Dienstag, 15. April 2014

Saures Vergnügen

Rhabarber, Rhabarber
so sauer, dass mein Gesicht sich verzieht
in alle Himmelsrichtungen


Wenn sich in dem Garten meiner Eltern die Rharbarberblätter wie mächtige Schirme aus frischem Grün spannten, war eine der schönsten Jahreszeiten im Anmarsch:
Streusel-Obst-Kuchenzeit. Der Erdbeerkuchenzeit begann kurz danach. Aber der Rabarber war der Startschuß. Jedes Wochenende gab es ab jetzt, mit dem Obst der Saison, Streuselkuchen. Der Zwetschgendatschi meiner Mutter war legendär, aber ich liebte den Rarbarberkuchen. Die Mischung aus süß-sauer machte mich glücklich. Oder wir Mädchen bekamen ein kleines Einmachglas Zucker und eine Rarbarberstange in die Hände gedrückt und suchten uns ein ruhiges Plätzchen im Garten: abwechselnd wurde das Ende des Rabarbers in de Zucker ge“dunkt“ und dann in den Mund gesteckt. Wir zogen Grimasen, denn direkt nach der Süße des Zuckers kam die Säure der Pflanze. Hui, wie das zog. Wir kicherten und konnten doch nicht aufhören.

Rhabarber enthält sehr viel Oxalsäure, was zu Vergiftungserscheinungen führen kann, aber erst ab einer sehr hohen Dosis, allerdings befindet sich die Säure vor allem in den Blättern, die man nicht isst. Das Problem an der Oxalsäure ist eher, dass sie die Aufnahme von Eisen, Kalzium und Magnesium hemmt, weil sie mit diesen Mineralien Komplexe eingeht, die nicht wasserlöslich sind.

Wenn man ihn nur verbackt, tut man ihm Unrecht, dem Rabarber. Kaltschale, Kompott, Saftsschorle, egal wie, ich liebe ihn. Und einmal liebte ich ihn besonders: Wir wollten ein paar Stangen schneiden und als wir die Blätter zur Seite schoben, blickten wir in die aufgerissenen Augen kleiner Kätzchen und die Mutterkatze fauchte uns an. Das Fauchen war eine Mischung aus Angst, Wut und Mutterinstinkt. Ich muss nicht extra betonen, dass meine Eltern wenig begeistert waren, aber wir plötzlich mehrere Familienangehörige mehr hatten. Wir hatten immer Katzen oder haben zumindest Halbwildlinge mit durchgefüttert. Diese Wildlinge blieben bei uns, bis sie groß genug waren sich eigene Reviere zu suchen.

Rarbarber war lange vergessen, bzw man bekam ihn kaum in der Stadt. Und wenn, dann als Obstkuchen beim Bäcker. Jetzt wird er auch auch seit ein paar Jahren wieder in den Obsabteilungen der Supermärkte angeboten. Ich hole meinen aber lieber auf dem Markt, und es ist jedesmal wie eine kleine Zeitreise. Mit dem Rababer kommen die ersten Erdbeeren – auf dem Markt meist noch aus Italien, die ersten Deutschen mischen sich aber schon darunter. Nur ich habe Geduld. Ich warte. Bis sie Saison haben. Ich nehme mir selbst nicht die Freude auf etwas besonderes weg.

Und jetzt backe ich einen Kuchen, mit Rhababer und Streusel.

*schleck*

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