Donnerstag, 31. Juli 2014

Insel der Glückseligkeit



Könnte es sein, wenn ich hier keinen Zugang zu den Medien hätte. Nun, wenn das Internet mal wieder zickt bin ich hier manchmal wirklich abgeschnitten. 825 m über Normalnull, auf dem Berg ganz oben, die Tannen im Rücken, das Tal zu Füssen, traumhafte Sonnenauf- und Untergänge, wenn der Berggipfel nicht wieder einmal in den Wolken steckt. Dann ist es irgendwie wie in einer Zwischenwelt, es regnet und gleichzeitig steckt man im tiefsten Nebel, weil man sich innerhalb der Wolke befindet.
Die Gänge zwischen den Wohngebäuden sind angefüllt mit Menschen, die von a nach b, c, d.... eilen, zusammen Tischtennis, Tischfußball oder Billard spielen. Aber nur zu bestimmten Zeiten. Nachts und während der Unterrichtszeiten liegen sie verschlafen und vereinsamt.
Aber wehe die Essenszeit nähert sich, dann poppt das Leben aus den Unterrichtsräumen, Lachen und Füssegetrappel erfüllt die Luft.
Das Internat hat seinen eigenen Lebensrhythmus.
Alles Liebe, Luft und Eierkuchen? Nein.
Wenn man es sich genauer betrachtet entdeckt man, dass auch hier in der Abgeschiedenheit der Alltag von draußen mit Gewalt einbricht, dass es eine zwei Klassen Gesellschaft gibt. Ungewollt von den *Insassen*, aber Realität.
Wir *Bundler* haben es verhältnismäßig gut:
Die Rentenkasse übernimmt A-L-L-E-S. Wir leben hier kostenlos, drei Mahlzeiten, essbar und teilweise echt lecker, bekommen alles gestellt, von medizinischer Versorgung, Physiotherapie, therapeutisches Sportangebot, ect..... 2 Heimfahrten im Monat werden bezahlt UND wir bekommen Übergangsgeld. Mit dem Übergangsgeld kann man jetzt nicht gerade große Sprünge machen, aber kommt zurecht.
Was unseren AGA-Leuten (Agentur für Arbeit) teilweise verwehrt wird. Zwar bekommen sie auch den ersten Teil und die Heimfahrten, aber teilweise wird ihnen sogar das Hartz IV verweigert. Oder sie werden aufgefordert ihre Wohnung aufzugeben und stellt das Wohngeld ein. Wohin diese Menschen in den Ferien sollen überlegen sich manche Bürokraten wohl nicht. Und wer es einmal erlebt hat wie schwer es ist eine Wohnung zu bekommen, auch ohne das man obdach- und arbeitslos ist, kann sich vorstellen was für Panikanfälle die Betroffenen manchmal bekommen. Es muss geklagt werden. Ich bekomme hier mit, das Bescheide teilweise immer erst einmal generell abgelehnt werden. Teilweise  muss geklagt werden. Allerdings unterstützen die Integration-Coaches uns alle super: Sie beraten, unterstützen, sind da, wenn man nicht weiter weiß. Wir gehören alle zum glücklichen Teil. Alle die hier sind.
Auch unsere Pendler, also Umschüler die nicht im Internat untergebracht sind, weil sie Familie haben oder ganz in der Nähe wohnen.
Wenn ich hier aus dem Fenster sehe und die  Morgensonne sich durch die Wolken kämpf, die Amsel im Garten verschlafen ihr Morgenlied übt scheint das alles nicht wirklich real zu sein. Die Rotschwänzchen spielen Fangen im Baumwipfel vor meinem Zimmerfenster. Es ist eine Oase des Friedens.
Die Welt muss draußen bleiben mit ihren schlimmen Nachrichten.
Manchmal möchte ich die Nachrichten nicht mehr hören.

Mittwoch, 30. Juli 2014

Augen auf beim Brillenkauf


Seufz. Da habe ich zwei wunderschöne neue Brillen, eine für draußen, wenn die Sonne scheint - also hier bei uns im dunklen Wald, ist es zur Zeit eher immer grau und regnerisch - und eine andere eben für diese drüben Tagen. Draußen: Alles paletti. Innen: Pustekuchen. Also die Tafel sehe ich. Die Ausbilder auch. Aber schon beim Bildschirm wird es kritisch. Aber den Text im Buch - nichts, nada, nüscht, Mist.
Ich brauche eine Gleitsicht-, bzw eine Arbeitsplatzbrille.
Nun, das hatte mir die nette Optikerin von Pro-Optik auch geraten, aber stur wie ich bin. Ich und Altersweitsichtig? Ich doch nicht!
Dann bekomme ich eben noch eine dritte Brille, für drinnen .... In den Ferien werde ich mich beraten lassen: Entweder kommt in das jetzige Gestell ein neues Glas, oder eine ganz neue Brille -----


Das ich bei Pro Optik gut beraten bin, weiß ich, für die anderen beiden Brillen habe ich zusammen 207€ bezahlt, unser *Berater* hat das Aussuchen zu einem Event werden lassen, ging auf die Vorgaben ein und lachte viel mit uns. Wartezeiten gab es nur vor dem Augentest, und beim Abholen, aber auch nur kurz.
Pro Optik Stuttgart? Daumen hoch.

Montag, 28. Juli 2014

Nachschlag

Am Samstag war der CSD in Stuttgart. Gestern morgen schrieb ich darüber. Gestern Abend chattete ich noch mich einer Freundin, die - wie ich - zusammen mit den Stadtisten beim Umzug dabei war. Wir fuhren noch ein Stück des Weges in der U-Bahn zusammen, saßen nebeneinander, müde, zufrieden, quatschten noch ein wenig, uns gegenüber zwei typische ältere Frauen, Typ *schwäbische Spinatwachteln*, was uns nicht störte, denn wir sind so was gewöhnt und die durchdringenden, moralisch empörten Blicke stören uns nicht.
Als es Zeit zum aussteigen war, stand ich auf, beugte mich runter zu meiner Freundin, küsste sie auf den Mund und sagte:
*Grüße deinen Mann von mir.*
Als ich die Bahn verlassen hatte sagte Spinatwachtel eins zu Spinatwachtel zwei:
*Däs häds früha bei uns neäd gäwa!*
Meine Freundin darauf: *Sind heute eben bessere Zeiten!* Und Ruhe war.

Diese kleine Anekdote zeigt sehr deutlich auf, dass es immer noch wichtig ist für die gleichberechtigte Lebensweise anderer einzutreten. Wir wissen nämlich nicht, wann es einen Grund geben. könnte uns zu mobben.

Think about it!


Sonntag, 27. Juli 2014

Unter dem Regenbogen


Der Stuttgarter Kessel machte gestern seinem Ruf als Dampfbad alle Ehre.. Es war schwül, drückend und es regnete immer wieder. Was aber der guten Laue der Teilnehmer des diesjährigen Christopher Street Day Parade keinen Abbruch tat.
Und wir mittendrin. Wer wir? 28 Stadtisten und Freunde, die unter dem Zeichen der Seepferdchens wie die anderen Teilnehmer der Parade für mehr Akzeptanz in Liebesdingen forderten.
Mag sein, dass viele der Zuschauer des Umzugs keine Ahnung haben/hatten was es mit dem CSD auf sich hat, dass sie sich nur an der Andersartigkeit der Teilnehmer ergötzen, aber immerhin gab es uns und den anderen die Möglichkeit Infos an den Mann und die Frau zu bringen.

"Der CSD erinnert an den ersten bekannt gewordenen Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New YorkerChristopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit homosexuellem Zielpublikum. Es kam in der Folge zu tagelangen Straßenschlachten zwischen Homosexuellen und der Polizei. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seitdem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten " Quelle Wikipedia

In Stuttgart gibt es wohl den einzigen CSD mit *Hocketse*, und auch wenn ich seit Jahren davon wusste so ging ich nie hin, weil es mir persönlich so was von schnurzegal ist, wer mit wem schläft, küsst oder sonstiges treibt. Aber nachdem dieses Jahr des öfteren schon Minderheiten in aller Öffentlichkeit geschmäht und diffamiert wurden wurde es Zeit Flagge zu zeigen. Mitten drin hörte ich jemand laut meinen Namen rufen und wild winkend auf mich zu rennen. Eine lang vermisste Freundin. Entlang des Weges winkten immer wieder Freunde und Bekannte aus den Reihen der Zuschauer, Küsschen wurden verteilt, ehemalige Nachbarn guckten ungläubig, aber freudig überrascht.



Ein paar seltsam ernste Personen standen am Rand und filmten, die wollten weder Süßes noch Infomaterial annehmen, waren sehr unfreundlich. Nun, wenigstens die Piusbrüder blieben uns erspart.

Bei aller Freude blieb mir eines die ganze Zeit bewusst: es ist immer an der Zeit für Akzeptanz und Toleranz einzustehen. Gerade heute, wo sich wieder Hass, Neid und Ablehnung breit machen. Aus vielerlei Gründen. Ob Unwissenheit, Angst oder einfach Verbohrtheit:
Sex ist Privatsache und wer mit wem wann und wie schläft (ab einem gewissen Alter und in gegenseitigen Einverständnis, das versteht sich von selbst!) geht uns andere nichts an auch den Staat nichts an.
Erst vor 20 Jahren wurde der berüchtigte §175 abgeschafft.

Aber in den Köpfen leben die Vorurteile weiter. Nichts dagegen zu tun und dann sagen: ich habe es nicht gewusst, gilt auch hier nicht.
Liebt euch! Egal in welcher Form, Hauptsache ihr liebt! Anders geht! 






Samstag, 26. Juli 2014

Im Paragrafendschungel


Man sagt ja: vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr. Wenn man im Wald steht sieht man nur noch Bäume. So ähnlich geht es uns - den Steuerfachangestellten-Azubis - mit den Gesetzbüchern. Ein Paragrafendschungel sondergleichen. Zwar werfen wir schon mit Begriffen wie Umsatz-, Gewerbe- und Einkommenssteuer um uns, natürliche und juristische Personen, Unternehmen, Betriebe und Betriebsstätte, aber nach und nach dämmerte es den meisten von uns: wer einen Begriff kennt, weiß noch lange nicht was dahinter stehen könnte.


Aber dazu haben wir ja unsere Ausbilder. Und unseren Steuerberater, der mit viel Witz, Verständnis, Wissen und Können uns Frischlingen die Begrifflichkeit vieler Wörter nahe bringt. Mehr oder weniger.
Und: Viele Dinge die ich über die Steuer, die Finanzbehörden und sonstiges gehört habe sind definitiv Stammtischgerede. Ja das Steuerrecht IST nicht einfach, ja es ist ein PARAGRAFEN-Dschungel, aber: das Steuerrecht war einmal nicht ganz so schlimm. Aber findige Steuerfüchse haben Schlupflöcher gefunden, die der Staat stopfen musste. Dann kam das europäische Recht dazu und die Klagen auf Gleichstellungen - den Salat dürfen wir kleinen Azubis jetzt ausbaden.
Aber: es macht Spaß! Je mehr ich die Zusammenhänge verstehe, desto mehr Hochachtung habe ich vor der Findigkeit der *Steuermacher* - auch wenn die AO ( intern nur *Ahhhhhhhhh verstanden! - Oooooooooooh doch nicht verstanden! genannt) =Abgaben Ordnung = die Mutter aller Steuergesetze = uns manchmal der Verzweiflung nahe bringt.
Wir haben Glück mit unseren Ausbildern, mit allen. Sie vermitteln uns auf sehr unterschiedliche Art das Wissen das wir benötigen. Wenn es uns zuviel wird haben wir die Möglichkeit im Wald - der direkt hinter unserem Internat beginnt - den Kopf frei zu bekommen. Was auch nach zehn Unterrichtseinheiten manchmal sehr sinnvoll ist. Und sehr schön.






Dienstag, 22. Juli 2014

Und es werde *Portugal*


Schon mehrmals habe ich über die umgesetzte Idee von Freunden geschrieben, portugiesische Kleinbauern zu unterstützen, die für ihre Früchte im eigenen Land keine fairen Preise erzielen können. Alles fing mit ein paar 10kg Kisten Orangen für Freunde an, noch mit einem Anhänger transportiert. Dann wurde der erste LKW geordert. Das Sortiment wurde erweitert und statt Orangen auszuliefern wurde zum Frühstück im Theaterhaus am Abholtag geladen.
Und die Menschen kamen.

Es wurde bald zu eng. Eine andere Lösung musste her.
Auf der einen Seite haben Matthias und Christine eine Onlinehandel aufgezogen. Und ab sofort kann man jeden Samstag von 10-13°° in ihrem Hofladen in Winnenden direkt die Bestände plündern.
Die Holzmöbel des kleinen Ladens sind in Portugal handgefertigt worden.


Im Laden kann man neben den altbekannten und bewährten Leckereien auch handgefertigte Taschen und Kissen erwerben, die Christine selbst genäht hat, oder die wirklich schönen Töpferwaren, die mit ihren eigenen Stil jedem Fest eine besondere Note geben. Ich habe mir eine kleines Schälchen mitgenommen.

Wenn ihr in der Nähe von Stuttgart wohnt:
Ab nach Winnenden, jedenfalls Samstags - hier gibt es auch noch Obst und Gemüse - wenn ihr Glück habt, ansonsten, hopp hopp in den Onlineshop.

POÍS hier kommt ihr direkt zur Webseite. Und zu allen Adressen.

Sonntag, 20. Juli 2014

Obstsalat - Sonntagsgedanken 29/2014

Manchmal hört man in Diskussionen: Du vergleichst Äpfel mit Birnen! Was damit gemeint ist ist offensichtlich: Zwar handelt es sich bei beiden um Obst, auch noch um Kernobst, aber es handelt sich eben nicht um die selbe Sorte.
Und genau das passiert sehr oft bei Diskussionen. Ähnliche Fakten werden miteinander vermischt und heraus kommt ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. Und in letzter Zeit passiert das sehr oft.
Vor allem sobald folgender Begriff fällt:
 Antisemitismus in Deutschland.
Was mich dann immer befremdet ist, dass sofort folgende Begriffe fallen: Israel, Nahostkonflikt, Gaza.
Auch passiert oft das Mitdiskutanten sofort, reflexartig, folgenden Satz einwerfen:
*Nicht jeder, der Israel kritisiert, ist Antisemit!*
Verwunderung macht sich da bei mir breit. Für mich ist das Judentum mehr oder weniger eine Religion wie jede andere auch. Mehr oder weniger, weil wohl keine Mitglieder einer anderen Religion so über Jahrtausende verfolgt wurden. Mehr, weil es Juden jeder Haut-, Haar- und Augenfarbe gibt. Es gibt orthodoxe, strenggläubige und *Konfessions* Juden.
Wenn Russland sich *daneben* benimmt heißt es ja auch nicht: Nur weil ich gegen die Politik Russlands bin heißt das noch lange nicht, dass ich etwas gegen orthodoxe Christen habe.
Also, warum fühlen sich manche bemüssigt , fast reflexartig, sofort zu betonen, dass sie keine Antisemiten sind? Oder das Kritik an Israel  nichts mit Antisemitismus zu tun hat?
Und hier sind wir wieder beim Obstsalat.
Der Stadt Israel ist der Apfel, seine Regierung ist die Birne und das Judentum an für sich entspricht Orangen. Ist nur ein Beispiel. Anscheinend setzen eben manche Israel mit dem Judentum gleich, jedenfalls im Kopf und haben eben den Salat .
Dazu kommt, dass vielen ein schlechtes Gewissen anerzogen wurde - aufgrund der deutschen Vergangenheit. Ich habe dieses schlechte Gewissen nicht - weder trage ich eine Mitschuld, noch eine Mitverantwortung für das Geschehen im letzten Jahrhundert. Deswegen kann ich auch frei diskutieren, ohne mich ständig angegriffen zu fühlen. Auch fühle ich mich auch von außen nicht in diese Rolle gedrängt.
Tiefes Seufzen.
Gerade gestern geschah es wieder: Aufgrund eines Artikels zu einer eindeutig antisemitischen Demonstration - eigentlich war eine Demonstration gegen die Bombardierung Gazas geplant - gab es eine heftige Diskussion. Im Verlauf deren ich dann als linksextrem bezeichnet wurde, weil ich mich gegen Rechtsextremismus wende und dagegen angehe. Das ? über meinem Kopf war nicht zu übersehen. Wie kam es? Die Mitdiskutantin hatte weder den Artikel gelesen, noch war sie bereit ihn zu lesen. Auch ein Videomitschnitt wurde missachtet. Und seit wann ist man linksextrem weil man auf eine klare Begriffsabklärung, saubere Trennung besteht UND gegen Antisemitismus ist?
Hm. Als ich anmerkte, dass man nicht mitdiskutieren solle, wenn man nicht wissen würde um was es eigentlich geht, wurde es hitzig. Es wurde überhaupt nicht mehr wirklich zugehört - sondern blind um sich geschlagen.
Ich fragte mich: Um was geht es hier eigentlich. Da schreien irgendwelche ewig Gestrigen auf einer Demo: *Judenschweine* und weil ich einen Artikel darüber ins Gespräch bringe wird mir an den Kopf geworfen, dass Israel Als Staat Verbrechen begeht und es kaum Antisemitismus in Deutschland gibt.
Da haben wir den Salat....


Grundlegendes für Diskussionen:
  • beim Thema bleiben
  • Themen sauber trennen
  • zuhören (oder lesen), nachdenken, dann argumentieren
  • Ironie und Sarkasmus draußen lassen
Dann klappt es auch mit einer sachlichen Diskussion.

Samstag, 19. Juli 2014

Das Moppel-Ich: gibt es das?

Keine Ahnung. Also, ob es ein Moppel-Ich gibt. Eine Schauspielerin hat da so ein Buch geschrieben. Jeder von uns weiß auch: abnehmen ist gar nicht so schwer, aber sehr wohl das Gewicht halten. Was macht es aber so schwer, das Gewicht zu halten?
Nun, es dauert einfach Gewohnheiten abzulegen und sich neue anzueignen. Ich habe es da gut, muss/darf ich doch gerade mein Leben komplett umstellen. Im Internat bekomme ich dreimal am Tag Mahlzeiten, zwar nicht serviert, aber praktisch und bequem in unserer Kantine. Ich esse nicht alleine. Es sind immer Menschen um mich. Es liegt an mir mir mehr Salat als Beilage zu nehmen, ect.
Mitte Juni schrieb ich über den Moppelclub und darüber wie ich an meine Speckseite ran gehe. Eigentlich darf ich 2000 Kk am Tag zu mir nehmen, wenn ich 10.000 Schritte laufe -  die Kalorienzahl mache ich gar nicht voll, sehr wohl aber die 10.000 Schritte.
Wie kommt's? Nun, ich esse so wie in der Reha: Dort hatte man mich gnadenlos auf 1500 kk gesetzt und ich wurde gut satt. Im Artikel über den Moppelclub stehen die *Rationen*.
Zwar esse ich ab und zu ein Eis (das gibt es manchmal als Nachtisch!), knabbere auch Chips und trinke ein Glas Wein, aber ich bewege mich ohne Ende. Und das macht Spaß. Gestern stand ich das erste mal seit Jahren wieder auf einem Volleyballplatz, auf einem Sandplatz. Zwar traf ich fast nie den Ball - ich rannte ihm eher hinterher - und war nach 30 min einfach schon nicht mehr fähig weiter zu machen, der Rücken fing an zu toben und mein Bein auch, aber die Sonne schien, der Schweiß lief und wir lachten die ganze Zeit. Und um das geht es. Spaß haben!
Und da liegt, glaube ich zumindest, das Problem bei den meisten *Moppeln*. Wo können wir uns denn frei bewegen, rumtrampeln wie kleine Elefantenbabys ohne angestarrt zu werden. Meinen Klassenkameraden ist es egal. Jeder von uns hat sein Päckchen zu tragen und manche Wunden sind nicht äußerlich.
Ob es Montags das Qi Gong ist, Tischtennis und Kegeln, Spazierengehen mit den anderen - wir bewegen uns auch tagsüber - die Entfernungen im Haus sind nicht von schlechten Eltern und sehr zentral sind die Tischtennisplatte und die Billardtische aufgebaut..
Wenn ich jetzt aufstehe, sich die Mittagspause nähert oder das Unterrichtsende schiebe ich richtig Kohldampf. Das Hungergefühl hatte ich sehr lange nicht mehr. Eben weil ich keinen Hunger hatte, aber immer irgendwie Gelüste, aß ich trotzdem. Es wird jeden Tag frisches Obst angeboten und wir können es uns mitnehmen., es wird immer genug zur Verfügung gestellt.
Ich habe mir zwei Jahre Zeit gegeben, wiege mich nur einmal die Woche und freue mich über jedes Gramm das mich verlässt.
Als ich mich heute gewogen habe fiel ich fast von der Waage, obwohl ich mich schon so *leicht* fühlte.
Es sind seit dem 12 Juni sage und schreibe  über 4 Kg abgenommen - ohne zu Hungern, ohne Verzicht.
Anders geht :) (Allerdings zeigt meine Waage auch bis zu drei Kg Unterschied an, je nachdem wo ich sie aufstelle, lach.)

Freitag, 18. Juli 2014

Tipp 10


Hola die Waldfee, was für ein Tipp-Spiel ist das denn? Ein ganz besonderes: Es kostet nichts, macht Spass und ich muss es *spielen*? Manche ahnen jetzt bestimmt schon, um was es geht:
Blind tippen = blind schreiben..... Am PC oder auch an der guten alten Schreibmaschine. Schon sinnvoll, wenn man einen kaufmännischen Beruf erlernt. Und wer mir mit: *Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nicht mehr*, kommt, dem werfe ich gerne einen Rechner an den Kopf. ES GEHT ALLES.
Natürlich kann ich schon blind auf der Tastatur rumhauen, und das Ergebnis gibt auch was her, nur kann dann keiner sagen, in was für einer Sprache ich geschrieben habe....
Wir haben keinen Schreibmaschinen Schreibunterricht, wir trainieren online, jeder für sich und immer wenn wir mal ne Pause oder eine Übungsstunde habe schreiben wir - nun ja, einige, nicht alle.


Ihr wollt es auch noch lernen, weil es euch nervt beim Chatten immer auf die Tastatur starren zu müssen?
Gebt einfach www.tipp10.de ein und legt los.

Ohne Witz jetzt: TIPP 10 ist ein kostenloses Schreiblernprogramm, das wirklich für jeden geeignet ist, man kann es sich runterladen oder online üben.

asdf jklö as das der ja jeder ..... ivh über schon wieder.... jädgakguriagjacvjlgkufiravjbcbjkyifobfby....





Mittwoch, 16. Juli 2014

Rauchende Colts....

gibt es hier zwar nicht, aber dafür rauchende Köpfe und qualmende Füße.
27 Menschen und ein Dozent (Dozenten sind auch Menschen, ich möchte nicht, dass es hier zu seltsamen Vermutungen kommt) bevölkern unseren Gruppenraum. Dazu noch 28 PCs. Das ist eine heiße Kombination. Das hatte ich in meinem letzten Artikel schon erwähnt - aber jetzt, da auch die Außentemperaturen steigen, steigt auch die Temperatur in unserem Gruppenraum. Dazu noch die § aus den verschiedenen Gesetzbüchern - und in fast jedem Fach wälzen wir die Schinken aus Papier, es werden eher mehr denn weniger. Ob Einkommenssteuergesetz, oder die allgemeine Abgabeverordnung, HGB, USTG, mfG, usw usf.... wer jetzt denkt, dass ich - Haare raufend - schreiend durch den Schwarzwald renne, der irrt sich. Ich habe heute morgen im Flur zwar kurz aufgeschrieen und fast einen Herzinfarkt auf der Treppe bekommen, aber der Grund war rein  natürlich....


Es macht tatsächlich Spaß. Vor allem wenn unser Steurberater - unser Chefausbilder - mit uns die Gesetze bespricht. Wer denkt, das Steuerleute trockene, humorlose Menschen sind, irrt sich gewaltig. Er hat zwar einen furztrockenen Humor, aber der haut manchmal Sprüche raus, dass wir lachend fast unter den Tische liegen. Was nicht bedeutet, dass er ein langsames Tempo vorlegt.
Es ist ein Vergnügen bei dem die Schulbank zu drücken. Aber warten wir hier einmal die erste Klausur ab.
Langsam dämmert mir, dass ich mich tatsächlich für den richtigen Beruf entschieden habe.
Die Gruppe findet sich auch langsam und auch wenn ich mich aus guten Grund auf Freitag freue - ja, auch meine Kater, aber meine Mitfahrgelegenheit fährt ein Sportcabrio von Mercedes, ich fühle mich dann immer so herrlich verrucht und dekadent - so fange ich an, mich hier immer wohler zu fühlen.
Auch wenn es für uns alle eine große Herausforderung ist, bleibt der Spaß nicht auf der Strecke und bei der Hitze, die wir durch das Denken entwickeln, wird es uns bestimmt auch nicht im Winter kalt.

Dienstag, 15. Juli 2014

*TSCHI ...* was?

Wer kennt es nicht. Den ganzen Tag im Büro oder sonstwo, Streßsituationen den ganzen Tag und abends raucht der Kopf, der Nacken ist verspannt und im Rücken tobt der Schmerz. Man will auf die Couch, in den Sessel oder gleich ins Bett. Am nächsten Tag ist es aber nicht besser.
Zwar sitze ich nicht in einem Büro, aber in einem Gruppenraum, zusammen mit 27 anderen und die PCs sind den ganzen Tag an, wir wälzen dicke Steuerschinken, Rechnungswesen und Office sind für viele von uns so neu wie für ein frisch geborenes Kind das selbstständige Atmen.
Zwar laufen einige abends eine Runde durch den Wald, aber das ist manchmal nicht genug zum Abschalten. Ausserdem möchte man nicht unbedingt mit den Leuten, mit denen man den ganzen Tag zusammen in einem Raum war auch noch den Abend verbringen - was nicht heisst, dass sie nicht alle herzallerliebst sind (mehr oder weniger), (eher mehr als weniger) - und sucht vielleicht etwas Abwechslung.
Wir sind hier auf der Spitze - der ziemlich flachen - Spitze des Hausberges. Also eigentlich ein Hügel. Für die Alpen bestimmt ein Hügelchen. Für uns ein Horroranstieg. Also abends runter ins Städtchen? Auch nicht, man muss ja wieder hoch.
Es gibt sie, die Rettung. Sie kommt in der Form von Andrea um die Ecke gehüpft, die vor Leben sprüht, das Lachen springt ihr aus jeder Pore und trotzdem strahlt sie eine ungewöhnliche Ruhe aus.
Sie ist unsere Qi Gong Lehrerin und widmet uns Montag Abend eine Stunde ihrer Zeit.
Das Verblüffende an der asiatischen *Sportart* ist, dass sie  keine ist. Alle Bewegungen werden sanft und langsam durchgeführt, es ist anders als Tai Chi, das einen fortlaufenden Bewegungsablauf folgt. Ein Bewegungselement wird ausgeführt, in verschiedenen Varianten.
Andrea macht eine  besondere Form des Qi Gongs mit uns. Wir verwenden einen bestimmten Stab, dder uns hilft beide Körperhälften parallel zu halten, bzw den Abstand zwischen den Armen gleich zu lassen. Alles blutige Anfänger versammelten wir uns um sie, neugierig und gespannt.
Schritt für Schritt lernten wir die ersten Grundübungen und schon bei den ersten Bewegungsabläufen fiel das Atmen leichter, die Müdigkeit verschwand uns machte einer schönen Entspannung Platz, obwohl wir ständig in Bewegung blieben, die Atmung passte sich irgendwie automatisch den Bewegungen an. Ich selbst bin nach den letzten anderthalb Jahren steif wie ein tiefgefrorener Fisch, aber selbst ich unbewegliches Ding fühlte wie sich die Muskeln entspannten, wie sich der Rücken straffte. Alle, ohne Ausnahme, standen nach der Stunde aufrechter da.Und geschlafen haben wir wie die Babies.

Sonntag, 13. Juli 2014

Schuld und Sühne - Sonntagsgedanken

Als erstes nehme ich meinen Heiligenschein ab und hänge ihn an den Kleiderhaken. Da darf er leuchten. Unbschwert kann ich danach meine Gedanken nachhängen - und gebe etwas nach, dass ich persönlich mein Widerspruchsgen nenne. Dieses wird immer aktiv, wenn sehr viele Menschen in eine Richtung rennen.
Je länger ich in Facebook rumgeistere, die letzte Zeit wird es aus guten und erfreulichen Gründen weniger (ich kann nicht behaupten, dass das schlecht ist), desto mehr stösst mir etwas auf:
Es müssen *Schuldige* her und diese werden ohne Gnade durch das Netz gejagt und angeprangert, es wird nicht mehr differenziert, aber es wird relativiert, wenn es einen passt. Manchmal frage ich mich, ob wir wieder im Mittelalter angelangt sind. Man erliegt diesem Mechanismus schnell. Ich bin da nicht ganz frei von - wer ist das schon? -  deswegen habe ich aber ja auch meinen Heiligenschein abgenommen.
Nur: Irgenndwann sollte man vielleicht einmal die Scheuklappen abnehmen und die ganzen Informationen die im Netz herumschwirren auch hinterfragen. Viele behaupten, ass die Mainstreammedien bewusst Informaionen filtern, um uns *hinter's Licht zu führen*, glauben, dass die Nachrichten manipuliert werden, um uns zu manipulieren. Und dann glaubt man alles unbesehen, was im Netz auftaucht? Weil es in unser Weltbild passt?
MUSS man sich auf sich denn auf eine Seite schlagen? Muss man Partei ergreifen? Pro oder Contra sein?
Machmal muss man das bestimmt. Oder sollte es. Und manchmal sollte man es lassen. Jüngstes Beispiel:
Der Ukrainekonflikt. Es war, als würde der Konflikt ausserhalb seiner Grenzen virtuell weiter ausgetragen. Selbst die Nachrichten waren parteiisch. (Wann waren sie das nicht?) Nur wenige sagten, das sie die Lage nicht überschauen könnten, um sich ein endgültiges Urteil zu leisten.

Seit Tagen schwirren jetzt wüste Karikaturen über Israel/Gaza durch das Netz, grausame Bilde über trauernde Erwachsene mit toten Kindern in den Armen. (Bei manchen war schnell nachgewiesen, dass es Bilder aus Syrien waren. Was den Bildern nicht den Schrecken nimmt.) Anwürfe und Schuldsprüche wurden laut.
Der Schuldige war sehr schnell ausgemacht.
Mir graut. Weder kann ich auch nur ansatzweise das Leid auf einer der beiden Seiten nachvollziehen oder mir auch nur vorstellen, noch kann ich die Existenzangst begreifen. Ich kann es nicht.
Terror macht Angst. Krieg macht Angst. Beides schürrt Hass. Und es ist sehr menschlich, dass man einen Schuldigen sucht und findet. Es ist so natürlich.
Und doch: Können wir auch nur im Ansatz nachempfinden wie es ist, dass man einem Volk angehört, dem seit mehr als 2000 Jahren das Existenzrecht abgesprochen wird? Einmal als Glaubensgemeinschaft, einmal als Volk? Und das jetzt mit allen Mitteln seine Heimat verteidigt?
Und auf der Gegenseite ein staatenloses Volk, dass weder von der UN anerkannt wird, da es in einem Landstrich lebt, noch nach den UN Kriterien einen Staat hat? Wie fühlt sich das an? Auf der einen Seite eine hochgerüstete Armee, auf der anderen Seite *Terroristen*.
Die einen bomben, die anderen schicken Kurzstreckenraketen.
Das ist Krieg.
Statt zu urteilen, statt sich auf eine Seite zu schlagen, sollte man was tun?
Ich weiß es nicht. Es gibt auf beiden Seiten Menschen, die für die Aussöhnung eintreten.
Ich wünsche es mir, dass sie Unterstützung bekommen. Ohne Schuldzuweisungen.






Donnerstag, 10. Juli 2014

Erfolgsgeschichten



Kann man Erfolg klar definieren? Was ist Erfolg? Gibt es eine Maßeinheit dafür? Wer bestimmt denn überhaupt was Erfolg ist?
Fragen über Fragen und keine wirkliche Antworten. Denkt man. Dann macht man einen Workshop mit und ist zwar in manchen Bereichen schlauer, aber in anderen nicht.
Aber es kann einem bewusst werden, dass Erfolg eine sehr individuelle Geschichte ist und dass man Erfolg nicht wirklich messen kann. Denn jeder misst Erfolg anders.

Für manche Menschen bedeutet erfolgreich sein folgendes:
Mein Haus.
Mein Auto.
Meine Yacht.
Mein Pferd.
Usw usf.....
Für andere ist es schon ein erfolgreicher Tag, wenn sie morgens aus dem Bett kommen.
Nun, man kann lernen, erfolgreich im Sinne der Gesellschaft, zu agieren. Wie man das macht haben wir - einige meiner Mitumschüler und ich - heute erfahren, bzw einen kleinen Vorgeschmack darauf bekommen, was es bedeutet das Fach EFT zu haben.

Wir definierten es zum Schluss so: Wer glücklich und zufrieden ist, ist für sich selbst erfolgreich.

*Erfolgstraining*
*Wo's'n dös?*, höre ich schon einige fragen. Eine ganz klare Antwort kann ich auch noch nicht geben, aber wir werden gecoacht - und zwar in allen Bereichen, die für ein erfolgreiches Ankommen im Job notwendig sind.
Die sogenannten *Kernkompetenzen* habe ich schon bei meinem Unterricht zum Ausbilderschein kennenlernen dürfen, neben den fachlichen sind es unter anderen die sozialen.
Aber unser Training geht weit darüber hinaus:
  • Rethorik
  • Körpersprache
  • Gruppenarbeiten
  • Workshops
  • Präsentationstraining
Selten so viel gelacht wie heute, den ganzen Tag über. Und mich bewegt. Und bewegen lassen. Man wirbelte die Neuzugänge aus vier Fachbereichen durcheinander, die Elektroniker, Informatiker, Kauf- und Steuerleute. Vor allem bei den Rollenspielen kam es aufgrund der verschiedenen Sprachen zu den lustigsten Situationen.
Spielerisch wurde ausgekundschaftet wer was kann, wer gefördert und wer gefordert werden kann und sollte.
Hier ist nichts starr. Noch nicht einmal der Wochenplan.
Ich fange an mich wohl zu fühlen.
Was für ein cooler, erfolgreicher Tag.

Mittwoch, 9. Juli 2014

Steuer???? Steuer!!!

Als ich vor einem halben Jahr die Bombe platzen ließ, dass ich mich zur Steuerfachfrau umschulen, bzw ausbilden lassen würde - auch noch im tiefsten Provinzschwarzwald - , kam bei manchen genau diese Reaktion:
*Spinnst du? Steuer??*, andere regierten wie folgt *Du weißt aber schon, wem du in Zukunft die Steuer machst?*. Ich lachte über beide Reaktionen.

Klar, wenn man Steuer hört, denkt man erst einmal an furztrockene Gesetzestexte, Buchungen und Konten. Eines kann ich euch sagen: Die Steuersprache, die Gesetzesprache an sich ist eine Fremdsprache. Der Horror, wenn man dann auch noch so einen Dozenten bzw Ausbilder hat, so furztrocken. Sind aber unsere nicht. Was man aber alles erfährt weckt die Neugier auf mehr.

Woher das Wort Steuer kommt, ist an für sich schon interessant:

Steuer
Geldabgabe
♦ 
das Wort leitet sich in beiden Bedeutungen aus 
mhd.
 stiure, 
ahd.
 stiura „Stütze, Unterstützung“, später auch: „Steuerruder“ her; etwa im 17. Jh. zweigte sich (zuerst im
Norddt.
) die Bedeutung „Steuerruder, Schiffsheck“ als Neutrum aus dem zuvor nur femininen Substantiv ab

Quelle: Wissen.de

Wenn ich die Befürchtung hatte, den falschen Beruf gewählt zu haben, dann weiß ich jetzt, dass es die richtige Entscheidung war. Auch wenn sich der Schwarzwald gerade von seiner garstigsten Sommerseite zeigt. Es ist kalt, windig, nass, mit einem Wort: BÄÄÄÄH.
Aber in den Gruppenräumen ist es hell, warm und kein Lüftchen weht. Allerdings kam es heute zu Zickereien, aber auch das legte sich schnell.

Die nächsten Wochen werdet ihr einiges über das Internatsleben und auch über Steuer von mir zu lesen zu bekommen. Aber keine Angst: so aufbereitet, dass es euch Spaß machen wird.


Sonntag, 6. Juli 2014

Schreiben - eine Lanze wird gebrochen (Sonntagsgedanken)

Die Rechtschreibung lernt man in der Schule. Mehr oder weniger. Grammatik auch. Dafür gilt auch das Schulgebot. Was in manchen Umfeldern allerdings nicht ankommt. (Schakeline, tust du dem Papa mal ein Bier holen?).
Wenn man die Rechtschreibung und die Grammatik beherrscht, bedeutet dies noch nicht, dass man wirklich schreiben kann. Also so wie ein Schriftsteller. Aber auch nicht jeder Schriftsteller ist zu diesem Beruf berufen. Nur merken es manche nicht. Ich spreche nicht von Sachbüchern, wobei....

Hä?
Man kann schreiben und doch nicht? Was ich meine ist ganz einfach:
Viele können fehlerfrei ganze Sätze und Romane Schriftstücke zu Papier kommen, deren Konsum keine Freude mit sich bringt. Dem Leser. Die Verfasser sind meist sehr zufrieden mit ihrem Traktat und verstehen meist nicht, wenn sich keine geneigte Leserschaft findet. Natürlich können diese Menschen die Rechtschreibung, 
Aber ich rede vom Schreiben als Erzählen.
Und nicht jeder Erzähler bringt die Sätze rechtschreibfehlerfrei zu Papier oder ins Netz.
Manche Leser bemerken es nicht, andere bemerken es und schweigen und die dritte Gruppe informiert den Schreiber.
Ich gehöre zu keiner dieser Gruppe, aber ich gehöre zu den Erzählern. Den Erzählern die schreiben können - mit gewissen Abstrichen.
Da sind die Flüchtigkeitsfehler, statt denn den oder umgekehrt. Dann die Tastatur, die durch Krümmel in den Ritzen manchmal sehr hängt, und da ist die Rechtschreibschwäche, die ab und zu aus dem Dunkel gnadenlos zuschlägt.

Mann bzw Frau lernt sehr schnell damit umzugehen. In der Schule rettete mich meine schöne, aber verdammt unleserliche Handschrift -  bis zu dem Tag in der elften Klasse, an dem mich meine Deutschlehrerin ins Sekretariat schickte, damit ich einen Aufsatz auf der Schreibmaschine der wenig erpichten, aber streng bebrillten Schreibkraft, abtippte. Ich bekam Punktabzug für die Rechtschreibung....

Für Schriftsteller gibt es Lektoren. Das sind die Menschen, welche die Rechtschreibung aus dem FF beherrschen. Was aber nicht heisst, dass sie im Allgemein lesenswerte Wortergüsse von sich geben. Manche schon. Aber viele nicht. Lektoren sind für mich Schriftsteller, die ein kleines Beamtengen irgendwo in ihrer Seele haben. Manche haben auch das große Gen....

Ich habe das Gen leider nicht. Ich gehöre zu der Gruppe Menschen, die die Schriftsprache nutzen, aber eben nicht immer richtig. Was mir ehrlich gesagt ziemlich Pustekuchen ist, solange es sich nicht um amtliche Schriftstücke handelt.
Übt Nachsicht, wenn ihr Blogs lest. Die meisten haben keinen Lektor. Und so lange ihr den Sinn versteht, der Artikel flüssig geschrieben ist, was ist da schon dabei, wenn mal ein ß statt einem Doppel-S genutzt wird?
Keep calm and keep on reading.

Samstag, 5. Juli 2014

Reise, Reise....

Ich liebe Bahnhöfe. Besser gesagt: Ich mag ihre Atmosphäre. Auch wenn sie gerade meinen Heimatbahnhof ausweiden wie einen gestrandeten Wal und die entglaste Dachkonstruktion wie die abgenagten Rippen eines urzeitlichen Techniktieres in den Himmel ragen. Zwischen Dreck, Bretterzäunen und Absperrungen pulst das Leben.
Wenn ich reise, dann mit viel Zeit im Gepäck. Einen Hetzer kann man mich nicht nennen, wenn ich eine Reisetasche in die Hand nehme, verändert sich mein Wesen. Alle Antennen werden auf Empfang gestellt, Haut und Membranen sind durchlässig für jeden Windhauch, die Nase schnuffert schon erwartungsvoll und die Brillengläser sind geputzt....
Den Zeitpuffer habe ich mir angewöhnt - leidvolle Erfahrungen mit dem Anbieter *Bahn*.
Sobald ich einen Bahnhof betrete beziehe ich einen günstige Position und beobachte das bunte Treiben - picke mir den einen oder die andere heraus und sinniere über das Auftreten der Person, versuche den Gesichtsausdruck zu entschlüsseln.
Früh morgens spucken die angekommenen Züge unendliche Mengen an Menschen aus, die durch die geöffneten Türen auf die Bahnsteige quellen. Getrieben, wie durch nicht sichtbare Peitschen und Antreiber. Die meisten strahlen eine derartige Unfreude aus, dass es dem Beobachter fast weh tut. Die meisten Gesichter sind zu ernsten Masken erstarrt, volle Konzentration auf den Weg, es wird gehastet, geschoben und gedrängt - ohne sich dabei auch irgendwie zu berühren - das Ziel, was immer es ist, scheint nicht erstrebenswert zu sein und doch zieht es sie alle dorthin.
Ab und zu taucht ein heller Blick in der Menge auf oder ein entspanntes Gesicht. Aber das sind Ausnahmen.
Miesepetrig, mit ernsten, trotzigen oder müden Schritten, überbrücken die Pendler die Distanz zwischen den Fernzügen und den S-Bahnen, um in deren Türen so schnell zu verschwinden wie sie aus den Wagons der Züge aufgetaucht sind.
Private Fernreisende sind, anders als die Pendler, meist aufgeregter, meist freudig. Geschäftsreisende strahlen eine gewisse distanzierte Routine aus, entspannt oder zumindest den Eindruck erweckend alles im Griff zu haben. Es ist schon erwähnenswert, dass die Reisenden sich anscheinend ihrem Transportmittel entsprechend verhalten - S-Bahn, Interregio oder ICE.
Als würden diese auf sie abfärben -  aber die Ausnahmen bestätigen die Regel.
Es ist kurz vor sieben Uhr morgens, der Morgen ist kühl und die Tauben torkeln schlaftrunken an meinen Füßen vorbei, ab und zu einen hoffnungsvollen Blick auf meine Brezeltüte werfend. Ich mag sie nicht enttäuschen und gebe ihnen von meinem Frühstück ab.
Jaja, ich weiß: geflügelte Ratten. Aber ich sehe auch verkrüppelte Füße und habe Mitleid.
Mitten in der Menschenmenge scheine ich unsichtbar zu sein und geniesse meinen anonymen Beobachterposten. Nur ab und zu bleibt ein mich streifender Blick auch hängen, man hat Augenkontakt und wenn er den Bruchteil einer Sekunde übersteigt, scheint es als würde ein gegenseitiges Erkennen aufflammen. Eine kleine Geste, eine minimale Veränderung der Mimik sagt: Ich sehe dich. Manchmal entsteht spontan ein Lächeln. Sehr selten. Sehr kostbar. Zwei Fremde begegnen sich nonverbal und das Universum atmet einen Moment lang entspannter.

Auch ich muss irgendwann in diesen Irsinn eintauchen, um von meinem Beobachterposten zu meinem Transportmittel zu kommen. Ich lasse mir Zeit und die Masse umfliesst mich wie ein Schwarm Fische, teilt sich vor mir, um hinter mir wieder die Reihen zu schliessen, bis auch ich in dem Bauch eines der stählernen Ungetüme verschwinde, als wäre ich nie da gewesen.



Mittwoch, 2. Juli 2014

Anders wohnen - das Möbelkarrussel

Wer kennt das nicht: die Kioske sind voll von Lifestylemagazine, Wohn- und Dekoheften, im Briefkasten stapeln sich die Prospekte von Möbelhäusern. Der Werbeslogan: *Wohnst du noch oder lebst du schon* eroberte die Konsumentenwelt. All das weckt bei vielen Bergehrlichkeiten, oder zumindest den Eindruck: Du lebst nur, wenn du mit deiner Wohnungseinrichtung auf dem neusten Stand bist, was so viel heisst, dass man alle paar Jahre seine gesamte Wohnungseinrichtung rundherum erneuern sollte.
Als *Nachhaltigkeits*-Fan kotzt erschreckt mich so etwas. Nicht das es die Hefte gibt, ich schmökere selbst gerne darin, aber das was sie nach sich ziehen.
Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft.
Ich sehe ja die Sperrmüllberge. Die Zeiten der Schatzsuche in diesen Bergen ist allerdings vorbei. Wer clever ist verkauft Omas Küchenschrank. Stuttgart holt den Sperrmüll nur noch auf Bestellung ab, aber das war einmal anders. Zweimal im Jahr türmte sich der Wohlstandsmüll vor den Häusern, Viertel um Viertel. Wir folgten dem Sperrmüll wie die Zugvögel und gruben nach Schätzen. Freunde von mir wohnten jahrelang in *recycelten* Möbeln, teilweise war das Geschirr ein Sammelsurium aus verschiedensten Epochen. Ich habe noch Körbe aus der Zeit.
Wenn einem etwas nicht mehr gefiel, oder der Platz eng wurde, stellte man eben alles wieder auf die Strasse, beim nächsten Sperrmüll.
Aber das war einmal.
Die einen finden es *bäh* etwas von der Strasse mitzunehmen, die anderen sind zu stolz oder zu hipp.
Aber es gibt noch die Möglichkeit seine Wohnung anders einzurichten. Verschiedene Foren im Internet, Flohmärkte für Kleinteile oder Gebrauchtmärkte.
In einem solchen Forum sprang mich das Foto von zwei Retrostühlen an, der Preis war ok und da ich seit Jahren auf Klappstühlen (die Art Biergarten, auch eine Sperrmüllbeute) sitze weckte sie mein Bedürfnis mich bequem hinsetzen zu können. Und sie waren so herrlich retro. erinnerten mich irgendwie auch an meine Kindheit. Also kurze Nachricht, ich erhielt den Zuschlag, sogar mit Bringservice. Und so zogen zwei zwei Stühle von Göppingen nach Stuttgart, im Schlepptau eines Umzugs.
Kaum waren sie an Bord schon besetzte mein Kater Grey den einen Stuhl und seitdem thront er bei jeder Gelegenheit darauf. Er schläft sogar darauf und fühlt sich sichtlich wohl.


Er befindet sich in guter Gesellschaft: Meine Ledercouch, Expedit-, Billy- und Lackregale (die Billyregale haben jetzt über 20 Jahre auf dem Buckel), mein Bettgestell (Massivholz!), mein Schreibtisch, selbst mein Computer sind *Second Hand*, teilweise von Freunden geerbt, abgekauft, aus dem Dekoverkauf meines ehemaligen Arbeitgebers oder über den Fairhandel aus Internetforen.
Noch ein Vorteil, neben preiswert und nachhaltig: man lebt sehr individuell.


Wegweiser Facebook:
Fairteiler (gibt es für alle möglichen Städte)
Stuttgarter helfen Stuttgarter
Sperrmüllmelder Stuttgart

Wegweiser Internet:
Kleiderkreisel
Gebrauchtmöbel in Stuttgart



Dienstag, 1. Juli 2014

Einschnitt


Ja, wenn es schneien würde, hier, dann wäre es ein Einschnitt, der mal eine bundesweite Meldung wert wäre. Aber ganz so einscheidend was mir geschieht - für andere - mag es nicht sein, für mich schon.
Auch wenn mir immer wieder gesagt wird, dass ich nicht so alt aussehe wie ich bin (die haben mich noch nie am Morgen nach einer Feier gesehen), so nähere ich mich sehr schnell einer bestimmte Marke, die die meisten fürchten.
Viele leben in diesem Abschnitt des Daseins ein beschaulicheres Leben, in ruhigen Bahnen und auf gewohnten Wegen.
Das endete bei mir schon Ende 2012, und auch wenn ich da schon ahnte, dass mein Leben auf den Kopf gestellt werden würde, so hat es anderthalb Jahre gedauert, bis die Achterbahnfahrt der Unsicherheiten beendet sein würde.
Zwar fahre ich jetzt in ruhigeren Gewässern, aber Stromschnellen wird es noch geben.

Die Lehre die ich aus dem, was mir geschehen ist, gezogen habe, ist mehr auf meinen Bauch zu hören. Vielleicht wäre mir einiges erspart geblieben. Aber wer weiß? Ich bin froh, dass es so gelaufen ist.
Ab Donnerstag wird sich mein Leben drastisch ändern. Das zweite mal innerhalb zweier Jahre. Nach anderthalb Jahren Auszeit heisst es jetzt zurück ins Leben. Schulbank drücken, ein neues Umfeld, jedenfalls unter der Woche, Zweitwohnsitz.

Oktober 2012  letztendlich Krankschreibung wegen massiver Rückenproblem
November 2012 Rücken OP
Januar 2013 1. Knie/Bein OP
Februar 2013 2. Knie/Bein OP
April 2013 3. Knie/Bein OP
Juli 2013 Reha
Danach stand fest, dass ich wohl so schnell nicht mehr als Dekorateurin arbeiten würde und die Zukunft lag plötzlich noch mehr im Ungewissen. Der Begriff Zwangsberentung schwirrte durch die Luft, neue Fragen tauchten auf. Wie würde es weitergehen?
Ball flach halten, versuchen gesund zu werden, nach vorne gucken. Leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn man ständig Schmerzen hat.

Die Erlösung kam durch die Rentenversicherung, die anders als die Agentur für Arbeit, felsenfest davon überzeugt war, dass ich arbeitsfähig sei, aber eben nicht mehr als Dekorateurin. Wer je in eine solche Situation kommen sollte: Ihr braucht Geduld. Und Sitzfleisch. Zwischen den Bescheiden und Terminen liegen oft sechs-acht Wochen.
Den Bescheid, dass ich an einer *Maßnahme zur Wiederteilhabe am Arbeitsleben* teilnehmen würde, kam im September 2012, den Antrag hatte ich Ende Juli gestellt. Den persönlichen Termin hatte ich im Oktober. Das Assessmentcenter fand im Novemder statt, der Folgetermin im Januar 2014, die Zusage im Februar 2014 (!) für Juli 2014.

Zum 31.5.2014 kündigte ich mein noch bestehendes Arbeitsverhältnis - ohne Sperre, da krankheitssbedingt - die letzten zwei Monate musste ich mit Arbeitslosengeld überbrücken, da das Krankengeld nach 72 Wochen eingestellt wurde. Auch wenn meine letzte Bein OP im Mai über die Bühne ging.
Die Schmerzen im Bein sind fast verschwunden, ich kann fast beschwerdefrei laufen, aber der Rücken will nicht so wie ich.
Jetzt am Donnerstag geht es endlich los. Nach anderthalb Jahren *Nichtstun*, wenn man das so nennen kann.
Schüler in einem Internat. Zwei Jahre lang. Und danach ein neuer Start ins Berufsleben.
Es bleibt spannend.

Mein Dank gilt meiner koreanischen Hausärztin, der Sozialarbeiterin in der Rehaeinrichtung, der dortigen Rentenversicherungsangestellten und meinem Rentenberater hier in Stuttgart. Und natürlich den Freunden, die mir den Rücken gestärkt haben.