Mittwoch, 14. Mai 2014

Baum-Hippies (der wilde Süden)

Wenn man durch mein Viertel hoppelt und nicht mit den Augen am Smartphone klebt, dann, ja dann kann man einiges entdecken. Stäffeles, begrünte und geheimnisvolle Hinterhöfe, wunderschöne Steinmetzarbeiten, Fassaden aus der Gründerzeit. Natürlich gibt es auch da Gegenteil. Wo Licht da Schatten.
In meinem Viertel gibt es auch einen Garten. Ich nannte ihn *das verwunschene Reich*, Hanglage, die oberen Mauern zugewuchert mit wildem Efeu, ein fast undurchdringlicher Dschungel mitten in der Stadt. Der Efeu ist weg, die Wildnis gezähmt (leider), aber immer noch fast ein kleiner Park, der Öffentlichkeit nur per Mauerblick zugänglich.
Hier bleibe ich immer für einen Moment stehen, halte inne, lasse meine Augen schweifen.
Beim letzten Mal lugte frech eine wahre Farbexplosion zwischen Zaun und Grün hervor:



Guerilla Knitting? Hier im Lande des Kehrwischs und der Kutterschaufel? Na Stuttgart ist ja eh wilder als sein Ruf, auch wenn Gemeinderat und Bezirksräte teilweise versuchen dies zu verhindern bzw nicht fördern. (Stichworte: Sperrzeiten, Clubsterben, Container, Wagenhallen etc)
Und wenn die Obrigkeit gerne einen auf Ordnung macht, so blüht das Kreative eben im Verborgenen.
Ich stand und staunte und freute mich.


Die fröhlichen Farben hinter dem verosteten Stacheldraht sind für mich ein Symbol. Kunst und Kreativität geben nie klein bei. Der Garten gehört zu einem Wohnhaus der besonderen Art, hier finden Menschen ein zuhause, die nicht alleine leben können und betreut werden. Um so mehr freute mich der Farbenrausch.
Irgendwann musste ich weiter und kam an der Hofeinfahrt des Hauses vorbei. Hier sprang mich da nächste Kunstwerk an und ich schlich mich in den Innenhof.


Da hat jemand Humor und liebt Farben, Nadel und Garn. Ich bekam das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht.
Auf dem Nachhauseweg kaufte ich bunte Wolle. Warum wohl?



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