Freitag, 20. Juni 2014

City-Dschungel und Mäusezahntiger (Urban Gardening)

Naja, Dschungel ist etwas übertrieben. Wildniss wohl auch. Aber das mit den Mäusezahntiger stimmt! Voll!
Wer in der Stadt wohnt schätzt sich meist glücklich wenn er einen Balkon hat. Die anderen gehen in den Park oder ins Freibad. Manchmal haben die Balkonlosen aber auch das Glück einen Hinterhof nutzen zu können.


So wir auch. Er ist nicht leicht zugänglich. Entweder man klettert im Treppenhaus auf einer Zwischenetage aus dem Fenster - was mir aufgrund meines rechten Beines sehr lange nicht möglich war - oder man hangelt sich vom Nachbarhof über Zaun und Töpfe.
Der Hinterhof war schon Zankapfel. Eine Werberagentur, die Zwischenstation in unserem Haus machte, wollte den Hof für seine Mitarbeiter. Die damaligen Mieter - unter anderem ich - probten den Aufstand und erwarben die Mitnutzung.
Heute ist die Werbeagentur Vergangenheit und ich habe die Kübel am Hals. Natürlich müsste ich nicht, aber jedes Jahr wächst etwas anderes - mein ganzer Stolz ist ein kleiner Walnussbaum - und zusammen mit den Kübelpflanzen in den angrenzenden Hinterhöfen und dem begrünten Garagendach des Nachbarhauses  bietet das alles ein wunderbares Umfeld für Rotschwänzchen (sie brüten dieses Jahr zum zweitenmal!) und Kohlmeisen.
Für mich und meine Lebendpelze ist es eine Oase der Ruhe, meine Nachbarn grillen und feten ab und zu.


Und das mitten in der Stadt. An dieser ökologischen Nische kann man auch sehr schön den Überlebenswillen von Pflanzen studieren. Der weiße Flieder ging fast ein, hatte seltsamen Rost an den Blättern, die abwelkten. Ich sägte den Stamm schweren Herzens ab. Im darauf folgenden Frühjahr trieb er wieder aus. So auch der Haselnussstrauch. Auch von einem Schädling befallen und dann im letzten Jahr fast vertrocknet. Er wurde bis auf die Wurzeln abgeholzt, hat aber dieses Jahr große, saftige Blätter und eine Minibaumkrone.
Bei manchen Pflanzen weiß ich noch nicht einmal wie sie heißen. Da gibt es Klematen der verschiedenen Sorte (2 von vier haben überlebt). Verschiedene Efeus. Und wie gesagt einen kleinen Walnussbaum. Zwei Kastanien. Kürbisse haben ausgetrieben. Wir säen nicht, pflanzen nicht, aber spucken schon mal Obstkerne in die Töpfe, lassen die  Zierkürbise in den Kübeln verrotten, leeren Kastanien und Nüsse der vergangenen Herbstdeko aus.


Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Kastanie ist so groß geworden, dass man im - sehr schmalen - Schatten sitzen kann.
Und das mitten in der Stadt. Urban Gardening einmal anders.
Hätte ich keinen *Garten* müssten die Fensterbretter dran glauben, aber meine zwei Pelzkerle hätten nicht halb so viel Spass. Und es ist nicht teuer: Die Kübel sind Betonmischeimer, aus der Nachbarschaft oder Angebote, die wurde nach und nach rangeschafft, jeder stellte einen Gartenstuhl oder sonst etwas dazu. Dieses Jahr pflanze ich nach und nach Kräuter ----


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