Dienstag, 6. Mai 2014

André Franquin: Comic=Kleinkunst?

Während meine Freunde noch *Fix und Foxi* und *Donald Duck* lasen, wandelte ich schon in anderen Comicwelten. Ich hatte eine Karl May Comicserie entdeckt und gab mein gesamtes Taschengeld dafür aus. Ich war in der vierten Klasse und ich hatte mich infiziert. So oder so schon anders tickend als die meisten Mädchen (ich mopste meinem Papa immer die Perry Rhodan Hefte, wenn er sie ausgelesen hatte). Für mich gab es nichts Vergnüglicheres als im Kiosk die Ecke mit den Bilderheften zu fleddern. Und manche Entscheidung brach mir fast das Herz, das Taschengeld reichte hinten und vorne nicht, um alle Schätze zu erstehen.


Der Weg zu André Franquin führte über viele Umwege, Tim&Struppi, Asterix&Obelix, Clever&Smart, Spirou und Fantasio. Die letzten beiden stammen aus seiner spitzen Zeichenfeder. Hier begegnete ich zuerst dem Marsipulami und dann Gaston. Was dazu führte, dass ich meine ersten Alben der beiden letztgenannten kaufte.
Gaston, der freche, faule und etwas trottelige Bürobote liebe ich auch heute noch heiß und innig.



Wer denkt, dass Comics *Kleinkunst* seien, lustige Bilderbücher für Kinder, irrt und tut ihnen Unrecht. Zum Beispiel ist Hergé ein anerkannter Illustrator, seine Abenteuer des belgischen Reporters Tim und seinem treuen Begleiter, dem kleinen, weißen Hund Struppi sind Legende.
Franquin ist, in meinen Augen ein fantastischer Zeichner, ein zerissener Mensch, der auch eine sehr dunkle Seite hat. Hatte. Er verstarb 1997. Aber in meinem Herzen lebt er weiter. Und in seinen Bildern.

Je älter ich wurde, desto mehr mochte ich *ernsthafte* Comics und auch den bitteren, oft sehr schwarzen Humor des Andre Franquins. Das er ein tiefsinniger Mensch mit etlichen Untiefen war blieb mir nicht lange verborgen. Aber er hatte auch den Schalk im Nacken, und der tobte sich als Gaston auf dem Papier aus. Manchmal habe ich Tränen gelacht, mit Gaston gelitten, wenn er mal wieder das halbe Bürohaus seines Arbeitgebers fast in die Luft gesprengt hatte. Ich kann diese Comicalben immer und immer wieder lesen, ohne auch nur einmal Langeweile zu empfinden.


Wer sich auf die *Schwarzen Gedanken* einlässt, der betritt eine Welt, in der manche Irrungen unserer Gesellschaft aufgedeckt wird, der begibt sich auf die Abwege der Gedankengänge eines genialen Künstlers. Und sieht in Abgründe, die einen schaudern lassen, aber kann auch die Genialität dieses Illustrators erkennen.

André Franquin.

Prädikat absolut empfehlenswert.


Kommentare:

  1. Franquin liebe ich ja immer noch und wenn es mir nicht gut geht, hole ich mir die alten Marsupilamis-Hefte raus.
    Den Band "Schwarze Gedanken" kannte ich bislang noch nicht. Da werde ich mich mal drum bemühen.
    LG
    Sabienes

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    1. Die Schwarze Gedanken sollte man nur lesen, wenn man gut drauf ist :) Viel Spass damit

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