ect. Und nicht jedem Redner lauschte ich voller Hingabe. Mir trillerte auch einmal eine ältere Dame aufgebracht ins Ohr, weil ich nicht zuhörte. Es kam fast zum Handemenge, da mir fast das Trommelfell im Ohr herumflog. Als ich sie anschrie, ob sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank hätte, dass das Körperverletzun sei und ich sie anzeigen würde, flitzte sie wie ein junges Mädchen und tauchte in der Menge unter.
Irgendwann rief auch jemand aus der Menge: *Scheiß Juden!* Der stand aber ziemlich schnell alleine da.

Auf was ich hinaus möchte ist ganz einfach: Solange man ein gemeinsames Ziel hat und noch nichts über den anderen weiß, gibt es eigentlich keinen Grund NICHT miteinander auf die Straße zu stehen und für irgendetwas zu sein. Es ist eben der kleinste gemeinsame Nenner. Man lernt sie vielleicht langsam kennen. Entdeckt Dinge am anderen, die man selbst anders machen würde oder sieht, aber sie sind vielleicht noch tolerierbar.
Aber was macht man, wenn das was der Nebenmann von sich gibt, den eigenen Grundsätzen sogar entgegen steht? Jetzt wird es schwierig.
Weicht man die eigenen Grundsätze auf?
Im Moment beobachte ich die sogenannten Friedensdemonstrationen (Massenphänomene) und diskutiere mit Teilnehmern.
Ich stelle Fragen, die anscheinend einigen unangenehm sind. Die Reaktion darauf fällt ganz unterschiedlich aus.
A) Unverständnis für die Fragen
B) Abstreiten bestimmter Tatsachen
C) Ignorieren
D) Absprechen der Denkfähigkeit meinerseits
E) Beleidigungen jeglicher Art


Gegen das letztere habe ich mir schon lange ein dickes Fell wachsen lassen. Wer mitliest in den Foren kann sich dann seine eigene Meinung bilden. Mir wurde vor zwei Tagen gesagt, ich sei wohl zu lange im Geburtskanal stecken geblieben. Diese Person bezeichnet andere Menschen auch als Genmüll:
Als ich nachhakte, ob dass ihre Form von Diskussion sei, kam lapidar:
*Ich diskutiere mit dir nicht, ich mache mich über dich lustig, denn du bist eine Miesmacherin*:
Sehr argumentativ.

Diese Person ist - so sagt sie - für den Frieden. Ich auch. Würde ich neben ihr stehen, wenn ich das Erlebnis nicht gehabt hätte? Wahrscheinlich. Danach? Wahrscheinlich nicht. Denn der kleinste, gemeinsame Nenner reicht da eben nicht aus.
Man nennt mich Spalter deswegen.
Think about it.



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