Dienstag, 27. Mai 2014

Nachgeschlagen und gebohrt

Dieses Mal war es anders wählen zu gehen. Stand doch mein Name auf einer der 12 Listen, die für den Stuttgarter Gemeinderat antraten. Ich kann es gar nicht beschreiben wie ich mich fühlte.
Als wir im September 2013 uns in einer Feuerbacher Kellerwohnung trafen, uns teilweise zum erstenmal sahen, war mir nicht bewusst wie schnell, teilweise aufregend und aufwühlend alles werden würde. Die Idee zu den  Stadtisten entstand nicht erst in diesem Monat, aber sie wurde konkretisiert. Und wir basteln immer noch an ihr herum.
Bürgerplattform und Wählervereinigung.


Wir trafen oft auf Unverständnis (ich schrieb schon darüber)  und wurden hart in die Mangel genommen, weil wir uns weigerten Forderungen zu stellen. *Wir haben Haltung*, sagten wir und veröffentlichten ein Manifest.
*Wischiwaschi!*, *Blablabla*; *Drumherumgerede*!, schallte es aus verschiedenen Richtungen. Ich wunderte mich, aber es kratzte mich nicht wirklich. Wir diskutierten mit denjenigen, aber wer schon mal auf eine vorgefasste Meinung getroffen ist, weiß dass man da gleich mit einem Hammer versuchen kann ein Atom zu spalten.
Was mich wirklich traf, als eine Freundin in meiner Wohnung beim Anblick meines Stadtistenaufnähers fluchte *Scheiß Stadtisten!*. Ich bin auch Stadtistin und der mangelnde Respekt tat weh. Aber Frau lernt mit so etwas umzugehen.
Wir erhielten Unterstützung von mancher Seite, die mich überraschte. Und bekamen Prügel aus den *eigenen Reihen*. Wieso unterstützt ihr nicht die und die, wieso tretet ihr mit der vollen Anzahl an?

JA, WARUM DENN NICHT? Wir glauben an uns und die Ideen für die wir stehen. *Ihr schwächt die Links-Soziale!* Tja, Demokratie ist anscheinend doch eine schwierige Sache.
Na ja, irgendwann ignorierte ich die Anwürfe. Wer sich ständig wehrt hat nicht mehr die Kraft etwas -  auch etwas Neues - zu bewirken.
Sie Stadtisten werkelten auf sehr unterschiedlichen Baustellen, das *Oben drauf*, eine abgewandelte Form des *Suspended Coffe* wurde aus der Taufe gehoben, Plakate wurden entworfen, Filme gedreht über verschieden Projekte von Stuttgartern. Zum Beispiel über das Lastenfahrrad der Plattsalatinitiative, man *nahm platz*.
Die Filme könnt ihr auf der Homepage der Stadtisten ansehen.
Jeder der Lust hat kann bei uns mitmachen. Unsere Türe stehen offen. Auch parteiübergreifend.
Am Sonntag ging es dann zur Wahl und seitdem sind wir in heller Aufregung. Mit uns gingen Stuttgarter Studenten mit einer eigenen List an den Start. Und was soll ich sagen?
WIR SIND DRIN! Im Gemeinderat. Und mit uns auch (wahrscheinlich) die Studenten und auch die Piraten (sicher). Die Piraten und wir haben mit einem Minimalbudget von jeweils um die 3000 Euro den Wahlkampf bestritten. Die Studenten verzichteten komplett auf Plakate.
Und trotzdem sind wir alle *drin*.
Als ich die ersten Hochrechnungen las hatte ich feuchte Augen. Auch als mich kurz nach der Wahl Freunde anschrieben mit den Worte: Von mir hast du auch 3 Stimmen! So etwas macht sprachlos, stolz und rührt an.
Denn es ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis.
Denn das ist es: Ein Vertrauensvorschuss.
Gestern fingen wir an Plakate abzuhängen, bis zum 1.6.2014 müssen sie weg. Jemand von den Grünen hat für uns welche abgenommen, ich sammle die von den Grünen auch mit ein. Und als dann eine Stadtistin mir erzählte, dass ihr ein Mitglied einer anderen Partei gesagt hätte, er hätte sich welche gemobst, weil er sie so schön fand - da ging mir das Herz auf. Die Plakate zeigen keine Gesichter, schreien keine Forderungen in die Straßen, sondern sie fragen nach und regen zum Nachdenken an.


Wir wollen Ideengeber sein, zum Umdenken anstiften, auf das hören, was man uns zuflüstert.
Wir haben nur ein Mandat. Damit kann man keine Felsen versetzten. Aber man kann sich zusammenschliessen - für jeder Anfrage neu, für jeden Antrag.
Wir haben keinen Fraktionszwang.
Anders geht - eben doch.





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