Freitag, 27. Juni 2014

Fahrendes Volk - der Vagabundenkongress (der wilde Süden)


Stuttgart nenne ich persönlich *Little San Francisco*. Buckel rauf, Buckel runter, manche Wege so steil, dass es hunderte von *Stäffeles* gibt, eine kleine Seilbahn und die Zacke. Die Zacke fährt vom Marienplatz nach Degerloch und zur Freude vieler Fahrradfahrer hat die Zacke eine Plattform für die Räder. Niemand muss den Berg *hochschnaufen*.
Ich wohne im Talkessel fast ganz unten, was zur Folge hat, dass ich immer den Berg hochlaufen muss, wenn ich irgendwo hinwill. Zum Glück liegt die Rampe ums Eck. Aber keine Bahn die mich da hinfährt. Die Rampe ist ein sehr ungewöhnlicher Ort.


Auf der einen Seite ein Straßenbahnendepot und gleichzeitig ein Theater, eine Kneipe die sich Rakete nennt, ein Ort der Begegnung - sogar urban gardening findet hier statt.


Und dieses Jahr veranstalten die Macher der Rampe den Vagabundenkonkress.
*Was'n das?*, kann ich euch hören. Vagabunden? Spielmänner? Fahrendes Volk?
In der Tradition der fahrenden Spielmänner treffen sich Künster aus aller Welt in der Rampe. Und sie *tagen* hier: Es gibt viele verschiedene Veranstaltungen. Führungen durch Stuttgart. Aufführungen. So etwas ist teuer. Geld ist knapp. Aber es gibt immer für alles eine Lösung. Zum Beispiel werden die Künstler für den Kongress privat untergebracht. Willige Stuttgarter stellen ein Bett (incl. Zimmer) für ein Wochenende oder sogar für die vollen vier Wochen zur Verfügung für eine kleine Aufwandsentschädigung.
Ich hatte meine Couch für den Notfall angeboten, aber alle fanden ein Bett und so blieb meine Couch unangetatstet.
Da den Statdtisten diese Idee sehr entgegenkommt organisierten sie ein gemeinsames Essen und eine Abendveranstaltung. Im Hinterhof der Rampe wurde festlich eingedeckt, Essen und Getränke wurde mitgebracht, sogar der Grill angeworfen.


Die Tische waren aufgebockte Europaletten, mit Papiertischdecken bezogen, auf den Stifte verteilt wurden und die Aufforderung: MALT! Oder schreibt. Oder kleckert.
Es war ein wunderschöner Abend, gegen später landete ich an einem internationalen Tisch an dem ein Ratespiel die Runde machte.
Jeder bekam ein Stück Papier an die Stirn geklebt, auf dem der Name einer berühmten Persönlichkeit stand. Durch geschicktes - mehr oder weniger - Fragen musste man erraten wen man darstellte.
Das Gelächter hallte durch die Nacht. Fragen wie: *Bin ich schon tot?*, *Bin ich weiblich?*, *Künstler?*, *Schriftsteller?*, ect erleichtern einen das herausfinden. Und das alles nicht mehr ganz nüchtern und auf englisch. Da saßen wir friedlich vereint: Moskowiter, eine Portugiesin und Deutsche.
Die Tischdecken waren bunt bemalt, internationales feiern mit bis dato fremden Menschen und als es spät wurde räumte man gemeinsam auf. Innerhalb von ein paar Minuten lag der Hinterhof im verdienten Schlaf und das Gelächter verzog sich in die Räume des Theaters.
Als ich gestern durch Stuttgart lief begegnete mir einer der Künstler aus Südafrika, wir umarmten uns lachend und quatschten ein bisschen. Aus Fremden waren, sich wohlgesinnte, Bekannte geworden.
Am Wochenende findet die Abschlussveranstaltung statt. Es lohnt sich die Rampe zu besuchen. Ein besonderer Ort mit besonderen Menschen.


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