Mittwoch, 28. Mai 2014

TAPAS (Buchbesprechung)


Tapas sind etwas herrliches. Mit Freunden beim Spanier sitzen, den Tisch voll mit den kleinen Köstlichkeiten, ein Glas tiefroten Rioja dazu. Ein Traum! Und ein Alptraum, wenn die Rechnung kommt.
Abhilfe kann man allerdings leicht schaffen - indem man seine Freunde zu sich einlädt - die bringen den Wein mit und man selbst macht die Tapas. Oder alle zusammen machen die Tapas zusammen, trinken den Wein dabei schon leer und je leerer die Gläser, desto mehr lachen. Allerdings sehe ich dann für die Tapas schwarz. Die werden den Weg aus der Küche nicht mehr schaffen-

Aber wie kommt man an die Rezepte, vor allem wenn man kein Fleisch mag? Und sind die Rezepte dann authentisch? Sind sie schwer nachzumachen? Welches Öl sollte man kaufen?
Tapas sind auch nicht billig, wenn man sie zuhause macht, aber wer gute Qualität will..... sollte eben auch auf Qualität achten. Man kann bestimmte Zutaten auch nach und nach kaufen. Auch die Gewürze. Ich sehe meinen Gewürzschrank so oder so wie eine gut bestückte Bar.
Bücher über Tapas gibt es massig. Und auch über Fingerfood. Gerade über Fingerfood habe ich zig rum stehen. Ja rumstehen. Tolle Bilder, tolle Rezepte und ich mit gerauften Haaren. Hochglanzfotos machen noch kein gutes Kochbuch.

Als ich dann erfuhr, dass eine befreundete Food-Bloggerin ein Tapas Kochbuch veröffentlichen würde war für mich die Sache klar - das kaufst du! Sofort! -,denn die Rezepte, die sie auf ihrem Blog Kochbuch für Max und Moritz sind gut nachkochbar. Also habe ich mit das Buch gekauft, wenn sie im Oktober wieder in Stuttgart ist (sie lebt in Spanien) muss sie mir eine Widmung rein schreiben!

Zum Buch:
Was mir sehr sympathisch war/ist die Bergriffserklärung auf den ersten Seiten. Man lernt so ganz nebenbei noch ein klein wenig Spanisch und einiges über Gewürze und Öle.
Die Rezepte reichen von einfach bis raffiniert, sind gut zu verstehen und die Bilder lassen einen das Wasser im Mund zusammen laufen und machen Lust auf das Zuzubereiten.
Wer bei Tapa nur an solche Sachen wie Datteln im Speckmantel denkt - dem werden die Augen aufgehen und das Herz.
Teilweise sogar vegan, aber auch viel mit verschiedenen Käsesorten, manche so schlicht, aber überwältigend in der Kombination der Zutaten.

Das Buch erhaltet ihr in jeder Buchhandlung, falls die Buchhandlung es nicht vorrätig hat wird es euch über Nacht bestellt. Ihr wisst ja, Amazon ist bäh.

Margit Kunske
TAPAS VEGETARISCH
Gebunden, Hädecke Verlag
ISBN 978-3-7750-0666-8
ca 13€

Dienstag, 27. Mai 2014

Nachgeschlagen und gebohrt

Dieses Mal war es anders wählen zu gehen. Stand doch mein Name auf einer der 12 Listen, die für den Stuttgarter Gemeinderat antraten. Ich kann es gar nicht beschreiben wie ich mich fühlte.
Als wir im September 2013 uns in einer Feuerbacher Kellerwohnung trafen, uns teilweise zum erstenmal sahen, war mir nicht bewusst wie schnell, teilweise aufregend und aufwühlend alles werden würde. Die Idee zu den  Stadtisten entstand nicht erst in diesem Monat, aber sie wurde konkretisiert. Und wir basteln immer noch an ihr herum.
Bürgerplattform und Wählervereinigung.


Wir trafen oft auf Unverständnis (ich schrieb schon darüber)  und wurden hart in die Mangel genommen, weil wir uns weigerten Forderungen zu stellen. *Wir haben Haltung*, sagten wir und veröffentlichten ein Manifest.
*Wischiwaschi!*, *Blablabla*; *Drumherumgerede*!, schallte es aus verschiedenen Richtungen. Ich wunderte mich, aber es kratzte mich nicht wirklich. Wir diskutierten mit denjenigen, aber wer schon mal auf eine vorgefasste Meinung getroffen ist, weiß dass man da gleich mit einem Hammer versuchen kann ein Atom zu spalten.
Was mich wirklich traf, als eine Freundin in meiner Wohnung beim Anblick meines Stadtistenaufnähers fluchte *Scheiß Stadtisten!*. Ich bin auch Stadtistin und der mangelnde Respekt tat weh. Aber Frau lernt mit so etwas umzugehen.
Wir erhielten Unterstützung von mancher Seite, die mich überraschte. Und bekamen Prügel aus den *eigenen Reihen*. Wieso unterstützt ihr nicht die und die, wieso tretet ihr mit der vollen Anzahl an?

JA, WARUM DENN NICHT? Wir glauben an uns und die Ideen für die wir stehen. *Ihr schwächt die Links-Soziale!* Tja, Demokratie ist anscheinend doch eine schwierige Sache.
Na ja, irgendwann ignorierte ich die Anwürfe. Wer sich ständig wehrt hat nicht mehr die Kraft etwas -  auch etwas Neues - zu bewirken.
Sie Stadtisten werkelten auf sehr unterschiedlichen Baustellen, das *Oben drauf*, eine abgewandelte Form des *Suspended Coffe* wurde aus der Taufe gehoben, Plakate wurden entworfen, Filme gedreht über verschieden Projekte von Stuttgartern. Zum Beispiel über das Lastenfahrrad der Plattsalatinitiative, man *nahm platz*.
Die Filme könnt ihr auf der Homepage der Stadtisten ansehen.
Jeder der Lust hat kann bei uns mitmachen. Unsere Türe stehen offen. Auch parteiübergreifend.
Am Sonntag ging es dann zur Wahl und seitdem sind wir in heller Aufregung. Mit uns gingen Stuttgarter Studenten mit einer eigenen List an den Start. Und was soll ich sagen?
WIR SIND DRIN! Im Gemeinderat. Und mit uns auch (wahrscheinlich) die Studenten und auch die Piraten (sicher). Die Piraten und wir haben mit einem Minimalbudget von jeweils um die 3000 Euro den Wahlkampf bestritten. Die Studenten verzichteten komplett auf Plakate.
Und trotzdem sind wir alle *drin*.
Als ich die ersten Hochrechnungen las hatte ich feuchte Augen. Auch als mich kurz nach der Wahl Freunde anschrieben mit den Worte: Von mir hast du auch 3 Stimmen! So etwas macht sprachlos, stolz und rührt an.
Denn es ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis.
Denn das ist es: Ein Vertrauensvorschuss.
Gestern fingen wir an Plakate abzuhängen, bis zum 1.6.2014 müssen sie weg. Jemand von den Grünen hat für uns welche abgenommen, ich sammle die von den Grünen auch mit ein. Und als dann eine Stadtistin mir erzählte, dass ihr ein Mitglied einer anderen Partei gesagt hätte, er hätte sich welche gemobst, weil er sie so schön fand - da ging mir das Herz auf. Die Plakate zeigen keine Gesichter, schreien keine Forderungen in die Straßen, sondern sie fragen nach und regen zum Nachdenken an.


Wir wollen Ideengeber sein, zum Umdenken anstiften, auf das hören, was man uns zuflüstert.
Wir haben nur ein Mandat. Damit kann man keine Felsen versetzten. Aber man kann sich zusammenschliessen - für jeder Anfrage neu, für jeden Antrag.
Wir haben keinen Fraktionszwang.
Anders geht - eben doch.





Sonntag, 25. Mai 2014

Urnengang

Leutz, wenn man von Urnen spricht, denkt man am ehesten an die Asche seiner Lieben - oder an die Asche derer die man gerne von dannen ziehen sehen würde ums sie zu beerben.
Es gibt ja auch noch andere Urnen. Die Wahlurnen. Man verbrennt nicht die Wahlzettel, bevor man sie in das Behältnis wirft, aber sich manchmal die Finger, wenn man das *Falsche* wählt.
Aus der Sicht der einzelnen Parteien sind immer die anderen Parteien das Falsche. Aus der Sicht unzufriedener Bürger ist immer die Regierungspartei schuld, und deren Partner. Aus der Sicht der Regierung sind alle schuld, nur nicht sie selbst.
Politik eben.

Heute ist es wieder soweit. Urnengang. Wobei in manchen Ländern schon seit Freitag die Wahllokale geöffnet haben. (Lokal leitet sich hier nicht von Kneipe, sondern von Lokalität ab, obwohl der Kneipengang nach Kundgabe des Ergebnisses sehr beliebt ist).
In Holland zeichnet sich eine Wahlschlappe für die Rechten ab (yeah), mal sehen was bei uns passiert. Teile der deutschen Bevölkerung scheinen ja immer noch auf Parolen zu stehen. Nun ja, manche brauchen länger. um etwas zu begreifen. Oder sie begreifen es und finden es gut. Aber das ist nun mal Demokratie. Auch wenn es manchen von uns nicht passt und einen Würgereiz verpasst.

*Ich geh' nicht wählen, weil:
- das Ergebnis eh schon feststeht
- alle Politiker korrupt sind
- sich nie etwas ändert
- man gegen das System ist*

So was macht mich wütend und traurig zugleich. Das ist so als würdest du sagen:
*Mein Haus brennt, aber warum soll ich löschen? Es ändert eh nichts!*

Pustekuchen! WIR, die WÄHLER haben mehr Macht als uns bewusst ist und viele von uns nutzen sie nicht.
Sie bleiben zuhause und zetern, wegen falscher Entscheidungen der aktuellen Regierung. Aber sie tun nichts. Nehme ich den Vergleich zum brennenden Haus - klar habe ich die Wahl: Ich kann dabei zusehen wie es niederbrennt, sogar Benzin reinschütten, die Feuerwehr abhalten - oder ich kann versuchen selbst zu löschen, Hilfe zu holen, die Feuerwehr unterstützen.
Ich kann sogar selbst eine Feuerwehr danach gründen.

Was mir an vielen Nichtwählern stinkt ist die Tatenlosigkeit. Aber wie gesagt: es ist gutes Recht nicht zu wählen.
Wenn ich ehrlich bin, habe ich vor dem Ergebnis heute etwas Bammel, dass die Rechten Land gewinnen, dass in Stuttgart der Gemeinderat wieder konservativer wird.... Aber auch das ist Demokratie:
Die Mehrheit entscheidet.
Aber die Mehrheit heisst heute:
Der Nichtwähler.

Samstag, 24. Mai 2014

Zur Schnecke gemacht

Sommer. Sonne. Partyzeit. Grillpartys, Draußen-Sitz-Partys, bis spät in die Nacht Rum-Häng-Partys. Besteck und Geschirr mitschleppen ist mühsam und unpraktisch. Fingerfood ist eine gute Alternative, Serviette und gut ist.
Aber was, wenn man viel braucht und es schnell gehen soll, ach ja, und auch nicht so viel kosten darf?
Und was essen fast alle gerne? PIZZA!
Aber Pizza irgenwohin mitnehmen, ist auch schon wieder unpraktisch. Alternative: Das ganze zur Schnecke machen:


Im Prinzip ist es ganz einfach, so wie wenn man selbst Pizza macht - wer ganz faul ist oder bei dem es sehr schnell gehen muss, der kauft einen Fertigpizzateig.
Pro Blech braucht man 1 Grundrezept Pizzahefeteig, 1x Pizzasosse Grundrezept, diverse Gewürze.
Und hier ist eure Fanatsie gefragt. Warum nicht die Pizzasosse mit Chakalaka, oder frischer Pertersilie anreichern? Barbeque- oder Currysosse anrühren?
Glatte Petersilie ist aromatischer als krause. Pro Blech Portion packe ich einen Bund krause Pertersilie, kleingehackt, auf den Teig.



Den Pizzateig wird zu einem Rechteck ausgerollt, mit der Pizzasosse bestrichen und dann ordentlich mit dem gewünschten Gewürz *bestäubt*. Oder mit Petersielie oder anderen frischen Kräutern belegt. Wer will kann auch geriebenen Käse drüberstreuen. Dann das Ganze aufrollen, und in gleich grosse Stücke zerteilen:


Die Röllchen auf ein Backblechsetzen setzen und den Hefeteig etwas gehen lassen, im Backofen bei 180°C kross backen, ca 15 min. Ich nehme die mittlere Schiene und Umluft.
Je mehr Sosse, desto saftiger die Schnecken, weniger Sosse, höhere Temeratur und längeres backen = viel krosser und länger haltbar.




Sieht lecker aus? Ist es auch. Gestern habe ich vier Bleche gebacken und sie waren ratzfatz verputzt, und das nicht von mir.



Freitag, 23. Mai 2014

Neu im Regal

Morgens heisst es für die meisten von uns: Erst einmal einen Kaffee (oder Tee). Ich bin kein *Schwarz*-Trinker, war ich nie. Mein Bruder Hermann trank seinen Kaffe allerdings so:
Tintenschwarz, dick wie Teer und die halbe Zuckerpackung in der Tasse. Mir gruselte immer. Er vertrug aber keine Milch. Typische Lactoseintoleranz.
Wer es hat, weiß von was ich spreche: Krämpfe, Blähungen und üble Gerüche. Eher Kampfgasausdünstungen. Da kommen noch nicht einmal die Pupser meiner Kater mit, wenn sie mal wieder was naschen, was ihnen nicht gut tut.
Bei mir im Kühlschrank steht schon lange keine Milch mehr. Nicht, weil ich sie nicht vertrage. Das hat andere Gründe, in der Zwischenzeit vermisse ich sie auch nicht mehr. (Bei Käse ist das was ganz anderes.)
Meinen Kaffee habe ich schon immer karamelfarben und süß getrunken. Und mein Tee sieht ebenso aus. Ich trinke den Tee wie die Schotten: stark, hell und süß. Und das geht auch gut ohne Kuhmilch.
Zuerst probierte ich es mit Sojamilch. Der Geschmack störte mich weniger, aber das Ausflocken! So wie wenn man geronnen Milch im Kaffee hätte. *Schüttel*.
Es folgte Mandel-, Reis-, Mandel-, Haselnuss- und Hafermilch. Bei letzteren blieb ich hängen.
Mein Favorit:Hafer-Drink von Alnatura für ca 1,50€, danach folgen dicht auf die Sorten von Alpro und Kölln-Flocken (Smelk genannt) beide ca 2 Euro. Die Smelk hat den typischen, leicht bitteren Hafergeschmack im Abgang. Was mich aber im Kaffee nicht stört. 
Mandel- und Haselnussmilch ist mir einfach zu teuer.
Gestern, beim Einkaufen, waren die Haferdrinks im Supermarkt wieder einmal ausverkauft. Stinkig guckte ich auf die Unmengen an Milch- und Sojaprodukten und dachte mir: *Wer immer die Bestellung macht blickt es nicht!* Also Kaffee ohne Aufheller oder einen Riesenumweg auf dem Heimweg laufen?
Etwas verbissen suchte ich das Regal mit den Blicken ab und schaltete auf den Scannermodus um. Da fiel mein Blick zuerst auf auf eine neue Sorte Smelk:
Hafer-Mandeldrink. Und das für nur 1,99! Mandelmilch kostet meistens um die 3€. Wurde natürlich eingepackt. Und dann entdeckte ich noch einen Kokosdrink von Alpro.


Ich konnte es fast nicht abwarten beide zu testen.

Smelk Haferdrink:
Angenehm im Geschmack, der Hafercharakter bleibt erhalten, leichter Mandelgeschmack, etwas fetter als der reine Haferdink, aber wesentlich *unfetter* als Mandelmilch.
Klasse im Kaffee!
Kein Soja enthalten. Ca 170 kJ/100ml, Preis 2€/Liter

Alpro Kokosnuss:
Leichter Kokosnussgeschmack, etwas dünn, wasserig,
Wenn man auf Kokosnuss steht, dann auch für den Kaffee geeignet, ansonsten eher für Süßspeisen oder zum Backen.
Kein Soja enthalten, aber Reis, Ca 170 kJ/ml, 2,80€/Liter 

Fazit: Ich gebe dem Kölln-Hafer-Mandel-Drink den Vorzug. Preisleitungsverhältnis und Geschmack überzeugen.


Donnerstag, 22. Mai 2014

Geht wählen!


Die letzte Wahlkampfwoche ist angebrochen. Viele haben schon gewählt. Man spricht darüber. Diskutiert.Streitet. Und wartet.

Und dann gibt es solche Menschen, die behaupten, wählen bringe nichts.
Die offen zum Wahlboykott aufrufen.
Das System sei marode.
Wir seien dem System ausgeliefert. Alles fremdgesteuert.

?

Dann gibt es die anderen. Die schon immer eine bestimmte Partei gewählt haben. Und loyal sind. Oder einfach bequem. Oder abgestumpft. Gutgäubig. Uninformiert. Oder sie glauben einfach, dass bestimmte Parteien für bestimmte Werte stehen.

?

Und es gibt die, die einfache Lösungen bieten. Und den Schuldigen an der gegebenen Situation liefern. Sündenböcke sind wieder angesagt. Je nachdem, was es für eine Wahl ist, sind es die Banken, die Ausländer, die Sozialschmarotzer, Frauen, Homosexuelle, Minderheiten, die Grünen, die Schwarzen, die Roten, die Sozialen oder die Asozialen.

?

Programme? Nebensache. Von den Plakaten lächeln jede Menge Gesichter. Es springen einem Parolen an.
Versprechen.

?

Doch nicht wählen? Zu der größten Gruppe gehören und sich abgenervt, desillusioniert, resigniert oder uninteressiert abwenden und Party machen, sein Leben leben und fünfe gerade sein lassen?

NEIN!

Natürlich hat unser Demokratie-System Fehler. Und niemand hat behauptet das Demokratie einfach ist. Aber es liegt doch an uns etwas zu ändern. Wenn wir unzufrieden sind und immer und immer wieder auf die gleichen Versprechungen hereinfallen, meinen unsere Pflicht damit zu tun, alle paar Jahre einen Zettel in die Wahlurne zu werfen, nachdem wir nur die Plakate gelesen haben ... nun denn, dann ändert sich auch nichts.
Zumindest sollten wir die Programme lesen, nicht nur einer Quelle vertrauen. Und uns daran erinnern was uns vor der letzten Wahl versprochen wurde und was daraus wurde.

Was ich zum Beispiel am Kommunalwahlrecht schätze:
Man wählt Personen. Man kann bis zu drei Stimmern einer Person geben. Man kann parteiübergreifend Personen wählen.
Kumulieren und panaschieren.
Die Parteizugehörigkeit gibt die Grundrichtung bzw Haltung vor, aber man ist niht gezwungen den kompletten Haufen zu wählen.

Immer noch keine Lust zum Wählen? Nun, dann wählt man trotzdem. Und zwar die Seite, die man garantiert nicht wählen möchte. Ob das so eine gute Alternative ist?

Am Sonntag gilt es: Es tut nicht weh.
Meine Bitte: Geht wählen.

Dienstag, 20. Mai 2014

Stuttgart schönste Plätze - der Kursaal-Park (Bad Cannstatt)


Nun lebe ich schon seit über 20 Jahren in Stuttgart und bin immer wieder überrascht und überwältigt von der Schönheiten, die diese Stadt beherbergt. Auch wenn es einigen Großkopferten nachh Stahl, Glas und Beton giert, so gibt es Juwelen der besonderen Art zu bestaunen.
Gestern musste ich zum letzten mal in die Klinik, um die Wundklammern entfernen zu lassen. Weil das Wetter schön, das Bein schmerzfrei war und der Park um die Ecke lag marschierte ich vorsichtig los und wurde von einem üppigen Grün verschluckt.


Gewundene Wege, verwilderte Ecken, Aussichtplattformen, verschlungene Treppen wechseln sich mit freien Rasenflächen ab. Überall findet der müde Flaneur eine Bank die zum Rasten einlädt und manche gibt einen wunderbaren Blick über den Kursaal hinweg auf Stuttgart frei.



Der Kursaal wurde die letzten Jahre renoviert und der, lange im Dornröschenschlaf gelegene, Biergarten ist wieder erstanden. Eine kleine Minigolfanlage, unter dem Blätterdach alter Bäume, lädt selbst an heißen Tagen zu einlochen ein.
Es war früh am Montag, erst halb zehn, aber sehr sonnig und irgendwie schien der kleine Golfplatz vom Kinderlachen zu träumen.


Vor dem Baugrubenbegin und Rhodung des unteren Schlossgarten saßen wir oft in dem dort angesiedelten Biergarten. Aber wer sitzt schon gerne neben einer Großbaustelle und einem *Grundwassermanagement*? Begeisterte Bob der Baumeister Fans. Für die anderen  gibt es wieder eine sehr schöne Alternative.


Am unteren Ende des Aufstiegs ist es eine kleine, heile Welt. Darüber auch. im Gebüsch und auf dem Mauerwerk rascheln Eidechsen im Efeu, das Gezwitschere verschiedener Vogelarten übertönt den fernen Straßenlärm und je weiter man in den Park hineinwandert, desto mehr verzaubert die Atmosphäre.
Man sieht praktisch die Bürger der Jahrhundertwende über die Wege wandeln. Der Park scheint um diese Zeit noch nicht ganz erwacht. Die Hänge sind efeuüberwuchert und dicht an dicht drängt sich Gebüsch, dessen meist weiße Blütenpracht vor dem grünen Hintergrund gut zur Geltung kommt. Aber das ändert sih je nach Jahreszeit.

Ich war zum ersten Mal hier, aber nicht zum letzten Mal.

-enjoy

Sonntag, 18. Mai 2014

Europa und die Städte

Europa erlag Zeus, der ihr in der Gestalt eines Stiers den Hof machte..... Was dabei raus kam, weiß ich nicht. Seinem Kopf entsprang ja Athene. Athene, die kriegerische.



Wenn wir uns von den Sagenwelten der alten Griechen der heutigen Geschichte zuwenden, dann stellen wir fest: huch nächstes Woche ist ja Wahl. Europawahl. Und Kommunalwahl. Und da entspringt manchem Kopf auch so einiges. Leider keine Athene. Aber jede Menge Mist. Da möchte man sich die Haare raufen.
Zur Europawahl ist zu sagen: Ich werde keiner Partei meine Stimme geben die das Freihandelsabkommen mit den USA unterstützt und keiner rechtspopulistischen Partei.
Das schränkt die Auswahl - für mich - massiv ein. Und das ist - für mich - auch gut so.
Aber es zieht etwas auf am Horizont. Und das, was da aufzieht, wird unterschätzt. Dabei begnet es uns jeden Tag, in Form von Plakaten, von Wahlwerbespots, in Interviews und am Stammtisch, am Kiosk, beim Bäcker.
Es werden wieder Schuldige gesucht, Sündenböcke. Und die werden einem dann gleich aufgezeigt:
  • Sozialschmarotzer aus anderen Ländern (Stichwort Sinti und Roma)
  • andere europäische Länder (Griechenland ganz vorne)
  • das Großkapital
  • die Großbanken ( hier wird gerne von der zionistischen Weltverschwörung fabuliert)
Wenn man sich auf Diskussionen einlässt, kommt man auch mit Fakten nicht sehr weit, die werden als Meinungsmache der Mainstreammedien, die gleichgeschaltet sein sollen, abgetan. Man möchte sich die Haare raufen und mit den Füssen aufstampfen, aber das würde auch nichts helfen.
Auch in meinem Bekanntenkreis gewinnt die AfD an Boden - was mich schlichtweg entsetzt. Arbeiten die doch teilweise mit grenzwertigen Mitteln. Man muss praktisch ständig Beweise über deren Verhalten dabei haben, um es ihren Anhängern unter die Nase reiben zu können.
Wer sich für den Rechtsruck Europas interessiert, dem empfehle ich folgende Sendung : Politiktalk auf Phönix, leider ist dazugehörige Sendung noch nicht in der Mediathek.

Auch bei den Kommunalwahlen werden es die Populisten schaffen an Boden zu gewinnen. In Stuttgart wird es aber aus einem bestimmten Grund spannend: Wie werden die Grünen abschneiden?
Wir haben in Baden-Württemberg seit 2011 eine grüne Landesregierung, sogar einen grünen Oberbürgermeister seit der letzten Wahl, im Rathaus gibt es eine knappe Mehrheit für Grüne und SÖS/die Linke. Aber es  brodelt. Viele, die 2011 grün gewählt haben, unter anderem wegen den Aussagen der Grünen zu S21 -bzw gegen S21 - sind massiv enttäuscht. Das war auch schon so, als der OB gewählt wurde. Aber da haben die Stuttgarter sich gegen einen Turner entschieden, und die Auswahl war nicht wirklich prickelnd.
Was mich die letzten Wochen bei den Grünen etwas annervte, war der Ton gegen die Linken auf Bundesebene. Statt gemeinsam mit den Linken die Opposition, die es eh schon schwer hat, etwas stärker auftreten zu lassen, zickt man bei jeder Gelegenheit herum.
Nächsten Sonntag gilt es. Das Kommunalwahlrecht ist etwas  kompliziert, aber dazu gibt es einen super Erklärvideo.  Es geht um's Panaschieren und Listen wählen. Wer sich nicht wirklich mit den Parteien auskennt kann ja auch einen Wahlomaten befragen.
Zwar wusste ich schon was ich in Stuttgart machen werde, aber habe den Wahlomat genutzt und  - huch - was für eine Überraschung: es kam genau das raus, was ich eh wählen wollte.
Für Europa sah es etwas anderes aus. Was mich wiederum überraschte, aber nicht negativ. Ich muss mir mal die Wahlprognosen reinziehen.

Also: Nichtwählen gilt nicht! Denkt dran: die Stimmen die ihre nicht abgebt gehen an die Partei, die ihr gar nicht mögt.
Ran an die Urnen!


Donnerstag, 15. Mai 2014

Das freche Vögelchen



Seit Jahren nisten Rotschwänzchen über meinem Küchenfenster. Als ich es zum erstenmal bemerkte, erschrak ich fast zu Tode, weil ein schwarzer Schatten vor meinem Küchenfenster in die Tiefe raste. Tage später kam zu dem Tschak-Tschak-Tschak-Gezetere der Elternvögel das Futtergezirpse der Kleinen im Nest hinzu.
Viele wissen ja nicht, dass das Rotschwänzchen eine bedrohte Vogelart sind. Unauffällige, kleine, braune Winzlinge und ich bin froh, dass sie die Mauerspalte im Haus als Nest annehmen.
Letztes Jahr haben meine Kater die beiden Elternvögel so verschreckt, dass sie das Weite suchten, aber dieses Jahr ist es anders und sie nisten wieder. Während eines der Elterntiere die Kater ablenkt - die am Fenster fast durchdrehen und keckern, sucht das andere Vögelchen auf dem begrünten Garagendach des Nachbarhauses nach Futter für den Nachwuchs.


Gut getarnt, aber lautstark. Da erste was ich morgens höre ist das Gezirpe, auch abends in der Dämmerung höre ich die Küken nach Futter rufen. Und beide Kater schleichen von Fenster zu Fenster und proben den Aufstand, wenn ich da Badezimmerfenster nicht öffne.


In der Zwischenzeit glaube ich, die Vögelchen wissen, dass sie vor meinen Mäusezahntigern sicher sind, oder wie sollte ich mir es sonst erklären, dass heute morgen eines der beiden sich auf dem Fenstersims des Schlafzimmers niederließ und zirpte wie ein Weltmeister.
Soleil flippte hinter der Scheibe aus. Und ich fiel fast aus dem Bett.
Tweety hat schon Sylvester vorgeführt. Und meine beiden Raubtiere sind das Opfer von zwei kleinen Vögelchen.

*Wo ist die Mietzekatze?*, scheinen sie zu rufen. Letztes Jahr waren es übrigens Blaumeisen, die die beiden fast in den Wahnsinn trieben ....


Mittwoch, 14. Mai 2014

Baum-Hippies (der wilde Süden)

Wenn man durch mein Viertel hoppelt und nicht mit den Augen am Smartphone klebt, dann, ja dann kann man einiges entdecken. Stäffeles, begrünte und geheimnisvolle Hinterhöfe, wunderschöne Steinmetzarbeiten, Fassaden aus der Gründerzeit. Natürlich gibt es auch da Gegenteil. Wo Licht da Schatten.
In meinem Viertel gibt es auch einen Garten. Ich nannte ihn *das verwunschene Reich*, Hanglage, die oberen Mauern zugewuchert mit wildem Efeu, ein fast undurchdringlicher Dschungel mitten in der Stadt. Der Efeu ist weg, die Wildnis gezähmt (leider), aber immer noch fast ein kleiner Park, der Öffentlichkeit nur per Mauerblick zugänglich.
Hier bleibe ich immer für einen Moment stehen, halte inne, lasse meine Augen schweifen.
Beim letzten Mal lugte frech eine wahre Farbexplosion zwischen Zaun und Grün hervor:



Guerilla Knitting? Hier im Lande des Kehrwischs und der Kutterschaufel? Na Stuttgart ist ja eh wilder als sein Ruf, auch wenn Gemeinderat und Bezirksräte teilweise versuchen dies zu verhindern bzw nicht fördern. (Stichworte: Sperrzeiten, Clubsterben, Container, Wagenhallen etc)
Und wenn die Obrigkeit gerne einen auf Ordnung macht, so blüht das Kreative eben im Verborgenen.
Ich stand und staunte und freute mich.


Die fröhlichen Farben hinter dem verosteten Stacheldraht sind für mich ein Symbol. Kunst und Kreativität geben nie klein bei. Der Garten gehört zu einem Wohnhaus der besonderen Art, hier finden Menschen ein zuhause, die nicht alleine leben können und betreut werden. Um so mehr freute mich der Farbenrausch.
Irgendwann musste ich weiter und kam an der Hofeinfahrt des Hauses vorbei. Hier sprang mich da nächste Kunstwerk an und ich schlich mich in den Innenhof.


Da hat jemand Humor und liebt Farben, Nadel und Garn. Ich bekam das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht.
Auf dem Nachhauseweg kaufte ich bunte Wolle. Warum wohl?



Montag, 12. Mai 2014

Muttertag und bärtige Frauen ESC

Was für ein Wochenende! Während ein bärtiger Mann in Frauengestalt den ESC gewann, wurden am nächsten Tag Mütter mit Dankeschön und Blumen überschüttet.
Und ich dachte: Finde den Fehler.

Ich gucke schon aus Prinzip nicht mehr den Eurovision Songcontest, aber es ärgert mich auch nicht, wenn es andere tun. Es ist mir egal, wer da was singt und wie schlecht der Interpret meines Vaterlandes mal wieder abschneidet. Am Rande bekam ich mit, dass ein bildhübscher, junger Travestie-Künstler ( Danke an Helga für die Info und Verbesserung) aus Österreich den Contest gewann, anscheinend verdient, weil Lied, Stimme und Typ gut waren.
Aber: Sofort entbrandete die Diskussion und Conchita Wurst - der Interpret - wurde von der einen Seite als Symbol der Toleranz gefeiert. Von der anderen als Perversion verteufelt.

Hm.

Wie hieß der Fußballer, der sich NACH dem Ende seiner Fußballkarriere outete und gefeiert wurde? Hitzelberger? Oh, wie gerührt war einig Fußballnation, jeder Promi, oder der es gerne wäre, war begeistert und begrüsste es. Ein Durchbruch der Toleranz und Akzeptanz.
Wirklich? Hat es irgendwas am Alltag geändert? Am Alltag der *normalen= nicht prominenten* Homosexuellen?
Und wird Conchita Wurst - eine Kunstfigur - etwas daran ändern, dass europaweit immer noch die Nase über anders veranlagte Menschen die Nase gerümpft wird, Homosexuellen immer wieder pädophile Neigungen angedichtet werden und von verschiedenen Seiten *PERVERSION* gerufen wird? Es gibt ja Ärzte die behaupten Homosexualität heilen können....
Also Fehler eins entdeckt. Es ist ein Zeichen in die richtige Richtung, aber es ist kein Durchbruch.

Und ähnlich geht es mir beim Muttertag. Nicht, dass ich es nicht schön finde, dass Kinder ihren Müttern zeigen, wie lieb sie sie haben. Aber heute gefeiert, morgen wieder in der Maloche. Wenn uns - der Gesellchaft - Mütter so wichtig wären, würden wir sie anders behandeln. Oder etwa nicht?
Ich rede jetzt nicht von der Mutter-Kind Beziehung. Ich spreche von der Achtung vor der Leistung der Frauen, die Kinder großziehen. Wieviele Mütter sind alleinerziehend und deswegen immer mal Rand des sozialen Abstiegs? Zwischen Hartz IV und Rabenmuttertum hin- und hergerissen. Oder beidem ausgeliefert.
Wer unterstützt denn diese Mütter, denkt an sie, wenn kein Muttertag ist? Braucht es so einen Tag oder wäre es nicht besser Mütter IMMER zu schätzen (Papas natürlich auch) und zu unterstützen?
Am Muttertag bereichern sich die Grußkarten-, Süßwaren- und Schnittblumenindutrie am kollektiven (schlechten) Gewissen der Nation. Und der Kinder, die sich nicht um die Eltern kümmern, ein eigenes Leben leben wollen, ohne Belastung.

Mir schwirrt irgendwie ein Wort durch den Kopf. Alibi.

Sonntag, 11. Mai 2014

Alles beim Alten - Sonntagsgedanken 20/2014

Zur Zeit flimmert die Bademodewerbung meines alten Arbeitgebers über den Bildschirm. Nichts Neues. Vor allem, wenn man den Ablauf kennt, dann langweilt es. Es wird Altbekanntes in anderen Farben als neu verkauft, die Schnitte minimal verändert, ein bisschen andere Musik, ein anderes Model und das Ganze wird als der Modetrend und Muss gefeiert.
Braucht man das? Masse statt Klasse, zwar hübsch anzusehen, aber der Schrank noch voll? Man verkauft auf *ebay*, beim *Kleiderkreisel* oder in Facebookgruppen seine *alten* Klamotten, um... um Platz für Neues zu schaffen.
Schoppen als Hobby. Als Sinngeber.
Es betrifft ja nicht nur die Modebranche - alle Bereiche des täglichen Lebens sind davon betroffen: Ob technisches Homentertaintment, Telefon, Küche, Auto, Badzubehör, Bettwäsche ect....
Hier gilt schon: der Verbraucher bestimmt die Richtung. Soweit er es bestimmen kann.
Und das gilt nicht nur für den Bereich Konsum.
Es gilt für alle Bereiche: Freunde, Familie, Gesellschaft.
Und zur Zeit fällt mir das in zwei Bereichen sehr stark auf: Die bevorstehenden Wahlen und die Mahnwachen.
Wahlwerbung verspricht jedesmal: Alles für den Bürger, alles für alle, und nach der Wahl beginnt das große Heulen. Wieder mal belogen worden. Es amüsiert mich seit Jahren immer wieder und gleichzeitig frage ich mich: Wieso bricht da niemand aus? Alles beim Alten? Auch die Stereotypen:
*Bloss ned links!*, zum Beispiel. Die Angst vor den roten Horden sitzt tief. Sieht man gerade auch sehr deutlich am Konflikt in der Ukraine. Es ist die Zeit der Paraden, das Ende des zweiten Weltkriegs wird sowohl in Frankreich und Russland mir großen Militärparaden gefeiert. Wärend die Parade in Frankreich nur als Randnotiz den Weg in die Presse fand, wurde die russische zur Machtdemonstration und Drohung hochstilisiert.
Ich staune. Und werde zornig. Nein ich mag Putin nicht, aber was soll das?

Für den Frieden sein und dafür auf die Straße gehen? Finde ich gut! Aber doch nicht mit allem und jedem an der Seite.
Wenn man sich die Protagonisten ansieht, dann kann es einem schon die Zehennägel hochrollen. Unter anderem Lars Mährholz.
Wenn Lars Mahrholz sagt, dass nur ein rechter Politiker die Wahrheit sagt, nun, dann verteidigt er die Rechten und macht sich ihr Gedankengut zu eigen. Hier mal der Video dazu: Lars Mährholz

Die Seite Friedensdemo-Watch schrieb dazu:

"Nur weil ich sage, dass die Rechten die einzigen sind, die einen nicht belügen und DIE WAHRHEIT sagen, finden die Linken mich doof. Nur die Rechten sagen so Wahrheiten wie z.B. dass die Rothschild-
Marionettenspieler aus der FED an allen (Angriffs)Kriegen (der USA) schuld sind."


An dieser Stelle könnte man nochmal einen Blick auf die von Lars Mährholz empfohlenen Quellen werfen. Ein Beispiel:
Er empfiehlt auf seiner Seite http://dabrain.biz/wichtige-links/ u.a. das "wichtige" und "unabhängige" Medium "Freiheit durch Wissen", wo es z.B. antisemitische Theorien zu bestaunen gibt, nach denen "die Volksgruppe der Aschkenasim" gar keine "richtigen Juden sein", sondern eher sowas wie Satanisten, die Israel und die Banken kontrollieren würden. "Selbstverständlich" unter Berufung auf ein paar jüdische Kronzeugen"

Was ich in den Sozialen Netzwerken erlebe ist, dass man sofort als Basher dargestellt wird, wenn man Fragen stellt die unbequem sind. Man wird als *nicht erwacht* dargestellt, negativ gepolt, teilweise massiv persönlich angegangen. Allerdings geht es auf beiden Seiten ähnlich zu.
Unter dem Schirm der Friedensdemos ploppen alte Meinungesdenken wieder auf: Da wird von einer Weltverschwörung der Zionisten gesprochen, die *da oben* ( und damit meint man die Rothschilds und Rockefellers) seien schuld, zusammen marschieren, zusammenhalten, usw usf., der Holocaust wird in Relation gesetzt. Antisemitistische Thesen werden verbreitet, aber man sei nicht antisemitisch, man sage nur die Wahrheit.
Es geht so weit, dass es Stimmen gibt, dass Deutschland zum Beginn des zweiten Weltkriegs gezwungen wurde....
Parallel dazu zweifelt man die Bundesrepublik an, ruft zum Nichtwählen auf.
Wobei jedem klar sein sollte: wer nicht wählt gibt seine Stimme denen, die er nicht wählen möchte.


Alles beim Alten.
Seufz.








Samstag, 10. Mai 2014

Bleifrei

Es hat lange gedauert. Aber gut Ding will Weile haben. Und seit gestern bin ich wieder zuhause. Diesmal war der Krankenhausaufenthalt nur zweieinhalb Tage, die OP ohne Komplikationen, die Narkose gut weggesteckt. Die meiste Zeit habe ich geschlafen und das Beste:
Schmerzfrei.
Schon als ich im Aufwachraum das erste mal zu mir kam, merkte ich, dass etwas anders, besser war. Der Druck, die Spannung auf dem rechten Knie und Bein war weg. Aber ich schob es auf due Unmengen Scherzmittel, die ich ihm Blut hatte.
Meinem OP Team muss ich ein Kompliment machen - wer lacht denn schon im Vorbereitungsraum? Der Nakosearzt schäkerte mit mir und lenkte mich ab, der OP-Pfleger, ein *Saa'län'a* entlockte mir ein Kichern nach dem anderen und als es hieß: *Wir schicken Sie jetzt auf die Reise* ging so schnell das Licht aus, dass ich es gar nicht mitbekam.
Den Nachmittag verschlief ich und konnte abends schon mit den Krücken zur Toilette turnen. Nur die Drainagen ---- leider nötig, aber ich mag sie nicht. Und es tut weh, wenn man sie zieht. Ich jodelte, lachte und hechelte gleichzeitig.
Auf meinem Nachtschränkchen lag eine Tüte und ein Zettel mit einem Gruß vom Chirurgen: die Metallplatte und die Schrauben, die mein Bein ein Jahr zusammen gehalten hatten. Irgendwie erinnerte mich das Ganze an Fisher-Prize.


Die meiste Zeit schlief ich, meine Zimmernachbarinnen waren angenehm, zwei älteren Damen. Am Mittwoch war die OP, gestern, Freitag, durfte ich heim, heute, Samstag, bin ich praktisch schmerzfrei, auch wenn es eine große Naht ist. Sieht aus wie ein Reißverschluß. Irgendwie lustig. Darüber ein Verbandsnarbe und darüber eine Verbandsfolie. Immer wieder erstaunt mich der Fortschritt in der Medizin. Vor Jahren wäre mein Knie nicht mehr zu retten gewesen.
Nur das Ziehen der Klammern steht mir noch bevor - aber auch das wird schnell vorbei sein. Es ist ein klein wenig wie Augenbrauen zupfen ( Hier muss ich an Sa Bienes denken, die schon davor davonläuft.)
Nächste Woche muss ich noch viel liegen und darf das Bein noch nicht so belasten, muss mir jeden Abend eine Blutverdünnungsspritze setzen, aber das geht jetzt auch noch vorbei. Am 23 Januar 2013 war die erste Knie OP, fast 1 1/2 Jahre, davon sechs Monate an Krücken liegen hinter mir.
Selten in meinem Leben bin ich so froh und glücklich gewesen wie jetzt, da es langsam zu Ende ist.
Narben verheilen. Ob körperliche oder seelische. Man muss sich nur darum kümmern.


Kein Piepsen mehr am Flufhafensicherheitscheck. Kein Ziehen mehr, wenn ich den Berg hinablaufe. Nicht ständig das Gefühl haben einen Fremdkörper in sich zu haben. Ich vertrage ja noch nicht einmal Ohrringe, wie soll da mein Körper mit 15cm Schanier und 5 cm langen Schrauben zurecht kommen?
Ich werde die Metallteile in ein Bild mit einarbeiten - als Erinnerung.

Und ich werde wieder tanzen. Und barfuss über eine Wieder mit vieen Gänseblümchen hüpfen .....


Dienstag, 6. Mai 2014

André Franquin: Comic=Kleinkunst?

Während meine Freunde noch *Fix und Foxi* und *Donald Duck* lasen, wandelte ich schon in anderen Comicwelten. Ich hatte eine Karl May Comicserie entdeckt und gab mein gesamtes Taschengeld dafür aus. Ich war in der vierten Klasse und ich hatte mich infiziert. So oder so schon anders tickend als die meisten Mädchen (ich mopste meinem Papa immer die Perry Rhodan Hefte, wenn er sie ausgelesen hatte). Für mich gab es nichts Vergnüglicheres als im Kiosk die Ecke mit den Bilderheften zu fleddern. Und manche Entscheidung brach mir fast das Herz, das Taschengeld reichte hinten und vorne nicht, um alle Schätze zu erstehen.


Der Weg zu André Franquin führte über viele Umwege, Tim&Struppi, Asterix&Obelix, Clever&Smart, Spirou und Fantasio. Die letzten beiden stammen aus seiner spitzen Zeichenfeder. Hier begegnete ich zuerst dem Marsipulami und dann Gaston. Was dazu führte, dass ich meine ersten Alben der beiden letztgenannten kaufte.
Gaston, der freche, faule und etwas trottelige Bürobote liebe ich auch heute noch heiß und innig.



Wer denkt, dass Comics *Kleinkunst* seien, lustige Bilderbücher für Kinder, irrt und tut ihnen Unrecht. Zum Beispiel ist Hergé ein anerkannter Illustrator, seine Abenteuer des belgischen Reporters Tim und seinem treuen Begleiter, dem kleinen, weißen Hund Struppi sind Legende.
Franquin ist, in meinen Augen ein fantastischer Zeichner, ein zerissener Mensch, der auch eine sehr dunkle Seite hat. Hatte. Er verstarb 1997. Aber in meinem Herzen lebt er weiter. Und in seinen Bildern.

Je älter ich wurde, desto mehr mochte ich *ernsthafte* Comics und auch den bitteren, oft sehr schwarzen Humor des Andre Franquins. Das er ein tiefsinniger Mensch mit etlichen Untiefen war blieb mir nicht lange verborgen. Aber er hatte auch den Schalk im Nacken, und der tobte sich als Gaston auf dem Papier aus. Manchmal habe ich Tränen gelacht, mit Gaston gelitten, wenn er mal wieder das halbe Bürohaus seines Arbeitgebers fast in die Luft gesprengt hatte. Ich kann diese Comicalben immer und immer wieder lesen, ohne auch nur einmal Langeweile zu empfinden.


Wer sich auf die *Schwarzen Gedanken* einlässt, der betritt eine Welt, in der manche Irrungen unserer Gesellschaft aufgedeckt wird, der begibt sich auf die Abwege der Gedankengänge eines genialen Künstlers. Und sieht in Abgründe, die einen schaudern lassen, aber kann auch die Genialität dieses Illustrators erkennen.

André Franquin.

Prädikat absolut empfehlenswert.


Sonntag, 4. Mai 2014

Der Unsinn der Wahlplakate


Europawahl, Kommunalwahl. Die Stadt ist mit Plakaten zugekleistert, manche Straßen sehen aus wie eine einzig große Papiergirlande. Flyer und Bäbber machen die Runde. Nichtssagende Aussagen werden in die Welt hinausgeschrieen und manche Aussage hinterlässt fragende Bürger.
Vor allem in Stuttgart. 2011 die Landagswahl, dann eine Volksabstimmung, danach die OB-Wahl und jetzt schon wieder.
Stuttgart hatte zur OB Wahl Stadtteile die teilweise über 60% Grün wählten. Aber das war Reaktanz auf einen Kandidaten der CDU mit dem die Stuttgarter nichts anfangen konnten und der mit einer Brezelkampagne in ein Wespennest stach. Er hatte sich an einem Nationalheiligtum der Stuttgarter, bzw der Schwaben vergriffen.
Aber es geht mir heute nicht um die Analyse der vergangenen Wahlen. Es geht mir um den Schilderwald. Und was darauf steht.
Das Wahlplakat der Grünen, dass ich hier abbildete, brachte mich zum Lachen. Und das lauthals. Ich stand da und kringelte mich.
Entweder ist dem Texter die Doppeldeutigkeit seiner Wortwahl nicht klar gewesen oder er machte einen schlechten Witz. Oder denke ich ich einfach um zuviele Ecken?
(Wie ein aufmerksamer Leser mir schon mitteilte, ist dies ein Motiv von 2013, was aber an der Doppeldeutigkeit des Textes nichts ändert. Und ich habe es tatsächlich so im April 2014 vorgefunden.)
Nun gut.
Wenn man das außer acht lässt, dann fällt einem aber auch andere Dinge auf:
Kein Grüner der Kommunalebene ist abgebildet, sondern Bundes- und Landestagsebene.
Bürgernähe?
Hm.
Um eines aber klar zu stellen: es is nicht nur bei den Grünen so.
Ich frage mich auch, wer noch an die Macht der Plakate glaubt.

Freitag, 2. Mai 2014

Stolz und Vorurteil

Die junge Frau am Schalter begrüsst mich mit einem herzlichen Lächeln, das auch ihre Augen erreicht. Mit einem melodischen *Hallo, was kann ich für Sie tun?*, blickt sie mich freundlich an. Ihre Erscheinung ist gepflegt und sie ist eine wirklich schöne Frau. Ihr ovales Gesicht ist eingerahmt .... nicht von einer Flut dunklen Haares, sondern von einem dunklen, violetten Chiffonschal, der eng anliegt und das Haar verbirgt.
Und ich ertappe mich dabei, dass ich wieder einmal über das Verbergen der Haare nachdenke.
Während man vor Jahren eher ältere Muslima mit Kopftüchern auf der Straße gesehen hat und junge Frauen oft sehr *westlich* daher kamen, tauchen die *Kopftücher* jetzt auch vermehrt in Szenecafes auf und bevölkern das Straßenbild.
Es hat sich etwas verändert. Und es wird Zeit, dass es sich auch in unseren Köpfen verändert:
Früher habe ich diese Art der Kopfbedeckung als Angriff auf meine fraulichen Freiheiten gesehen, ich fühlte mich unwohl, gar bedroht. Fand es unmöglich, das Frauen sich so unterdrücken ließen.
War das richtig? Ich meine: Habe ich die Situation richtig eingeschätzt? Oder habe ich nur meine Vorurteile unter dem Mäntelchen der Emanzipation gepflegt?
Die jungen Muslimas treten selbstbewusst auf. Sie kommen in allen Schichten vor: An den Unis, in Büros, im Verkauf. Selten sieht man sie als Reinigungskräfte.
Wieso fühlen sich so viele von diesen Kopftüchern bedroht? In ihren Grundrechten?
*Muslimische respektieren uns westlichen Frauen nicht!*, höre ich manchmal. Allerdings wird das dann anders formuliert. Ich grüble schon länger darüber nach. Respektieren den unsere *eigenen* Männer uns? Nicht alle. Und da haben wir das Grundproblem: Verallgemeinerung. Es gibt solche und solche.
Wenn ich mit Abend Make up, offener, roten Haarmähne, tiefen Ausschnitt in der Bahn sitze, starren mich manche Männer an. Bzw meinen Ausschnitt. Als Teenager hatte ich manches mal Mühe mir aufdringliche. ältere Herren vom Leib zu halten. Und dann war/ist es egal welche Herkunft sie haben.
Und da ist es wieder. Es gibt ihn nicht: Den allgemeingültigen Mann.
Und es gibt auch ihn nicht: den allgemeingültigen Muslim. Oder den allgemeingültigen Christ. Oder Deutschen.
Wir  sind alle Menschen, alles Individien.
Und mir ist eine freundliche Muslima auf einem Amt hundertmal lieber als eine verstockte was-auch-immer.

Auch ich entdecke immer wieder Vorurteile bei mir. Ich arbeite daran....