Sonntag, 13. April 2014

Ruhe - Sonntagsgedanken 15/2014

Wir sind immer erreichbar. Selbst wenn wir mit Freunden unterwegs sind, werden irgendwann die Smartphones es gezückt und Bilder des Erlebten sofort per Klick in die virtuelle Welt geschickt. Ohne Unterlass, über alle Altersgrenzen hinweg. Babys, Kleinkinder und Großeltern werden zwangsdigitalisiert, ob sie wollen oder nicht.
Ich bin nicht frei davon und gehöre wohl zu den Menschen, die extrem viel Zeit im Internet verbringen. Oder verbrachten. Was auch meinen Lebensumständen geschuldet ist/war. Sehr lange war ich einfach Krankheitbedingt an meine Wohnung gebunden.
Manche Menschen sind immer online, es scheint als gäbe es nichts schlimmeres als etwas virtuell zu verpassen

Aber wie am Samstag schon geschrieben, bin ich momentan eher Netzfrei. Ich kann nicht sagen, dass es mir schadet. Auch wenn ich nicht gerade zu den Zeitgenossen gehöre, die sich beim Spaziergang im Wald über das schlechte Netz beklagen, so besteht doch schon eine gewisse Abhängigkeit: schon für das Bloggen brauche ich das Internet, meine Fotografien bearbeite ich mit mit einem Onlineprogramm.
Aber um das Thema Internet geht es heute nur am Rande.
Wir leben in einer hektischen Zeit, im Zeitalter der Information. Ständig prasselt allerhand auf uns nieder. Egal ob im Supermarkt oder beim Kleidungschoppen, meistens dudelt irgendeine Easy-Listening-Musik auf uns ein. Zu hause läuft das Radio oder der Fernseher oder man hängt im Internet. Wenn das nicht ist, trifft man sich mit Freunden, oder putzt, oder macht den Garten, oder oder oder. Wenn man unterwegs ist, ist man oft schon wieder auf dem Sprung, wenn man gerade erst angekommen ist.
Natürlich verallgemeinere ich gerade sehr. Und viele werden jetzt sagen: das ist bei mir aber anders! Tatsächlich? Woher kommt denn das Wort:

Freizeitstress?!

Ich habe mir das ja auch nicht gerade eben aus den Fingern gesogen. In unserer Gesellschaft wird jeder einzelne so auf Leistung getrimmt, dass viele das mit in die Freizeit mitnehmen, aus Angst womöglich für faul gehalten zu werden, oder für eigenbrödlerisch.
Da wird Freitag nachmittags die Bude geputzt und poliert, der Supermarkt gestürmt, weil am Samstag ist man ja weder zum Brunchen verabredet, da hat man keine Zeit und der Sonntag ist auch schon vollgepfropft mit Sport, Spaß und Aktivität, kaum kommt man zum Ausschlafen. Sonntag Abend will man dann zu hause Tatort gucken, ein wenig entspannen, man ist ja vom Wochenende so geschafft. Unser Leben ist getaktet. Bis in die letzte Minute.

Wirklich?! Bestimmt nicht bei allen und bestimmt auch nicht so extrem,  und es ist auch nichts gegen eine ausgefülltes Leben einzuwenden. Nur kenne ich einfach zu viele Menschen, die überhaupt nicht mehr runterfahren können. Deren inneres Kraftwerk ständig auf Hochleistung fährt.
Sie träumen davon, sich ohne Buch und iPod auf eine Wiese zu werfen und mit offenen Augen den Wolken beim spielerischen Treiben zuzusehen. Aber sie können es nicht mehr, denn zuviel ist zu erledigen. Die Seele würden gerne baumeln, aber nicht am Galgen der Umtriebigkeit.
Sich auf dem Nachhauseweg - von wo man auch immer kommen mag - alleine in ein Café zu setzen, die Passanten betrachten, ohne Unterhaltung, ohne Buch, ohne Musik oder Zeitung. Wer kann das noch?
Einfach mal mit sich alleine sein, auch mitten unter anderen? Das Telefon ausschalten. Den Stecker ziehen, sich selbst die Seele kraulen. Mit sich selbst einmal ins Nichts gleiten. In die Stille des *Allein*Seins gleiten und sich selbst wieder hören.
Aufhören zu laufen, davonzulaufen, sich zuzuballern mit externen Reizen.
Erst einmal das Erlebte *verarbeiten*. Ich mag dieses Wort nicht, man verabeitet so viel, auch Fleisch und Wolle und und und. Umwandeln, das Erlebte umwandeln. Und nicht schon wieder auf dem Sprung sein, und das Morgen nicht erwarten können.

Auch ich war lange in diesem Laufrad. Und man hatte mir genau das gesagt. Aber ich habe es nicht verstanden. Es geht auch nicht darum Sonntags bis in die Puppen im Bett liegen zu bleiben.
Wenn an sich die Pausen des *Nichtstun* gönnt, sich diese Zeit zum reflektieren nimmt, entspannt man auf eine Art, die einem etwas ganz spezielles gibt: Eine gewisse Gelassenheit in Streßsituationen. Dazu gehören natürlich auch noch ganz andere Dinge und Faktoren, aber es ist schon enmal ein Anfang. Weniger ist oft mehr.

Wenn ich jetzt schreibe, zeichne oder male, läuft weder Musik noch etwas anderes. Wenn es die Temperaturen es zulassen, öffne  ich die Fenster und höre die Stimmen meiner Stadt. Das aufgeregte Gebrumme des Staubsaugers aus der Wohnung gegenüber, die vorbeifahrenden Autos, die Amsel, die verzweifelt versucht dagegen anzusingen. Kinderlachen perlt zwischen den Häuserwänden entlang und wird je vom kurzatmigen kläffen eines Hunde unterbrochen, meine Katzen maunzen oder schnarchen zu meinen Füßen.
Ich kann gut alleine bleiben und ich mag es ebenso wie wenn ich mit lieben Menschen zusammen bin.


 

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