Sonntag, 29. Juni 2014

Das stinkt zum Himmel - Sonntagsgedanken

Könnt ihr euch noch an die Milchzentralen erinnern? Nein? Dann lasst euch etwas erzählen. Ich war ein drei Käsehoch und meine Mutter gab uns etwas Geld und das Kommando: *Ab in die Milchzentrale Milch holen und beim Bäcker Holzer ein kg Brot.* Keine weiteren Anweisungen, kein Halbfett, Laktosefrei, Vollfett, Glasflasche oder Tetrapack, keine Marke. Noch nicht mal beim Brot gab es einen Sortenanweisung. Der Bäcker wusste: Familie K nimmt Mischbrot.
Die Milchzentrale gibt es heute nicht mehr. Weiß gekachelt, mit viel Stahl und Chrom, und Kühschränken so groß wie Zimmer, eine Theke wie beim Metzger oder Bäcker, reichten wir unsere Milchkanne an die Mitarbeiterin weiter. Die Milchkanne - eine Blechkanne mit Holzgriff. Beim Bäcker bekamen wir das Brot in rauhes Papier gewickelt, und sonst nix. Mit der Kanne spielten wir das Wirbelspiel, schleuderten sie wie ein Windrad und dank der Zentrifugalkraft blieb die Milch drinnen - meistens. Der *Brotbürzel* war abgeknabbert bis wir zuhause waren. Nicht weil wir Hunger hatten, sondern weil's so lecker war. Kaum Müll.
Was hat das jetzt mit *zum Himmelstinken* zu tun? Viel.
Ich lebe in Stuttgart. Stuttgart hat eine große, moderne Müllberbrennungsanlage mit der Strom gewonnen wird. Die Stuttgarter produzieren nicht genug Müll, um das müllfressende Monster zu füttern. Sie kaufen Müll zu.
Wie bitte? Stuttgart kauft Müll zu? Die Bürger bezahlen dafür, dass der Müll entsorgt wird, sie bezahlen ihren Strom und dann bekommen andere etwas für ihren Müll auch noch etwas bezahlt? Irgendwie erscheint mir das alles nicht logisch.
Müll als Rohstoff?
Ich persönlich versuche Müll zu vermeiden. Als ich Kind war war mein Leben erfüllt von Mehrfachverpackungen: Milchkannen, Glasflaschen ect. Heute produzieren wir Müll ohen Ende. Wir sind zur Wegwerfgesellschaft mutiert.
Wer glaubt denn, dass man wirklich Müll vermeiden soll, wenn man den Müll als Brennstoff braucht? Wenn die Schlacke, mit allen giftigen und ungiftigen Bestandteilen an die Bauindustrie weiterverkauft wird? Und was ist mit dem Recycling? Gelber Sack? Schon mal beobachtet wie der abgeholt wird? Der wird gepresst! Wer soll denn den noch sortieren?
Es sollen gelbe Säcke auch schon in besagter Müllverbrennungsanlage gesichtet worden sein. Aber das ist ein Gerücht.
Warum keine echten Wertstofftonnen? Oder als Container im Viertel? Für Weißblech, Aluminium? Glascontainer gibt es ja schon.
In Hamburg und Berlin gibt es die ersten Non-Verpackung-Geschäfte.
Durch Zufall stieß ich auf das Thema und bin seitdem verwirrt und fühle mich, gelinde gesagt, verarscht.
Würde mich interssieren wie ihr das seht -
achtet mal beim Einkaufen darauf, was alles in Plastik verpackt ist!

Kommentare:

  1. Was da mit dem Müll abgeht, ist wirklich grotesk. Die Verbraucher sparen so mit dem Papiermüll, bzw. verheizen sie das Papier im hauseigenen Kachelofen (was nicht OK ist), so dass die Müllverbrennungsanlagen nicht mehr gut angeheizt werden können.
    Man macht mit jeder Maßnahme den Bock zum Gärtner.
    LG
    Sabienes

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    1. Was mich so sauer werden lässt, dass man gleich dreimal zahlt: für die Müllentsorgung, für den gelben Sack und den daraus produzierten Strom, der allen Angaben zum Trotz nämlich gar nicht so umweltfreundlich ist.
      LG Marianne

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  2. Geht mir genau wie Dir! Ich habe den Müll lange penibelst sortiert und bin dann irgendwann auch per Zufall an die (unbewiesene) Info gekommen, dass Gelbe Säcke in der Müllverbrennung gelandet sind, um dort "zuzufüttern".
    Ok - ich sortiere immer noch, aber ohne Überzeugung. Und fühle mich auch reichlich verarscht.

    Seit einigen Monaten versuche ich ganz bewußt, so weit als möglich auf Plastikverpackungen zu verzichten. Schwierig! Und das Einkaufen wird kompliziert und langwierig - aber es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich meinen Müll wenigstens reduziere.

    Und ich warte sehnsüchtig auf den ersten verpackungsfreien Laden in Stuttgart. Die erste Stammkundin hätte er schon ...

    Ingrid

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  3. Ich erschrecke mich immer wieder, wie voll der Wertstoffsack ist und wie wenig Restmüll bleibt. Ich achte inzwischen sehr konsequent auf Verpackungen, aber manchmal ist das wirklich nicht einfach, wenn selbst das Biogemüse in Plastik gehüllt verkauft wird. Und selbst wenn ich zum Metzger gehe, kommt die Wurst erst in Papier, dann in Plastik, dann in eine Papiertüte die dann noch in eine kleine Plastiktüte kommt. Abartig, aber jedes Mal wenn ich mich wehre, werde ich schräg angeguckt. Ich packe dann alles überflüssige demonstrativ wieder aus.

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    1. Vom Biogemüse lasse ich genau aus diesem Grund die Finger, jedenfalls im Supermarkt. Ansonsten habe ich immer meine Stoffbeutel dabei ... ein kleiner Aufwand für mich.

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