Dienstag, 1. April 2014

Grauer Städte Plätze

In Stuttgart gibt es viele Plätze. Wie sich ein Platz von einer unbeliebten, grauen, leeren Fläche an sonnigen Tagen zu einem Platz voll Leben und Quirligkeit entwickeln kann, ist der Marienplatz.
Hier lebt, lacht der Städter am Sonntag, auch wenn es kaum *Park* gibt, aber die Mischung macht es:
Eine wichtige Stadtbahnstation, Straßencafes, die Zacke (der bequemste Weg mit dem Fahrrad den Berg hochzukommen - per Bahn), Neu- und Altbauten, das Galao ist ums Eck, ein paar Schritte und man ist an der Karlshöhe.
Hier brodelt das sonntägliche Leben.
Andere Plätze in Stuttgart stehen noch vor dem Nirgendwo des Neubaus.


Sie laden nicht zum Verweilen ein, eher zum Durchhasten. Schnell weg.
Einer der Plätze, die seit Jahren um Anerkennung durch die Bevölkerung kämpfen ist der Pariser Platz. Früher gab es hier im Sommer immer die Stuttgarter Jazz Opens. Hier habe ich Lenny Kravitz live erleben dürfen. Da steppte der Bär und schwingten die Hüften. Zwar nur ein paar Tage und dann schlief der Platz wieder und träumte von seiner belebten Beliebtheit.
Aber das ist längst Vergangenheit.
Zu den Bankgebäuden ist ein Wohnhaus dazu gekommen - welches gar nicht so unschön zum Anschauen ist. Die Bewohner scheinen zufrieden. Vor ihren Balkonen erstreckt sich der schlafende, vereinsamte Platz, der nicht zum Verweilen einlädt.
Er scheint zu warten.
Auf Kinderlachen, Malkreide, Menschen die sich den Stufen niederlassen, die zu ihm führen.


Der Brunnen am Rand hatte am Sonntag kein Wasser und wirkte wie ein gestrandeter, rostiger Wal, der längst nicht mehr lebt.
Es gibt Menschen hier: aber sie überqueren den Platz und verschwinden zwischen den Bürogebäuden, deren Mauern kalt in den Himmel ragen.
Nur die Bänke des Burgerlokals an einer Seite des Platzes lädt zum Verweilen ein, aber dem Auge bietet sich nicht wirklich etwas zum Bestaunen, außer dem Essen. Mag sein, dass sich das ändert, wenn die Bäumchen am Rand etwas Grün und Schatten spenden werden. Ich wünsche es den Anwohnern.
Gestern wurde der Platz unverhofft belebt und bespielt, die Bewohner des Wohnhauses standen auf ihre Balkonen und betrachteten das bunte Treiben, das sich nach und nach einfand und dem Platz das gab, nach dem jeder Platz giert:
Leben.

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