Montag, 2. Juni 2014

Einen Sack Flöhe hüten

Was haben klassische Musik, Flüchtlinge und eine Reise durch das Sonnensystem miteinander zu tun? Und was für eine Verbindung haben die drei Dinge mit Flöhe hüten?
Das war mir am Sonntag morgen auch (noch) nicht klar.
Der Freundeskreis West aus Stuttgart kümmert sich um Menschen, die durch ihre Flucht vor Krieg, Hunger, politischer oder ethnischer Verfolgung im Stuttgart Westen gelandet sind.  Zwar werden diese Menschen versorgt - ein Dach über dem Kopf, medizinische Versorgung, Deutschkurse ect, aber für eine wirkliche Intergartion fehlt nicht nur das Geld und Personal.
Hier betritt der Freundeskreis West die Bühne. Dieser Freundeskreis organisierte Treffen, man besprach, wie man den Menschen undogmatisch und unbürokratisch helfen kann - auf der menschlichen Ebene. Wie man den Flüchtlingen das Gefühl geben kann, dass sie nicht nur geduldet sind, sondern willkommen.
Unter anderen werden Kinder gehütet, damit die Mütter ungestört am Deutschunterricht teilnehmen können, mit Freikarten begleietete man interessierte Männer zu einem Fussballspiel des VFBs.
Bei den Treffen waren auch Stadtisten dabei und  durch sie erfuhr ich von den Aktionen. Ich war begeistert von den Ideen und meldete mich, dass ich gerne auch das Projekt unterstützen würde.


Kinder leiden wohl am meisten unter der Situation. In den Unterkünften sind viele Nationen untergebracht, es gibt Sprachschwierigkeiten, teilweise auch kulturelle. Die Knirpse haben etwas anderes verdient.
Gestern war ein Tag an denen die Organisatoren den Kindern etwas bieten konnten an dem wir Erwachsene auch Spass hatten:
Das SWR Young Classix-Familienkonzert - Sonne Mond und Sterne.


Aber erst einmal mussten wir die Familien und Kinder abholen. Als alle da waren brodelte das Leben um mich. Zwei Familien aus Nigeria und bosnische Kinder kamen mit uns. Sprachbarrieren wurden unter Einsatz von Händen und Mimik und viel Lachen überbrückt. Der Weg war nicht sehr weit, Busfahrt inbegriffen, ein kurzer Spaziergang und wir waren bei der Liederhalle. Hier wuselten und wimmelten schon unglaublich viele  Kinder durcheinander, die Erwachsenen wie Hütehunde hinterher. Es brummte und summte wie in einem Bienenstock. Wir hatten alle Hände voll zu tun unsere kleine Gruppe, vor allem die Kleinen, zusammen zu halten. Unwillkürlich dachte ich an den Spruch: Ein Sack Flöhe ist leichter zu hüten...
Als alle ihre Plätze eingenommen hatten war es verhältnismässig still im Konzertsaal, trotz all der Kinder.


Die ersten gereckte Hälse gab es als die Musiker des SWR Orchester die Bühne betraten. Was folgte war ein musikalische Reise durch das Weltraum, mit einem Erzähler der kindgerecht die Reise schilderte - unsere Kids verstanden leider nicht viel, aber machten mit als die Rakete gut hörbar gestartet wurde.
Es gab eine Lichtshow dazu - zu den Klängen des Starwars-Themas - die die Kinder in ihren Bann zog. Mein kleiner bosnischer Begleiter flüsterte: *Wunderschön*, es klang wie wundasscheen. Seine Augen leuchteten während er gebannt das Lichtspiel beobachtete.
Mich begeisterte das Konzert auch. Wann gehe ich schon mal in ein klassisches Konzert. Das Orchester spielte - für meine Ohren - fantastisch, die Stücke waren gut ausgesucht - und es  war nicht zu lange.


Die Idee Kindern klassische Musik auf diese Art nahezubringen begeistert mich wirklich.
Auch, dass es an uns hier lebenden Menschen ist Asylsuchende als Gäste zu behandeln.
Es macht das Miteinander leichter und baut Berührungsängste ab.
Schon allein für die Kinder.
Und für uns selbst.
In mir klingt das Lachen der Kinder nach.
Danke.





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