Samstag, 14. Juni 2014

Kleine Killer - Sonntagsgedanken 23/2014


Dies ist ein sehr persönlicher Blog. Ich bin keine Wissenschaftlerin. Zwar habe ich ein Praxissemester in einem Forschungslabor der Biotechnolgie absolviert, also so richtig, mit Schutzbrillen, Clean Benches (kennt ihr bestimmt aus solchen Filmen wie *Outbreak*), Gummihandschuhen, Notduschen ect. Ich wollte Mikrobiologie oder Biotechnologie studieren, und da war so ein Praktikum Pflicht.
In dem halben Jahr hatte ich das *Vergnügen* an einem Krebsmittel, bzw dessen Produktion mit zu arbeiten. Ich erlebte mit, was passiert, wenn ein Laborjournal mit Ergebnissen verschwindet und was noch viel schlimmer war: wenn eine andere Firma mit dem Patent schneller auf dem Markt kam.
Millionenbeträge waren verloren.
Ich entschied mich gegen das Studium. Aus Gründen, blieb aber immer ein begeisterter Fan der kleinsten Killer: Viren.
Klar geht es in der medizinischen Forschung (auch) ums Geld.
Und klar ist nicht alles Gold was glänzt.
Böse Pharmakonzerne.
Böse. Ganz böse.... *Kopfschüttel*.
Und hier finde ich die Überleitung zu dem heutigen Thema:
Die Impfmüdigkeit/Unwillen in Deutschland. Ich lese mich immer mehr in das Thema ein und stelle mehrere Punkte immer wieder fest:
  • auf der einen Seite:
    Ärzte, Pharmalogen, Wissenschafter, Ärzte, WHO
    Betroffene von schwer verlaufenen Krankeitsbildern
  • auf der anderen Seite:
    Betroffene von Impfschäden
    Wissenschaftler
    Heilpraktiker
    Esotheriker
Nein, ich werde jetzt nicht Esotheriker und Heilpraktiker, Naturgläubige verteufeln. Ich finde viele Ansätze der Alternativmedizinen wirklich gut! Was ich nicht verstehe ist die Ablehnung der Schulmedizin aus dieser Ecke.
Wir leben in Europa auf einer Insel der Glückseeligkeit. Gute, hygienische Lebensumstände. Wie schnell sich das ändern kann zeigte sich, als in mehreren Großstädten Deutschlands, zum Glück sehr stark räumlich begrenzt, Masernepidemien ausbrachen und Schulen geschlossen werden mussten.
Und das an Schulen, deren Kinder nur zu einem geringen Teil geimpft waren.

Worum geht es beim Impfen eigentlich, um den Schutz des Einzelnen oder einer Gruppe? Das ist die Frage die man sich stellen sollte.
Es gibt Impfschäden. Ohne Zweifel. Diese werden immer den Krankheiten gegenüber gestellt - aber...
Im Moment gibt es deswegen so wenig schwere Verläufe von Masern und Co, weil es eben keine *Durchseuchung* gibt. Das wird gerne ausser acht gelassen ebenso bei Polio & Co.Wie sähe es aus, wenn das anders wäre?
Viren mutieren. Manche schnell, manche langsam. Was eine spontane Mutation eines Virus auslösen kann, zeigte der Verlauf der Grippe-Pandemie 1918.
Nun sind Grippeviren etwas anderes als Masern. Sie verändern sich ständig. Jedes Jahr.
Um Grippe geht es mir aber gar nicht. Grippeviren sind wie Schnupfenviren, sie haben eine Mutationsrate, die so hoch ist, dass es fast unmöglich ist einen impfstoff zu entwickeln, der nicht schon wieder veraltet ist, wenn eine neue Welle los bricht. Beim Schnupfen probiert man es gar nicht mehr...

Fakt ist: bei einer Durchimpfung von 95% haben Viren keine Chance wirklichen Schaden anzurichten und Menschen, die sich nicht impfen lassen können, werden durch den Impfschutz  der Masse geschützt. Anders sieht es aus, wenn es zur Impfmüdigkeit kommt und die Durchimpfung rasant fällt.
Natürlich kann man argumentieren:
Folgeschäden durch Impfungen.
Jeder ist nur für sich selbst verantwortlich.
Und: Eltern entscheiden für ihre Kinder.
Dazu ist anzumerken: Es gibt auch Eltern, die ihren Kindern lebensrettende Operationen oder Bluttransfusionen, Behandlungen mit Medikamenten verweigern - weil es gegen ihren Glauben richtet. Ob das nun ein bestimmter Gott oder die Natur ist, oder einfach der Zweifel an der Schulmedizin, ist in diesem Falle egal. Sie Empörungswelle würde durch die Medien schwappen.
Und noch einmal: Nicht jede Impfung ist sinnvoll und über das WIE, WANN und WER muss offen diskutiert werden.

Eine Bekannte schrieb zu diesem Thema:
Kat Wat:
Ich halte mich für einigermaßen denkflexibel und tolerant, aber ich kann die Skepsis gegenüber Impfungen null nachvollziehen. Die Impfschäden gibt es, keine Frage, aber es gibt in der Medizin nun wirklich genügend risikoreiche Vorgänge - und dennoch würde doch wohl keiner und keine unter uns eine lebensrettende Operation ablehnen, weil es z.B. die Gefahr von anschließenden Embolien gibt. Beim Impfen kommt noch dazu, dass es eben nicht nur um uns selbst geht, die von einer individuellen Entscheidung gegen eine Impfung betroffen sein können, sondern auch um alle um uns herum, um ältere Menschen, um Kinder, um solche mit geschwächtem Immunsystem, um Schwangere. Das Wort "Verantwortung" spielt hier eine verdammt große Rolle und um ganz ehrlich zu sein, fehlt mir so ein bisschen das Verständnis für Einstellungen, die diesen Anspekt so vollkommen außen vor lassen (und hier fällt mir als sehr gutes Beispiel immer wieder die saisonal auftauchende echte Grippe ein).

Wir haben das ungeheure Glück in Zeiten zu leben, die die meisten hochgefährlichen Kinderkrankheiten nur noch als Randerscheinungen kennen. Wie Marianne schon das eine oder andere Mal erwähnt hat, verdanken wir diesen Umstand den Menschen, die Generationen vor uns eine Impfdisziplin an den Tag gelegt haben, die uns als deren ProfiteurInnen auch verdammt gut zu Gesicht stehen würde. Es macht mir fast schon Angst, wie inzwischen mit Ideologien gegen Vorgänge argumentiert wird, die derartig dem Allgemeinwohl dienen, wie es die Impfungen tun. Mein Hauptargument pro Impfung wäre daher nicht in erster Linie der individuelle Schutz der geimpften Individuen, sondern die Tatsache, dass nur flächendeckende Impfungen die hochgefährlichen (Kinder-)Krankheiten, die wir seit einigen Jahrzehnten im Griff zu haben scheinen, auch wirklich eindämmen. Ich sage wäre - denn angesichts der um sich greifenden Stimmung gegen Impfungen werden Krankheiten wie Masern, Polio, Röteln, Diphterie, Keuchhusten, Hib, Mumps oder Windpocken zurückkehren - und damit muss der Schutz der eigenen Gesundheit wieder vor den der Allgemeinheit treten. Ich habe meine Kleine nicht mehr in dem Bewusstsein impfen lassen, meinen Beitrag zur Eindammung der gefährlichen Kinderkrankheiten zu leisten, sondern mit dem eindeutigen Ziel, sie vor den bald wieder um sich greifenden Infektionen schützen zu wollen. Weil ich sie wieder schützen muss. Denn was ich ihr auf jeden Fall ersparen möchte, sind Masern oder Windpocken im Erwachsenenalter. 

Es ist tragisch, dass erst die in Zukunft zwangsläufig steigende Zahl von entsprechenden Infektionen und deren Konsequenzen die Menschen wieder dazu bringen werden, Impfungen als als das sinvolle und notwendige Mittel gegen diese Krankheiten zu sehen, das sie sind. Ist es tatsächlich so, dass der fehlende Leidensdruck zu viele Menschen vergessen lässt, was wir den flächendeckenden Impfungen verdanken?


Nun, noch leben wir unter der Haube der Glückseligkeit. Noch.
Lena schrieb dazu:

Wer es ablehnt seine Kinder impfen zu lassen und damit den möglichen Tod eines anderen Kindes billigend in Kauf nimmt... da hört die eigene Freiheit für mich auf! Kritisch sein: ja Hinterfragen: ja. Aber diese Verschwörungstheorien, dass tausende Kinderärzte mit der Pharmalobby verbandelt sind und sich nicht! kritisch mit dem Thema auseinandersetzen... da kommt mir die Galle hoch! Denn auf was für einem hohen Nivau diskutieren wir denn bitte hier in D? Wir haben im Vergleich zu anderen ein gutes Gesundheitssystem und werden steinalt. Hört man manchen Leuten zu, dann müssten wir ein sieches Volk mit einer Lebenserwartung von 35 J. sein. Reizthema!


Zu erwähnen ist: Beide sind Mütter, Lena kommt aus einem medizinischen Beruf. Es gibt natürlich auch die Gegenstimmen. Sie kommen in den unten gepsoteten Links zu Wort.

Links zum Thema:
Pro:
Lech
W.Maurer

leicht Pro, aber sehr ausführlich beide Seiten und deren Argumente beleuchtend:
Psirma

Contra:
Bärbel

Relativ Neutral:
3Sat, Bayern,



Es gibt keinen Impfzwang in Deutschland, aber es wird diskutiert, dass Kitas und Schulen nur noch Kinder mit dem Basisimpfschutz zulassen müssen. Ich bin gespannt.








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