Sonntag, 20. April 2014

Glaubensfragen.

Es läuten die einen Glocken, die anderen verblühen. Lämmer, Hasen und Eier bangen um ihr Leben.
Es ostert. Es ostert seit kurz nach Weihnachten. Und alle östern mit. Wer beklagt sich denn schon über freie Tage? Wohl kaum einer, nur der, der sie nicht hat, der hat zu klagen. Am gestrigen Brückentag wurden wieder VerkäuferInnen in Grund und Boden gerannt. Nun denn.
Mit Glauben hat das wenig zu tun. Mit Kommerz schon.
Als Agnostiker beisse ich dem Schokohasen genüsslich seinen Kopf ab und denke über die heidnische Symbolik in der Christlichen Kirche nach. Und nicht nur über das.
Es gibt Menschen, die glauben an was auch immer und fühlen sich gut dabei. Finde ich klasse.
Es gibt aber aber auch Menschen, die glauben nicht an was auch immer und finden sich dabei auch gut. Finde ich auch klasse.
Bis hieher gar nicht so schwer zu verfolgen. Oder doch?
Alles wäre fein, wenn da nicht ein gewissses Anspruchsdenken wäre.
Ich zum Beispiel habe den Anspruch, dass man mir mit dem ganzen Kram vom Hals bleibt. Ich feiere zwar Weihnachten, aber nicht als christliches Fest, sondern weil ich Geschenke mag, der Baum ist ja auch ein heidnisches Symbol und Kerzen mag ich auch.
Ostern, mit seinen bunten Eiern (heidnisch) und Hasen (sehr heidnisch) finde ich lustig. Soweit so gut.
Was ich nicht so lustig finde, das der Staat mir vorschreibt, dass ich am Karfreitag gefälligst laute Musik und tanzen zu lassen hätte. Ach? Warum? Weil an dem Tag der Heilbringer einer religiösen Gemeinschaft gestorben sei. Nun bin ich in der christliche Kultur aufgewachsen und kann es ertragen, aber muss es nicht gut finden, dass eine Glaubensgemeinschaft einem ganzen Staat ihre Riten aufdrückt und der Staat auch das tut - per Gesetz.
Auch hier kann man anderer Meinung sein, nur hat Religion nichts im Gesetzbuch verloren, außer der Zusicherung, dass eben jeder seine Religion frei ausüben  darf. Jetzt gibt es das Gesetz und ich werde es kaum ändern, aber man diskutiert darüber. Mit wem? Natürlich mit den Vertretern dieser Glaubensgemeinschaft.
Singet und lobet den Herrn. Eben  nicht. Trauert und schweigt und stört unsere Andacht nicht.
Zum mitschreiben:
Ich, Agnostiker, sage: Feiert ihr euren Glauben wie ihr wollt, bekomme aber gesagt: Aber du musst an dem und dem Tag dich an unsere Riten halten, sonst fühlen wir uns gestört.
Mit dem Argument könnte ich jeden Sonntag sämtliche Glocken in der Gemeinde zum Schweigen bringen, die stören nämlich mich, meine Ruhe und Andacht. (In der Zwischenzeit höre ich sie nicht mehr, aber als ich neben einer Kirche wohnte war es buchstäblich die Hölle - an die ich nicht glaube.)
Aber das ist Geplänkel, das macht mir Spass, da locke ich denn den Gläubigen an und zanke und zicke ein wenig, wobei ich grinse, denn ich weiß im vorne herein: *Hier kommst du eh ned durch.*
Alles gut? Pustekuchen, denn schnell fallen solche Sätze wie:

".... weil du zwar deine Position verstehen möchtest, aber nicht unsere. Ich war lange genug Atheist, um deine Position zu verstehen, aber ich sage dir eines Marianne, ohne Gott ist das Leben traurig und einsam. Und das geht über Feiertage, Tanzen, Regeln, ect pp hinaus!"

Mein Leben ohne Gott ist also traurig und einsam. Aha.

Jemand anderen wurde geantwortet:

Wir sind kein sekularer Staat. Auch wenn es manche gerne hätten.
Und schade. Ohne Gott ist das Leben traurig und öde. Gott kennt keine Verbote. Ihr mischt einiges durcheinander. Es geht nicht nur darum, wie ihr leben möchtete, sondern auch wie wir als Christen leben möchten. Und wenn es euch Nichtchristen so schwer fällt, einen Tag auf etwas zu verzichten, ja was soll ich dann sagen? Das ist der Grund, warum die Welt so ist wie sie ist. Und das hat weder etwas mit Christ, Moslem oder sonst was zu tun, sondern einfach damit, dass die Menschheit nicht für andere Menschen auf etwas verzichten möchte. Schade, wie heisst es so schön, etwas weniger ich und viel mehr wir.... aber das ist nur die Theorie!



Ihr (alle nicht Christen) verzichtet, damit alle mehr haben. Okay. Aber auch hier: Ohne Gott ist das Leben traurig und öde. Gott kennt keine Verbote. (Das macht dann der Staat.) Und wir Nichtchristen sind mit unserem Verhalten Schuld daran, dass die Welt so ist wie sie ist. Aha. Das Böse ist klar lokalisiert.

Ich habe mich dann ausgeklinkt. Aber die Diskussion ging weiter:

Ihr sprecht von Toleranz, seid aber meiner Religion gegenüber intolerant. Ihr sprecht von Veränderungen, habt aber keine Beispiele wie das aussehen sollte (Einwurf von mir: stimmt nicht, haben wir eingebracht, aber die wurden schlichtweg ignoriert.) In einem Land, wo Gott überhaupt keine Rolle mehr spielt, möchte ich nicht leben. Ich bin froh um die ganzen Dinge, die wir haben und stelle fest, den Menschen hier geht es zu gut... man braucht Gott hier gar nicht, im Gegenteil, man ist Gott überdrüssig geworden. (Einwurf von mir: ich bin Gott nicht überdrüssig, ich *glaube* nur nicht an *ihn* .) Ganz traurig. Das hat mit Vielfalt und Toleranz überaupt gar nichts zu tun. Ich bin mit vielen Moslems  befreundet und die Art wie sie mir ihre Religion vorleben, hat mich beeindruckt. Sich gegenseitig unterstützen ohne Vorwürfe. (Einwurf von mir: Wer macht hier eigentlich wem Vorwürfe?)

Antwort einer Mitdiskutatin:
...Keiner hier ist intolerant! Im Gegenteil, man versucht zu erklären, das JEDER SO LEBEN SOLL WIE ER WILL. Du hingegen willst, dass WIR ALLE in einem christlichen Staat leben. Und Zum Staat gehören auch Atheisten, Buddhisten, Agnostiker, Hindu und und und sowie gemässigte Christen wie ich, die alle leben lässt wie er/sie es will. Jesus ist eine der coolsten Personen, seit Adam und Eva, der Liebe, Nächstenliebe und Frieden predigte und sagte, dass man andere lieben soll wie sich selbst. Christ zu sein ist net an Gott glauben, sondern Jesus' Wort zu leben. Dabei sind manche Nichtchristen größere Christen! In diesem Sinne, schönen Abend. 


Ich las, sah und staunte. Da stritten gerade zwei Christen.
Was mich an solchen Diskussionen immer abnervt ist die Tatsache, dass es da Leute gibt, die glauben zu wissen wie es mir geht, weil ich nicht an das glaube was sie glauben. Die es gar nicht in Betracht ziehen können, dass es anderen auf ihre Art auch gut geht. Das ist ziemlich anmaßend. Erstaunlich, dass vor allem Ex-Agnostiker das machen. Egal ob sie zum sich zum Christen oder Moselm oder was auch immer wandeln.
Es wird nie etwas, wenn man von sich auf andere schliesst. Deswegen spreche ich Gläubigen eben NICHT ab, dass sie glücklich sind mit dem was sie glauben. Und bei der ganzen Diskussion ging mir der Satz im Kopf herum: Die Message kommt nicht an.
Religion und deren Ausübung ist reine Privatsache.

Dicker Seufzer.





1 Kommentar:

  1. Ich weiß nicht, ob ich Agnostikerin bin, aber auf jeden Fall bin ich keine Christin.
    Aber wenn die anderen meinen, dass man 2 "ruhige Tage" im Jahr brauchen kann (Allerheiligen und Karfreitag) dann kann ich damit leben. Es sehe das eher metaphysisch. Und ich will toleranter sein, als die andere Seite.
    Weiterhin viele leckere Osterhasen zum Kopf abbeißen!
    LG
    Sabienes

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